Hepatitis-B-Impfung

Hepatitis B ist eine durch das Hepatitis-B-Virus verursachte Leberentzündung.

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Hepatitis B

Hepatitis B ist eine durch das Hepatitis-B-Virus verursachte Leberentzündung. Das Virus kommt im Blut und in bluthaltigen Körperflüssigkeiten vor. Die Infektion erfolgt über die Schleimhäute oder die verletzte Haut, zum Beispiel bei der Entbindung oder bei Nadelstichverletzungen, durch Bluttransfusionen oder sexuelle Übertragung. Das Virus kann die intakte Haut nicht durchdringen.

Bei Infektionen im (frühen) Säuglingsalter wird die Infektion in 90 % der Fälle chronisch und die Betroffenen werden zu Träger*innen des Virus. Das Risiko, dass die Erkrankung chronisch wird, nimmt im Laufe der Kindheit ab; bei Patient*innen, die im Erwachsenenalter infiziert werden, liegt das Risiko bei 2 %.

Chronische Träger*innen können an Leberzirrhose oder Leberkrebs erkranken. Sie sind auch die Hauptinfektionsquelle für Hepatitis B. Es ist daher wichtig, die Anzahl neuer Infektionen so weit wie möglich zu reduzieren.

Impfung gegen Hepatitis B

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Hepatitis B als Standardimpfung für alle Kinder sowie im Erwachsenenalter für besonders gefährdete Personengruppen. Die sog. Grundimmunisierung besteht aus 3 bis 4 Impfungen.

Im Säuglingsalter erfolgt eine 6-fach Impfung gegen Hepatitis B, Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio und Haemophilus influezae b. Sie besteht aus 3 Teilimpfungen:

  • Die erste Impfung erfolgt im Alter von 2 Monaten.
  • Die zweite Impfung erfolgt im Alter von 4 Monaten.
  • Die dritte Impfung erfolgt im Alter von 11 Monaten.

Bei Kindern und Jugendlichen ist eine Auffrischimpfung nicht erforderlich. Für Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) werden insgesamt 4 Impfungen empfohlen, da ihr Abwehrsystem noch nicht ausgereift ist. Die Impfungen erfolgen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten.

Erwachsene, die in ihrer Kindheit nicht geimpft wurden, können dies nachholen, z. B. wenn sie zu einer Risikogruppe zählen. In der Regel werden für die Grundimmunisierung insgesamt 3 Impfungen empfohlen (1 und 6 Monate nach der ersten Impfung). Zur Risikogruppe mit Empfehlung zur Impfung zählen:

  • Reisende in Regionen, in denen Hepatitis B häufig ist.
  • Patient*innen mit:
    • chronischer Lebererkrankung
    • Dialyse
    • Hämophilie (Bluterkrankheit)
    • HIV
    • geplantem großem chirurgischen Eingriff (z. B. mit Herz-Lungen-Maschine).
  • Personen mit beruflichem Expositionsrisiko, einschließlich Auszubildende, Praktikant*innen, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Risiko, z. B.:
    • Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen
    • Gefährdete durch Kontakt mit infiziertem Blut
    • Verletzung an möglicherweise infizierten Gegenständen (z. B. Nadelstich)
    • Mitarbeiter*innen in Unterkünften für Asylsuchende
    • Kontakt mit HBsAg-Träger*innen in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Schule, Kindergarten).
  • Drogenabhängige
  • Langzeitinhaftierte
  • Betreute in psychiatrischen Einrichtungen oder Behindertenwerkstätten
  • Menschen mit Kontakt infektiösen Virusträger*innen in Familie/Wohngemeinschaft
  • Sexualkontakt zu infektiösen Virus-Träger*innen, Sexualverhalten mit hoher Infektionsgefährdung
  • Neugeborene infektiöser Virus-positiver Mütter.

Bei Reisen kann in Ausnahmefällen ein Schnellprogramm erfolgen: Nach der ersten Impfung erfolgen die anderen nach 1 Woche und nach 3 bis 4 Wochen. Um den Langzeitschutz zu sichern, wird eine 4. Impfung nach 12 Monaten empfohlen.

Zur Kontrolle des Impferfolgs bei Erwachsenen sollten die Antikörper im Blut bestimmt werden. Bei einem Anti-HBs-Wert von über 100 IE/l war die Grundimmunisierung erfolgreich. Liegt der Wert zwischen 10 und 99 spricht man von Low-Respondern. Ihnen wird eine weitere Impfdosis mit erneuter Kontrolle empfohlen. Liegt der Wert unter 10, sollte eine chronische Hepatitis-B-Infektion ausgeschlossen werden. Falls keine Infektion nachgewiesen werden kann, wird ebenfalls eine erneute Impfdosis mit anschließender Kontrolle empfohlen.

Eine jährliche Kontrolle des Impferfolges wird Patient*innen mit Störungen des körpereigenen Immunsystems und Menschen mit hohem individuellem Risiko, deren letzte Impfung mehr als 10 Jahre her ist, empfohlen. Eine Auffrischung erfolgt bei einem Anti-HBs-Wert von unter 100 IE/l.

Die Kosten für alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Nebenwirkungen

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Als sehr häufige Impfreaktion kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Ebenso können Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Hohes Fieber ab 39 °C ist häufig, ebenso Infektionen der oberen Atemwege (Bronchitis). Solche Impfreaktionen klingen in der Regel ein bis drei Tagen nach der Impfung wieder ab.

Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen, d. h. bei weniger als 1 von 10.000 Geimpften, kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Als weitere seltene Nebenwirkung, die sich schnell und folgenlos wieder zurückbildet, wurde ein kurzzeitiger schockähnlicher Zustand („hypoton-hyporesponsive Episode; HHE"), in dem die Muskeln des Kindes erschlaffen und es nicht ansprechbar ist, beobachtet. Allergische Reaktionen auf Bestandteile des Impfstoffs sind möglich.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hepatitis B. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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