Bipolare affektive Störungen

Zusammenfassung

  • Definition:Äußert sich in Form einer oder mehrerer manischer (Typ I) oder hypomanischer (Typ II) Episoden und einer oder mehrerer depressiver Episoden, die von symptomarmen oder -freien Phasen unterbrochen werden.
  • Häufigkeit:Die Lebenszeitprävalenz wird auf etwa 1 % beziffert. Schließt man leichtere Formen mit ein, dann liegt sie bei etwa 5 %.
  • Symptome: Manische Symptome sind u. a. gehobene, expansive oder gereizte Stimmung. Kennzeichen einer Depression sind gedrückte Stimmung, Interesse- und Antriebslosigkeit.
  • Befunde:Manische Patienten sind oft sehr unruhig, mitunter auch gereizt-aggressiv, sodass sich ein normales Gespräch schwierig gestalten kann. In der depressiven Episode fallen evtl. Konzentrationsstörungen, psychomotorische Verlangsamung oder ängstliche Agitiertheit auf.
  • Diagnostik: Von entscheidender Bedeutung sind neben der klassifikatorischen Diagnostik nach ICD-10 die dimensionale Diagnostik mithilfe verschiedener Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrumente sowie die Differenzial- und Komorbiditätsdiagnostik.
  • Therapie:Die Aufklärung und Therapieplanung erfolgt im Trialog zwischen Behandelnden, Patienten und, wenn diese einverstanden sind, den Angehörigen. In der Regel ist eine medikamentöse Akuttherapie und/oder Phasenprophylaxe angezeigt. Auch psychotherapeutisch-psychoedukative Elemente haben einen hohen Stellenwert. Zur ergänzenden Behandlung kommen ggf. Licht- oder Wachtherapie sowie kreative, entspannende und handlungsorientierte Verfahren zum Einsatz. Bei unzureichendem Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung kann eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) erwogen werden.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Bipolare Störungen (immer weniger gebräuchlich: „manisch-depressive Erkrankungen“)
    • Äußern sich in Form depressiver sowie manischer, hypomanischer oder gemischter affektiver Episoden, die von asymptomatischen Phasen unterbrochen werden.
    • Eine bipolare Störung liegt dann vor, wenn mindestens 2 affektive Episoden auftreten, davon mindestens eine hypomanische, manische oder gemischte Episode.1-2
  • Manische Episode
    • Über mindestens 1 Woche gehobene, expansive oder gereizte Stimmung, die der Situation unangemessen ist und dadurch auffällt.
    • Mindestens 3 der folgenden Merkmale (mindestens 4, wenn die Stimmung nur gereizt ist) treffen zu und verursachen eine schwere Störung der alltäglichen Lebensführung:
      • deutlich erhöhtes Erregungsniveau
      • Kann schnell in aggressive Erregung kippen.
      • Antriebssteigerung
      • Rededrang
      • Ideenflucht
      • reduzierte soziale Hemmungen
      • vermindertes Schlafbedürfnis
      • überhöhte Selbsteinschätzung
      • Ablenkbarkeit
      • riskantes Verhalten
      • gesteigerte Libido.
  • Hypomanische Episode
    • leichte Ausprägung der Manie
    • wenigstens 4 Tage lang anhaltende, leicht gehobene Stimmung
    • Antrieb und Aktivität gesteigert
    • auffallendes Gefühl von Wohlbefinden, körperlicher und seelischer Leistungsfähigkeit
    • gesteigerte Geselligkeit
      • Gesprächigkeit
      • übermäßige Vertraulichkeit
    • gesteigerte Libido
    • vermindertes Schlafbedürfnis
    • Das Ausmaß der Symptome ist so moderat, dass sie nicht zu einem Abbruch der Berufstätigkeit oder zu sozialer Ablehnung führen.
    • Anstelle der häufigen euphorischen Geselligkeit können auch Reizbarkeit, eingebildetes Auftreten und flegelhaftes Verhalten dominieren.
    • evtl. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizit
      • Mangelnde Fähigkeit, sich der Arbeit zu widmen, sich zu entspannen und zu erholen.
      • Das verhindert nicht das Interesse an neuen Unternehmungen und Aktivitäten oder übertriebene Geldausgaben.
  • Depressive Episode (Näheres im Artikel Depression)
    • Mindestens 2-wöchige Episode, während derer gleichzeitig mindestens 4 der folgenden Symptome vorliegen, davon mindestens 2 Hauptsymptome:
      • depressive Stimmung
      • Interesselosigkeit
      • Antriebsminderung.
    • Zusatzsymptome
      • Selbstwertverlust
      • unangemessene Schuldgefühle
      • wiederkehrende Gedanken an den Tod oder Suizidalität
      • kognitive Defizite
      • psychomotorische Veränderungen
      • Schlafstörungen
      • Appetitstörungen
  • Gemischte Episode
    • Mischung von depressiven und hypomanischen/manischen Symptomen oder rascher Wechsel, d. h. innerhalb weniger Stunden
    • Depressive und hypomanische/manische Symptome treten dabei in vergleichbarem Maß die meiste Zeit während einer mindestens 2-wöchigen Periode auf.
  • Bipolar-I-Störung
    • Eine bipolare Störung, bei der die Patienten mindestens einmal in ihrem Leben eine manische Episode durchlaufen haben.
    • Bei dem Großteil der Patienten sind die depressiven Episoden im Laufe ihres Lebens zahlreicher und länger als die manische Episode.
  • Bipolar-II-Störung (ICD-10: sonstige bipolare affektive Störungen)
    • Eine bipolare Störung, bei der die Patienten depressive und hypomanische Episoden durchlaufen, jedoch noch nie eine manische Episode erlebt haben.
    • Die Einschränkung der Funktionsfähigkeit ist durch die Depressionen bedingt.
    • Kommt es zu einer manischen Episode, ist die Diagnose zu ändern und die Erkrankung als Bipolar-I-Störung zu klassifizieren.
  • Rapid Cycling
    • Das ist eine Sonderform der bipolaren Störung, die durch besonders schnellen Phasenwechsel gekennzeichnet ist.
    • mindestens 4 voneinander abgrenzbare Episoden in den letzten 12 Monaten
  • Zyklothymie (Zyklothymia)
    • Hypomanien und zeitlich getrennt davon auftretende depressive Symptome, die jedoch nicht die vollständigen Kriterien für eine mittelgradige oder schwere depressive Episode erfüllen.
    • Bei dieser klinischen Konstellation darf die Diagnose Bipolar-II-Störung (ICD-10: sonstige bipolare affektive Störungen – F31.8) nicht gestellt werden.
    • Markiert innerhalb des bipolaren Spektrums den Grenzbereich zu Temperaments- und Persönlichkeitscharakteristika.
    • Es besteht kein wissenschaftlicher Konsens darüber, ob diese leichtere Form überhaupt als bipolare Störung bezeichnet werden soll.

Diagnostik

Therapie

Verlaufskontrolle

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