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Die Behandlung von Fibromyalgie

Die nachweislich besten wissenschaftlichen Ergebnisse für eine Symptomlinderung erzielen körperliche Bewegung, die Behandlung mit Medikamenten, die gegen Depressionen (trizyklische Antidepressiva) verwendet werden, Information- und Aufklärungsarbeit sowie Verhaltenstherapie.

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Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie ist ein Schmerzsyndrom, das verschiedene Symptome aufweist. Die Ursache ist nicht bekannt. Charakteristisch für diese Krankheit sind chronische Muskelschmerzen, die mindestens drei Monate anhalten und über den Körper verteilt sind. Die Symptome verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Bei der Diagnosestellung geben viele Patienten an, bereits in der frühen Jugend Beschwerden gehabt zu haben.

Auch wenn die Ursache unbekannt ist, wird vermutet, dass die Krankheit in vielen Fällen auf eine langanhaltende psychische und körperliche Überbelastung zurück zu führen ist. Fehlende Erkenntnisse über die Ursache des Syndroms tragen u. a. dazu bei, dass es noch keine spezifische Behandlungsmethode gibt. Es gibt jedoch Möglichkeiten, das Leiden zu lindern, und viele Patienten werden von ihren Beschwerden befreit.

Wie sieht die Behandlung aus?

Nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung ohne weitere Diagnosen ist es wichtig die Patienten über Fibromyalgie ausreichend aufzuklären sowie Informationen über die Erkrankung zur Verfügung zu stellen. Es ist wichtig zu versichern, dass keine schwere Erkrankung vorliegt.

Darüber hinaus sollte die Funktionsfähigkeit wiedergewonnen und aufrechterhalten werden. Dazu gehört auch, den Patienten durch eine Anpassung der Arbeitsbedingungen ein Weiterarbeiten zu ermöglichen.

Konventionelle schmerzstillende Medikamente haben nur eine geringe Wirkung. Die nachweislich besten wissenschaftlichen Ergebnisse für eine Symptomlinderung erzielen körperliche Bewegung, die Behandlung mit Medikamenten, die gegen Depressionen (trizyklische Antidepressiva) verwendet werden, Informations- und Aufklärungsarbeit sowie Verhaltenstherapie.

Fibromyalgie ist nachweislich nicht mit einem erhöhten Risiko einer Krebserkrankung, rheumatischen Entzündungskrankheiten oder der Zerstörung der Gelenke und Muskulatur verbunden.

Körperliche Aktivität

Die wirksamste Behandlung besteht in dem Training und der Verbesserung der Funktionsebene durch Bewegung. Dies lässt sich alleine oder in der Gruppe durchführen. Zu Trainingsbeginn können sich die Schmerzen verschlimmern, aber auf lange Sicht werden die meisten Patienten eine Schmerzlinderung und reduzierte Müdigkeit verspüren.

Konditionstraining und körperliche Bewegung haben laut Studien eine gute Wirkung gezeigt, indem sie die körperliche Funktionsfähigkeit und Kraft sowie nicht zuletzt die Lebensqualität verbesserten. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass das Training individuell an die Patienten angepasst wird. Eine Steigerung der körperlichen Belastung sollte langsam erfolgen. Eine zu schnelle Intensitätssteigerung kann die Schmerzen verstärken und den Zustand verschlimmern.

Ein Training, das mindestens 30 Minuten lang 2-bis 3-mal pro Woche durchgeführt wird, hat nachweislich die Schmerzen, das Energieniveau und die Arbeitskapazität verbessert. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte das Training über 3 bis 4 Wochen allmählich durch eine Erhöhung der Dauer und der Intensität der Trainingseinheiten gesteigert werden. Zu Beginn kann es sinnvoll sein, physiotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist wichtig, geduldig zu sein und selbst dann mit dem Sport weiter zu machen, wenn sich der Zustand gebessert hat. Die Schmerzen kommen häufig zurück, sobald das Training abgebrochen wird.

Medikamente

Schmerzstillende Medikamente werden generell nicht empfohlen, können aber bei einigen Patienten notwendig sein. Wenn die Verwendung von schmerzstillenden Medikamenten nötig ist, sind sogenannte trizyklische Antidepressiva (TCA) die erste Wahl. Diese Medikamente haben eine analgetische Wirkung, wenn sie in niedrigen Dosen verwendet werden, d. h. niedriger als bei einer Depression indiziert ist. TCA haben nicht nur eine gute analgetische Wirkung, sondern verbessern auch den Schlaf. Um die Nebenwirkungen einzuschränken, sollten Sie mit einer kleinen Abenddosis beginnen und die Dosis eventuell schrittweise erhöhen. Wenn das Medikament zu kurzfristig vor dem Schlafengehen eingenommen wird, kann es am nächsten Morgen einen „Kater” verursachen. Das Medikament sollte daher 3 bis 4 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Es wirkt sich schnell positiv auf die Schlafstörungen aus, eine Verringerung der Schmerzen tritt allerdings erst nach wochenlanger Anwendung ein.

Wenn trizyklische Antidepressiva allein nicht ausreichen, wird die zusätzliche Einnahme von Paracetamol empfohlen. Eventuell kann ein Präparat (Pregabalin/Gabapentin) probiert werden, das auch bei Epilepsie verwendet wird. Einige neue Medikamente gegen Depression können bei manchen Patienten die Schmerzen lindern.

Analgetika (Naproxen, Voltaren, Ibux) haben bei Fibromyalgie keine Wirkung gezeigt und werden daher nicht empfohlen. Zusätzlich bergen diese Medikamente bei einer langanhaltenden Therapie eine große Gefahr von Nebenwirkungen. Fibromyalgie ist eine langandauernde Erkrankung. Es ist daher wichtig, schmerzstillende Medikamente zu vermeiden, die eine Abhängigkeit verursachen können. Die Wirkung von abhängigkeitsverursachenden Medikamenten nimmt allmählich ab, und schon nach kurzer Zeit merken die Patienten oft, dass die Nebenwirkungen zunehmen und die Wirkung nachlässt. Dies gilt für codein- oder morphinhaltige Präparate, und es gilt auch für Tramadol, das früher für die Behandlung von Fibromyalgie empfohlen wurde.

Verhaltenstherapie

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie geht es um eine Änderung der Denkweisen in Bezug auf die Schmerzen. Sie erlernen Techniken, die Ihnen helfen, mit den Beschwerden umzugehen, sie bestenfalls zu überwinden und den Alltag zu meistern. Eine solche Behandlung reduziert nachweislich Schmerzen und Depression/Angst und verbessert die Lebensqualität sowie die Fähigkeit, mit den Schmerzen zu leben.

Weitere Behandlungen

Viele Behandlungsmethoden wurden ausprobiert. Ihr Nutzen ist nur selten wissenschaftlich belegt. Hier sind einige Beispiele:

  • Entspannung in Kombination mit Stressbewältigung reduzieren Schmerzen und Depression/Angst.
  • Die Vorteile einer rein vegetarischen Ernährung sind schlecht dokumentiert, aber einige Patienten glauben, eine positive Wirkung beobachtet zu haben.
  • Der Nutzen von Akupunktur ist auch nur begrenzt dokumentiert, aber laut einigen Studien kann sie zu einer Verbesserung der Schmerzen und Steifheit führen. Andere Studien zeigen keine Wirkung von Akupunktur.
  • Elektromyografie-Biofeedback (EMG-Biofeedback), Hypnose und Elektroakupunktur sind schlecht dokumentiert, aber einige Studien haben eine positive Wirkung gezeigt.
  • Gruppentherapie ist nützlich, um das Gefühl zu bekommen, die Situation zu meistern und um die Lebensqualität zu steigern.
  • Psychomotorische Physiotherapie hat keine nachgewiesene Wirkung.

Vorschlag eines Behandlungsprogramms

  1. Lassen Sie sich versichern, dass keine schwere Erkrankung vorliegt (gründliche ärztliche Untersuchung und Information)
  2. Beginnen Sie mit einem sanften Training, und steigern Sie die Trainingseinheiten schrittweise über mehrere Wochen.
  3. Psychotherapie mit dem Schwerpunkt auf Techniken der Schmerzbewältigung sowie Ratschläge und Tipps zur Lebenseinstellung (das Erlernen, Ja und Nein zu sagen, etc.)
  4. Medikamente haben bei Fibromyalgie generell nur eine geringe Wirkung. Wenn Sie schmerzlindernde Medikamente benötigen, beginnen Sie am besten mit einem trizyklischen Antidepressivum nach ärztlicher Anweisung:
    • Steigern Sie die Dosis langsam.
    • Wenn das Medikament zu kurz vor dem Schlafengehen eingenommen wird, kann es am nächsten Morgen einen „Kater” verursachen. Das Medikament sollte daher 3 bis 4 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Die verwendete Dosis ist viel niedriger als bei der Behandlung einer Depression.
    • Das Medikament wirkt schnell auf Schlafstörungen, während eine eventuelle Verringerung der Schmerzen erst später erfolgt.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg