Zum Hauptinhalt springen

Knieschmerzen

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Was sind Knieschmerzen?

  • Knieschmerzen können viele Ursachen haben. Die Knie sind große Gelenke, die hohen Belastungen ausgesetzt sind. Im Kniegelenk kommen Knochen und Knorpel sowie Gelenkinnenhaut, Menisken, Gelenkbänder und Schleimbeutel zusammen. Rund um das Kniegelenk herum sind außerdem Sehnen und Muskeln angebracht. Alle diese Strukturen können den Ursprung für Schmerzen im Knie bilden.

Häufigkeit

  • In der Allgemeinarztpraxis klagen 1–2 % der Patienten über Knieschmerzen.
  • In einer Umfrage gaben 30 % der Frauen und 25 % der Männer an, dass sie im Laufe der vergangenen 12 Monate Knieschmerzen gehabt hätten.
  • Die Häufigkeit von Knieschmerzen nimmt zu, was auf vermehrte Sportverletzungen (u. a. durch Handball, Fußball, Skifahren) und einseitige Belastung zurückzuführen sein kann.

Wie entstehen Knieschmerzen

  • Überbelastungen können Sehnenentzündungen, Entzündung der Sehnenansätze und der Schleimbeutel verursachen. Auch Knochen und Knorpel können überlastet werden.
  • Degenerative Veränderungen können zu Verkalkungen und zu Entzündungen an Knorpel und Knochen führen.
  • Gichterkrankungen können die Bestandteile von Gelenken angreifen: Gelenkhäute, Knochen und Knorpel.
  • Schäden in Form von Bänderverletzungen, Meniskusschäden und Knochenbrüche kommen auch häufig vor.

Ursache

Häufige Ursachen für allgemeine Knieschmerzen

  • Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose)
  • Tritt zumeist bei älteren Menschen oder Personen auf, die früher eine schwere Knieverletzung erlitten haben.
    • Die Erkrankung führt zu Knieschmerzen bei und nach Belastungen sowie einer reduzierten Beweglichkeit des Kniegelenks. Anfängliche Schmerzen können ausgeprägt sein, bei fortschreitender Erkrankung treten am Tag Schmerzen beim Ruhen und nächtliche Schmerzen auf.
  • Abnutzung der Kniescheibe (patellofemorale Arthrose)
    • Kommt im Alter von über 40 Jahren häufig vor.
    • Die Erkrankung erzeugt Schmerzen vorne am Knie, die beim Aufsteigen und Absteigen von Gefällen oder beim Sitzen mit gebeugten Knien hervorgerufen werden.
  • Kniegelenkentzündung (Arthritis)
    • Kann auf eine Vielzahl von zugrunde liegenden Erkrankungen zurückzuführen sein.
    • Es treten Schmerzen, Schwellungen, Wärme und eine eingeschränkte Beweglichkeit des Gelenks auf.
  • Entzündung von Knorpel und Knochen (Osteochondrosis)
    • Ein Stück Knochen kann sich von der Gelenkoberfläche lösen und sich frei in der Gelenkpfanne bewegen, wo es sich verkeilen kann.
    • Patienten sind in der Regel zwischen 15 und 20 Jahre alt.
    • Typischerweise hatte der Patient in der Vergangenheit eine oder mehrere Verletzungen des Gelenks. Sie können zu Gelenkverschluss, Knieschmerzen, und Schwellungen führen.
  • Kreuzbandverletzung am vorderen Kreuzband
    • Schwere Knieverletzung, die häufig auftritt, wenn das Knie sich dreht, während der Fuß stehen bleibt. Diese Verletzung kommt oft bei Sportlern vor.
    • Kann u. a. neben Schmerzen zu Instabilität des Knies führen.
  • Kreuzbandverletzung am hinteren Kreuzband
    • Schwere Knieverletzung, die häufig auftritt, wenn das Knie sich dreht, während der Fuß stehen bleibt. Diese Verletzung kommt ebenfalls oft bei Sportlern vor.
    • Kann u. a. neben Schmerzen zu Instabilität des Knies führen.
  • Verletzung der äußeren Seitenbänder
    • Knieverletzung, die oft entsteht, wenn das Bein nach innen gedreht wird während die Außenseite des Kniegelenks gestreckt wird. Diese Verletzung kommt ebenfalls gehäuft bei Sportlern vor.
    • Kann u. a. neben Schmerzen zu Instabilität des Knies führen.
  • Beschädigung der inneren Seitenbänder
    • Knieverletzung, die entsteht, wenn das Bein nach außen gedreht wird während die Innenseite des Kniegelenks gestreckt wird. Wie alle Bandverletzungen des Knies kommt auch diese Verletzung gehäuft bei Sportlern vor.
    • Kann u. a. neben Schmerzen zu Instabilität des Knies führen.

Häufige Ursachen für Schmerzen im vorderen Teil des Knies

  • Entzündung der Patellasehne (Patellaspitzensyndrom)
    • Häufige Erkrankung, vor allem unter jungen, sportlich aktiven Menschen und Joggern um die 40 Jahre. Zudem tritt das Patellaspitzensyndrom vor allem bei Sportarten auf, bei denen Sprünge vorkommen, wie Leichtathletik, Fußball, Basketball, Volleyball und Skifahren.
    • Neben Schmerzen im vorderem Knie zeigen sich eine Versteifung und Instabilität des Knies. Die Schmerzen kommen beim Treppensteigen und beim Auf- und Abstieg in Gefällen vor sowie in der Hocke und beim Aufstehen nach langem Sitzen.
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis präpattellaris)
    • Schleimbeutelentzündung (Bursitis) auf der Vorderseite oder unterhalb der Kniescheibe
    • Die Ursache ist oft langes Arbeiten in kniender Stellung, wie das Schleifen oder Schrubben von Böden, oder eine Verletzung.
    • Es treten Schwellungen, Schmerzen, Wärme und Rötungen an der Vorderseite oder unterhalb der Kniescheibe auf. Die Fähigkeit das Knie zu beugen ist aufgrund der Schmerzen stark beeinträchtigt.
  • Morbus Schlatter
    • Tritt im Alter von 10 bis 15 Jahren auf, zumeist bei Jungen. Es handelt sich dabei um eine Reizung oder leichte Entzündung des Sehnenansatzes am Wadenbeinknochen.
    • Schmerzhaft, wenn das Kind sich körperlich betätigt hat, z. B. nach dem Fußballspielen. Der Sehnenansatz ist entzündet und geschwollen
  • Sinding-Larsen-Krankheit
    • Tritt in der Regel vor dem Alter von 10 Jahren auf, zumeist bei Jungen. Es handelt sich dabei um eine Reizung oder leichte Entzündung des Kniesehnenansatzes an der Kniescheibe.
    • Schmerzhaft, wenn das Kind sich körperlich betätigt hat, z. B. nach dem Fußballspielen. Sehnenansatz ist schmerzempfindlich

Häufige Ursachen für Schmerzen an den Seiten oder auf der Rückseite des Knies

  • Meniskusverletzungen
    • Meniskusschäden bei jungen Menschen führen zu einer Prädisposition für eine Abnutzung des Meniskus im Erwachsenenalter, meist im Alter von 30–50 Jahren.
    • Eine Meniskusverletzung verursacht u. a. akute oder schnell einsetzende Schmerzen, Instabilität des Knies und Schwellungen des Knies.
  • Entzündung der Anserinus-Sehnen
    • Tritt am häufigsten bei Personen mittleren und höheren Alters auf, jedoch auch bei Sportlern.
    • Oft geht den Beschwerden eine Verletzung oder ungewohnte, länger andauernde Belastung voraus.
    • Die Symptome zeigen sich schnell oder akut in Form von intensiven Schmerzen auf der Rück- und Innenseite des Knies. Die betroffene Stelle ist schmerzempfindlich und manchmal geschwollen.
  • Langstreckenläuferknie
    • Entzündung der Sehne/ des Schleimbeutels am Oberschenkelknochen an der Außenseite des Kniegelenks
    • Die Erkrankung tritt zumeist bei Langstreckenläufern auf und führt zu Schmerzen an der Außenseite des Kniegelenks oft bereits nach kurzer Laufstrecke.
  • Sehnenentzündung in Popliteussehne
    • Die Ursache ist unklar, aber möglicherweise darauf zurückzuführen, dass der Fuß beim Laufen nach außen gedreht wird (Hyperpronation).
    • Der Zustand führt zu Schmerzen an der Rückseite des Knies und Schmerzempfindlichkeit der Sehne an der Außenseite des Gelenks.
  • Ausbuchtung in der Kniekehle (Bakerzyste)
    • Vergrößerter Schleimbeutel (Bursa) in der Rückseite des Kniegelenkes. Kann bei Entzündungen des Kniegelenks anschwellen.
    • Wenn die Zyste platzt, kann es zu plötzlichen auftretenden, starken Schmerzen in der Kniekehle kommen.
  • Ischias und Hüftkrankheiten können auch zu Knieschmerzen führen.

Was können Sie selbst tun?

  • Entlasten Sie das Gelenk. Schonen Sie Ihr Knie vor Belastungen, wenn es schmerzt. Oft ist dies bereits ausreichend, und die Beschwerden nehmen von selbst ab.
  • Sie können regelmäßig Quadrizepsübungen ausführen, z. B. können Sie dafür den Oberschenkelmuskel mehrmals täglich anspannen, ohne jedoch das Knie zu beugen.
  • Sie können kurzzeitig ein schwaches Schmerzmittel verwenden, beispielsweise Ibuprofen oder Paracetamol.
  • Eine Gewichtsabnahme kann hilfreich sein, falls Sie übergewichtig sind.
  • Legen Sie sich gegebenenfalls für ihre körperliche Betätigung neue Trainingsschuhe zu.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Bei akuten Verletzungen, die unmittelbar Schmerzen auslösen, sollten sie schleunigst einen Arzt aufsuchen.
  • Schwache, lang anhaltende Knieschmerzen sollten von einem Arzt untersucht werden.

Was macht der Arzt?

Krankengeschichte

Fragen, die Ärzte oft stellen, wenn eine Knieverletzung vorliegt:

  • Wann geschah der Unfall?
  • Wo tut es weh?
  • Wie hat sich der Unfall ereignet?
    • In welcher Stellung stand das Knie und wie wurde es verdreht?
    • War es eine Kontaktverletzung? Wie?
  • Ist das Knie geschwollen? Wie schnell kam die Schwellung?
  • Fühlten oder hörten sie ein Knacken als sich die Verletzung ereignete?
  • Blockiert das Kniegelenk? Können Sie das Kniegelenk nicht strecken? Können Sie das Kniegelenk nicht beugen?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, sich hinzukauern?

Fragen, die Ärzte oft stellen, wenn keine Knieverletzung vorliegt:

  • Seit wann leiden Sie unter den Beschwerden?
  • Wo tut es weh?
  • Haben Sie auf den Knien gearbeitet?
  • Verrichten Sie Tätigkeiten, die das Knie zusätzlich belasten?
    • Z. B. Joggen, Gewichtheben, Radfahren usw.
  • Haben Sie Schwierigkeiten beim Treppensteigen?
  • Haben Sie Schwierigkeiten beim Springen?
  • Treten bei einem Kind Schmerzen auf, nachdem es sich körperlich betätigt hat:
    • Verschwinden die Schmerzen bei Ruhe?
  • Haben Sie Schmerzen in anderen Gelenken als den Knien?
  • Gibt es in Ihrer Familie jemanden, der an rheumatischen Erkrankungen (Arthritis) leidet?
  • Leiden Sie an rheumatischen Erkrankungen oder anderen Krankheiten?

Ärztliche Untersuchung

  • Die Kniegelenkuntersuchung kann aus einer Inspektion, Abtasten der unmittelbaren Umgebung des Gelenks, Kraft- und Beweglichkeitstests, Untersuchung auf Kreuzbandverletzung, Meniskusschaden oder anderen Schäden an den Bändern bestehen.
  • Manchmal ist es notwendig, Gelenkflüssigkeit zu entnehmen, wenn beispielsweise eine starke Schwellung, Überwärmung und Rötung vorliegt.

Andere Untersuchungen

  • Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Krankheit müssen Blutproben entnommen werden.
  • Röntgen, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Arthroskopie können gegebenenfalls zur Untersuchung von Knieschäden hinzugezogen werden.

Überweisung an einen Facharzt oder in ein Krankenhaus

  • Bei Verletzungen ist in den meisten Fällen eine Überweisung in ein Krankenhaus für Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren und Begutachtung durch einen Orthopäden empfehlenswert.
  • Belastungsschäden können in den meisten Fällen durch den Hausarzt behandelt werden

Illustrationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg