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Opioidentzug

Bei einem Opioidentzug kommt es zu Entzugserscheinungen wie Unruhe, laufender Nase, Tränenfluss, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Muskelkrämpfen, Gänsehaut, Gähnen und Herzrasen.

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Was sind Opioide?

Als Opioide bezeichnet man Stoffe, die an die Opioidrezeptoren an der Zelloberfläche binden. Die Gruppe der Opioide umfasst sowohl pflanzliche Opiate aus den Kapseln des Schlafmohns als auch rein synthetisch hergestellte Substanzen mit vergleichbarer Wirkung. Hierzu zählt beispielsweise auch das Morphin, dem als wirkungsvollstem aller bekannten schmerzlindernden Medikamente in der Medizin eine entscheidende Bedeutung zukommt. Weitere opioidhaltige Schmerzmittel sind z. B. Codein, Fentanyl und Oxycodon. Heroin ist ein stark- und schnellwirksames, halbsynthetisches Opioid, das als Rauschmittel genutzt wird.

Alle Opioide führen zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Stimulation der Rezeptoren im Gehirn; diese Stimulation verursacht Verschiedenes: vor allem Schmerzlinderung, kombiniert mit einem Gefühl der Entspannung und des Wohlbefindens. Auch die Herz- und Verdauungsaktivität verlangsamen sich.

Was sind Entzugserscheinungen?

Bei regelmäßigem Konsum von Opioiden entwickelt der Körper eine Toleranz gegenüber diesen Stoffen, da er zusätzliche Opioidrezeptoren ausbildet. Infolge muss die Dosierung kontinuierlich erhöht werden, um die gewünschte Wirkung zu erlangen. Eine Toleranz gegenüber Opioiden entwickelt sich hinsichtlich der schmerzlindernden Wirkung nur langsam, aber hinsichtlich der berauschenden Wirkung schnell. Die Gewöhnung hängt von Dosis, Dauer und Häufigkeit der Verwendung der Substanz ab. Der Körper gewöhnt sich mit der Zeit daran, dass von außen ständig Opioide zugeführt werden, und entwickelt bei unzureichendem oder ausbleibendem Konsum spezifische Symptome, sogenannte Entzugsreaktionen. Entzugserscheinungen können auch in anderen Fällen einer Abhängigkeit, wie etwa bei regelmäßigem Alkoholkonsum, auftreten.

Leichte Symptome bei Opioid-Entzug sind: Unruhe, Energiemangel, Kopfschmerzen, Schwitzen, Gähnen, eine laufende Nase, leicht erweiterte Pupillen, Tränenfluss, Gänsehaut und ein starkes Verlangen nach Opioiden (Craving).

Stärkere Entzugssymptome können sein: Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bluthochdruck, Herzrasen, grippeähnliche Beschwerden mit Schüttelfrost und Fieber, Gliederschmerzen, stark erweiterte Pupillen, Angst und psychotische Symptome.

Therapie

Die Therapie erfolgt in Ambulanzen, psychosozialen Beratungsstellen oder Fachkliniken, die auf Drogenabhängigkeit spezialisiert sind. Bei illegalem Gebrauch von Opiaten (z. B. Heroin) wird grundsätzlich eine stationäre Behandlung empfohlen. Ziel der Therapie ist das Absetzen des Opioids.

Der Opioidentzug erreicht seinen Höhepunkt nach 2‒3 Tagen. Erste Entzugssymptome können aber bereits 4‒6 Stunden nach dem letzten Gebrauch auftreten, wenn der Körper mit dem Abbau der Opioide begonnen hat. Die körperlichen Entzugserscheinungen klingen nach einigen Tagen ab, psychische Entzugssymptome und besonders das Substanzverlangen halten aber meist viel länger an. Auch wenn sich die Betroffenen sehr krank fühlen, ist ein Opioidentzug normalerweise ungefährlich, es sei denn, der gesundheitliche Allgemeinzustand ist aus anderen Gründen beeinträchtigt oder die Substanz wurde zusammen mit anderen Rauschmitteln wie Alkohol oder bestimmten Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) konsumiert. Der stationäre Aufenthalt in einem Krankenhaus oder einer Entzugsklinik kann für einige Betroffene mehr Sicherheit bedeuten, zudem besteht dort die Möglichkeit einer symptomlindernden Behandlung. Bei leichter Abhängigkeit ist dies allerdings nicht notwendig.

Nach einer längerfristigen Behandlung mit opioidhaltigen Medikamenten sollte die tägliche Dosis schrittweise verringert werden. Auf diesem Weg können auch Entzugserscheinungen vermieden werden. Als unterstützende Maßnahmen kommen medikamentöse, physiotherapeutische und psychotherapeutische Therapien infrage.

Bei illegalem Opiatgebrauch gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • Bei einem radikalen Entzug („kalter Entzug“) wird die Opioiddosis sofort oder innerhalb weniger Tage auf Null reduziert. Auftretende Entzugssymptome können medikamentös mit trizyklischen Antidepressiva, Neuroleptika, Clonidin oder Benzodiazepinen behandelt werden. Diese Art des Entzugs stellt eine starke Belastung für die Patienten dar und ist selten besonders erfolgreich.
  • Die Entzugsbehandlung kann auch mit kontinuierlich abnehmenden Dosen eines Opioids durchgeführt werden. Bei der sogenannnten Substitutionsbehandlung erhalten die Patienten meist Buprenorphin oder Methadon, bis die Entzugserscheinungen nachlassen, gefolgt von schrittweisem Absetzen.
  • Ergänzend zur Entzugsbehandlung ist eine psychosoziale Unterstützung hilfreich.

Wenn Drogenabhängige einen Entzug durchführen möchten, ist die Substitutionsbehandlung ein wichtiger Schritt: So können sie eine anderweitig notwendige Behandlung beginnen, eine Anbindung an das Suchthilfesystem finden und aus dem verhängnisvollen Kreislauf aus Sucht und Beschaffungskriminalität herauskommen.

Buprenorphin und Methadon werden im Körper langsamer abgebaut als Heroin. Sie können daher in einer Dosierung gegeben werden, mit der eine gleichmäßige Konzentration im Blut aufrecht erhalten wird. Eine Rauschwirkung und Entzugserscheinungen werden so vermieden. Die Einnahme erfolgt unter Aufsicht. Langfristiges Ziel einer solchen Substitutionsbehandlung ist die vollständige Abstinenz von Opioiden.

Nachbetreuung

Die eigentliche Herausforderung, das Erreichen einer dauerhaften Opioidfreiheit, beginnt nach dem Entzug selbst. Wenn die Abhängigkeit schon lange bestanden hat, können sich die Opioidrezeptoren im Gehirn stark verändert haben. Der Körper erinnert sich an den Rauschzustand, sodass ein stetiges Bedürfnis danach besteht, ihn wieder zu erleben. Die Zahl der Rückfälle ist daher hoch.

Um Rückfälle zu vermeiden und die Betroffenen auf einen Alltag ohne Drogen vorzubereiten, sollten sie in spezialisierten Einrichtungen noch einige Wochen nach dem Entzug betreut werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden