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Sehnenerkrankungen (Tendopathien) im Bereich des Knöchels und Unterschenkels

Tendopathien sind nicht-entzündliche Erkrankungen von Sehnen, die durch Über- oder Fehlbelastung sowie Verschleiß entstehen können. Insbesondere Läufer sind anfällig für Tendopathien im Bereich des Knöchels und Unterschenkels.

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Was sind Tendopathien im Bereich des Knöchels und Unterschenkels?

Eine Sehne (lateinisch tendo) ist der bindegewebige Anteil eines Muskels, der den Muskelbauch mit seinem Ansatz- oder Ursprungspunkt (in der Regel am Knochen) verbindet. Im Unterschenkel sind viele verschiedene Muskeln für die Bewegungen von Knie und Sprunggelenk zuständig. Kommt es zu einer Über- oder Fehlbelastung sowie zum Verschleiß, kann die Sehne beeinträchtigt werden. Man spricht dann von einer Tendopathie oder Tendinopathie. Diese ist nicht-entzündlich, d. h. obwohl oft von einer Sehnenentzündung gesprochen wird, liegt keine Entzündung im klassischen Sinne (z. B. durch Krankheitserreger) vor. Allerdings kommt es durch kleinste Verletzungen innerhalb der Sehne im Verlauf zur Entzündungsreaktion. Weder Viren noch Bakterien sind hieran beteiligt. Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Entzündungskomponente nicht so bedeutend ist, wie bisher angenommen.

Häufig entsteht eine Überbelastung durch eine zu schnelle Steigerung der Trainingsbelastung und -intensität, z. B. bei Läufern. Begünstigt werden kann die Tendopathie auch durch Laufen auf hartem Untergrund (Asphalt, Beton), in kaltem Klima oder mit ungeeignetem Schuhwerk. In einigen Fällen liegen Fußfehlstellungen vor. Insbesondere der Plattfuß kann zu Tendopathien führen.

Je nachdem, welche Muskeln und Sehnen betroffen sind, kann eine Tendopathie an der Vorderseite des Unterschenkels, an der Außenseite oder an der Rückseite entstehen. Der größte Muskel im Unterschenkel bildet den Hauptanteil der Wade und wird als Musculus triceps surae bezeichnet, da er drei (tri) verschiedene Muskelanteile besitzt. Er geht in die Achillessehne über, die an der Ferse ansetzt. Die Achillessehne ist relativ häufig von einer Tendopathie betroffen. Bei einem Tibialis-posterior-Syndrom ist die Sehne des hinteren Schienbeinmuskels (Musculus tibialis posterior) gereizt, beim Tibialis-anterior-Syndrom ist die Sehne des Musculus tibialis anterior.

Die typischen Anzeichen einer Tendopathie sind akut einsetzende Schmerzen über den betroffenen Sehnen, meist während oder infolge einer Überlastung. Die Schmerzen verschlimmern sich beim Anspannen der zugehörigen Muskeln und können zudem durch Druck von außen über dem betreffenden Bereich und ggf. dem Muskel ausgelöst werden. In der Regel kommt es nicht zu Schwellungen, außer bei Tendinopathien der Achillessehne und des Musculus tibialis anterior. Beim Tibialis-anterior-Syndrom kann evtl. ein Knirschen beim Befühlen des Übergangs zwischen Muskel und Sehne auftreten.

Diagnostik

Die Diagnosestellung geschieht v. a. anhand der Krankengeschichte bzw. Schilderung des Verletzungshergangs. In der körperlichen Untersuchung können Druckschmerzen über der betroffenen Sehne und ggf. dem zugehörigen Muskel ausgelöst werden. In der Regel kann der Schmerz zudem durch Bewegungen oder Anspannen der betroffenen Muskeln ausgelöst werden. Es kann allerdings nicht immer exakt angegeben werden, welche Sehne betroffen ist.

Weitere Untersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich.

Therapie

Die vorrangige Therapie einer akuten Tendopathie ist, die betroffene Sehne bzw. den betroffenen Muskel zu entlasten. Dies sollte so lange geschehen, bis keine Beschwerden mehr vorliegen und erfordert v. a. Geduld. Dennoch ist es wichtig, den betroffenen Muskel zu schonen, da bei einer unvollständigen Abheilung eine erneute Verletzung der Sehne äußerst wahrscheinlich ist und der Krankheitsverlauf weiter verzögert wird. Zudem kann die Tendopathie durch fortgesetzte körperliche Aktivität chronisch (dauerhaft) werden, was die Behandlung erschwert. Für Sportler kann es für die Zwischenzeit hilfreich sein, ein alternatives Trainingsprogramm mit Aktivitäten durchzuführen, die keine Schmerzen in dem betroffenen Bereich hervorrufen.

In Absprache mit den behandelnden Ärzten können Sie ggf. über einen kurzen Zeitraum entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente (z. B. NSAR ) einnehmen oder lokale Schmerzgele auftragen. Möglicherweise kann Ihnen auch eine Physiotherapie helfen.

Bei einer Tendopathie der Achillessehne können die Beschwerden gelindert werden, indem die Ferse mit einer Einlegesohle ein paar Millimeter angehoben wird.

Als vorbeugende Maßnahmen sollte bei körperlichem Training die Intensität angemessen und nicht zu schnell gesteigert werden. Es empfiehlt sich, Laufschuhe zu tragen, die für die jeweilige Fußform, Trainingsuntergrund und -ausmaß geeignet sind. Ebenso sollte das Laufen auf harten Untergründen möglichst vermieden werden.

Prognose

Die Symptome verschwinden häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen. Die Prognose ist gut, wenn frühzeitig eine Entlastung und ggf. eine (physiotherapeutische oder unterstützende) Behandlung erfolgen. Die Tendinopathie kann allerdings chronische Beschwerden hervorrufen, wenn die Patienten die Belastung trotz der Schmerzen aufrechterhalten. Wird die zugrunde liegende Ursache nicht korrigiert, kommt es außerdem häufig zu Rückfällen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim