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Vorübergehende akute psychotische Störungen

Akute vorübergehende psychotische Störungen sind eine Gruppe psychischer Erkrankungen, die durch akut auftretende psychotische Symptome und deutliche Abweichungen vom Normalverhalten gekennzeichnet sind.

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Was ist eine akute vorübergehende Psychose?

Akute vorübergehende psychotische Störungen sind eine Gruppe psychischer Erkrankungen, die durch akut auftretende psychotische Symptome und deutliche Abweichungen vom Normalverhalten gekennzeichnet sind. Die psychotischen Symptome treten innerhalb von 2 Wochen auf und können beispielsweise Wahnvorstellungen oder Halluzinationen und Verhaltensänderungen sein. Eine akute vorübergehende Psychose wird oft ausgelöst durch belastende Lebensereignisse oder starken Stress und hält weniger als 3 Monate an. Bei längerer Dauer ist eine chronische psychische Erkrankung wahrscheinlich.

Das Auftreten akuter vorübergehender psychotischer Störungen beläuft sich jährlich auf 4–10 Fälle pro 100.000 Einwohner. Frauen sind fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. Das Durchschnittsalter bei der ersten Psychose liegt bei ca. 30–50 Jahren. Bei Schizophrenie treten Psychosen oft in jüngerem Alter erstmals auf.

Ursachen

Die Ursachen einer akuten Psychose sind prinzipiell nicht bekannt. Wahrscheinlich spielen biologische und erbliche Faktoren eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit. Akute psychische oder soziale Belastungen können häufig als auslösende Faktoren beobachtet werden. Dabei kann es sich um ein Trauma (z. B. Kriegserfahrungen, Unfall), den Verlust von Angehörigen oder eine schwere körperliche Erkrankung handeln.

Menschen sind hinsichtlich ihrer Persönlichkeit, geistigen Entwicklung und früheren Lebenserfahrungen sehr unterschiedlich. Solche Unterschiede können bedingen, dass einige anfälliger auf Belastungen reagieren und damit leichter eine Psychose entwickeln.

Liegt die Ursache in organischen Faktoren, wie beispielsweise einer Hirnschädigung, wird eine andere Diagnose gestellt.

Symptome

Während einer akuten Psychose können die Betroffenen Sinnestäuschungen und Halluzinationen oder Wahnvorstellungen haben. Eine Wahnvorstellung ist eine falsche oder widersinnige Vorstellung, die auf Schlussfolgerungen beruht, die nicht auf der Wirklichkeit basieren. Eine Sinnestäuschung ist das Sehen, Hören, Riechen oder Schmecken, ohne dass die umgebende Welt Ausgangspunkt solcher Stimuli ist. Die Patienten sind oft verwirrt und unruhig und verhalten sich spürbar anders.

Die Symptome treten innerhalb von kurzer Zeit (maximal 2 Wochen) auf und halten höchstens 1–3 Monate an.

Wahnvorstellungen und Wahrnehmungsstörungen können innerhalb kurzer Zeit stark variieren. Die Patienten sind häufig emotional aufgewühlt und leicht reizbar oder ängstlich. Bei manchen Formen der akuten psychotischen Störung treten zusätzlich Symptome einer Schizophrenie auf. Die negativen Symptome (z. B. verringerte soziale Kontakte) sind jedoch in der Regel geringer ausgeprägt als bei einer Schizophrenie. Bei anderen Formen der akuten psychotischen Störung sind die Symptome stabiler mit beständigen Wahnvorstellungen und Halluzinationen.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf Grundlage des Gesprächs zwischen Ärzten und Patienten und der Beobachtungen der Patienten gestellt. Die Ärztin/der Arzt befragt die Patientin/den Patienten nach Art und Dauer der Symptome, nach belastenden Ereignissen, anderen Erkrankungen und der Einnahme von Medikamenten oder Drogen. Um organische Ursachen auszuschließen, werden zusätzlich eine gründliche körperliche Untersuchung und eine Blutuntersuchung im Labor vorgenommen.

Bei einer akuten Psychose besteht fast immer eine Notwendigkeit zur Einweisung in ein Krankenhaus. Während des Krankenhausaufenthaltes wird beim erstmaligen Auftreten psychotischer Symptome meist auch eine CT oder MRT des Gehirns gemacht, um andere Diagnosen auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung einer akuten vorübergehenden psychotischen Störung beginnt zunächst im Krankenhaus. Meist wird eine Kombination verschiedener Verfahren angeboten: medikamentöse Therapie, Psychotherapie, soziale Unterstützung und Psychoedukation. Die Eigenmotivation der Patienten spielt bei der Therapie eine zentrale Rolle. Hilfreich sind auch eine umfassende Aufklärung der Familie und deren Unterstützung bei der Therapie. Während der Behandlung sollte Stress für die Patienten vermieden werden.

Medikamentöse Therapie

Bei akuten Beschwerden werden zunächst Angst und Anspannung gelindert, z. B. mit einem schnell wirksamen Benzodiazepin.

Neuroleptika (Antipsychotika) haben bei der Therapie chronischer Psychosen eine gut dokumentierte symptomlindernde Wirkung. Patienten mit einer akuten vorübergehenden psychotischen Störung scheinen sogar besser auf Neuroleptika anzusprechen als Patienten mit Schizophrenie. Die Dosis wird zu Beginn langsam gesteigert. Neuroleptika können ggf. mit beruhigenden Medikamenten, z. B. Benzodiazepinen, kombiniert werden.

Es gibt Neuroleptika der 1. und 2. Generation. Sie unterscheiden sich kaum in ihrer antipsychotischen Wirkung, haben aber unterschiedliche Nebenwirkungen. Bei der Behandlung mit Neuroleptika der 2. Generation besteht ein geringeres Risiko für neuromuskuläre Nebenwirkungen (z. B. Muskelkrämpfe) als bei Neuroleptika der 1. Generation. Andere Nebenwirkungen – wie Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Stoffwechselstörungen und sexuelle Funktionsstörungen – können jedoch auftreten.

Wegen des hohen Rückfallrisikos wird empfohlen, die Therapie mit Neuroleptika nach dem Abklingen der Symptome fortzuführen. Regelmäßige Kontrolltermine über einen Zeitraum von mindestens 1 Jahr werden empfohlen, um evtl. bestehende Symptome und Nebenwirkungen der Therapie zu überprüfen.

Psychotherapie

Bei psychotischen Störungen hilft auch eine Psychotherapie. Die kognitive Verhaltenstherapie kann die Beschwerden im Zusammenhang mit akustischen Halluzinationen sowie Negativsymptome, Depression und soziale Angst reduzieren. Die soziale Funktion wird durch die Therapie verbessert, und es treten weniger Wahnvorstellungen auf.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, mögliche auslösende Faktoren auszumachen, sodass diese im Anschluss weitestgehend vermieden oder bestehende Probleme gelöst werden können. 

Weiterer Krankheitsverlauf

Eine akute vorübergehende Psychose klingt in der Regel im Lauf von 3 Monaten vollständig ab. Einige Patienten haben mehrere psychotische Episoden, während andere nur eine solche Episode erleiden. In manchen Fällen stellt eine akute Psychose den Beginn einer anderen, länger anhaltenden psychischen Erkrankung dar; die Patienten erhalten dann eine andere Diagnose, sobald das Krankheitsbild hinlänglich geklärt ist. Vermutlich wirkt sich eine Therapie günstig auf den weiteren Verlauf aus.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden