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Gelenkschmerzen in mehreren Gelenken

Schmerzen, die an mehreren Gelenken auftreten, werden häufig von Schwellungen, Wärmeanstieg, Rötung und/oder eingeschränkter Mobilität im entsprechenden Gelenk begleitet. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Ursachen von Schmerzen in den Gelenken.

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Was sind Gelenkschmerzen in mehreren Gelenken?

Bei Schmerzen in zwei bis vier Gelenken spricht man von einer Oligoarthritis, in fünf oder mehr Gelenken von einer Polyarthritis.

Alle Gelenke bestehen aus Knochen, Knorpeln und einer äußeren Gelenkkapsel. Im Inneren des Gelenks befindet sich Gelenkflüssigkeit. Um das Gelenk herum liegen Bänder, Sehnen und Muskeln. Diese Strukturen können Schmerzen verursachen.

Bei Schmerzen und gleichzeitig vorliegenden Symptomen wie Schwellung, Wärmeanstieg, Rötung und Bewegungseinschränkung ist eine Entzündung des Gelenks wahrscheinlich. Eine bakterielle Infektion oder Gichterkrankung zeigen beispielsweise diese Symptome. Gelenkschmerzen sind ein häufiger Grund für Arztbesuche.

Ursachen

Häufige Ursachen

  • Gelenkgicht (rheumatoide Arthritis)
    • Bei der Gelenkgicht (in der medizinischen Fachsprache als rheumatoide Arthritis bezeichnet) handelt es sich um eine chronische, rezidivierende Entzündungserkrankung, insbesondere sind kleinere Gelenke in Händen und Füßen betroffen.
    • Die Erkrankung tritt in der Regel in mehreren Gelenken auf.
    • Meist beginnt die Gelenkgicht schleichend in den Gelenken der Finger und Zehen, sie kann jedoch mit der Zeit auch größere, in der Regel symmetrische Gelenke befallen, besonders bei Kindern anfangs oft in Form einer Monoarthritis mit Befall nur eines Gelenks. Die Erkrankung tritt aber in der Regel in mehreren Gelenken auf.
    • Betrifft 1–2 % der Bevölkerung, am häufigsten Frauen.
  • Psoriasis-Arthritis
    • Bei 80 % der Patienten mit Psoriasis-Arthritis geht der Gelenkentzündung Psoriasiserkrankung voraus, dabei tritt die Krankheit häufiger bei Patienten mit schwerer Psoriasis auf.
    • Oft besteht eine asymmetrische Entzündung mehrerer Gelenke.
    • Typisch ist die einen ganzen Strahl an Finger oder Zeh betreffende Daktylitis.
    • Es können auch die Iliosakralgelenke angegriffen werden.
  • Reaktive Arthritis
    • Bei der reaktiven Arthritis ist häufig das Kniegelenk betroffen, es können aber auch mehrere Gelenke gleichzeitig beteiligt sein. Die Krankheit tritt typischerweise nach einer Infektion im Harntrakt beziehungsweise im Darm oder bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) auf.
    • Es kommt zu Schwellungen, Rötungen, erhöhte punktuelle Temperatur, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks.
  • Urinsäuregicht
    • Urinsäuregicht ist eine Gelenkentzündung aufgrund einer Erhöhung des Harnsäurespiegels und konsekutiver Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken.
    • Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Männern mittleren Alters auf, oft in Verbindung mit langen Zeiträumen ohne Beschwerden zwischen den Anfällen.
    • Bei der Gicht sind häufig die Großzehen von Gelenkentzündungen betroffen (Podagra). Es kann aber auch zu Entzündungen in anderen Gelenken kommen, z. B. in Fußknöchel, Knie, Ellbogen und Schleimbeutel (bei einer Entzündung des Schleimbeutels spricht man von einer Bursitis).
    • Das Maximum der Beschwerden eines Gichtanfalls ist nach einigen Stunden erreicht. Eine Belastung des Gelenks ist dann nahezu unmöglich, selbst die geringste Berührung ist schmerzhaft. Das betroffene Gelenk ist geschwollen, gerötet und eventuell kann die Haut über Tage/Wochen nach einem Anfall schuppen.
  • Polymyalgia rheumatica
    • Die Polymyalgia rheumatica ist eine rheumatische Erkrankung, die durch Schmerzen und Morgensteifigkeit in mindestens zwei von drei Muskelgruppen in den Schultern, im Nacken oder in den Hüften gekennzeichnet ist. Es liegen Symptome einer allgemeinen Erkrankung (etwa 30–50 %) wie Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen und Fieber vor.
    • Die meisten Patienten haben eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), die Erkrankung kann aber auch bei einer normalen Blutsenkungsgeschwindigkeit auftreten.
    • Durch Kortison lässt sich innerhalb von Stunden eine Linderung der Beschwerden erzielen.
  • Fibromyalgie
    • Es handelt sich um keine Gelenkerkrankung. Unklare Muskelschmerzen können jedoch auch als Gelenkschmerzen interpretiert werden.
    • Am häufigsten sind Frauen betroffen.

Seltenere Ursachen

  • Bakterielle Entzündung der Gelenke
    • Eine derartige Entzündung wird oft im Kniegelenk lokalisiert, sie kann aber in verschiedenen Gelenken auftreten.
    • Zu den Risikofaktoren für eine solche Entzündung gehören das Einführen einer Nadel in das Gelenk (Gelenkpunktion), ein künstliches Gelenk (Prothese) in Hüfte oder Knie, Hautinfektionen, Gelenkoperationen, Arthritis, hohes Alter (älter als 80 Jahre) und Diabetes mellitus.
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
    • Der SLE ist eine Autoimmunerkrankung, die Symptome in vielen Organsystemen verursachen kann. Die Beschwerden sind oft unspezifisch und wechseln sich ab. Dazu gehören Schmerzen in Muskeln und Gelenken, ein oft schmetterlingsförmiger Hautausschlag über Wangen und Nase sowie psychiatrische Symptome.
    • Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Frauen jüngeren und mittleren Alters auf.
    • Bei einer aktiven Erkrankung kommt es häufig zu einer Anämie (Blutarmut), zu einer erhöhten Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), einer Leukopenie (verminderte Zahl von weißen Blutkörperchen) sowie zu einem positiven antinuklearen Antikörpertest (ANA-Test).
  • Sarkoidose
    • Bei der Sarkoidose handelt es sich um eine Erkrankung, die viele Organsysteme betrifft.
    • Sie kann akut oder chronisch verlaufen und beginnt oft in einem Alter zwischen 30 und 40 Jahren.
    • Die Erkrankung kann mit Abgeschlagenheit, Fieber, unerklärlich lang anhaltendem Husten und Atemnot einhergehen oder wird zufällig diagnostiziert. In 90 % der Fälle sind die Lungen betroffen.
    • Sarkoidose kann ebenfalls Auswirkungen auf Haut, Augen, Gelenke, Nerven, Leber, Nieren oder Herz haben.
  • Polymyositis
    • Polymyositis ist eine seltene rheumatische Muskelerkrankung, bei der die Hälfte der Patienten Muskelschmerzen hat.
    • Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, am häufigsten aber in den Altersgruppen zwischen 10–15 und 50–60 Jahren.
    • Bei der Dermatomyositis tritt gleichzeitig ein spezifischer Ausschlag mit violetter Verfärbung der Augenlider auf, der oft mit Schwellungen rund um die Augen oder einem rötlichen Ausschlag auf den Wangen, dem Nasenrücken oder auf den Streckseiten der Finger einhergeht.
    • Die Erkrankung beginnt in der Regel mit einer zunehmenden Muskelschwäche vor allem im Hüft- und Schulterbereich.
  • Borreliose
    • Als verzögerte Reaktion nach einem Zeckenstich kann sich eine Arthritis entwickeln. Zuvor kann es zu einem spezifischen kreisrunden oder ovalen Hautausschlag (Erythema migrans) kommen sowie in unterschiedlichen Stadien zu einer Vielzahl weiterer Symptome in anderen Organen.
  • Arthritis bei Kindern
    • Bei einer Arthritis bei Kindern kommt es zu einer anhaltenden Entzündung in einem oder mehreren Gelenken über mehr als sechs Wochen, die vor dem 16. Lebensjahr beginnt und bei der andere Ursachen ausgeschlossen wurden.
    • Die Symptome können sich langsam entwickeln. Zu den allgemeinen Beschwerden zählen Abgeschlagenheit, Fieber und Hautausschlag. Morgensteifigkeit und Trägheit sind üblich, die Schmerzen sind oft weniger ausgeprägt.
    • Eine Augenentzündung (Uveitis) kann unangenehm sein, ist aber häufig asymptomatisch.

Was können Sie selbst tun?

Sie sollten die Gelenke entlasten, um eine Verschlechterung der Erkrankung zu verhindern.

Wann sollte Sie ärztlichen Rat suchen?

Insbesondere bei einer akuten Entzündung in einem Gelenk oder mehreren Gelenken sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Anamnese

Die Ärztin/der Arzt stellt eventuell folgende Fragen:

  • Wie lange besteht die Erkrankung bereits?
  • Wie hat die Erkrankung begonnen?
  • Welche Gelenke sind betroffen?
  • Sind die Gelenke geschwollen?
  • Wandern die Gelenkschmerzen von einem Gelenk zu einem anderen?
  • Haben Sie morgens steife Gelenke?
  • Kommen Gelenkerkrankungen in Ihrer Familie häufig vor?
  • Haben Sie nachts Schmerzen? Im Ruhezustand?
  • Fühlen Sie sich allgemein krank?
  • Haben Sie oder hatten Sie vor kurzem einen Ausschlag?
  • Hatten Sie bereits ähnliche Probleme?
  • Hatten Sie erst kürzlich Infektionskrankheiten in Zusammenhang mit anderen Körperteilen?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?

Ärztliche Untersuchungen

Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie untersuchen und dabei besonderen Wert auf die Untersuchung der schmerzenden Gelenke legen. Sie/er wird auf Schwellungen, Rötungen, die lokale Überwärmung und eingeschränkte Beweglichkeit achten, ggf. wird der Hautausschlag und weitere Organe untersucht. Bei Gelenkentzündungen ist es sinnvoll, Bluttests durchzuführen. Eine Röntgenuntersuchung ist zudem manchmal hilfreich.

Überweisung an einen Spezialisten oder in ein Krankenhaus

Überweisung an einen Spezialisten: Wenn die Erkrankung nicht durch die Allgemeinärzte zu klären ist, sollte eine Überweisung an spezialisierte Ärzte erfolgen.

Illustrationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg