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Pferdekuss (Stoßverletzung des Quadrizepsmuskels)

Der sog. Pferdekuss zählt zu den häufigsten Sportverletzungen, insbesondere bei Kontaktsportarten wie Rugby oder Fußball.

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Was versteht man unter einem Pferdekuss?

Ein Pferdekuss ist eine Muskelverletzung im Oberschenkel, die eine Blutung in oder rund um die Muskulatur hervorruft. Im Allgemeinen ist die Vorderseite des Oberschenkels, der Quadrizepsmuskel, betroffen. In der Fachsprache ist von einer Oberschenkelprellung (Kontusion) die Rede.

Eine Prellung des Quadrizpsmuskels tritt häufig bei Kontaktsportarten wie Rugby oder Fußball auf.

Anatomie der Oberschenkelmuskulatur

Die Muskeln des Oberschenkels sind durch Bindegewebsscheiden voneinander getrennt. Es lassen sich 3 Muskellogen unterscheiden: vorne der Quadrizepsmuskel, hinten die ischiocrurale Muskulatur und auf der Innenseite die Adduktorenmuskeln. Der vordere Quadrizepsmuskel zieht vom oberen Teil des Oberschenkelknochens bzw. vom Darmbein bis zum Schienbein (Tiabia). Er besteht aus insgesamt 4 Muskelbäuchen: Rectus femoris, Vastus lateralis, Vastus medialis und Vastus intermedius.

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Pferdekuss ist ein direktes Trauma, z. B. ein starker Tritt gegen den Oberschenkel. In der Regel ist der Musculus rectus femoris betroffen wegen der exponierten Lage an der Vorderseite des Beines. Durch die Verletzung kommt es zu Blutungen und Ödemen im Muskel. In sehr seltenen Fällen entwickelt sich ein akutes Kompartmentsyndrom mit Bluterguss und Druckerhöhung im Inneren der Muskelloge, Schmerzen und eingeschränkter Bewegungsfähigkeit. Diese Komplikation ist ein Notfall, da das Muskelgewebe droht abzusterben (Muskelnekrose). Im angespannten (kontrahierten) Zustand ist der Quadrizepsmuskel deutlich widerstandsfähiger gegenüber Verletzungen.

Begünstigende Faktoren für das Auftreten einer Quadrizepsverletzung sind:

  • unzureichendes Aufwärmen vor Belastung
  • vorausgegangene Verletzung des Quadrizeps
  • Überlastung bereits ermüdeter Muskulatur.

Symptome und Diagnostik

Nach einem Trauma treten akute Schmerzen auf, die bei Belastung und Beugung des Knies zunehmen. An der Oberschenkelvorderseite bildet sich eine druckschmerzhafte Schwellung. Ggf. ist auch ein Bluterguss sichtbar. Die Möglichkeit der Kniebeugung ist bei manchen Betroffenen aufgrund der Schwellung eingeschränkt. Eine Empfindungsstörung am Bein ist hinweisend auf ein Kompartmentsyndrom.

Der Verletzungsmechanismus und das Beschwerdebild sind derart typisch, dass normalerweise kaum Zweifel an der Diagnose besteht. Bei einer ausgeprägten Verletzung (z. B. kompletter Muskelriss) sind bildgebende Verfahren notwendig. Die MRT gut für die Darstellung von Quadrizepsverletzungen geeignet. Allerdings ist die Ultraschalluntersuchung deutlich günstiger und auch schneller, sodass diese sich gut für eine orientierende Beurteilung eignet. Bei einem starken Trauma ist in manchen Fällen eine Röntgenaufnahme notwendig, um einen Knochenbruch auszuschließen.

Therapie

Das Merkwort PECH fasst die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Sportunfällen zusammen:

  • Pause (Ruhigstellung)
  • Eis (Kältebehandlung)
  • Compression (Druckverband) und
  • Hochlagerung.

Diese Maßnahmen verhindern nach einer Verletzung schlimmere Schwellungen und können auch Schmerze lindern.

In der weiteren Notfallversorgung wird das Knie schnellstmöglich im 120-Grad-Winkel mit einem elastischen Verband oder einer Orthese stabilisiert (für etwa 24 Stunden). So wird die Oberschenkelmuskulatur gegen den Knochen gepresst. Dies verhindert eine weitere Einblutung und verkürzt die Heilungsphase. Die Verletzung sollte alle 2–3 Stunden für 20 Minuten gekühlt werden. Verwenden Sie Krücken zur Fortbewegung. Nach einem Tag können Sie mit einer vorsichtigen Mobilisierung des Beines beginnen.

NSAR-Präparate  (u. a. Ibuprofen oder Naproxen) werden häufig als Schmerzmedikamente eingesetzt. Sie vermindern allerdings möglicherweise die Sehnenheilung. Daher sollte auf andere Mittel ausgewichen werden. Lassen Sie sich von Ihren behandelnden Ärzt*innen beraten.

Bei manchen Betroffenen muss die Blutung im Muskel chirurgisch behandelt werden (Hämatomausräumung). Ein Kompartmentsyndrom ist fast immer eine Indikation für eine Operation.

Rehabilitation und Prognose

Generell ist zu empfehlen, dass Sie Ihr Bein frühzeitig wieder bewegen, zu Beginn ohne Widerstand und ohne hohe Belastung. Eine Dehnung des verletzten Bereiches bis zur Schmerzgrenze hilft narbige Verkürzungen der Muskeln und Sehnen zu verhindern.
Bei adäquater Therapie kommt es bei leichteren Muskelverletzungen zu einer vollständigen Heilung innerhalb von Tagen oder mehreren Wochen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin