Zum Hauptinhalt springen

Q-Fieber

Das Q-Fieber ist eine sog. Zoonose, d. h. eine von Tier zu Mensch übertragbare Erkrankung. Es handelt sich um eine bakterielle Infektion, die grippeähnliche Symptome und eine Lungenentzündung hervorrufen kann. Die Erkrankung geht häufig von allein vorüber oder wird mit Antibiotika behandelt.

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Willkommen auf unseren Patientenseiten!

Wir freuen uns, dass Sie sich für die aktuellen und unabhängigen Informationen von Deximed interessieren. Sie können sich kostenlos auf allen Patientenseiten umschauen. Eine Übersicht aller Themen finden Sie unter https://deximed.de/patienten .

Ärzt*innen empfehlen wir unsere unabhängigen Arztinformationen zu allen relevanten Themen der Hausarztmedizin.

Gutes Arbeiten mit Deximed!

Mehr Infos für Ärzt*innen!

Was ist das Q-Fieber?

Definition

Das Q-Fieber ist eine seltene bakterielle Erkrankung, die durch das Bakterium Coxiella burnetii hervorgerufen wird. Das Bakterium kommt vor allem in Schafen, Ziegen und Rindern vor. Damit handelt es sich um eine Zoonose, d. h. eine Erkrankung von Tieren, die auch auf Menschen übertragen werden kann. Sie kann zu unterschiedlichen Beschwerden führen, am häufigsten sind Fieber, Schüttelfrost und Husten.

Symptome

Die Symptome treten in der Regel 2–4 Wochen nach der Ansteckung auf. Nur etwa die Hälfte der infizierten Patient*innen zeigt überhaupt Beschwerden. Das Q-Fieber ist durch Fieber mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen gekennzeichnet. Mitunter entwickelt sich auch eine Lungenentzündung mit trockenem Husten. In seltenen Fällen kann es zu einer Leberentzündung, einer Herzklappenentzündung (Endokarditis), einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) und Nierenversagen kommen. Gefährlich kann die Infektion auch für Personen mit vorbestehenden Herzfehlern oder künstlichen Herzklappen sein, da sie ein erhöhtes Risiko für eine Herzklappenentzündung haben.

Es kann zu einer chronischen Infektion kommen, die länger als 6 Monate dauert und in der Regel zuerst das Herz, dann Blutgefäße und das Knochengewebe angreift. Dieser Fall tritt bei 1‒5 % der mit Coxiella burnetii Infizierten auf, am häufigsten bei schwangeren Frauen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder einer zugrunde liegenden Klappen- oder Gefäßerkrankung. Schwangere sind häufiger asymptomatisch als andere Patient*innen, allerdings kann das Q-Fieber Geburtskomplikationen verursachen. Bei einer Infektion im ersten Trimenon kann es zu einer Fehlgeburt kommen.

Ursachen

Der Mensch kann sich bei infizierten Tieren anstecken, vor allem bei Schafen, Ziegen und Rindern. Die Bakterien verbreiten sich vorrangig über die Luft, können jedoch auch lange in Heu, Staub oder Wolle überleben. Neben Kot und Urin der Tiere sind insbesondere Geburtsflüssigkeiten, die kontaminierten neugeborenen Tiere und Plazenten hochinfektiös. Zecken spielen durch Übertragungen zwischen Haus- und Wildtieren eine wichtige Rolle, für die direkte Infektion des Menschen sind sie jedoch nicht bedeutsam.

Die Gefahr einer Ansteckung besteht vor allem bei Personen, die mit Tieren arbeiten, beispielsweise bei Landwirt*innen, Schlachthofmitarbeiter*innen und Tierärzt*innen.

Eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung von Q-Fieber wurde nur selten beschrieben, z. B. bei Kontakt mit infizierten gebärenden Frauen, nach Bluttransfusionen oder Knochenmarktransplantationen oder bei einer Autopsie. Da Coxiella burnetii sich auch in der menschlichen Plazenta vermehrt, kann es zur Übertragung auf das ungeborene Kind kommen. Über längere Strecken kann Coxiella burnetii auch indirekt über kontaminierte Kleidung übertragen werden.

Häufigkeit

Das Q-Fieber tritt in allen Regionen der Welt ausgenommen Neuseeland und der Antarktis auf. Es kommt europaweit immer wieder zu lokal größeren Ausbrüchen mit Häufung in den Sommermonaten. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 150 Fälle von Q-Fieber gemeldet.

Untersuchungen

Die Erkrankung lässt sich anhand einer Blutuntersuchung diagnostizieren, bei der Antikörper gegen den Krankheitserreger bzw. Teile davon nachgewiesen werden. Auch andere Blut- und Leberwerte können bestimmt werden. Eventuell wird die Untersuchung durch eine Röntgenaufnahme oder eine Gewebeuntersuchung der Leber und ggf. des Knochenmarks ergänzt.

Behandlung

  • Das Q-Fieber ist häufig ungefährlich und geht symptomlos vorüber.
  • In manchen kann die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen. Suchen Sie deshalb umgehend ärztliche Hilfe, falls Sie vermuten, sich angesteckt zu haben.
  • Patient*innen mit Q-Fieber können wirksam mit Antibiotika behandelt werden.
  • Frauen mit akuter Q-Fieber-Infektion wird vom Stillen abgeraten, unabhängig davon, ob sie behandelt wurden oder nicht, da Coxiella burnetii in die Muttermilch übertreten kann.
  • Eine chronische oder schwere Erkrankung mit seltenen Komplikationen, beispielsweise einer Herzklappenentzündung, kann längerfristig antibiotisch behandelt werden müssen.
  • Bei einer Endokarditis kann ein Herzklappenersatz notwendig werden.

Vorbeugung

  • Es stecken sich vorrangig Personen an, die mit Tieren arbeiten, daher sollten Sie den Kontakt zu infizierten Tieren oder kontaminiertem Staub vermeiden.
  • In Streichelzoos sollten die dort gehaltenen Schafe wegen des engen Kontakts jährlich auf Antikörper gegen C. burnetii untersucht werden.
  • Zudem sollte darauf geachtet werden, dass verwendete Milch aus infizierten Herden ausreichend pasteurisiert wurde.
  • Schwangere Frauen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten besonders vorsichtig sein.
  • In Endemiegebieten sollte beim Umgang mit Tierprodukten eine Gesichtsmaske getragen werden.
  • Eine Impfung für Rinder und Ziegen ist vorhanden, kann aber die Ausscheidung nicht ganz verhindern. Ein Impfstoff für Menschen ist derzeit nur in Australien zugelassen.

Prognose

  • Die Prognose ist auch ohne Behandlung gut.
  • Die Erkrankung hinterlässt meist eine lang andauernde Immunität, allerdings sondern können die Bakterien in manchen Fällen auch dauerhaft im Immunsystem verbleiben. So kann es zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Reaktivierung kommen.
  • Nach der Erkrankung kann ein chronisches Müdigkeitssyndrom (Post-Q-Fieber-Müdigkeitssyndrom) mit Fatigue, Konzentrationsstörungen, Nachtschweiß und Muskelschmerzen auftreten.
  • Die Sterblichkeitsrate liegt bei der akuten Erkrankung unter 1 %.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Quellen

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Q-Fieber. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

Literatur

  1. Robert Koch-Institut. Q-Fieber. RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 2012.www.rki.de  

  2. Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019, Berlin 2020www.rki.de  

  3. Schack M, Sachse S, Rödel J, Frangoulidis D, Pletz MW, Rohde GU, Straube E, Boden K. Coxiella burnetii (Q fever) as a cause of community-acquired pneumonia during the warm season in Germany. Epidemiol Infect. 2014 Seppubmed.ncbi.nlm.nih.gov  

  4. Newsletter 02/2021 des Forschungsnetzes Zoonotische Infektionskrankheiten. Zugriff 24.7.2021www.zoonosen.net  

  5. Tropeninstitut. Spanien: Query-Fieber in spanischer Höhle Meldung vom: 07.05.2021tropeninstitut.de  

  6. Eldin C, Mélenotte C, Mediannikov O. From Q Fever to Coxiella burnetii Infection: a Paradigm Change. Clin Microbiol Rev. 2017pubmed.ncbi.nlm.nih.gov  

  7. Bundesamt für Risikobewertung. Q-Fieber: Übertragung von Coxiella burnetii durch den Verzehr von Lebensmitteln tierischer Herkunft unwahrscheinlich. Stellungnahme Nr. 018/2010 des BfR vom 15. März 2010www.bfr.bund.de  

  8. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Pneumonie, ambulant erworben, Behandlung und Prävention von erwachsenen Patienten. AWMF-Leitlinie Nr. 020-020. Stand 2021.www.awmf.org  

  9. BfArM: Fluorchinolone: Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von möglicherweise dauerhaften und die Lebensqualität beeinträchtigenden Nebenwirkungen 16.11.18.www.bfarm.de  

  10. Anforderungen an die Infektionsprävention bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten. Bundesgesundheitsbl 64, 232–264 (2021)link.springer.com  

  11. Fischer S.Sting R. Bürstel D. Leitlinien zum Q-Fieber, Maßnahmen im Falle des Auftretens von Q-Fieber. Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 17. Jahrgang 2010www.gesundheitsamt-bw.de