Zum Hauptinhalt springen

Medikamente zur Raucherentwöhnung (Vareniclin)

Vareniclin bindet an die gleichen Rezeptoren (Bindungsstellen) im Gehirn wie Nikotin, ohne jedoch die Wirkung von Nikotin zu entfalten.

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Willkommen auf unseren Patientenseiten!

Wir freuen uns, dass Sie sich für die aktuellen und unabhängigen Informationen von Deximed interessieren. Sie können sich kostenlos auf allen Patientenseiten umschauen. Eine Übersicht aller Themen finden Sie unter https://deximed.de/patienten .

Ärzt*innen empfehlen wir unsere unabhängigen Arztinformationen zu allen relevanten Themen der Hausarztmedizin.

Gutes Arbeiten mit Deximed!

Mehr Infos für Ärzt*innen!

Sie wollen mit dem Rauchen aufhören? Gratulation, denn Sie ergreifen eine der wichtigsten Maßnahmen, um Ihrer Gesundheit Gutes zu tun und schweren Erkrankungen vorzubeugen.

Es gibt zahlreiche Maßnahmen und Therapien, die Sie bei der Rauchentwöhnung unterstützen können; dabei hat sich eine Kombination aus Beratung und medikamentöser Behandlung als erfolgreich erwiesen. Wichtig ist die Aufklärung über die schädlichen Auswirkungen des Rauchens auf Ihre Gesundheit.

Nikotinersatzmedikamente stehen in unterschiedlichen Formen zur Verfügung (Kaugummi, Pflaster, Sprays). Wenn diese Präparate allein nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann Vareniclin als eine Behandlungsoption infrage kommen.

Was ist Vareniclin?

Vareniclin ist ein Medikament, das an die gleichen Rezeptoren (Bindungsstellen) von Nervenzellen im Gehirn wie Nikotin bindet, ohne jedoch dessen Wirkung zu entfalten. Nachdem Nikotin inhaliert wurde und in die Blutbahn gelangt ist, kann es nicht (oder nicht mehr so stark) wirken, da die entsprechenden Andockstellen im Gehirn bereits von Vareniclin blockiert werden. Das Nikotin verliert seinen Effekt und das angestrebte Wohlgefühl bleibt aus. Das reduziert das Verlangen nach der nächsten Zigarette, und es fällt es leichter, mit dem Rauchen aufzuhören.

Vareniclin fördert erwiesenermaßen die Raucherentwöhnung; vor der Verordnung wird eine sorgfältige ärztliche Untersuchung durchgeführt, um abzuschätzen, ob bei der betroffenen Person ein erhöhtes Risiko bei der Einnahme des Präparats besteht.

Wie wird das Medikament angewendet?

Wenn Sie sich entschlossen haben, mit dem Rauchen aufzuhören, ist es ratsam, ein (Rauch-)Enddatum festzulegen und 1–2 Wochen vor diesem Termin die Behandlung zu beginnen. Es wird laut ärztlicher Verordnung meist wie folgt vorgegangen:

  • 1.–3. Tag: 0,5 mg 1 x täglich
  • 4.–7. Tag 0,5 mg 2 x täglich
  • vom 8. Tag bis zum Ende der Behandlung: 1 mg 2 x täglich.

Insgesamt wird meist eine Behandlung über 12 Wochen empfohlen. Gelegentlich kann auch eine längere Behandlungsdauer begründet werden. Bei Niereninsuffizienz und starken Nebenwirkungen wird die Dosis reduziert.

Es können Nebenwirkungen wie Übelkeit, lebhafte Träume, erhöhtes kardiovaskuläres Risiko und neuropsychiatrische Symptome auftreten.

Nebenwirkungen

Allgemein können alle wirksamen Medikamente mit Nebenwirkungen einhergehen. Übelkeit ist die am häufigsten auftretende Nebenwirkung bei Anwendung dieses Medikaments. Die Übelkeit ist vorübergehend und für die meisten Anwender*innen kein Grund, die Therapie vorzeitig zu beenden. Bei manchen Betroffenen wird die Dosis geringfügig reduziert (siehe oben). Gelegentlich hilft es, die Tabletten zusammen mit den Mahlzeiten einzunehmen. Weitere weniger schwere Nebenwirkungen von Vareniclin sind Schlafstörungen, Erbrechen, Kopfschmerzen und Geschmacksstörungen.

Untersuchungen zufolge kam es vermehrt zu Suizidgedanken nach der Einnahme von Vareniclin. Auch andere psychische Nebenwirkungen wie Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit sowie depressive Verstimmungen können auftreten. Glücklicherweise sind diese Nebenwirkungen selten. Menschen, die aufgrund einer depressiven Symptomatik behandelt werden, sollten Vareniclin nicht nehmen.

Lesen Sie den Beipackzettel sorgfältig und beachten Sie die dort genannten Hinweise. Nebenwirkungen, die bei der Raucherentwöhnung auftreten können, sind unter Umständen schwer von die Beschwerden durch den Nikotinentzug abzugrenzen. Bei Fragen oder Unsicherheiten suchen Sie ärztliche Hilfe.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Quellen

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Raucherentwöhnung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 076-006, Stand 2021.www.awmf.org  

  2. Zeiher J. Starker A, Kuntz B. Rauchverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring. Robert Koch-Institut 2018www.rki.de  

  3. Robert-Koch-Institut. Rauchen. Zugriff 8.2.21www.rki.de  

  4. Batra A: Treatment of tobacco dependence. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(33): 555–64.www.aerzteblatt.de  

  5. Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) COPD. Teilpublikation, 2. Auflage 17.08.2021.www.leitlinien.de  

  6. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Tabakentwöhnung bei COPD. AWMF-Leitlinie Nr. 020-005, Stand 2014 (in Überarbeitung)www.awmf.org  

  7. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Empfehlungen zur Therapie der Tabakabhängigkeit („Raucherentwöhnung“). 2. Auflage 2010www.akdae.de  

  8. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention. AWMF-Leitlinie Nr. 053-024.S3, Stand 2016www.awmf.org  

  9. Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Diagnostik, Therapie und Nachsorge. AWMF-Leitlinie Nr. 065-003. S3, Stand 2015 (in Überarbeitung)www.awmf.org  

  10. Lindson-Hawley N, Thompson TP, Begh R. Motivational interviewing for smoking cessation. Cochrane Database of Syst Rev 2015; 3: CD006936. doi:10.1002/14651858.CD006936.pub3DOI  

  11. Livingstone-Banks J, Hajek P, West R, et al. Relapse prevention interventions for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev. 2019 Feb 13;2:CD003999www.ncbi.nlm.nih.gov  

  12. Hartmann-Boyce J, Chepkin SC, Ye W, et al. Nicotine replacement therapy versus control for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev. 2018 May 31;5:CD000146.cochranelibrary-wiley.com  

  13. Berlin I, Grangé G, Jacob N, Tanguy M-L. Nicotine patches in pregnant smokers: randomised, placebo controlled, multicentre trial of efficacy. BMJ 2014; 348: g1622.BMJ (DOI)  

  14. Siu AL. Behavioral and pharmacotherapy interventions for tobacco smoking cessation in adults, including pregnant women: U.S. Preventive Services Task Force recommendation statement. Ann Intern Med 2015 Sep 22; 163:622 doi: 10.7326/M15-2023DOI  

  15. Coleman T, Chamberlain C, Davey MA, et al. Pharmacological interventions for promoting smoking cessation during pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2015; 12: CD010078. doi:10.1002/14651858.CD010078.pub2DOI  

  16. Dhalwani NN, Szatkowski L, Coleman T, et al. Nicotine replacement therapy in pregnancy and major congenital anomalies in offspring. Pediatrics 2015. doi:10.1542/peds.2014-2560DOI  

  17. Anthenelli RM, Benowitz NL, West R et al. Neuropsychiatric safety and efficacy of varenicline, bupropion, and nicotine patch in smokers with and without psychiatric disorders (EAGLES): a double-blind, randomised, placebo-controlled clinical trial. Lancet 2016; 387: 2507-20. pmid:27116918PubMed  

  18. American Association for the Advancement of Science. American Thoracic society. Smoking cessation drug may increase risk of adverse cardiovascular event. 2017www.eurekalert.org  

  19. Thomas KH, Martin RM, Knipe DW, et al. Risk of neuropsychiatric adverse events associated with varenicline: systematic review and meta-analysis. BMJ 2015; 350: h1109.www.bmj.com  

  20. Hajek P, McRobbie H, Myers K. Efficacy of cytisine in helping smokers quit: systematic review and meta-analysis. Thorax 2013. pmid:23404838PubMed  

  21. Leaviss J, Sullivan W, Ren S, et al. What is the clinical effectiveness and cost-effectiveness of cytisine compared with varenicline for smoking cessation? A systematic review and economic evaluation. Health Technol Assess. 2014; 1-120. PMID: 24831822PubMed  

  22. Walker N, Howe C, Glover M, et al. Cytisine versus nicotine for smoking cessation. N ENgl J Med 2014; 371: 2353-62.New England Journal of Medicine  

  23. Rößler A. Cytisin zur Raucherentwöhnung. Pharmazeutische Zeitung 6.01.2021.www.pharmazeutische-zeitung.de  

  24. Gourlay SG, Stead LF, Benowitz N. Clonidine for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004. doi:Doi: 10.1002/14651858.CD000058.pub2DOI  

  25. Hughes JR, Stead LF, Hartmann-Boyce J, et al. Antidepressants for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2014; 1: CD000031. pmid:24402784PubMed  

  26. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Rauchfrei durch Dampf?. Pressemitteilung 14. Februar 2019pneumologie.de  

  27. Pearson JL, Sharma E, Rui N, et al. Association of Electronic Nicotine Delivery System Use With Cigarette Smoking Progression or Reduction Among Young Adults. JAMA Netw Open 2020. PMID: 33231634.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov  

  28. Hartmann-Boyce J, McRobbie H, Lindson N, et al. Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev. 2021 Apr 29;4:CD010216. doi: 10.1002/14651858.CD010216.pub5.www.cochrane.org  

  29. Bundesamt für Risikobewertung. Wie gefährlich sind E-Liquids auf dem deutschen Markt? 28.09.2020www.bfr.bund.de  

  30. Bundesamt für Risikobewertung. E-Zigaretten - alles andere als harmlos. 25.06.2020www.bfr.bund.de  

  31. WHO. E-cigarettes 29 January 2020.www.who.int