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Spondylarthropathien bei Erwachsenen

„Spondyl“ bezieht sich darauf, dass die Diagnose mit dem Rücken zu tun hat und „Arthropathie“ weist auf Gelenkprobleme hin.

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Was ist eine Spondylarthropathie?

Die Bezeichnungen Spondylarthropathie und Spondylarthritis („Arthritis" bedeutet Gelenkentzündung) beziehen sich auf eine Gruppe von Krankheiten, denen gewisse Krankheitssymptome gemeinsam sind. Die häufigsten Symptome sind Entzündungen der Gelenke im Rücken (insbesondere Iliosakralgelenke), asymmetrische Entzündung in einem oder einigen wenigen Gelenken (Oligoarthritis), vor allem in den Beinen und Enthesitis, eine Entzündung an den Stellen, wo Sehnen oder Bänder am Knochen befestigt sind. Andere Symptome können Entzündung in den Augen oder im Darm sein, möglicherweise in Verbindung mit einer aktuell bestehenden oder vor kurzem bestandenen Infektion, und eine Verbindung zum Vorkommen von humanem Leukozytenantigen (HLA B27) im Blut.

Die Familie der Spondylarthropathien besteht aus den folgenden Erkrankungen:

Es wird davon ausgegangen, dass 0,5–2 % der Bevölkerung von Spondylarthropathien betroffen sind. Weltweit gibt es erhebliche Unterschiede je nach ethnischer Zugehörigkeit. Morbus Bechterew und die undifferenzierte Spondylarthritis sind die häufigsten Arten von Spondylarthropathie. Die reaktive Arthritis ist am seltensten.

Ursache

Das Wissen darüber, wie Spondylarthropathien entstehen, ist begrenzt. Man geht von komplexen Mechanismen aus, bei denen eine erbliche Komponente eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Bei ankylosierender Spondylarthritis (Morbus Bechterew) wird geschätzt, dass das Risiko zu 90 % auf Vererbung zurückzuführen ist. Die Verbindung mit dem Antigen HLA-B27 ist der stärkste bekannte genetische (vererbte) Risikofaktor.

Verschiedene Symptombilder

Für gewöhnlich wird die Gruppe der Spondylarthropathien in zwei Untergruppen unterteilt:

  1. Axiale Spondylarthropathie: Bei dieser sind Rückenschmerzen und Rückensteifigkeit die dominierenden Beschwerden.
  2. Periphere Spondylarthropathie: Bei dieser sind Arthritiden kleiner Gelenke und Enthesiopathien dominierend.

Rückenschmerzen als Ergebnis der entzündlichen Veränderungen sind das häufigste Symptom bei Einsetzen der Krankheit und treten bei etwa 70 % der Patienten auf. Typischerweise beginnen die Rückenschmerzen in einem Alter unter 40 Jahren, der Zustand entwickelt sich allmählich, Morgensteifigkeit tritt auf und die Beschwerden nehmen bei körperlicher Aktivität ab.

Gelenkentzündungen (periphere Arthritis) an anderen Stellen als im Rücken beginnen meist akut und treten vor allem in den Beinen auf, vor allem an Knie und Knöchel, es können jedoch alle Gelenke angegriffen werden. Die Arthritis bei Spondylarthropathien ist typischerweise asymmetrisch, also nicht auf beiden Körperseiten gleich, und oft sind nur bis zu drei Gelenke entzündet. Gelenkentzündungen in Knien und Knöcheln können erhebliche Schwellungen verursachen.

Enthese ist die Bezeichnung der Stelle, wo Bänder, Sehnen und Gelenkkapseln am Knochen befestigt sind. Die Bezeichnungen Enthesitis und Enthesiopathie bedeuten, dass dieser Bereich entzündet ist, das ist sehr typisch für Spondylarthropathien. Die häufigsten Orte für solche Entzündungen sind an den Fersen, um die Befestigung der Achillessehne herum oder an der Stelle unter dem Fuß, wo eine Sehnenplatte am Fersenbein befestigt ist. Die Erkrankung ist oft mit starken Schmerzen und Druckempfindlichkeit verbunden.

Daktylitis, „Wurstzehen" oder „Wurstfinger" sind ein weiteres sehr typisches Symptom bei Spondylarthropathien. Im Gegensatz zu den „normalen" Gelenkentzündungen, bei denen Schwellungen auf die Gelenke beschränkt sind, schwellen bei Daktylitis die ganzen Zehen/Finger an, die Schmerzen sind aber oft gering. Daktylitis tritt auch bei einer Reihe anderer Erkrankungen auf.

Augenentzündungen können bei Spondylarthropathien vermehrt auftreten. Es kann eine relativ leichte Entzündung der äußeren Augenhaut (Konjunktivitis) oder eine schwere Entzündung der Regenbogenhaut (Iris) auftreten. Die erste Augenentzündung zeigt sich in der Regel akut und einseitig und kann das erste Symptom der Spondylarthropathie darstellen. Die Entzündung der Regenbogenhaut dauert in der Regel mehrere Monate und folgt nicht unbedingt dem Verlauf der Gelenkentzündung.

Bis zu zwei Drittel aller Patienten mit Spondylarthropathie haben entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut. Oft sind diese Veränderungen symptomfrei. Jedoch leiden ungefähr 20 % aller Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) unter Symptomen von Spondylarthropathien.

Hauterkrankungen: 10–15 % der Patienten mit Spondylarthropathie haben eine Form der Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris).

Diagnose

Die Diagnose basiert auf der Anamnese (Krankengeschichte), Blutuntersuchungen und Röntgenuntersuchungen. Mehr als 90 % aller Patienten mit ankylosierender Spondylarthritis (Morbus Bechterew) und 70 % mit undifferenzierter Spondylarthropathie haben den Gewebetyp HLA-B27 (HLA = humanes Leukozytenantigen). Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und CRP sind häufig normal oder nur leicht erhöht.

Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule, der Beckengelenke sowie der betroffenen peripheren Gelenke und Enthesen können bei länger andauernden Verläufen indiziert sein. Röntgenuntersuchungen haben jedoch keinen großen diagnostischen Wert bei früher oder undifferenzierter Spondylarthropathie. Es dauert vom Ausbruch der Krankheit an mehrere Jahre, bis die Veränderungen im Röntgenbild sichtbar sind. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann wesentlich früher Veränderungen zeigen.

Patienten mit undifferenzierter Spondylarthropathie haben einige der Symptome, aber keine Befunde, die auf Morbus Bechterew, reaktive Arthritis, Psoriasisarthritis oder Spondylarthropathie mit chronisch-entzündlicher Erkrankung des Darms hinweisen. Die meisten Patienten sind junge Männer mit Schmerzen im unteren Rücken und/oder peripherer Arthritis, die HLA-B27-positiv sind. Radiologische Veränderungen der Iliosakralgelenks sind bei der undifferenzierten Spondylarthropathie viel später darstellbar als beim Morbus Bechterew oder überhaupt nicht.

Therapie

Regelmäßige Bewegungsübungen und körperliche Aktivität spielen bei der Behandlung von Spondylarthropathien eine wichtige Rolle.

Eine frühzeitige Diagnose ist besonders relevant, weil es heutzutage eine wirksame Behandlung der durch die Spondylarthropathie verursachten Entzündung im Rücken gibt. Der Einsatz von entzündungshemmenden Arzneimitteln, nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), dominierte früher die Behandlung, aber aufgrund der Nebenwirkungen, und da die meisten Präparate auf lange Sicht an Wirkung einbüßen, ist diese Behandlung später im Krankheitsverlauf weniger indiziert. Krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARD), die bei der rheumatoiden Arthritis häufig verwendet werden, haben, wie sich gezeigt hat, eine geringe Wirkung auf Gelenkentzündungen bei Spondylarthropathie. Eine neue Art der Behandlung mit sogenannten Tumornekrosefaktor-alpha-Blockern (TNF-alpha-Inhibitoren) hat jedoch weit bessere Ergebnisse gezeigt. Der Nachteil ist, dass es sich um teure Medikamente handelt, die ernsthafte Nebenwirkungen haben können und die Behandlung durch Injektionen erfolgt.

Siehe separate Beschreibung der Behandlung von ankylosierende Spondylarthritis (Morbus Bechterew), reaktive Arthritis und Psoriasis-Arthritis.

Prognose

Undifferenzierte Spondylarthropathie sollte als eine vorläufige Diagnose angesehen werden, ein großer Prozentsatz dieser Patienten wird schließlich einen spezifischeren Zustand entwickeln, der klassifiziert werden kann. Bei manchen bleibt der Zustand unverändert, und bei einigen wenigen geht die Erkrankung von alleine zurück.

Die Intensität der Krankheit variiert bei den einzelnen Patienten häufig. Die meisten Patienten mit leichter Erkrankung können ihre körperliche Funktion und Arbeitsfähigkeit erhalten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg