Zum Hauptinhalt springen

Verstopfung, Palliativmedizin

Verstopfungen kommen bei Krebspatient*innen sehr häufig vor.

Zuletzt überarbeitet:



Was ist Verstopfung?

Unter Verstopfung (Obstipation) wird eine erschwerte oder unvollständige Darmentleerung mit zu wenig und/oder hartem oder zu seltenem Stuhlgang verstanden. Verstopfung ist oft von anderen Symptomen begleitet, wie:

  • aufgeblähtem Bauch
  • Schmerzen, unangenehmem Gefühl oder Druckgefühl im Bauch
  • allgemeinen Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen oder schlechtem Geschmack im Mund
  • evtl. gleichzeitig Durchfall mit oder ohne Inkontinenz
  • Hämorrhoiden, Analfissuren, perianale Abszesse, Harnverhalt.

Palliativmedizin

Der Begriff symptomlindernde (palliative) Behandlung wird für die Behandlung von Patient*innen mit unheilbaren Erkrankungen verwendet, bei denen von einer kurzen Lebenserwartung ausgegangen wird.

Häufigkeit

Viele Krebspatient*innen haben Beschwerden, die mit dem Magen-Darm-Trakt in Verbindung stehen. Für die Patient*innen können diese Symptome sehr unangenehm und belastend sein. Die häufigsten und schwersten Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit sowie Verstopfung. Sowohl Verstopfung als auch Mundtrockenheit führen häufig zu einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität.

Verstopfungen kommen bei krebskranken Menschen sehr häufig vor. Bei fortgeschrittenem Krebs leiden 30–80 % der Patient*innen darunter. Fast 90 % aller Patient*innen, die Opioide erhalten (Morphin oder morphinähnliche Medikamente), bekommen Verstopfungen.

Ursachen

Eine Verstopfung bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung hat oft mehrere Ursachen. Meist ist sie auf den Einsatz von Medikamenten (Opioiden) zurückzuführen. Gründe sind aber auch mangelnde körperliche Aktivität und verringerte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, z. B. aufgrund von Übelkeit oder Appetitlosigkeit. Hohes Alter und Muskelschwäche/Muskelschwund aufgrund der Erkrankung oder Behandlung können ebenfalls zu einer Verstopfung beitragen. Unbequeme und ungewohnte Toilettenbedingungen können die Beschwerden verschlimmern.

Diagnostik

Zur Diagnose einer Obstipation werden bei Patient*innen mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung sowohl subjektive Parameter, wie das Gefühl einer unvollständigen Entleerung, Pressen und/oder Beschwerden, als auch objektive Parameter wie Stuhlfrequenz und/oder harte Stuhlkonsistenz berücksichtigt. Auch die eingenommenen Medikamente oder evtl. Abführmittel werden erfasst. Die Diagnose wird auf Grundlage der Krankengeschichte und der ärztlichen Untersuchung von Magen und Analbereich bestätigt.

Je nach klinischer Situation können ergänzende Tests durchgeführt werden, wie Blut- oder Ultraschalluntersuchungen. In einigen Fällen sind Verfahren wie Computertomografie (CT) erforderlich, um unter anderem zu überprüfen, ob Narbengewebe, Verwachsungen oder Tumorgewebe Teile des Darms verlegen.

Therapie

Das Ziel der Behandlung ist es, Beschwerden durch Verstopfung zu verhindern, zu begrenzen und zu lindern. Vorbeugende Maßnahmen haben Vorrang. Körperliche Aktivität kann Schmerzen und andere Beschwerden lindern, was wiederum dazu beiträgt, Verstopfungen zu reduzieren. Es ist außerdem von entscheidender Bedeutung, ausreichend Flüssigkeit und Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Ballaststoffe können über Vollkornprodukte, Gemüse und Früchte aufgenommen werden. Die Mindestanforderung, die man zu erreichen versucht, liegt bei 2- bis 3-mal Stuhlgang pro Woche.

Medikamentöse Therapie

Prävention

Bei Patient*innen, die mit Opioiden behandelt werden, wird meist gleichzeitig mit einer medikamentösen Prophylaxe gegen Verstopfung begonnen. Es wird ein weichmachendes Abführmittel, z. B. Laktulose, empfohlen, das durch ein darmstimulierendes Medikament für stärkere Kontraktionen des Darms ergänzt werden kann, wenn die erwünschte Wirkung ausbleibt.

Wenn eine Verstopfung aufgetreten ist

Bei weichem Stuhl werden Medikamente verwendet, die die Kontraktionen des Darms stimulieren (sogenannte Sennaglykoside und Bisacodyl). Bei hartem Stuhl werden weichmachende Abführmittel bevorzugt, z. B. Laktulose. Meist sind Kombinationstherapien erforderlich. Die Dosierungen lassen sich nach oben anpassen, bis sie durch Nebenwirkungen begrenzt werden. Wenn auch dies nicht ausreicht, werden Zäpfchen oder Einläufe eingesetzt.

Bei Patient*innen, die mit Opioiden behandelt werden, kommt es häufig vor, dass die genannten Ratschläge und Therapien nicht zum Ziel führen. In solchen Fällen greift man häufig zu einem Medikament, das nur die Wirkung des Opioids auf den Darm reduziert, nicht die schmerzlindernde Wirkung.

Bei hartem Stuhl im Enddarm

Wenn angenommen wird, dass die Patient*innen die Möglichkeit haben, sich selbst zu entleeren, wird zuerst die Behandlung mit einem Mini-Einlauf versucht, evtl. gefolgt von einem darmstimulierenden Zäpfchen. Es kann erforderlich werden, besonders harten Stuhl aus dem Enddarm zu entfernen. In diesen Fällen ist es vorteilhaft, über Nacht eine Vorbehandlung mit einem Öleinlauf durchzuführen. Aufgrund der Unannehmlichkeiten bei der Entnahme des Stuhls können zusätzlich Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel verabreicht werden.

Wenn die Verstopfung darauf zurückzuführen ist, dass Narbengewebe (z. B. nach einer Strahlentherapie oder einer früheren Operation) oder Tumorgewebe den Darm abklemmt, können verschiedene Formen von Entlastungsoperationen erforderlich sein.

Nebenwirkungen

Eine längere Verwendung darmstimulierender Medikamente kann zu Störungen des Elektrolythaushalts (Natrium, Kalium, Chlorid im Blut) und zu Reizungen der Darmschleimhaut führen. Vor allem durch Überdosierung können Blähungen, Darmkoliken und Durchfall verursacht werden. Sennaglykoside verfärben den Urin; alkalischer Urin färbt sich rot, während saurer Urin gelbbraun wird.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Leitlinienprogramm Onkologie. Patientenleitlinie Palliativmedizin für Patientinnen und Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Berlin 2015.www.awmf.org  

  2. Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. AWMF-Leitlinie Nr. 128-001OL, Stand 2015www.awmf.org