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Gicht

Bei Gicht kommt es zu einer Gelenkentzündung, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken verursacht wird. Durch die Entzündung wird das betroffene Gelenk schmerzhaft, überwärmt, stark geschwollen und gerötet. Die Beschwerden entwickeln sich bei einem typischen Gichtanfall sehr schnell (innerhalb von Stunden).

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Was ist Gicht?

Gicht wird auch als Gichtarthritis oder Arthritis urica bezeichnet. Schon seit der Antike war die Gicht als „Krankheit der Könige“ bekannt. Bei Gicht kommt es zu einer Gelenkentzündung, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen (Urat) in Gelenken verursacht wird. Durch die Entzündung wird das betroffene Gelenk schmerzhaft, ist überwärmt, stark geschwollen und gerötet. Typischerweise ist das Großzehengrundgelenk betroffen (dann auch Podagra genannt), aber auch andere Gelenke an den Extremitäten können beteiligt sein, z. B. Kniegelenke, Handgelenke, Finger.

Harnsäure ist eine Substanz, die im Körper unter anderem beim Abbau purinreicher Nahrungsmittel gebildet wird. Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen der Bildung und der Ausscheidung von Harnsäure aus dem Körper. Bei Gicht befindet sich zu viel Harnsäure im Blut. Dies liegt häufig daran, dass die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren nicht so effizient ist wie normalerweise, kann aber auch z. B. durch eine zu hohe Produktion von Harnsäure auch aufgrund einer bestimmten Ernährung verursacht werden.

Definition

  • Synonym: Arthritis urica
  • Akute Gelenkentzündung durch eine Einlagerung von Harnsäurekristallen
  • Die Erkrankung verläuft oft in Schüben
    • auch ein chronische Gicht ohne krankheitsfreie Intervalle ist möglich 
  • Im Verlauf können auch Veränderungen im Weichteilgewebe (Tophi) oder an den Nieren auftreten.

Symptome

  • Akuter Gichtanfall:
    • normalerweise
    • plötzlich auftretende starke Schmerzen, einer deutlichen Schwellung und Rötung des betroffenen Gelenks . Manche Patienten reagieren auch mit Fieber. Oft beginnt ein Gichtanfall in der Nacht, und die Betroffenen wachen vor Schmerzen auf. Bei mehr als der Hälfte der Anfälle ist das Großzehengrundgelenk betroffen (dann spricht man von Podagra), aber auch andere Gelenke wie Sprunggelenke, Kniegelenke oder Ellenbogengelenke können sich entzünden. Die Beschwerden verstärken sich üblicherweise innerhalb eines Tages bis zum Maximum, bevor sie langsam wieder abklingen.

Ärzte unterscheiden verschiedene Phasen der Gicht: Ein erhöhter Harnsäurespiegel mit evtl. kleinen Ablagerungen im Gewebe geht ohne Beschwerden einher, akute Gichtanfälle sind sehr schmerzhaft, aber vorübergehend, verursachen jedoch ggf. wiederkehrende weniger starke Beschwerden. Bei der chronischen Form sind die betroffenen Gelenke deutlich verändert, Schmerzen anhaltend und die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Betroffene Patienten weisen häufig auch Gichtknoten an verschiedenen Stellen auf.

Nach wiederholten Anfällen über mehrere Jahre hinweg kann die Erkrankung in eine chronische Phase mit Entzündungen in mehreren Gelenken übergehen. Die Gichtanfälle sind dann häufig weniger schmerzhaft, aber es bestehen oft dauerhaft mäßige Schmerzen. Zudem kann es bei der chronischen Form der Gicht unter anderem zu Gelenkdeformitäten, Gelenkzerstörung, Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit sowie zu Nierensteinen und Nierenversagen kommen.

Ursachen

  • Ein erhöhter Harnäurewert im Blut erhöht das Risiko für das Auftreten einer Gicht
    • Harnsäure entsteht im Körper aus dem Abbau von sog. Purinen, chemischen Substanzen, die auch in Lebensmitteln vorkommen und für den Aufbau von Zellen nötig sind.
    • Salze der Harnsäure (Urate) können in Form von Kristallen ausfallen und sich ablagern. In Gelenken lösen sie eine akute Entzündungsreaktion aus. Im Gewebe unter der Haut bilden sie Gichtknoten (Tophi).
  • Eine Erhöhung der Serumharnsäure im Blut ist definiert als eine Konzentration von mindestens 408 μmol/l bzw. ≥ 6,8 mg/dl.
    • Bei 40 % der Patient*innen sind die Harnsäurewerte während eines Gichtanfalls jedoch normal.
  • Ursachen des erhöhten Harnsäurespiegels:
    • genetische Veranlagung in Kombination mit einer erhöhten Zufuhr über die Nahrung
      • rotes Fleisch
      • Meeresfrüchte
      • gesüßte Limonaden (Fruktose erhöht den Harnsäurespiegel und das Gichtrisiko)
      • Fruchtgetränke auf der Basis von Rosinen, Orangen oder Äpfeln erhöht nachweislich das Gichtrisiko bei Männern
    • Überproduktion von Harnsäure infolge einer Krankheit, z.B. bei einer Chemotherapie
    • verminderte Ausscheidung infolge einer Nierenerkrankung oder aufgrund von Medikamenten
    • Übergewicht
    • hoher Alkoholkonsum
  • Faktoren, die einen Gichtanfall zusätzlich begünstigen:
    • keine Nahrungsaufnahme über längere Zeit
    • große Mahlzeiten
    • Austrocknung (Dehydrierung) z.B. wenn zu wenig getrunken wurde
    • Verletzungen und Operationen
    • Kälte

Häufigkeit

  • Gicht tritt bei etwa 1–2 % der Bevölkerung auf.
  • Ältere Menschen leiden häufiger an Gicht.
  • Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen nimmt zu, wahrscheinlich infolge der Veränderungen der Lebensweise, der zunehmenden Anzahl übergewichtiger und auch älterer Menschen.
  • Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
    • Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist Gicht äußerst selten.
  • Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen den Harnsäurewerten im Blut und dem Auftreten von Gicht:
    • Bezogen auf einen Zeitraum von 5 Jahren liegt das Risiko, bei normalen Harnsäurewerten eine Gichterkrankung zu entwickeln, bei etwa 1 %. Bei Patienten mit einer erhöhten Harnsäurekonzentration von mehr als 540 µmol/l bzw. 9,08 mg/dl beträgt das entsprechende Risiko 22 %. 

Untersuchungen

  • Die Diagnose wird in der Regel aufgrund der Krankheitsgeschichte und der typischen Symptome gestellt.
    •   Die Bestimmung von Blutwerten ist nicht in allen Fällen notwendig.
  • Je nach Schweregrad der Erkrankung können CRP, BSG und weiße Blutkörperchen im Blut erhöht sein.
  • Harnsäure im Blutserum
    • nicht immer erhöht
  • Kreatinin im Blutserum zur Einschätzung der Nierenfunltion
  • Ggf. Urinuntersuchung
  • Nur bei unklaren Fällen:
    • Gelenkpunktion zum Nachweis von Harnsäurekristallen
    • Ultraschalluntersuchung vom Gelenk
    • ggf. Röntgen vom betroffenen Gelenk
    • in seltenen Fällen Dual-Energy-CT

Vorbeugung

 

Wer ist vor allem betroffen?

 

Wie entsteht Gicht?

 

Welche Symptome treten auf?

Ein akuter Gichtanfall ist von plötzlich auftretenden starken Schmerzen, einer deutlichen Schwellung und Rötung des betroffenen Gelenks geprägt. Manche Patienten reagieren auch mit Fieber. Oft beginnt ein Gichtanfall in der Nacht, und die Betroffenen wachen vor Schmerzen auf. Bei mehr als der Hälfte der Anfälle ist das Großzehengrundgelenk betroffen (dann spricht man von Podagra), aber auch andere Gelenke wie Sprunggelenke, Kniegelenke oder Ellenbogengelenke können sich entzünden. Die Beschwerden verstärken sich üblicherweise innerhalb eines Tages bis zum Maximum, bevor sie langsam wieder abklingen.

Ärzte unterscheiden verschiedene Phasen der Gicht: Ein erhöhter Harnsäurespiegel mit evtl. kleinen Ablagerungen im Gewebe geht ohne Beschwerden einher, akute Gichtanfälle sind sehr schmerzhaft, aber vorübergehend, verursachen jedoch ggf. wiederkehrende weniger starke Beschwerden. Bei der chronischen Form sind die betroffenen Gelenke deutlich verändert, Schmerzen anhaltend und die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Betroffene Patienten weisen häufig auch Gichtknoten an verschiedenen Stellen auf.

Nach wiederholten Anfällen über mehrere Jahre hinweg kann die Erkrankung in eine chronische Phase mit Entzündungen in mehreren Gelenken übergehen. Die Gichtanfälle sind dann häufig weniger schmerzhaft, aber es bestehen oft dauerhaft mäßige Schmerzen. Zudem kann es bei der chronischen Form der Gicht unter anderem zu Gelenkdeformitäten, Gelenkzerstörung, Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit sowie zu Nierensteinen und Nierenversagen kommen.

Wie wird Gicht festgestellt?

Die Krankengeschichte und die Befunde bei der ärztlichen Untersuchung sind meist ganz typisch. Allerdings können auch andere Arten von Gelenkentzündungen (Arthritis, Rheuma), bakteriellen Infektionen der Haut über einem Gelenk oder auch akute Verletzungen im Bereich des Gelenks oder ein Knochenbruch ähnliche wirkende Beschwerden verursachen.

Beim typischen Gichtanfall wachen die Patienten nachts vor Schmerzen auf, die Beschwerden verstärken sich innerhalb von Stunden oder einem Tag auf ihr Maximum, unbehandelt halten die Schmerzen 7–10 Tage an. In etwa der Hälfte der Fälle ist das Großzehengrundgelenk betroffen. Fußknöchel, Knie, Finger und Ellenbogen können ebenfalls angegriffen werden, und selten treten Entzündungen auch in mehreren Gelenken gleichzeitig auf. Bei manchen Patienten kommt Fieber hinzu.

In der überwiegenden Zahl der Fälle einer Gicht ist ein erhöhter Harnsäurespiegel durch eine normale Blutuntersuchung nachweisbar.

Falls erforderlich, kann der Nachweis von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit erfolgen. Dafür wird mit einer Nadel Gelenkflüssigkeit aus dem Gelenk entnommen (Gelenkpunktion) und unter dem Mikroskop analysiert.

Neben der Blut- und Urinuntersuchung sowie Gelenkpunktion sind weitere mögliche Untersuchungsverfahren bei Gicht ein Ultraschall (Sonografie), Röntgen und eine spezielle Form der Computertomografie (Dual-Energy-CT) der betroffenen Gelenke.

Nach dem ersten Gichtanfall kann es viele Monate oder gar Jahre dauern, bis es zu einem erneuten Anfall kommt. Bei manchen Patienten kann die Erkrankung im Laufe der Zeit chronisch werden.

Wie wird behandelt?

Therapie eines akuten Gichtanfalls

Während des Anfalls muss das betroffene Gelenk ruhig gehalten werden. Kalte Umschläge können Linderung verschaffen. Zusätzlich werden Medikamente gegen die Schmerzen eingesetzt. Da Gichtanfälle in der Regel akut einsetzen, sollten betroffene Personen die entsprechenden Medikamente immer vorrätig haben.

Normalerweise werden bei Gichtanfällen entzündungshemmende Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR ) und/oder Kortison eingesetzt. Diese Medikamente bewirken das Abklingen der Beschwerden des Anfalls im Laufe von 1–2 Tagen. Ohne Behandlung können Gichtanfälle 7–10 Tage dauern. Wenn die heftigste Phase des Anfalls vorbei ist, wird die NSAR-Dosis allmählich verringert und das Medikament nach 7–14 Tagen ganz abgesetzt. Kortison wird in für 1 Tag recht hoch dosiert und dann über 3 Tage reduziert und abgesetzt, um Nebenwirkungen zu vermeiden. NSAR und Kortison können Magenschleimhautentzündungen verursachen; daher sind ggf. Protonenpumpenhemmer zum Schutz der Magenschleimhaut zu empfehlen. Falls Patienten NSAR nicht vertragen, gibt es als Alternative z. B. auch Colchicin.

Wenn sich Gichtanfälle häufen und es zu mehreren Anfällen pro Jahr kommt, empfehlen die Ärzte in der Regel im Anschluss an die akute Therapie des Gichtanfalls eine vorbeugende Behandlung durch Umstellung der Ernährung sowie eine vorbeugende medikamentöse Therapie. Dafür wird ein Medikament mit dem Wirkstoff Allopurinol oder Probenecid verordnet, das die Bildung von Harnsäure im Blut hemmt und dadurch Anfälle gänzlich verhindert oder zumindest in ihrer Häufigkeit verringert.

Vorbeugende Behandlung über die Ernährung

Sie können selbst einiges tun, um Gichtanfälle zu vermeiden, indem Sie Lebensmittel meiden, die einen hohen Puringehalt haben (Anchovis, Sardinen, Garnelen, Krabben, Fleisch, fette Saucen, Bohnen, Erbsen, Spargel usw.).

Alkohol kann Anfälle auslösen und sollte so weit wie möglich vermieden werden. Dies betrifft alle Arten von Alkohol. Beobachten Sie sich und lernen Sie Ihre Reaktionen kennen. Wenn Sie stark auf eine oder mehrere Arten von Alkohol reagieren, sollten Sie damit besonders vorsichtig sein, insbesondere in Phasen mit Gelenkschmerzen. Wein ist bei hohem Gichtrisiko bei vielen Patienten besser verträglich als Bier oder höherprozentiger Alkohol, kann aber auch zum Gichtanfall führen.

Zuckerhaltige Limonaden und Fruchtgetränke mit hohem Fruchtzuckergehalt (Fructose) scheinen ebenfalls Anfälle auslösen zu können. Kalorienarme Light-Produkte dagegen haben offenbar keine negative Wirkung.

Empfohlen wird eine Ernährung mit viel Gemüse sowie Milchprodukten mit niedrigem Fettgehalt. Eine Nahrungsergänzung mit Vitamin C kann vorbeugend gegen Gicht wirken. Zudem ist es wichtig, genügend zu trinken (Wasser, ungesüßten Tee).

Es wird außerdem zu körperlicher Aktivität geraten. Bei Übergewicht wird eine Gewichtsreduzierung empfohlen. Es ist darauf zu achten, dass zu Beginn einer intensiven Diät ein erhöhtes Anfallsrisiko besteht.

Um die Nierenfunktion zu erhalten, muss ein möglicherweise zu hoher Blutdruck behandelt werden.

Vorbeugende medikamentöse Therapie

Wenn es zu wiederholten Gichtanfällen kommt, ist eine vorbeugende medikamentöse Therapie zu empfehlen. Der Zweck dieser Therapie ist die Senkung des Harnsäurespiegels im Blut. Dafür stehen unter anderem folgende Medikamente zur Verfügung: Allopurinol, das die Bildung von Harnsäure hemmt, und Probenecid, das die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren erhöht.

Das am stärksten verbreitete vorbeugende Medikament ist Allopurinol. Sehr selten kann sich jedoch eine lebensgefährliche Überempfindlichkeit gegen Allopurinol entwickeln (Allopurinol-Hypersensitivitätssyndrom). Eine solche Überempfindlichkeit tritt in den meisten Fällen im Laufe der ersten Monate der Behandlung auf. Um diese Nebenwirkung zu vermeiden, wird zu Beginn der Einnahme eine niedrige Dosierung empfohlen.

Reicht Allopurinol nicht aus, kann es mit Lesinurad kombiniert werden (Lesinurad ist allerdings z. B. bei schwerer Niereninsuffizienz kontraindiziert). Die Wahl der Medikamente wird zusammen mit den Ärzten individuell getroffen; es stehen hierfür noch weitere Wirkstoffe zur Verfügung.

Um die Wirkung der Medikamente zu überprüfen, wird die Ärztin/der Arzt regelmäßig Blut abnehmen, um den Harnsäurespiegel zu überprüfen.

Patienten, die z. B. eine Chemotherapie mit Medikamenten benötigen, die das Gichtrisiko erhöhen, erhalten oft vorbeugend die genannten Medikamente während der Therapie.

Prognose

Gicht kann bei einigen Patienten auch ohne die typischen Anfälle mit akuten Schmerzen chronisch werden. Unbehandelt kann die Erkrankung zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in der Haut (Tophi) führen, z. B. an den Ohren und auf der Rückseite der Ellenbogen. Eine erhöhte Ausscheidung von Harnsäure kann auch zur Bildung von Nierensteinen (Nephrolithiasis) führen, die eine Nierenkolik auslösen können.

Mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten können die meisten Patienten aber ein normales Leben ohne negative Auswirkungen auf die Lebensqualität führen.

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Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg