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Purpura Schönlein-Henoch

Die Purpura Schönlein-Henoch ist eine Entzündung der kleinen Blutgefäße, die bevorzugt Haut, Gelenke, Darm und Nieren betrifft. Sie tritt am häufigsten im Vorschul- und Schulalter nach einem vorausgehenden Atemwegsinfekt oder anderen Auslösern (z. B. Medikamenten) auf, beginnt akut und verläuft häufig in Form mehrerer Schübe. In der großen Mehrzahl der Fälle heilt die Erkrankung folgenlos aus.

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Was ist Purpura Schönlein-Henoch?

Es handelt sich um eine Krankheit in Kindesalter, die durch eine Entzündung der kleinen Blutgefäße (Vaskulitis) hervorgerufen wird. Sie kann Haut, Darm, Nieren und Gelenke betreffen. Meist geht der Erkrankung eine Atemwegsinfekt voraus. Die typischen Symptome sind Hautausschlag, Bauch- und Gelenkschmerzen. Die Beschwerden können schleichend oder plötzlich auftreten. Es gibt keinen sicheren Test zum Nachweis der Krankheit, aber bestimmte Antikörper sind bei 50 % der Betroffenen erhöht. Die Erkrankung klingt in der Regel innerhalb von 4 Wochen ohne gesundheitliche Spätfolgen ab.

Definition

  • Purpura Schönlein-Henoch ist die häufigste entzündliche Gefäßerkrankung bei Klein- und Schulkindern.
  • Die Erkrankung betrifft immer die Haut. Darm, Niere und Gelenke können ebenso betroffen sein.

Symptome

  • Häufig geht ein Atemwegsinfekt voraus.
  • Der Hautauschlag ist feinfleckig und leicht erhaben tastbar. Typischerweise beginnend an den Unterschenkeln mit Ausbreitung bis zum Gesäß. Arme und andere Körperregionen sind seltener betroffen.
  • Gelenkschmerzen und Gelenkschwellung
    • meist Sprung- und Kniegelenke
    • Die Symptome sind vorübergehend und hinterlassen keine Gelenkverformung.
  • Bauchschmerzen
  • Bei Nierenbeteiligung: Blut im Urin, Schwellungen an den Beinen, Bluthochdruck
  • Seltener: Schmerzen und Schwellungen im Hodensack, Krämpfe, Zeichen einer Lungenentzündung

Ursachen

  • Die Krankheit hat keine eindeutige Ursache, tritt aber nach bakteriellen und viralen Infektionen (z. B. Rachenentzündungen), Insektenstichen, Allergien und Kälteexposition sowie der Einnahme verschiedener Medikamente, darunter Antibiotika, auf.
  • Antikörper des Typs IgA spielen ebenfalls eine Rolle.
    • Die Erkrankung wird auch IGA-Vaskulitis genannt.
  • Die Entzündungsreaktion in den kleinen Blutgefäßen führt zu einer erhöhten Abgabe von Flüssigkeit und Blutungen der Blutgefäße, was zu Symptomen in verschiedenen Organen führt.

Häufigkeit

  • Die Krankheit tritt hauptsächlich in der Kindheit auf.
    • Am häufigsten sind Kinder zwischen 5 und 15 Jahren betroffen
    • Bei Säuglingen und Kindern unter 2 Jahren verläuft die Erkrankung meist leichter.
  • Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen.
  • Das Vorkommen ist im Winterhalbjahr häufiger und tritt meist nach einer Atemwegsinfektion auf.
  • Es kommt zu 10-22 Neuerkrankungen pro 100.000 Einw. pro Jahr.

Untersuchungen

  • Körperliche Untersuchung
    • Haut
    • Gelenke
    • Bauch
    • Hoden
  • Blutdruck
  • Urin
    • Urinteststreifen
    • Ggf. wird die Urinmenge über 24 Stunden gemessen, um die Nierenfunktion zu beurteilen.
  • Blut
    • Hämoglobin, Blutplättchen, Infektionsparameter, Kreatinin, Elektrolyte
    • ggf. Gerinnungsfaktoren
  • Ggf. Ultraschall vom Bauch
  • Seltenere Untersuchungen bei Spezialist*innen bzw. im Krankenhaus
    • Gewebeprobe der Haut (Biopsie), wenn die Diagnose unklar ist.
    • Endoskopie oder Angiografie bei Blutungen im Magen-Darm-Trakt
    • Urinuntersuchung unter dem Mikroskop
    • Gewebeprobe der Niere (Biopsie)

Behandlung

  • Die Krankheit heilt meist innerhalb von 4 Wochen von selbst aus und erfordert keine Behandlung außer einer körperlichen Schonung.
  • Schmerzstillende Medikamente bei Bedarf, z. B. Paracetamol
  • Bei schweren Fällen werden Kortikosteroide eingesetzt. Bei rasch fortschreitender Nierenbeteiligung können auch andere Medikamente oder ein Plasmaaustausch indiziert sein.

Was können Sie selbst tun?

  • Vermeiden Sie körperliche Anstrengung.
  • Bleiben Sie auch tagsüber im Bett und schonen Sie sich.
  • Nach Genesung können erkrankte Kinder wieder zur Schule gehen und an sportlichen Aktivitäten wie Schulsport teilnehmen. Kinder hören bei auftretenden Gelenkschmerzen in der Regel von selbst mit dem Sport auf.
  • Gelenkbelastungen sind bei Gelenkentzündungen zwar schädlich, aber man geht davon aus, dass die entstehenden Schäden geringer sind, als die psychische Belastung, die sich durch Ausschluss von sportlichen Aktivitäten mit Freund*innen ergibt.

Vorbeugung

  • Nach Erkrankung sind regelmäßige Kontrollen des Urins und des Blutdrucks empfohlen, um eine Nierenbeteiligung auszuschließen.

Prognose

  • Im Großen und Ganzen hat die Erkrankung eine gute Prognose. Bei den meisten Patient*innen ist der Krankheitsverlauf gutartig und dauert nur kurz an.
  • Ein Drittel der Betroffenen erkrankt erneut innerhalb von 6 Monaten. Am häufigsten sind die Menschen betroffen, deren Nieren beteiligt waren.
  • Nach schwerer Nierenbeteiligung, langwieriger Erkrankung oder mehreren Krankheitsausbrüchen kann es zu einer andauernden chronischen Nierenbeteiligung kommen (bei 5 %).

Weitere Informationen

Illustrationen

Autorin

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin