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Panikstörung

Panikattacken kommen unerwartet und sind mit intensiver Angst und Symptomen wie Herzklopfen, Zittern, Atembeschwerden, Brustschmerzen und Schwindel verbunden.

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Was ist eine Panikstörung?

Bei einer Panikstörung handelt es sich um eine Erkrankung, bei der es plötzlich und unerwartet zu Attacken mit intensiver Angst und extremem Unbehagen kommt. Die Attacken treten häufig ein- bis mehrmals wöchentlich auf und können die alltäglichen Aktivitäten und die Arbeit der Betroffenen beeinflussen. Während der Attacke haben die Betroffenen Angst, ihren Verstand zu verlieren, ohnmächtig zu werden, zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Panikattacken können Teil fast aller psychiatrischen Erkrankungen sein, bei einer Panikstörung aber kommen die Attacken, zumindest zu Beginn, ohne offensichtliche Auslöser und sind nicht vorhersehbar.

Die Attacke wird von körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Atembeschwerden, Erstickungsgefühl, Zittern, Schwitzen, Brustschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Bauchschmerzen begleitet.

Die Attacke steht nicht im Zusammenhang mit bestimmten Situationen oder einer tatsächlichen Gefahr, sondern erscheint völlig unerklärlich. Sie entsteht plötzlich, erreicht innerhalb weniger Minuten ihr Maximum und klingt dann allmählich ab. Nach einer Attacke kann es zu Angst vor einer neuerlichen Attacke kommen. Dieses Phänomen wird als Erwartungsangst bezeichnet. In der Folge werden häufig Orte oder Situationen gemieden, die in Verbindung mit früheren Attacken gebracht werden. Man spricht dann von Agoraphobie (Angst vor öffentlichen Plätzen).

Kennzeichnend für die Agoraphobie ist die Furcht, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein oder alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen.

Ca. 1–5 % der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens von einer Panikstörung betroffen, und viele Menschen haben schon einmal eine einzelne Panikattacke erlebt. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 30–50 Jahren. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Ursachen

Vermutlich liegt der Erkrankung eine Kombination aus genetischen Faktoren, die zu neurobiologischen Veränderungen führen, und psychosozialen Faktoren zugrunde. Panikstörungen treten häufiger bei Personen auf, in deren Familie bereits Panikstörungen aufgetreten sind. Patienten mit einer Panikstörung waren als Kind oft ängstlich und schüchtern.

Von einer Panikstörung Betroffene missinterpretieren harmlose körperliche Empfindungen als gefährlich. So wird z. B. Herzklopfen als Anzeichen für einen bevorstehenden Herzinfarkt gedeutet. Dies führt zu einem Teufelskreis, der die Signale des Körpers verstärkt: Das Herz beginnt noch stärker und schneller zu schlagen, was wiederum die Angst weiter erhöht. So erhöht sich die Aufmerksamkeit gegenüber körperlichen Symptomen, und die Betroffenen gehen davon aus, es könnte jederzeit zu einer Katastrophe kommen, was den Teufelskreis nur weiter verstärkt. Die Patienten empfinden häufig eine „Angst vor der Angst“, die sogenannte Erwartungsangst, die eine erneute Panikattacke hervorrufen kann.

Panikattacken können auch durch Substanzen verursacht werden, die von außen zugeführt werden (Koffein, Nikotin, Kokain usw.), durch Veränderungen des Stoffwechsels (niedriger Blutzuckerspiegel, erhöhter Spiegel an Schilddrüsenhormonen) oder Hyperventilation.

Panikstörungen treten häufig gemeinsam mit weiteren psychischen Erkrankungen auf, insbesondere Depressionen und anderen Angststörungen. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen mit Panikstörung entwickelt im Krankheitsverlauf eine Depression. Bei einem Drittel der Patienten tritt die Panikstörung gemeinsam mit einer sozialen Phobie auf. Etwa 80 % aller betroffenen Patienten berichten von belastenden Lebensereignissen in den 12 Monaten vor dem Einsetzen der Panikstörung. Ob hier aber tatsächlich ein Kausalzusammenhang besteht, ist unsicher, da die entsprechenden Studien rückblickend arbeiten und die Betroffenen möglicherweise eine Tendenz haben, vorherige Ereignisse zu überhöhen, um eine Erklärung für die sonst schwer begreiflichen Panikattacken zu schaffen.

Bei einer Panikstörung ist die Empfindlichkeit des vegetativen Nervensystems des Körpers erhöht. Bei einer Instabilität dieses Nervensystems, das unter anderem den Herzschlag, die Atmung und die Darmfunktion steuert, verstärkt sich die Neigung, in bestimmten Situationen Reaktionen auszulösen. Die wichtigsten Stoffe, die bei solchen Reaktionen freigesetzt werden, sind die Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin. Sie bewirken eine „Alarmreaktion“, ohne dass eine tatsächliche Gefahr besteht. 

Diagnostik

Angststörungen werden oft nicht erkannt, häufig treten körperliche Symptome in den Vordergrund. Die Diagnose kann aufgrund der typischen Krankengeschichte und des Umstands, dass Anzeichen einer körperlichen Erkrankung fehlen, gestellt werden. Die Panikattacken treten plötzlich auf und sind nach einigen Minuten vorbei, zwischen den Attacken fühlen sich die Patienten gesund.

Die Ärztin/der Arzt misst den Blutdruck und untersucht Herz, Lunge und Bauch, um eine organische Erkrankung auszuschließen. Meist werden auch Blutuntersuchungen und andere Untersuchungen, wie z. B. EKG, durchgeführt.

Gezielte Fragen können auf eine Panikstörung hinweisen.

Es ist wichtig, bereits in einem frühen Stadium des Krankheitsverlaufs die Panikstörung festzustellen und den Betroffenen die Situation genau zu erklären, um zu verhindern, dass die Patienten weitere Arztbesuche und Untersuchungen auf sich nehmen, weil sie davon ausgehen, dass es sich um eine ernste körperliche Erkrankung handelt.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist die Verbesserung der Funktionsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten. Neuen Panikattacken und einer Weiterentwicklung des Krankheitsbildes soll vorgebeugt werden.

Die Grundlage jeder Behandlung ist eine genaue und umfassende Information. So kann den Betroffenen eine Erklärung gegeben werden, wie die Symptome entstehen und worauf sie beruhen. Hilfreich kann es sein, die Attacken mithilfe eines Symptomtagebuchs genau zu registrieren. So können Sie bestimmte Signale erkennen, die einer Panikattacke vorausgehen. Dies kann in der Therapie genutzt werden.

Eine Psychotherapie in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie ist bei Panikstörungen wirksam und ist als Therapie der ersten Wahl anzusehen. Häufig werden dabei auch Expositionsübungen angewandt, bei denen sich die Patienten in therapeutischer Begleitung in angstauslösende Situationen begeben. Die Psychotherapie kann auch mit medikamentöser Behandlung kombiniert werden.

Viele Betroffene kommen auch ohne Medikamente zurecht. Bei schweren Angststörungen haben Antidepressiva (z. B. SSRI) eine gute Wirksamkeit bewiesen. Um Rückfällen vorzubeugen, sollte die Einnahme möglichst für mindestens ein Jahr fortgeführt werden. Am besten sollte die medikamentöse Therapie mit einer Psychotherapie kombiniert werden.

Benzodiazepine sind nicht geeignet für die Langzeitbehandlung und sollten lediglich in Ausnahmefällen zur Notfallbehandlung eingesetzt werden. Es besteht ein erhebliches Risiko, von diesen Medikamenten abhängig zu werden. Nicht zuletzt geht es dabei auch um psychische Abhängigkeit, also das Bedürfnis, ständig Beruhigungsmittel dabei zu haben, sodass es zur Katastrophe wird, wenn man sie einmal vergisst oder sie zur Neige gehen.

Therapiebegleitend können die Betroffenen Entspannungsverfahren und Ausdauersport ausüben.

Prognose

Bei ca. 20 % der Patienten verläuft die Erkrankung chronisch. Es besteht ein erhöhtes Risiko des Missbrauchs von Alkohol und/oder Medikamenten, um die Angst zu bewältigen.

Mit Psychotherapie ist die Prognose relativ gut. Die meisten Patienten erleben dadurch eine wesentliche Verbesserung. Das Rückfallrisiko ist deutlich niedriger als bei einer rein medikamentösen Behandlung.

Trotz erfolgreicher Therapie treten bei einem Drittel der Patienten innerhalb von 2 Jahren nach Beendigung der Therapie Rückfälle auf. Dann kann eine „Auffrischung" der Therapieinhalte helfen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden