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Rheumatoide Arthritis (RA) und Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft beeinflusst häufig die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis. Bei vielen Frauen tritt während der Schwangerschaft eine Besserung der Erkrankung ein. Dies ist aber nicht immer der Fall, und häufig kommt es nach der Entbindung zu einem Rückfall.

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Planung der Schwangerschaft

Wenn Sie an rheumatoider Arthritis (RA) leiden und den Wunsch haben, schwanger zu werden, sollten Sie die Schwangerschaft möglichst dann planen, während die Erkrankung sich in einer ruhigen Phase befindet bzw. durch die Therapie kontrolliert wird. Wenn Sie als Patientin mit rheumatoider Arthritis (oder einer ähnlichen chronischen Erkrankung) bereits vor Beginn der Therapie wissen, dass Sie in den nächsten Monaten evtl. schwanger werden möchten, besprechen Sie das am besten bereits vorzeitig bei einem Arzttermin. Es können dann Medikamente gewählt werden, die Sie auch vor und während der Schwangerschaft weiter einnehmen können. Manche der möglichen Medikamente gegen rheumatoide Arthritis müssen bereits vor Eintreten einer Schwangerschaft abgesetzt werden, andere können Sie auch als Schwangere weiterhin einnehmen, ohne das Risiko für Ihr ungeborenes Kind zu erhöhen.

Auch für einen Mann gilt: Manche Wirkstoffe zur Therapie der rheumatoiden Arthritis können die normale Entwicklung der Spermien beeinträchtigen bzw. eine vorübergehende Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Es gibt jedoch alternative Medikamente, die nicht solche unerwünschten Wirkungen haben, falls ein Kinderwunsch besteht.

Vererbung

RA ist nicht im herkömmlichen Sinne erblich bedingt, bei nahen Verwandten von Rheumapatient*innen liegt jedoch eine höhere Häufigkeit von Erkrankungen vor. Das Risiko einer RA dürfte zu etwa 60 % auf genetische Faktoren zurückzuführen sein, dazu kommen hormonelle und Umweltfaktoren.

Therapie während der Schwangerschaft

Die medikamentöse Behandlung vor und während der Schwangerschaft muss mit den behandelnden Rheumatolog*innen und Gynäkolog*innen angepasst werden. Einige Antirheumatika müssen mehrere Monate vor der Schwangerschaft abgesetzt werden. Die Behandlung mit anderen Medikamenten kann problemlos fortgesetzt oder im Zusammenhang mit der Schwangerschaft neu begonnen werden. Es ist daher sehr wichtig, dass die Schwangerschaft gut und rechtzeitig geplant wird. 

Bei der medizinischen Behandlung von schwangeren Patientinnen mit RA sind die krankheitsbedingten Risiken und Beschwerden, sowohl für die Schwangere als auch für das ungeborene Kind, gegen die Risiken und Vorteile abzuwägen, die mit den jeweiligen Medikamenten verbunden sind. Einige der lange bekannten Wirkstoffe sind hier als recht sicher anzusehen, bei anderen sind erhöhte Risiken für das Kind bekannt. Bei einigen der neu entwickelten Wirkstoffe bestehen noch keine ausreichenden Erfahrungen, um ein erhöhtes Risiko für das Ungeborene ausschließen zu können, daher werden diese Medikamente in der Regel einer Schwangeren nicht verordnet.

Wie wirkt sich die Schwangerschaft auf die RA aus?

Frauen mit RA reagieren während der Schwangerschaft nicht immer in gleicher Weise. Es ist nach wie vor unklar, warum es bei manchen Frauen zu einer Besserung während der Schwangerschaft kommt, bei anderen Frauen dagegen nicht. Dass eine Schwangerschaft häufig eine positive Wirkung auf die Symptome der RA hat, ist seit vielen Jahren bekannt.

Bei vielen Patientinnen (bis zu 75 %) kommt es während der Schwangerschaft zu einer deutlichen Besserung der Symptome, meist während des ersten Schwangerschaftsdrittels. Diese Besserung betrifft die allgemeine Verfassung, die Gelenkfunktion und die Morgensteifigkeit. Die Besserung hält in der Regel über die gesamte Dauer der Schwangerschaft an. Bei einigen Patientinnen stellt sich keine Verbesserung ein. Bei relativ wenigen kommt es zu einer Verschlechterung. Wie dieser Verlauf bei der einzelnen Frau sein wird, lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Wenn es während der ersten Schwangerschaft zu einer Besserung der Symptome kam, ist es wahrscheinlich, dass dies auch bei nachfolgenden Schwangerschaften der Fall sein wird.

Wie wirkt sich die RA auf Schwangerschaft und Kind aus?

Die Gesundheit des (ungeborenen) Kindes wird bei den meisten rheumatischen Erkrankungen nicht beeinträchtigt. Auch die meisten zugelassenen Medikamente erhöhen das Risiko nicht. Es gibt jedoch Ausnahmen bei bestimmten Krankheiten, wie Lupus erythematodes. Dies lässt sich aber meist vor der Schwangerschaft abklären. Speziell für die rheumatoide Arthritis gilt, dass sich in einigen Studien ein etwas höheres Risiko bei den Schwangeren in Bezug auf eine Präeklampsie (eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung der Frau) fand, zudem wurden die Babys im Vergleich zu Schwangerschaften gesunder Mütter etwas häufiger sehr klein und zu leicht geboren. 

Entbindung

Durch RA wird eine normale Entbindung nicht verhindert. Aufgrund eingeschränkter Mobilität in den Hüftgelenken oder Hüftprothesen kann eine vaginale Entbindung jedoch problematisch sein, weshalb ein Kaiserschnitt infrage kommen kann. In Studien lässt sich bei Schwangeren mit rheumatoider Arthritis gehäuft ein Kaiserschnitt nachweisen; dies ist aber wohl das Ergebnis des Wunsches der betroffenen Frauen und keine grundsätzliche medizinische Notwendigkeit.

Krankheitsentwicklung nach der Entbindung

Sowohl bei Frauen mit vollständiger oder teilweiser Besserung der Symptome in der Schwangerschaft als auch bei Frauen mit unverändertem oder verschlechtertem Krankheitsverlauf tritt nach der Entbindung eine erhöhte Krankheitsaktivität auf. In den ersten 3 Monaten nach der Entbindung kommt es bei vielen Frauen zu einer Verschlimmerung der Symptome. Diese Verschlechterung ist jedoch nicht dauerhaft, denn der Zustand verbessert sich innerhalb von etwa einem Jahr, bis wieder das Niveau erreicht ist, das vor der Schwangerschaft bestand. Auch wenn es also vorübergehend zu stärkeren Beschwerden kommen kann, verschlechtert sich eine rheumatoide Arthritis infolge einer Schwangerschaft nicht dauerhaft.

Die Rückkehr der Symptome nach der Geburt ist unabhängig davon, wann die Menstruation wieder einsetzt. Stillen beugt diesen erneut stärkeren Beschwerden nicht vor; möglicherweise wirken sich die im Zusammenhang mit dem Stillen freigesetzten Hormone sogar eher negativ aus. Generell erleben Frauen ihre Symptome allerdings oft als problematischer als vor der Schwangerschaft, da sie sich nun auch um das Baby kümmern müssen.

Die antirheumatische Therapie wird in der Regel nach der Entbindung wieder aufgenommen oder neu geplant, wenn die Beschwerden dies erfordern. Einige Medikamente sind auch bei stillenden Müttern zugelassen und sicher. Lassen Sie sich auch zu diesem Thema genau beraten.

Hilfsmöglichkeiten während der Schwangerschaft und Entbindung

Zur Verbesserung des Schwangerschaftsverlaufs stehen auch andere Maßnahmen wie Physiotherapie und ergonomische Hilfsmittel zur Verfügung. Sowohl während der Schwangerschaft als auch nach der Entbindung braucht Frauen oft Ruhepausen und Entlastungen im Alltag, weshalb ein gut funktionierendes soziales Netzwerk von großer Bedeutung ist.

Ziel der Arbeit von Ergotherapeut*innen ist es, den Patientinnen Beratung, Informationen und psychologische Unterstützung zu bieten, um einen möglichst aktiven und selbstständigen Alltag zu ermöglichen. Nach einer Schwangerschaft können Ergotherapeut*innen vielerlei Beratung bieten, z. B. in Bezug auf geeignete Körperhaltung und Abläufe im Zusammenhang mit der Betreuung des Kindes. Gespräche und die Planung des Alltags, sowohl vor als auch nach der Geburt, sind sehr wichtig. Kombiniert werden sollte dies mit Vorschlägen für eine geeignete Wohnungseinrichtung und die Verwendung von Hilfsmitteln.

Die Physiotherapie zielt darauf ab, die Muskeln zu stärken, die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Physiotherapeut*innen können ein individuelles Trainingsprogramm für die Patientinnen erstellen. Tägliche Übungen sind für die meisten Betroffenen von rheumatischen Erkrankungen unbedingt notwendig, und es hat sich gezeigt, dass durch Training die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert werden kann, ohne gleichzeitig die Erkrankung oder die Schmerzen zu verschlimmern. Für schwangere Frauen mit RA ist es besonders wichtig, sich während der Schwangerschaft als Vorbereitung auf die Entbindung fit zu halten.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Oestensen M, Förger F. Wir wünschen uns ein Kind! Familienplanung bei entzündlichem Rheuma. 2. Auflage. Deutsche Rheumaliga. Bonn 2009.www.rheuma-liga.de  

  2. Wülker A. Rheumamedikamente in Schwangerschaft und Stillzeit. Aktuelle Empfehlungen der European League Against Rheumatism (EULAR). Ars medici 12/2016.www.medline.ch  

  3. Embryotoxwww.embryotox.de  

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg