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Blutgerinnsel in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft ist das Risiko eines Blutgerinnsels in den Venen bei Frauen vierfach höher.

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Was ist ein Blutgerinnsel in der Schwangerschaft?

Eine Verstopfung in einem Blutgefäß wird als Blutgerinnsel oder Thrombus bezeichnet. Blutgerinnsel können im Kreislaufsystem des Körpers sowohl in Arterien (Blutgefäße, die das Blut vom Herzen weg leiten), als auch in Venen (Blutgefäße, die das Blut zum Herzen hin leiten) entstehen. Wenn ein Blutgerinnsel während der Schwangerschaft auftritt, handelt es sich fast immer um ein venöses Blutgerinnsel (venöse Thromboembolie, VTE). Die Fälle variieren in ihrem Schweregrad, Blutgerinnsel können aber kurzfristig lebensbedrohlich sein und langfristig schwerwiegende Spätfolgen haben. Während einer Schwangerschaft ist das Risiko eines Blutgerinnsels bei Frauen vierfach höher.

Eine tiefe Venenthrombose  ist ein Blutgerinnsel, das in einer größeren, tief in den Muskelschichten liegenden Vene in der Wade oder im Oberschenkel sitzt. Gelegentlich kann sich ein solches Blutgerinnsel lösen und mit dem Blutstrom zum Herzen und zur Lunge fließen, eine sogenannte Lungenembolie ist die Folge.

Blutgerinnsel in den Venen kommen bei 0,5–2 von 1.000 Schwangerschaften vor und zählen zu den führenden Todesursachen in Schwangerschaft und Wochenbett. Während der Schwangerschaft ist das Risiko für ein Blutgerinnsel in allen Trimestern etwa gleich hoch. Das höchste Risiko besteht in der ersten Woche nach der Entbindung, ein Kaiserschnitt erhöht das Risiko um das Fünffache. Bei Frauen, die Blutgerinnsel während einer Schwangerschaft hatten, liegt das Risiko neuer Blutgerinnsel bei 4,5 % im Falle einer weiteren Schwangerschaft. 

Ursachen

Verletzungen der Blutgefäße, Infektionen und Gewebeschäden in Verbindung mit erhöhter Gerinnbarkeit des Blutes und Störungen des Blutflusses lösen den Prozess aus, der zu einer tiefen Venenthrombose führt. In der Schwangerschaft kann die Gebärmutter auf Blutgefäße im Bauch drücken und zu einer verminderten Durchblutung beitragen. Während einer Schwangerschaft treten daher bis zu 90 % aller tiefen Venenthrombosen im linken Bein auf. Außerdem bewirken die Hormonveränderungen, dass das Blut bei schwangeren Frauen leichter gerinnt als bei Frauen außerhalb der Schwangerschaft.

Embolien können entstehen, wenn sich Teile eines Blutgerinnsels lösen, der Blutbahn folgen und sich in engeren Blutgefäßen festsetzen.

Das Risiko eines Blutgerinnsels steigt mit dem Alter (> 35 Jahre), Übergewicht (BMI > 30), der Anzahl früherer Geburten und dem Vorkommen von Blutgerinnsel-Erkrankungen in der Familie. Die Schwangerschaft an sich ist ein Risikofaktor für die Entstehung eines Blutgerinnsels. Zusätzliche Faktoren, die das Risiko erhöhen, sind Rauchen, Kaiserschnitt, Bettlägerigkeit, Langstreckenflüge und Operationen. Erbkrankheiten im Blutgerinnungssystem (Thrombophilie) erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel deutlich.

Symptome

Die Symptome bei einer tiefen Venenthrombose können von sehr vagen bis hin zu starken Schmerzen in der Wade oder im Oberschenkel reichen. Schmerzen können einerseits beim Gehen auftreten, andererseits auch dann, wenn das Bein in Ruhe liegt. Die Wade oder der Oberschenkel können geschwollen oder warm sein, die Haut färbt sich blau und die Blutgefäße unter der Haut werden sichtbar. Die Symptome bestehen nur auf einer Seite, in der Schwangerschaft meistens im linken Bein. Bei einzelnen Patientinnen kann auch leichtes Fieber auftreten.

Ein Blutgerinnsel in der Lunge verursacht plötzlich auftretende Brustschmerzen. Die Betroffenen entwickeln Atemnot, Herzklopfen und Husten, und es kann zu blutigem Auswurf kommen. Bei einem großen Blutgerinnsel werden Sie kalt, klamm und blass, Ihr Puls wird schwach, der Blutdruck fällt und Sie fallen schließlich in Ohnmacht. Große Lungenembolien können lebensbedrohlich sein.

Diagnostik

Die Krankengeschichte und typische Befunde können dem Arzt den Verdacht liefern, dass Sie ein Blutgerinnsel haben. Die Diagnose kann allerdings einerseits leicht übersehen werden, und andererseits liegt lediglich bei einem Teil der Fälle, in denen ein Blutgerinnsel vermutet wird, auch wirklich eines vor.

Ein Ultraschall der Bein- und Beckenvenen ist die bevorzugte Untersuchung bei Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose. Die Untersuchung ist sicher, hat eine hohe diagnostische Genauigkeit und ist kostengünstig. Zusätzlich wird eine Blutprobe (D-Dimer-Test) empfohlen. Der D-Dimer-Test ist jedoch in der Schwangerschaft weniger aussagekräftig, da der Wert bei schwangeren Frauen häufig erhöht ist. Wenn sowohl D-Dimer als auch Ultraschall negativ ausfallen, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Blutgerinnsel sehr gering. In den Fällen, in denen weiterhin ein Blutgerinnsel vermutet wird, kann eine Phlebografie durchgeführt werden. Es wird dann ein Kontrastmittel in ein Blutgefäß (Vene) am Fuß gespritzt. Im Fall eines Blutgerinnsels wird der Durchfluss des Kontrastmittels blockiert und die Diagnose kann gestellt werden. 

Zur Diagnose einer Lungenembolie wird eine D-Dimer-Probe genommen und ein Ultraschall der Wade bzw. des Oberschenkels durchgeführt. Falls beide Untersuchungen negativ ausfallen, spricht dies stark gegen eine Lungenembolie. Wenn eine Lungenembolie jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz, z. B. CT-Angiografie oder Szintigrafie. Um andere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge auszuschließen, kann Ihr Arzt ein EKG und eine Röntgenuntersuchung der Lunge durchführen.

Behandlung

Sie können selbst eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, um die Bildung eines Blutgerinnsels in der Schwangerschaft zu vermeiden. Es ist wichtig, körperlich aktiv zu sein. Das Risiko eines Blutgerinnsels ist ein weiterer guter Grund, in der Schwangerschaft auf das Rauchen zu verzichten (wie auch nach der Geburt!). Sie sollten nicht für einen längeren Zeitraum im Bett liegen. Verwenden Sie eventuell Kompressionsstrümpfe um Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe der Beine zu verhindern.

Blutgerinnsel in den Beinen oder in der Lunge sind akute Notfälle und erfordern eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. Dort werden Sie mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Heparin) behandelt. Bei einer lebensbedrohlichen Lungenembolie kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein.

Bei tiefen Venenthrombosen wird ein frühzeitiger Beginn einer Kompressionstherapie empfohlen, d. h. Sie sollten an dem betroffenen Bein Kompressionsstrümpfe tragen. Dadurch kann ein sogenanntes postthrombotisches Syndrom verhindert werden.

Prognose

Wenn schwangere Patientinnen mit tiefer Venenthrombose nicht behandelt werden, entsteht in 15–25 % der Fälle eine Lungenembolie. Die Sterblichkeit bei einer unbehandelten Lungenembolie liegt bei bis zu 30 %, und bis zu 8 % der Patientinnen überleben eine Lungenembolie trotz einer Behandlung nicht.

Der weitere Verlauf ist v. a. vom Ausmaß der Lungenembolie bestimmt, im Einzelfall aber sehr variabel und schwer vorherzusagen. Üblicherweise lösen sich die Blutgerinnsel innerhalb von einem Monat auf.

Von den Patientinnen mit Lungenembolie, die behandelt wurden, genesen zwei Drittel wieder vollständig, während bei einem Drittel eine verminderte Durchblutung und eine Funktionsstörung der Lunge zurück bleiben. Etwa 4 % entwickeln Bluthochdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie).

Etwa 25 % der Patientinnen leiden nach einer tiefen Venenthrombose unter einem postthrombotischen Syndrom. Dies ist gekennzeichnet durch ein Schweregefühl in den Beinen, bei Ruhe oder beim Gehen, durch Schmerzen, Schwellungen, Krampfadern, Hautverfärbungen, Ekzeme und Äderungen am Bein. Die regelmäßige Verwendung individuell angepasster Kompressionsstrümpfe vermindert das Risiko um 50 %, im Nachhinein ein solches Syndrom zu entwickeln.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden