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Instabilität des Sprunggelenks

Bei einer Instabilität des Knöchels besteht beim Sprunggelenk die ständige Tendenz zu Verstauchungen (Distorsionen), d. h. zu Verdrehungen oder Überstreckungen.

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Was bedeutet Knöchelinstabilität?

Eine Verstauchung (Distorsion) entsteht, wenn Sie den Knöchel auf eine falsche Weise oder in die verkehrte Richtung drehen. Dabei können die Bänder (Gelenkbänder, Ligamente), die dazu beitragen, die Knochen des Sprunggelenks zusammenzuhalten, überdehnt werden oder reißen. Ein verstauchter Knöchel entsteht, wenn die Bänder über ihre normale Strecklänge hinaus gedehnt werden. Die meisten verstauchten Knöchel betreffen die Bänder an der Außenseite des Knöchels.

Ursachen

 

 

Die Bänder, die Gelenkkapsel und Muskeln sind für die Stabilität des Knöchels verantwortlich. Eine Knöchelinstabilität wird oft durch einen früher entstandenen Bänderriss (siehe Abbildung) oder durch Überdehnung verursacht, die entweder nicht vollständig ausgeheilt ist oder einen überdehnten „lockeren" Halteapparat hinterlässt. Man spricht von einer mechanischen Instabilität. Auch die funktionelle Instabilität tritt häufig sekundär nach einer Verletzung auf. Sie zeichnet sich durch eine neuromuskuläre Störung aus, sodass die muskuläre Stabilisation des Gelenkes eingeschränkt ist. Außerdem kann die Wahrnehmung des Sprunggelenksstellung gestört sein.

Begünstigende Faktoren für das Auftreten eines instabilen Sprunggelenks sind eine vorangegangene Sprunggelenksverletzung und Sportarten mit schnellem Richtungswechsel, z. B. Basketball (hier ist das Risiko etwa 5-fach erhöht).

Häufigkeit

Eine Instabilität des Sprunggelenkes ist häufig und vor allem unter Sportler*innen weit verbreitet. Etwa 10–20 von 100 Menschen behalten nach einer Außenbandruptur ein instabiles Sprunggelenk. Die Außenbandruptur ist die häufigste Sportverletzung in Deutschland: 1 pro Tag pro 10.000 Personen.

Diagnose

Die Krankengeschichte ist oft typisch mit einer Sprunggelenksverletzung in der Vergangenheit sowie Instabilitätsgefühlen, die besonders bei Ballspielen oder in unebenem Gelände auffällt. Betroffene berichten von häufigerem Umknicken, Schmerzen und einer Neigung zu Schwellungen über dem Gelenk.

Bei der ärztlichen Untersuchung fällt auf, dass das Bewegungsausmaß des betroffenen Gelenks im Seitenvergleich vergrößert ist und Defizite bei Balanceübungen bestehen. Beim Schubladentest wird die Ferse umfasst und nach vorne verschoben, um die Stabilität und Funktionstüchtigkeit der Bänder zu überprüfen. Außerdem wird die Aufklappbarkeit des Sprunggelenks nach innen und außen getestet.

Die Anamnese und die klinische Untersuchung sind die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen. Röntgenuntersuchungen mit Belastungsaufnahmen kommen immer seltener zur Anwendung. Tritt die Instabilität jedoch akut auf, kann eine Röntgenaufnahme zum Ausschluss eines Knochenbruches notwendig sein.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, wiederholte spätere Verstauchungen des Knöchels zu verhindern.

Physiotherapie

Eine Physiotherapie mit Gleichgewichts- und Muskeltraining kann in vielen Fällen für die Behandlung eines chronisch instabilen Knöchels ausreichen. Das neuromuskuläre Training verbessert die Wahrnehmung über die Gelenkstellung und hilft so, das Gelenk aktiv zu stabilisieren. Mögliche Maßnahmen sind die Verwendung eines Balance-Boards oder das Hüpfen in den Einbeinstand auf wackeligem Untergrund. Führen Sie die Übungen auch regelmäßig in Eigenregie durch, z. B. Einbein-Übungen während des Zähneputzens.

Medikamente

In einer akuten Schmerzphase wird die Einnahme von Paracetamol (4 x 1.000 mg) oder Medikamente der NSAR-Gruppe (z.B. 3 x 50 mg Diclofenac) empfohlen.

Operation

Es gibt keine Beweise, dass eine operative Therapie gegenüber den anderen Maßnahmen günstiger ist; auch nicht bei hochgradiger Instabilität oder Leistungssportler*innen. Sie wird daher nur als letzte Möglichkeit gesehen, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind. Ziel der Operation ist eine Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse des Halteapparats.

Prävention

Verschieden Maßnahmen können einer Verstauchung des Sprunggelenkes vorbeugen:

  • Wählen Sie adäquate Sportschuhe, die über den Knöchel reichen.
  • Meiden Sie Schuhe mit Luftdämpfung im Fersenbereich, denn sie erhöhen das Risiko für eine Knöchelverletzung um das 4-Fache.
  • Tapen Sie den Knöchel bei risikoreichen Aktivitäten.
  • Führen Sie vor der sportlichen Vollbelastung zum Aufwärmen ein strukturiertes Gleichgewichtstraining durch.

Prognose

Gerade bei Sportler*innen zeigen sich gute Ergebnisse der konservativ-funktionellen Therapie. Trotzdem ist für Betroffene das Risiko für ein erneutes Sprunggelenkstrauma nach initialer Verletzung ist um das 5-Fache erhöht. Nach einer Operation mit Rekonstruktion des Halteapparats verbleibt in etwa 1/3 der Fälle ein Instabilitätsgefühl.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin