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Einwärtsgang und Auswärtsgang

Einwärtsgang: Füße und Zehen zeigen nach innen bzw. zueinander. Auswärtsgang: Füße und Zehen zeigen nach außen bzw. auseinander.

Zuletzt überarbeitet:



Was sind Einwärtsgang und Auswärtsgang?

Häufigkeit

  • Beide Formen treten im Säuglings- und Kleinkindalter häufig auf.
  • Einige Kinder drehen die Füße beim Laufenlernen stark nach außen (Charlie-Chaplin-Gang).
  • Im zweiten Lebensjahr kann der Charlie-Chaplin-Gang aufgrund von Veränderungen in der Hüfte durch den Einwärtsgang abgelöst werden.
  • Im Wachstumsalter zeigen 13 % der Kinder einen Einwärtsgang, der sich jedoch bei mehr als 80 % bis zum 13. oder 14. Lebensjahr normalisiert.

Hinweise zu Fußfehlstellungen bei Kleinkindern

  • Sowohl nach innen als auch nach außen gedrehte Füße sind in der Regel ein normales Phänomen. Bei den meisten Menschen bildet sich die Fehlstellung bis zum Ende des Wachstums wieder zurück. Eine operative Korrektur der Fehlstellung ist meist nicht notwendig.
  • Nach innen gedrehte Füße sind im Kleinkindalter nicht ungewöhnlich, da der Oberschenkelhals im Verhältnis zum Oberschenkel nach vorne zeigt (größerer Antetorsionswinkel). Die Fehlstellung normalisiert sich in der Regel bis zum Alter von 13–14 Jahren.

Was können die Ursachen sein?

Häufige Ursachen, die nicht behandelt werden müssen

Einwärtsgang

  • Veränderungen in Oberschenkel und Hüfte
    • Beim Einwärtsgang bei Kindern ist meist der Oberschenkelhals im Vergleich zum Oberschenkel stärker nach vorne gedreht als bei Erwachsenen; es handelt sich damit um eine vorübergehende Normalvariante.
    • Die Fehlstellung korrigiert sich in der Regel bis zum 13. oder 14. Lebensjahr, und eine Operation ist meist nicht notwendig.
  • Veränderungen in Unterschenkel und Knie
    • In einigen Fällen wird der Einwärtsgang durch eine Innendrehung des Unterschenkels verursacht. Die Fehlstellung normalisiert sich bei mehr als 90 % im Wachstum, und in seltenen Fällen ist eine Operation notwendig.
    • X-Beine sind ebenfalls eine häufige Ursache für einen Einwärtsgang.
  • Änderungen in Fuß und Sprunggelenk
    • Bei ca. 1 von 1.000 geborenen Kindern verursacht eine falsche Position des Vorderfußes während der Schwangerschaft den Einwärtsgang. In mehr als 90 % der Fälle bildet er sich innerhalb des 1. Lebensjahres von selbst zurück. In einigen Fällen muss die Fehlstellung jedoch mittels Gips korrigiert werden.

Auswärtsgang

  • Häufiges Phänomen: Charlie-Chaplin-Gang
  • Veränderungen im Unterschenkel: Außendrehung des Unterschenkels

Seltene Ursachen, die eventuell behandelt werden müssen

Hüftdysplasie

  • Sehr selten Ursache einer Drehfehlstellung, der Hüftstatus wird nach der Entbindung oder bei der Kinderärztin/beim Kinderarzt immer kontrolliert.

Klumpfuß

  • Extrem nach innen gedrehte und gebogene Füße (einer oder beide Füße), die bereits in den ersten Lebenswochen eine orthopädische Therapie erfordern. Etwa 1 von 1.000 Kindern ist betroffen. Die Fehlstellung wird meist bereits im Mutterleib durch die Ultraschalluntersuchung entdeckt.

Infantile Zerebralparese

  • Eine Fehlstellung der Hüfte kann durch eine Hirnschädigung verursacht werden, die meist bei der Geburt auftritt. Das Ausmaß und die Lokalisation der Hirnschädigung ist ausschlaggebend für die folgenden Symptome und Beschwerdebilder.

Was können Sie selbst tun?

  • Die meisten Fälle von Einwärts- und Auswärtsgang korrigieren sich mit der Zeit von selbst. Es gibt keine Belege dafür, dass Dehnungen und andere Übungen die Normalisierung beschleunigen.
  • Eine Ausnahme bildet die angeborene Fehlstellung des Vorderfußes, bei der regelmäßige Dehnungsübungen empfohlen werden können. Die Übungen müssen immer durch Physiotherapeuten erläutert werden.
  • Bei einer Innendrehung des Unterschenkels sollten die Kinder nicht in Bauchlage schlafen und nicht auf ihren Füßen sitzen.

Wann sollten Sie eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen?

  • Obwohl es sich in den meisten Fällen um harmlose und vorübergehende Fehlstellungen handelt, sollten Sie sie dennoch ärztlich abklären lassen.
  • In seltenen Fällen ist eine Therapie notwendig.

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Anamnese (Krankengeschichte)

Die Ärztin/der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Was haben Sie beobachtet? Was ist Ihnen aufgefallen?
  • Hat das Kind Schwierigkeiten beim Gehen?
  • Klagt das Kind über Schmerzen in den Beinen?
  • Gibt es angeborene Hüft- oder Fußfehlstellungen in der Familie?

Ärztliche Untersuchung

  • Die Ärztin/der Arzt untersucht die Beine und beurteilt den Gang des Kindes.
  • Wichtig sind auch Anzeichen anderer Grunderkrankungen, wie beispielsweise infantile Zerebralparese oder Hüftdysplasie.

Weitere Untersuchungen

  • Mit einer Röntgenuntersuchung kann eine angeborene Hüftdysplasie ausgeschlossen werden.

Überweisung an Fachärzte

  • Eine Überweisung ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.
  • Bei Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt Sie an die entsprechenden Fachärzte überweisen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien