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Depression, Diagnose

Bei Verdacht auf eine Depression sollten Sie ärztliche Hilfe suchen; es gibt verschiedene wirksame Therapieangebote. Bestimmte Medikamente, manche Krankheiten und Infektionen können die gleichen Symptome wie bei einer Depression auslösen.

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Wie wird eine Depression erkannt?

Die behandelnden Ärzte können durch Gespräche, Untersuchungen und eventuell Labortests feststellen, ob es sich um eine Depression oder (evtl. zusätzlich) eine körperliche Erkrankung handelt.

Um die Ursache für die Beschwerden zu finden, ist eine gründliche Untersuchung notwendig. Neben der körperlichen Untersuchung gehört zur weiteren Abklärung auch eine sorgfältige Beurteilung der psychischen (seelischen) Situation. Für spezielle weitergehende Untersuchungen ist unter Umständen eine Überweisung zur Psychotherapeutischen Behandlung sinnvoll.

Eine Depression kann nicht durch Labortests nachgewiesen werden. Um einen ersten Eindruck zu gewinnen, können die Ärzt*innen folgende Fragen stellen:

  1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?
  2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Wird eine der beiden Fragen mit „Ja" beantwortet, dann lässt sich eine Depression vermuten. Mit weiteren Fragen nehmen die Ärzt*innen eine vollständige Anamnese (Krankengeschichte) auf:

  • Wie haben Sie sich in letzter Zeit gefühlt?
  • Haben Sie Ihre Aktivitäten in Beruf und Freizeit eingeschränkt, weil es Ihnen nicht so gut ging?
  • Wie ist Ihr Verhältnis zu Angehörigen, Freund*innen, Nachbar*innen, Berufskolleg*innen? Fühlen Sie sich von ihnen unterstützt?
  • Wie zufrieden sind Sie grundsätzlich mit Ihrer Arbeit?
  • Haben Sie finanzielle Sorgen?
  • Hatten Sie bereits früher depressive Episoden?
  • Wurde bei Ihnen bereits eine andere psychische oder körperliche Erkrankung festgestellt?
  • Gibt es psychisch erkrankte Familienangehörige?
  • Wie viel Alkohol trinken Sie?
  • Rauchen Sie? Falls ja: wie viel?
  • Haben Sie Erfahrung mit illegalen Drogen?
  • Nehmen Sie Medikamente: ärztlich verordnete, rezeptfreie (z. B. Schmerz- oder Schlafmittel, Johanniskrautpräparate)?

Wenn Ihre Ärztin/Ihr Arzt den Verdacht hat, dass Sie unter einer Depression leiden, führt sie/er möglicherweise zusätzlich einen Fragebogentest mit Ihnen durch oder überweist Sie dazu an eine psychotherapeutische Praxis.

Von Wissenschaftler*innen erarbeitete Fragebögen können helfen, die Diagnose zu sichern und zwischen einer Depression und anderen Erkrankungen zu unterscheiden.

Wie wird Depression definiert?

Um die Diagnose stellen zu können, sollten die entsprechenden Symptome mindestens zwei Wochen angedauert haben, ohne dass eine körperliche Erkrankung, Drogenkonsum oder Medikamenteneinnahme vorliegen, die die Beschwerden erklären könnten.

Zu den körperlichen Krankheiten zählen z. B. Herzkrankheiten, schwere Lungenkrankheiten, HIV-Infektion, Krebs, chronische Schmerzen, Schlaganfall oder auch Demenz. Depressive Symptome sind bei diesen Krankheiten recht häufig anzutreffen, aber natürlich kann beim Einzelnen zusätzlich eine „echte" Depression vorliegen. Die Diagnose ist hier oft nicht einfach zu stellen.

Liegt ein kürzlich erlebter großer Verlust oder ein traumatisches Erlebnis vor, werden die Behandelnden wahrscheinlich erst einmal den weiteren Verlauf der Symptome abwarten, bevor sie die Diagnose einer Depression stellen.

Welche Symptome treten auf?

Für die Diagnose Depression müssen mindestens zwei Hauptsymptome vorliegen:

  • Depressive Stimmung: Man fühlt sich über längere Zeit bedrückt, niedergeschlagen, melancholisch. Die Welt erscheint grau und trostlos.
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit.

Zusätzliche Symptome können sein:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Minderwertigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Gedanken oder Absichten, sich das Leben zu nehmen.
  • Schlafstörungen, meist in Form von Durchschlafstörungen oder frühem Erwachen
  • Verminderter oder übermäßig vermehrter Appetit.

Schweregrade

Leichte Depression: Es liegen zwei Hauptsymptome und zwei Zusatzsymptome vor. Die Symptome sind nicht schwer ausgeprägt. Betroffene können, auch wenn es ihnen schwerfällt, am Sozial- und Arbeitsleben teilnehmen.

Mittelschwere Depression: Es liegen zwei Hauptsymptome und mindestens vier Zusatzsymptome vor. Einige Symptome sind schwer ausgeprägt. Betroffene können in der Regel nur mit größeren Schwierigkeiten am Sozial- und Arbeitsleben teilnehmen.

Schwere Depression: Es liegen drei Haupt- und vier oder mehr Nebensymptome vor. Die Patient*innen können nicht am Sozial- und Arbeitsleben teilnehmen und haben in der Regel Probleme, ihre täglichen Aufgaben zu erledigen. Häufig denken sie darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Oft liegen zusätzliche körperliche Beschwerden vor.

Schwere Depression mit psychotischen Symptomen: Selten können die Symptome einer schweren Depression begleitet sein von Halluzinationen und/oder Wahnvorstellungen (sog. psychotische Symptome). Dabei können die Betroffenen auch in Phasen einer völligen Passivität fallen, so dass im sehr seltenen Extremfall sogar Verhungern oder Verdursten drohen. Wenn eine Person, die von einer Depression betroffen ist, Angst hat, verrückt zu werden, dann ist das aber fast immer ein völlig normales Symptom der Depression, das auch bei leichteren Formen der Erkrankung auftreten kann, genauso wie andere Ängste bei Depressionen oft vorkommen, beispielsweise die Angst, eine lebensbedrohliche Krankheit zu haben. Mit psychotischen Symptomen hat das nichts zu tun.

Verlaufsformen

Eine Depression kann sehr unterschiedlich verlaufen. Bei einer depressiven Episode halten die Beschwerden über eine begrenzte Zeit an und klingen dann wieder ab (ohne Behandlung meist nach mehreren Wochen). Manchmal halten die Beschwerden über ein Jahr lang an. Eine chronifizierte depressive Episode hält in seltenen Fällen mehr als zwei Jahre an. Depressive Episoden können einmalig auftreten oder wiederkehrend (rezidivierend). In vielen Fällen, besonders ohne Behandlung, treten nach einer depressiven Episode später weitere auf. Zu den rezidivierenden Depressionen zählen auch die jahreszeitlich schwankenden Depressionen (Winterdepressionen).

Bei der persistierenden depressiven Störung halten depressive Symptome länger als 2 Jahre an.

Dysthemie ist eine anhaltende leichte depressive Verstimmung, die ohne wochenlange Unterbrechungen über mehrere Jahre anhält.

Mütterliche Depressionen kommen vor oder nach der Entbindung auf. Aufgrund der hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft und Geburt erleben sehr viele junge Mütter starke Stimmungsschwankungen, meist kurz nach der Geburt. Meist verschwinden diese innerhalb von 2 Wochen, bei einigen jedoch entwickelt sich eine Wochenbettdepression.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin. Patientenleitlinie zur NVL Depression. Berlin 2011.