Passivrauchen bei Kindern und Jugendlichen

Kinder sind in Bezug auf Tabakrauch besonders empfindlich, da sie verglichen mit Erwachsenen häufiger ein- und ausatmen und ihre Organe die Giftstoffe noch nicht so effektiv abbauen können wie Erwachsene. Passivrauchen ist für Kinder grundsätzlich gesundheitsschädlich, Es gibt keinen unteren Grenzwert, ab dem Passivrauchen unbedenklich ist.

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Rauchen schadet der Gesundheit

In Deutschland werden jährlich mehr als 170.000 Kinder geboren, die bereits während der Schwangerschaft den Giften des Tabakrauchs ausgesetzt waren. Über 8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind zu Hause Tabakrauch ausgesetzt, wie eine Veröffentlichung von 2005 ergab.1

Raucher*innen schädigen die Personen in der Umgebung zum einen mit dem Rauch, den sie selbst ausatmen (Hauptrauch), und zum anderen mit dem Rauch, der beim Verglühen der Zigarette entsteht (Nebenrauch). Dieser Nebenrauch macht 85 % aus und enthält sogar mehr Schadstoffe als der Hauptrauch. Die enthaltenen Schadstoffe atmen Personen in der Nähe ein. Dies gilt umso mehr in Innenräumen, besonders im Auto. Selbst wenn in einem Raucherraum gerade nicht geraucht wird, bleiben viele Giftstoffe des Rauchs an Wänden oder Gegenständen hängen, die dann eingeatmet werden.

Auch an Kleidung und Haut von Raucher*innen bleiben Partikel des Tabakqualms hängen. Über Berührungen werden die Giftstoffe darin an Babys und Kinder weitergegeben. Daher ist es zwar weniger schädlich, wenn Eltern nur draußen rauchen als auch in der Wohnung, aber trotzdem bringen sie die Schadstoffe (in geringerer Menge) wieder in die Nähe der Kinder. Kinder können sich nicht gegen schädlichen Tabakrauch wehren, daher müssen sie besonders geschützt werden.

Besonders betroffen sind Babys, denn Passivrauchen kann zum plötzlichen Kindstod (SIDS) führen. Laut einer Schätzung von 2005 sterben jährlich in Deutschland etwa 60 Säuglinge an den Folgen von Passivrauchen – entweder, weil die Mutter in der Schwangerschaft bereits rauchte oder weil im Haushalt nach der Geburt geraucht wird. Wenn Kinder in der Familie unfreiwillig mitrauchen, ist das Risiko für zahlreiche Beschwerden und Krankheiten höher als im Vergleich zu Nichtraucher*innen:

Kinder sollten sich prinzipiell möglichst nur an rauchfreien Orten aufhalten. Dies betrifft alle Innenräume, die von Kindern (mit)benutzt werden. Besonders hoch ist die Konzentration der Giftstoffe in einem verrauchten Fahrzeug. Es reicht nicht aus, das Fenster zum Lüften zu öffnen.1

Rauchfreie Schulen

Die Raucherquote von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren konnte von 27,5 % im Jahr 2001 auf 7,2 % im Jahr 2017 gesenkt werden. Zu diesem Erfolg trugen zahlreiche Maßnahmen bei. Ein wichtiger Baustein war dabei die Einführung rauchfreier Schulen. Die Schule ist ein Ort, an dem Jugendliche prägende Erfahrungen machen und vielen verschiedenen Einflüssen ausgesetzt sind. Rauchverbote an Schulen gelten daher als einer der wichtigsten Schritte, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern und somit den Risiken durch den Tabakkonsum vorzubeugen.2

Spätestens seit der Umsetzung der jeweiligen Landesnichtraucherschutzgesetze ist das Rauchen an allen Schulen in Deutschland verboten. Das Rauchverbot umfasst nicht nur die Schulgebäude, sondern auch das Schulgelände.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Passivrauchen bei Kindern & Jugendlichen. Köln o.D. Zugriff: 24.5.2016. www.rauchfrei-info.de
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Passivrauchen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko. Heidelberg, 2005. www.dkfz.de
  3. Kahnert S. Passivrauchen bei Kleinkindern. 11. deutsche Konferenz für Tabakkontrolle, 2013. www.dkfz.de

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen