Zum Hauptinhalt springen

Nackensteife

Bei Vorliegen einer Nackensteife kann der Kopf nur eingeschränkt nach vorne gebeugt werden. Die Ursache kann harmlos sein, aber auch ein Warnsymptom für eine akut lebensbedrohliche Erkrankung.

Zuletzt überarbeitet:



Was ist Nackensteife?

Als Nackensteife bezeichnet man die eingeschränkte und schmerzhafte Beugung des Kopfes hin zur Brust. Betroffene können ihren Kopf also nur eingeschränkt nach vorne beugen. Mitunter wird der Begriff Meningismus als Synonym verwendet. Meningismus bezeichnet eine Schonhaltung zur Schmerzlinderung bei entzündeten Hinhäuten (Meningen). Der Opisthotonus (ein Krampf der Rückenmuskulatur) beschreibt eine maximale Schonhaltung: Hals und Rücken sind komplett überstreckt und die Körperhaltung erscheint konkav.

Häufigkeit

Unter den potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen sind infektiöse Meningitiden die häufigste Ursache für eine Nackensteife. Andere Erkrankungen wie intrakranielle Blutungen, Tumoren, Autoimmunopathien mit Manifestation im zentralen Nervensystem (z. B. Lupus erythematodes) oder das Kawasaki-Syndrom sind eher seltene Ursachen.

Ursachen für Nackensteife

Blockierung der Halswirbelsäule

  • Häufige Ursache
  • Plötzliches Eintreten der Bewegungseinschränkung bei ruckartiger Bewegung oder nach langem Liegen/Schlafen
  • Oft schmerzhaft
  • Kaum Krankheitsgefühl

Geschwollene und entzündete Halslymphknoten

  • Häufige Ursache
  • Die Erkrankung wird durch eine lokale Infektion, z. B. Rachenentzündung, hervorgerufen.
  • Typisch sind verschiebbare, vergrößerte und druckschmerzhafte Lymphknoten

Hirnhautentzündung (Meningitis)

  • Die Meningitis ist eine seltene, aber sehr schwere Erkrankung.
  • Meist durch Bakterien (Meningokokken) verursacht
  • Die Erkrankung wird bei akut beeinträchtigtem Allgemeinzustand, Kopfschmerzen und Fieber unklarer Ursache in Betracht gezogen.

Subarachnoidalblutung

  • Von einer Subarachnoidalblutung können junge Erwachsene betroffen sein.
  • Es handelt sich um eine spezielle Form der Hirnblutung aufgrund der akuten Blutung der großen und mittleren Blutgefäße im Subarachnoidalraum.
  • Anfangssymptome sind plötzlich auftretende Kopfschmerzen („Vernichtungskopfschmerz").
  • Im Verlauf sind Bewusstseinseintrübung und Meningismus möglich.

Medikamente

  • Einige Medikamente, wie z. B. das Antibiotikum Trimethoprim, können eine aseptische Meningitis verursachen.

Andere Infektionen

  • Eiteransammlungen (Abszesse) im Kopf-Hals-Bereich oder unterhalb des Unterkiefers (submandibulär)
  • Infektion des Knochenmarks von Rückenwirbeln (vertebrale Osteomyelitis

Schiefhals (Torticollis)

  • Ein Schiefhals entsteht z. B. durch Verkürzung eines Muskels
  • Kann auch ein Symptom von schweren Erkrankungen wie Tumoren sein.

Tumoren

  • Sehr selten
  • Hirntumoren oder Tumoren des Rückenmarks
  • Als Initialsymptom tritt gelegentlich Nackensteifigkeit oder ein Schiefhals auf.

Diagnostik

Um die Ursache für die Nackensteife festzustellen, sollten Sie die behandelnden Ärzt*innen über den Beginn und den Verlauf Ihrer Schmerzen informieren. Unter Umständen werden Ihnen folgende Fragen gestellt:

  • Gab es eine ruckartige, ungewohnte Bewegung der Halswirbelsäule?
  • Haben Sie Kopfschmerzen? Bestehen Husten oder Schnupfen?
  • Sind andere Personen in Ihrem Umfeld ebenfalls erkrankt?
  • Welche Medikamente haben Sie eingenommen?

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung wird Ihr Allgemeinzustand beurteilt und der Bewegungsumfang Ihrer Halswirbelsäule untersucht. Das ärztliche Personal achtet auch auf Anzeichen für ein Trauma, wie Prellmarken am Kopf. Bei Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung wird Ihre Haut untersucht, da kleine Einblutungen (Petechien) Zeichen eines schweren Verlaufes sein können (sog. Waterhouse-Friderrichsen-Syndrom).

Möglicherweise werden spezifische Funktionstests durchgeführt, bei der die Hirnhäute gedehnt werden. Patient*innen mit gereizten Hirnhäuten nehmen bei diesen Tests spezifische Schonhaltungen ein.

  • Beim Lasègue-Test liegen Sie auf dem Rücken, während Ihr Bein in gestreckter Position angehoben wird. Der Test gilt als positiv, wenn Sie dabei ins Bein ausstrahlende Rückenschmerzen erleben.
  • Beim Brudzinski-Test liegen Sie auf dem Rücken, während das ärztliche Personal Ihren Kopf anhebt. Bei gereizten Hirnhäuten beugen Betroffene reflektorisch ihre Hüfte und Kniegelenke.
  • Beim Kernig-Test liegen Sie auf dem Rücken und die untersuchende Person hebt Ihre gestreckten Beine an. Wenn Sie bei der Durchführung Ihre Kniegelenke reflektorisch beugen, gilt der Test als positiv.

Wann erfolgt eine Einweisung ins Krankenhaus?

Die Nackensteife ist ein Warnsymptom, das bei unterschiedlichen lebensbedrohlichen Erkrankungen vorliegen kann. Wird eine schwerere Erkrankung vermutet, erfolgt eine schnellstmögliche Abklärung im Krankenhaus.

Bei Verdacht auf eine Meningitis als Ursache der Nackensteife sind innerhalb der 1. Stunde im Krankenhaus eine Lumbalpunktion (Untersuchung des „Nervenwassers“), Blutuntersuchungen sowie die Einleitung einer antibiotischen Therapie angezeigt. Bei neurologischen Auffälligkeiten erfolgt vor der Lumbalpunktion zusätzlich eine CT-Untersuchung des Kopfes, um einen erhöhten Hirndruck auszuschließen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin