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Trizyklische Antidepressiva (TZA)

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Warum Medikamente?

Schon lange ist bekannt, dass Medikamente bei mittelschweren bis schweren Depressionen häufig eine sehr gute Wirkung zeigen. Bei einer Episode leichter depressiver Beschwerden warten viele Ärzte hingegen zunächst mit einer medikamentösen Therapie ab, informieren die Patienten über die Krankheit und mögliche Hilfsangebote und beobachten den Verlauf.

Trizyklische Antidepressiva (TZA) ist der Fachbegriff für die schon lange gebräuchlichen Medikamente aus der Gruppe der Wirkstoffe gegen Depression. Wissenschaftliche Studien haben die gute Wirksamkeit von TZA bei mittelschweren und schweren Depressionen nachgewiesen, und unter bestimmten Umständen zeigen sie sogar eine bessere Wirkung als neuere Medikamente.

Das Problem bei Behandlungen ist, dass die Nebenwirkungen sehr unangenehm sein können. Bei sehr schweren Depressionen können die Nebenwirkungen akzeptabel sein, weil der Nutzen entsprechend hoch ist. Aber bei leichten Depressionen waren die Nebenwirkungen in vielen Fällen störender als die Krankheit selbst, was oftmals zu einem Abbruch der Behandlung führte. Da trizyklische Antidepressiva ihre erwünschte Wirkung meist erst nach einigen Wochen zeigen, die Nebenwirkungen aber oft schon früher auftreten, werden die Medikamente manchmal bereits abgesetzt, bevor die positive Wirkung überhaupt komplett erkennbar ist.

Die Nebenwirkungen sind jedoch sehr individuell und können bei einigen Patienten recht harmlos ausfallen. Werden die Patienten nicht von den Nebenwirkungen beeinträchtigt, sind TZA daher eine Alternative.

Einer der Gründe für die Entdeckung, dass sich auch schwere Depressionen mit Medikamenten heilen lassen, war das Wissen über die Krankheit und eine bereits lange Zeit bestehende Vermutung, dass nämlich Depressionen ganz oder teilweise auf chemischen Veränderungen im Gehirn beruhen. Nach und nach haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass bei depressiven Patienten auffällige Mengen von den Substanzen vorhanden sind, die Signale von einer Nervenzelle zur nächsten übertragen. Liegt ein Ungleichgewicht dieser Substanzen im Gehirn vor, durchleben die Betroffenen möglicherweise die typischen Depressionssymptome wie Trauer, Mutlosigkeit, Apathie, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen.

Wie wirkt das Medikament?

TZA beeinflussen die Menge der Substanzen (Neurotransmitter), die im Gehirn die Signale von einer Nervenzelle zur nächsten übertragen. Vor allem die Neurotransmitter namens Serotonin und Noradrenalin werden nach der Übertragung Nervensignals von einer zur nächsten Nervenzelle nicht gleich wieder entfernt (wie normalerweise), sondern verbleiben länger im Bereich der 2. Nervenzelle, sodass die Signale länger anhalten.

TZA wirken jedoch darüber hinaus auch auf andere Neurotransmitter im Gehirn und im Nervensystem des Körpers ein, darunter auch einige, die bei einer Depression nicht von Bedeutung sind. Dies ist gleichzeitig die Ursache für die meisten Nebenwirkungen.

Die neueren Medikamente (z. B. selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer, SSRI) wirken selektiver oder gezielter und haben damit insgesamt weniger Nebenwirkungen, sind aber in bestimmten Fällen auch weniger wirksam.

Wie wird die Behandlung durchgeführt?

Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn sich die Betroffenen genau beraten lassen und den Arzt nach den Beschwerden, möglichen Verläufen und Entstehung der Krankheit befragen. Auch Informationen zu den verschiedenen Therapiemöglichkeiten sind wichtig. Der Arzt sollte möglichst zusammen mit den gut informierten Patienten die Entscheidung zur Therapie treffen. 

Mit Blick auf die Nebenwirkungen beginnt der Patient mit einer niedrigen Dosis und steigert nach und nach auf die wünschenswerte Dosierung. Die komplette Wirkung auf die Depression setzt erst 1–2 Wochen oder manchmal auch erst 4 Wochen nach Beginn der Einnahme einer bestimmten Dosis ein. Schlafverbesserungen und eine beruhigende Wirkung können früher eintreten.

Geht es den Patienten besser oder recht gut, wird normalerweise eine Fortsetzung der Behandlung während weiterer 4–9 Monate empfohlen, um den Zustand zu stabilisieren. Sind die depressiven Symptome bei den Betroffenen bereits zum zweiten oder wiederholten Mal aufgetreten, empfehlen Ärzte oft, die Medikamente 2 Jahre lang einzunehmen. Zeigt die Behandlung keine Wirkung, sollte der Patient die Dosis nicht auf eigene Faust, sondern nur in Absprache mit seinem Arzt erhöhen bzw. verändern. Welche Dosis erforderlich ist, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, variiert von Person zu Person.

Nebenwirkungen?

Oftmals zeigen sich Nebenwirkungen.

Die häufigsten sind Schläfrigkeit, Müdigkeit und erhöhtes Schlafbedürfnis. Mundtrockenheit ist ebenso häufig und manchmal sehr unangenehm. Verstopfung und eine langsame Blasenentleerung können ebenso unangenehm sein, insbesondere bei älteren Patienten.

Die Medikamente können zudem niedrigen Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und Benommenheit verursachen, wenn die Betroffenen schnell aufstehen oder lange stehen. Die Funktion der Leber oder die Blutbildung können beeinträchtigt sein. Auch eine Gewichtszunahme ist durchaus normal. Sehstörungen bzw. Erkrankungen des Auges sind zu beachten. Je nach einzelnem Wirkstoff aus der Gruppe der TZA kommen noch andere mögliche Nebenwirkungen hinzu. Zu beachten ist, dass die TZA mit zahlreichen anderen Medikamenten oder auch pflanzlichen Mitteln Wechselwirkungen aufweisen, also die Wirkungen der Substanzen sich gegenseitig verstärken oder auch abschwächen können.

Liegen bestimmte Vorerkrankungen vor, etwa eine schwere Leberfunktionsstörung, Herzkrankheiten oder auch Epilepsie u. a., dürfen TZA im Einzelfall nicht eingesetzt werden, weil das Risiko für gefährliche Nebenwirkungen zu hoch ist.

Die Nebenwirkungen sind bei hohen Dosen stärker ausgeprägt und lassen sich oft verringern, indem die Dosis reduziert wird.

Abhängigkeit?

Viele Patienten befürchten, eine Abhängigkeit von den Antidepressiva zu entwickeln. Antidepressiva haben keine berauschende Wirkung, verleihen kein unmittelbares Glücksgefühl und machen nicht süchtig. Allerdings erleben viele Patienten ein Unbehagen, wenn sie die Medikamente zu schnell absetzen. Sie können Angstgefühle, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Lethargie und Bauchschmerzen zeigen. Dies ist eine natürliche Reaktion, weil in den Gehirnzellen eine Umstellung einsetzt. Bei Abschluss der Behandlung lassen sich die Nebenwirkungen vermeiden oder deutlich mindern, wenn man die Dosis langsam reduziert, vorzugsweise über mehrere Wochen.

Das sollten Sie beim Einsatz von TZA bedenken

  • Bei unerwartet starken Nebenwirkungen oder auch unerwartet heftigem Umschlagen der Stimmung in Richtung einer euphorischen Haltung sollten Sie die Dosierung nicht gemäß Zeitplan erhöhen – kontaktieren Sie einen Arzt.
  • Eine Überdosierung kann für Kinder wie für Erwachsene gleichermaßen gefährlich sein. Dosierung des Arztes befolgen und Medikamente für Kinder unzugänglich aufbewahren!
  • Nicht in Verbindung mit Alkohol einnehmen.
  • Fahren ist nicht zulässig, wenn sich Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Benommenheit zeigen.

Können Medikamente eine Gesprächstherapie ersetzen?

Studien haben gezeigt, dass die Wirkung einer medikamentösen Behandlung der Depression im Allgemeinen mindestens ebenso gut ist wie eine Gesprächstherapie. Dies kann jedoch natürlich von Person zu Person und in Abhängigkeit vom Ausmaß der Symptome sowie eventuell weiterer gleichzeitig vorliegender psychischer Beschwerden sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich wird empfohlen, die beiden Behandlungen nach Möglichkeit miteinander zu kombinieren.

Bei Patienten, die keine Medikamente einnehmen möchten oder die Beschwerden durch anhaltende Nebenwirkungen zeigen, ist die Gesprächstherapie in vielen Fällen zu bevorzugen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen