Gelenkschmerzen in einem Gelenk

In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Ursachen von Schmerzen in einem Gelenk.

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Was sind Schmerzen in einem Gelenk?

Ein Gelenk besteht aus Knochen und Knorpeln und einer das Gelenk umgebenden Gelenkkapsel. Im Inneren des Gelenks befindet sich Gelenkflüssigkeit. Um das Gelenk herum liegen die Bänder, Sehnen und Muskeln. Diese Strukturen können bei einer Erkrankung Schmerzen verursachen.

Bei Schmerzen und gleichzeitig vorliegenden Symptomen wie Schwellung, Überwärmung, Rötung und/oder Bewegungseinschränkung ist eine Entzündung des Gelenks wahrscheinlich.

Wie häufig sind Gelenkschmerzen?

Gelenkschmerzen sind ein häufiger Grund für Arztbesuche. Unter akuten Gelenkschmerzen, also Schmerzen, die in den letzten 24 Stunden verspürt wurden, leiden fast 30 % der Frauen und knapp 25 % der Männer in Deutschland. Am häufigsten handelt es sich bei beiden Geschlechtern um Schulter-, Knie- und Hüftgelenke.

Häufige Ursachen

Gicht, Podagra

  • Die Gicht ist eine wiederkehrende akute Entzündung von Gelenken an den Gliedmaßen.
  • Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Männern mittleren Alters auf, oft in Verbindung mit langen Zeiträumen ohne Beschwerden zwischen den Anfällen.
  • Bei der Gicht sind häufig die Großzehen von Gelenkentzündungen betroffen (Podagra). Es kann aber auch zu Entzündungen in anderen Gelenken kommen, z. B. in Fußknöchel, Knie oder Ellbogen.
  • Das Maximum der Beschwerden eines Gichtanfalls ist nach einigen Stunden erreicht. Eine Belastung des Gelenks ist dann nahezu unmöglich, selbst die geringste Berührung ist schmerzhaft. Das betroffene Gelenk ist geschwollen, gerötet und überwärmt.
  • Die Entzündungswerte im Blut können erhöht sein. Der Harnsäurewert kann erhöht oder normal sein.

Reaktive Arthritis

  • Bei der reaktiven Arthritis kommt es zu Gelenkentzündungen durch eine andere Erkrankung. Die Krankheit tritt typischerweise nach einer Infektion in den Geschlechtsorganen, im Harntrakt oder Darm, bzw. bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) auf.
  • Die Erkrankung ist mit einer bekannten genetischen Variante assoziiert (HLA-B-27).
  • Häufig ist das Kniegelenk betroffen, es können aber auch mehrere Gelenke gleichzeitig beteiligt sein (Polyarthritis).
  • Es zeigen sich Schwellung, Rötung, Überwärmung, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks.

Bakterielle Entzündungen der Gelenke (bakterielle Arthritis)

  • Eine derartige Entzündung ist oft im Kniegelenk lokalisiert, sie kann aber in verschiedenen Gelenken auftreten.
  • Zu den Risikofaktoren für eine solche Entzündung gehören eine  Gelenkpunktion, ein künstliches Gelenk (Prothese) in z. B. Hüfte oder Knie, Hautinfektionen, Gelenkoperationen, rheumatoide Arthritis, hohes Alter (> 80 Jahre), Diabetes mellitus, Tuberkulose und eine HIV-Infektion.
  • Bei der notfallmäßigen Behandlung ist ein chirurgischer Eingriff notwendig.

Rheumatoide Arthritis

  • Es handelt es sich um eine entzündliche Systemerkrankung, insbesondere sind kleinere Gelenke in Händen und Füßen betroffen.
  • 0,5–1 % der deutschen Bevölkerung sind betroffen, am häufigsten Frauen.
  • Die Erkrankung tritt in der Regel in mehreren Gelenken auf. Meist beginnt die rheumatoide Arthritis schleichend in den Gelenken der Finger und Zehen, sie kann jedoch mit der Zeit auch größere, in der Regel symmetrische Gelenke befallen. Besonders bei Kindern ist anfangs oft nur ein Gelenk befallen.
  • Die betroffenen Gelenke zeigen Entzündungszeichen in Form von Schwellungen, Wärme, Rötung und Schmerzen. Häufig liegen auch Allgemeinsymptome vor (Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, leichtes Fieber).
  • Die Diagnosestellung beruht auf Anamnese, klinischem Befund, Labor und Röntgen der betroffenen Gelenke.

Bakterielle Entzündungen der Knochen (Osteomyelitis)

  • Die Erkrankung entsteht durch eine Infektion der Knochen über den Blutstrom (endogen) oder durch eine Gelenkeröffnung von außen (exogen).
  • Bei Kindern ist die Osteomyelitis nicht ungewöhnlich; bei Erwachsenen tritt sie häufig sekundär nach Knochenbrüchen oder Operationen auf.
  • Schmerzen und Druckempfindlichkeit am betroffenen Knochen
  • Die Erkrankung wird begleitet von Fieber, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit.
  • Die Diagnostik erfolgt per Röntgen sowie MRT.

Trauma

  • Schmerzen und Schwellungen können durch Blutungen in geschädigten Gelenken hervorgerufen werden.
  • Bei Meniskus- oder Kreuzbandverletzungen (vordere, hintere) kommt es z. B. zu Schmerzen und Schwellungen am Kniegelenk.

Femoropatellares Schmerzsyndrom

  • Der Begriff beschreibt verschiedene Erkrankungen im Kniegelenk, die Schmerz im vorderen Knie verursachen.
  • Das Syndrom tritt gehäuft bei jungen Frauen auf und bei Patient*innen mit Fehlstellungen im Kniegelenk oder bei Fußdeformitäten.
  • Es handelt sich um ein Ausschlussdiagnose, da keine andere Ursache für die Beschwerden gefunden wird.

Meniskus- oder Kreuzbandverletzung (vordere, hintere)

  • Bei jungen Patient*innen in der Regel durch ein Trauma verursacht, bei älteren Patient*innen auch als Alterserscheinung ohne spezifisches Trauma
  • Bei starker Schädigung kann gleichzeitig ein Bluterguss im Gelenk vorliegen.
  • Blockierungsgefühl möglich
  • Bei Kreuzbandruptur ist das Kniegelenk instabil.
  • Zur Diagnosesicherung dienen klinische Tests und eine MRT.

Osteochondrosis dissecans

  • Potenziell reversible Knochennekrose ohne Infektion
  • Der Knorpel über der Knochennekrose löst sich ab und verbleibt mitunter als freies Stück („Gelenkmaus") im Gelenk.
  • Zu Beginn treten Schmerzen bei Belastung auf.
  • Bei freien Gelenkkörpern kommt es zur Blockierung, sodass sich das Gelenk nicht mehr bewegen lässt.
  • Ein Stück Knochen kann sich von der Gelenkfläche lösen und einen losen Körper in der Gelenkpfanne bilden, der sich verkeilen und zu Entzündungen von Knorpel und Knochen führen kann.
  • Die Erkrankung kann viele Gelenke betreffen, doch sie kommt am häufigsten im Knie vor (75 %).
  • Zur Diagnostik werden Röntgen und MRT eingesetzt.

Arthrose

  • Meist erkranken ältere Menschen an Arthrose; bei jüngeren Patient*innen tritt sie am ehesten nach einem Trauma auf.
  • In den meisten Fällen sind Knie- oder Hüftgelenke betroffen.
  • Die Schmerzen sind oft zu Beginn der Bewegung am stärksten (Anlaufschmerzen).
  • Lokale Schwellungen oder ein Temperaturanstieg sind selten zu verzeichnen.

Bösartige Knochentumore

  • An Knochentumore sollte insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Entzündungszeichen an den Beckenknochen oder an den langen Knochen der Beine gedacht werden.
    • Mögliche Differenzialdiagnosen sind das Ewing-Sarkom und das Osteosarkom.

Knieschmerzen als übertragener Schmerz bei Kindern

Hämophilie (Bluterkrankheit)

  • Menschen, die an dieser Erkrankung leiden, haben u. a. in Gelenken, Muskeln und in den Harnwegen eine hohe Blutungsneigung.
  • Es kann zu Schwellungen in einem Gelenk aufgrund von Blutansammlungen und Entzündungsreaktionen kommen.

Die ärztliche Untersuchung

Möglicherweise werden Ihnen folgende Fragen gestellt:

  • Wie hat die Erkrankung begonnen und wie lange dauern die Beschwerden an?
  • Gab es vorher schon ähnliche Beschwerden, evtl. in anderen Gelenken?
  • Liegen Vorerkrankungen vor? (z. B. Schuppenflechte als Hinweis für eine rheumatische Erkrankung)
  • Können Sie arbeiten und Ihren Hobbys nachgehen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Das entsprechende Gelenk wird im Hinblick auf eine Fehlstellung, Schwellung, Überwärmung oder Rötung beurteilt. Bei der Untersuchung wird das Gelenk abgetastet und auf seine Beweglichkeit hin überprüft. Es gibt viele klinische Tests, die je nach Verdachtsdiagnose angezeigt sind. Außerdem ist der Ausschluss einer systemischen Erkrankung wichtig. So wird z. B. auch manchmal das Fieber gemessen, die Herzfrequenz beurteilt, Augenerkrankungen erfasst (Zeichen einer rheumatischen Erkrankung) oder auf einen Hautausschlag geachtet.

Bei Verdacht auf eine infektiöse Erkrankung sind u. a. die Blutparameter Leukozyten und CRP von Bedeutung. Wenn eine rheumatoide Arthritis vermutet wird, ist die Bestimmung von Rheumafaktoren und Anti-CCP wichtig. Bei einem Gichtanfall liegt evtl. eine erhöhte Harnsäure vor. Bei Verdacht auf eine bakterielle Arthritis kann in Krankenhäusern eine notfallmäßige Gelenkpunktion durchgeführt werden.

Bei der bildgebenden Bilddiagnostik ist häufig eine Röntgenaufnahme die erste Wahl.

Bei Verdacht auf eine Grunderkrankung ist generell eine umfassende Untersuchung angezeigt.

Maßnahmen und Empfehlungen

Abhängig von der Ursache wird eine entsprechende Therapie zur Heilung der Grunderkrankung bzw. Schmerzlinderung eingeleitet. Bei Blut im Gelenk (Hämarthros) führt eine Gelenkpunktion häufig zu schneller Schmerzlinderung. Bei einem akuten Gichtanfall werden Kühlung, Ruhigstellung und ein frühzeitiger Beginn mit entzündungshemmenden Medikamenten empfohlen.

Wenn die Erkrankung nicht in der Hausarztpraxis zu klären ist, sollte eine Überweisung an Spezialist*innen erfolgen. Bei Anzeichen einer bakteriellen Infektion im Gelenk werden die Betroffenen umgehend ins Krankenhaus eingewiesen.

Weitere Informationen

Illustrationen

Akute Gelenkentzündung
Akute Gelenkentzündung

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin
  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schmerzen, ein Gelenk (Monarthropathie). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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