Alkoholprobleme, Wissenswertes für Angehörige

Eine Alkoholabhängigkeit ist nicht nur eine große Belastung für die betroffene Person, sondern auch für ihr Umfeld. Ein Verständnis, dass es sich dabei um eine Erkrankung handelt, die einer Behandlung bedarf, ist dabei sehr wichtig.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

 

Was bedeutet Alkoholabhängigkeit?

Bei einer Alkoholabhängigkeit wird Alkohol über das normale Maß hinaus konsumiert. Dem Alkohol wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Typischerweise bestehen:

  • Ein starker Wunsch, Alkohol zu trinken.
  • Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren.
  • Anhaltender Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen.

Ursachen

Die Gründe weswegen manche Menschen eher anfällig sind für eine Alkoholsucht, sind bis heute nicht ausreichend geklärt. Man geht davon aus, dass sowohl eine genetische Vorbelastung wie auch das soziale Umfeld und die eigene Psyche dabei eine wichtige Rolle spielen. Sind Kindheit und Jugend durch den Missbrauch der Eltern geprägt, besteht bei den Kindern ein erhöhtes Suchtrisiko im Erwachsenenalter. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Alkoholmissbrauch durch schwierige Lebenssituationen entsteht, z. B. nach einer Trennung oder Verlusterlebnissen. Auch leicht zugänglicher Alkohol erhöht das Risiko für einen Alkoholmissbrauch.

Empfehlungen für Partner*innen alkoholabhängiger Menschen

  • Übernehmen Sie nicht die Verantwortung für das, was die alkoholabhängige Person tut. Dafür ist sie selbst verantwortlich.
  • Lassen Sie sich nicht körperlich oder psychisch misshandeln.
  • Teilen Sie es Ihrer Partnerin/Ihrem Partner mit, wenn Sie ihr/sein Verhalten inakzeptabel finden.
  • Bessert sich das Verhalten nicht und nimmt Ihre Partnerin/Ihr Partner auch keine Hilfe in Anspruch, sollten Sie eine Beendigung der Beziehung in Betracht ziehen.
  • Achten Sie darauf, dass Sie neben der alkoholabhängigen Person noch ein soziales Umfeld haben, das Sie stützt.
  • Achten Sie auf Ihre eigene geistige und körperliche Gesundheit.
  • Distanzieren Sie sich von dem irrationalen und verantwortungslosen Verhalten, das die alkoholabhängige Person häufig an den Tag legt.
  • Trinken Sie nicht gemeinsam mit der alkoholabhängigen Person. Es ist ein vollständiger Verzicht auf Alkohol erforderlich.
  • Versuchen Sie, auf Augenhöhe mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner zu sprechen, ohne zu verurteilen. Versuchen Sie, auf die Probleme und Gefühle einzugehen und sie/ihn zu einer Therapie zu motivieren.
  • Versuchen Sie, keine Gefühle von Bitterkeit und Hass aufkeimen zu lassen. Es hilft nicht, den Alkohol zu verstecken oder wegzuschütten.

Probleme für die Familie und das soziale Umfeld

  • „Die Leber erträgt oft mehr Alkohol als die Familie."
  • Bei Kindern alkoholkranker Personen treten gehäuft psychische Erkrankungen und eigene Suchtprobleme auf.
  • Häufig kommt es zu Brüchen in den Beziehungen zu Familie und Freund*innen.
  • Typisch sind auch Konflikte am Arbeitsplatz, Verlust der Anstellung und Verschlechterung der finanziellen Situation.

Prognose

Patient*innen mit alkoholbezogenen Störungen:

  • 25–30 % finden einen Weg aus der Alkoholsucht.
  • Bei 30 % tritt eine Besserung ein.
  • 40–50 % trinken unverändert weiter.

Weitere Informationen

Beratung und Selbsthilfegruppen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Alkoholabhängigkeit. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2021. Stand 18.09.2020; letzter Zugriff 30.03.2021. www.dimdi.de
  2. Rumpf HJ und Kiefer F. Forum für Praxis und Gesundheitspolitik. Sucht 2011; 57: 45–8. DOI: 0.1024/0939-5911.a000072.
  3. Batra A, Müller CA, Mann K, Heinz A. Abhängigkeit und schädlicher Gebrauch von Alkohol - Diagnostik und Behandlungsoptionen. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 301-10. cdn.aerzteblatt.de
  4. Falkai P, Wittchen HU, Döpfner M: Diagnostisches und StatistischesManual Psychischer Störungen – DSM-5. Göttingen: Hogrefe 2014.
  5. Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Alkoholbezogene Störungen: Screening, Diagnostik und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Leitlinie Nr. 076-001, S3, Stand 2021. www.awmf.org
  6. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2018. F10.2 Alkoholabhängigkeitssyndrom. Stand 22.09.2017; letzter Zugriff 27.11.2017. www.dimdi.de
  7. Bundesministerium für Gesundheit. Sucht und Drogen. Problematik in Deutschland. Stand 30.11.2020; letzter Zugriff 01.03.2021. www.bundesgesundheitsministerium.de
  8. Atzendorf J, Rauschert C, Seitz NN, Lochbühler K, Kraus L. Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und MedikamentenSchätzungen zu Konsum und substanzbezogenen Störungen in Deutschland. Dtsch Arztebl Int 2019 ; 116: 577-84. www.aerzteblatt.de
  9. Rehm J, Rehm MX, Shield KD, Gmel G, Frick U, Mann K. Reduzierung alkoholbedingter Mortalität durch Behandlung der Alkoholabhängigkeit. Sucht 2014; 60(2): 93-105. DOI: 10.1024/0939-5911.a000299 DOI
  10. Tolstrup JS, Nordestgaard BG, Rasmussen S, Tybjærg-Hansen A, Grønbæk M. Genetisk variation i alkoholdehydrogenase, alkoholdrikkevaner og alkoholisme - sekundærpublikation. Ugeskr Læger 2008; 170: 2672. PMID: 18761854 PubMed
  11. Schumann G, Liu C, O'Reilly P, et al. KLB is associated with alcohol drinking, and its gene product β-Klotho is necessary for FGF21 regulation of alcohol preference. Proc Natl Acad Sci USA 2016; 113: 14372. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Bundesärztekammer. Früherkennung und Diagnose von Alkoholerkrankungen in der Praxis. Letzter Zugriff 29.11.2017. www.bundesaerztekammer.de
  13. Hacke W (Hrsg.): Neurologie. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016.
  14. Dumitrascu C, Paul R, Kingston R, Williams R. Influence of alcohol containing and alcohol free cosmetics on FAEE concentrations in hair. A performance evaluation of ethyl palmitate as sole marker, versus the sum of four FAEEs. Forensic Sci Int 2018; 283:29-34. PMID: 29247980 PubMed
  15. Conigrave KM, Degenhardt LJ, Whitfield B et al. On behalf of the WHO/ISBRA study on biological state and trait markers of alcohol use and dependence investigators. CDT, GGT, and AST as markers of alcohol use: The WHO/ISBRA collaborative project. Alcohol Clin Exp Res 2002; 26: 332-339. PMID: 11923585 PubMed
  16. Thiesen H und Hesse M. Biological markers of problem drinking in homeless patients. Addict Behav 2010; 35: 260-2. PMID: 19917520 PubMed
  17. Brinkmann B, Köhler H, Banaschak S et al. ROC analysis of alcoholism markers. Int J Legal Med 2000; 113: 293-9. PMID: 11009066 PubMed
  18. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Alkoholdelir und Verwirrtheitszustände. AWMF-Leitlinie Nr. 030-006, S1, Stand 2020. www.awmf.org
  19. Brown RL, Saunders LA, Bobula JA, Lauster MH. Remission of alcohol disorders in primary care patients. J Fam Pract 2000; 49: 522-8. PubMed
  20. Pani PP, Trogu E, Pacini M, et al. Anticonvulsants for alcohol dependence. Cochrane Database Syst Rev. 2014 Feb 13;2:CD008544. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  21. Jonas DE, Amick HR, Feltner C, et al. Pharmacotherapy for Adults With Alcohol Use Disorders in Outpatient Settings. A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA. 2014 14;311(18):1889-900. doi: 10.1001/jama.2014.3628. DOI
  22. Mørland J. Legemidler mot alkoholmisbruk. Tidsskr Nor Lægeforen 2006; 126: 3268-9. PubMed
  23. Heilig M, Egli M. Pharmacological treatment of alcohol dependence: Target symptoms and target mechanisms. Pharmacol Ther 2006; 111: 855-76. PubMed
  24. Bouza C, Magro A, Munoz A, Amate J. Efficacy and safety of naltrexone and acamprosate in the treatment of alcohol dependence: a systematic review. Addiction 2004; 99: 811-8. PubMed
  25. Carmen B, et al. Efficacy and safety of naltrexone and acamprosate in the treatment of alcohol dependence: a systematic review. Addiction 2004; 99: 811-28. PubMed
  26. Rosner S, Hackl-Herrwerth A, Leucht S, et al. Acamprosate for alcohol dependence. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010; 9: CD004332. Cochrane (DOI)
  27. Jonas DE, Amick HR, Feltner C, et al. Pharmacotherapy for adults with alcohol use disorders in outpatient settings. A systematic review and meta-analysis. JAMA 2014; 311: 1889-900. doi:10.1001/jama.2014.3628. DOI
  28. Anton RF. Naltrexone for the management of alcohol dependence. N Engl J Med 2008; 359: 715-21. PubMed
  29. Rösner S, Hackl-Herrwerth A, Leucht S, Vecchi S, Srisurapanont M, Soyka M. Opioid antagonists for alcohol dependence. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 12. Art. No.: CD001867. DOI: 10.1002/14651858.CD001867.pub3. DOI
  30. Zagermann-Muncke P. Medikamente und Alkohol - Ein Gläschen in Ehren. Pharmazeutische Zeitung online 2004 (1); letzter Zugriff 05.12.2017. www.pharmazeutische-zeitung.de
  31. Johnsen J, Mørland J. Disulfiram implant: A double-blind placebo controlled follow-up on treatment outcome. Alcohol Clin Exp Res 1991; 15: 532-6. PubMed
  32. Palpacuer C, Duprez R, Huneau A et al. Pharmacologically controlled drinking in the treatment of alcohol dependence or alcohol use disorders: a systematic review with direct and network meta-analyses on nalmefene, naltrexone, acamprosate, baclofen and topiramate. Addiction 2017; im Druck. PMID: 28940866 PubMed
  33. Gual A, He Y, Torup L et al. A randomised, double-blind, placebo-controlled, efficacy study of nalmefene, as-needed use, in patients with alcohol dependence. Neuropsychopharmacology 2013; 23: 1432–42. PMID: 23562264 PubMed
  34. Mann K, Bladström A, Torup L et al. Extending the Treatment Options in Alcohol Dependence: A Randomized Controlled Study of As Needed Nalmefene. Biological Psychiatry. 2013; 73: 706–713. PMID: 23237314 PubMed
  35. Palpacuer C, Laviolle B, Boussageon R, et al. Risks and benefits of nalmefene in the treatment of adult alcohol dependence: A systematic literature review and meta-analysis of published and unpublished double-blind randomized controlled trials. PLoS Med. 2015. doi: 10.1371/journal.pmed.1001924 DOI
  36. Palpacuer C, Duprez R, Huneau A, Locher C, Boussageon R, Laviolle B, Naudet F. Pharmacologically controlled drinking in the treatment of alcohol dependence or alcohol use disorders: a systematic review with direct and network meta-analyses on nalmefene, naltrexone, acamprosate, baclofen and topiramate. Addiction 2018; 113(2): 220-37. PMID: 28940866 PubMed
  37. Mann K, Torup L, Sørensen P, Gual A, Swift R et a l. Nalmefene for the management of alcohol dependence: review on its pharmacology, mechanism of action and meta-analysis on its clinical efficacy. Eur Neuropsychopharmacol 2016; 26(12):1941-49. PMID: 27842940 PubMed
  38. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Anlage XII - Beschlüsse über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach § 35a SGB V – Nalmefen. Stand 19.02.2015; letzter Zugriff 05.12.2017. www.g-ba.de
  39. Johnson BA, Ait-Daoud N, Bowden CL, et al. Oral topiramate for treatment of alcohol dependence: a randomised controlled trial . Lancet 2003; 361: 1677-85. PubMed
  40. Johnson BA, Rosenthal N, Capece JA, et al, for the Topiramate for Alcoholism Advisory Board and the Topiramate for Alcoholism Study Group. Topiramate for treating alcohol dependence: a randomized controlled trial. JAMA 2007; 298: 1641-51. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  41. Mason BJ, Quello S, Goodell V, et al. Gabapentin treatment for alcohol dependence: A randomized clinical trial. JAMA Intern Med 2013. doi:10.1001/jamainternmed.2013.11950 DOI
  42. Foster T. Editorial. Dying for a drink. BMJ 2001; 323: 817-8. PubMed
  43. Gesellschaft für Neuropädiatrie. Fetale Alkoholspektrumstörungen, FASD - Diagnostik. AWMF-Leitlinie Nr. 022-025, S3, Stand 2016 (abgelaufen). www.awmf.org