Nikotinersatztherapie

Ein vielfach eingesetztes Hilfsmittel für die Raucherentwöhnung ist die sogenannte Nikotinersatztherapie.

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Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Es gibt wahrscheinlich keine einzelne Maßnahme, mit der Sie mehr für Ihre Gesundheit tun und schweren Erkrankungen vorbeugen können, als mit dem Rauchen aufzuhören!

Deshalb gibt es zahlreiche Maßnahmen und Therapien, die Nikotinabhängigen helfen, den Teufelskreis der Sucht zu durchbrechen. Zu den Hilfsmitteln, die häufig verwendet werden, gehören die sogenannten Ersatzpräparate: nikotinhaltige Präparate, mit denen sich Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, während einer Übergangszeit Nikotin zuführen können, ohne zu rauchen. Solche Produkte können den Verzicht aufs Rauchen unterstützen, da neben der psychischen Abhängigkeit des Rauchers vor allem eine körperliche Sucht nach Nikotin besteht. Durch die allmählich reduzierte Zufuhr von Nikotin in Ersatzprodukten kann der Nikotinspiegel nach und nach gesenkt werden, auch dann, wenn man abrupt mit dem Rauchen aufgehört hat.

Wer profitiert von Nikotinersatzprodukten?

Wenn Sie das Rauchen aufgeben wollen, kommt Ihrer persönlichen Motivation zentrale Bedeutung zu, das heißt, Sie müssen selbst den Wunsch dazu verspüren. Bei fehlender Motivation ist die Anwendung von Medikamenten nicht sinnvoll. Wenn Sie motiviert und fest entschlossen sind, aufzuhören, können Sie von diesen Medikamenten profitieren. Je mehr jemand raucht, desto eher sollte eine Nikotinersatztherapie zum Einsatz kommen, insbesondere dann, wenn frühere Versuche ohne Hilfe gescheitert sind. Bei erheblicher Nikotinabhängigkeit, das heißt, wenn bereits unmittelbar nach dem Aufstehen und insgesamt mehr als 20 Zigaretten pro Tag geraucht werden, spricht vieles dafür, solche Präparate zu testen.

Eine Nikotinersatztherapie ist nicht geeignet für Jugendliche und nur in Ausnahmefällen für schwangere Frauen. Sie sollten auf Nikotin in jeglicher Form am besten vollständig verzichten. In der Praxis sind Kompromisse manchmal aber unvermeidbar, da nicht alle Schwangeren den Entzug ohne Hilfe schaffen. In diesem Fall stellen die Medikamente für das ungeborene Kind eine geringere Gefahr dar, als wenn weiterhin geraucht wird, denn sie enthalten (im Gegensatz zu Zigaretten) keine weiteren Giftstoffe.

Der Einsatz dieser Medikamente erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Nikotinentzug gelingt, wie in zahlreichen Forschungsprojekten gezeigt werden konnte. Allerdings sind Nebenwirkungen zu beachten. Zudem sind diese Mittel wegen der Nebenwirkungen nicht geeignet für Patient*innen mit Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, Magen-Darm-Geschwüren oder Funktionsstörungen von Leber oder Nieren.

Wie werden Nikotinersatzmittel angewendet?

Nikotinersatztherapie ist in Form von Pflastern, Kaugummis, Inhalatoren, Lutschtabletten und Nasenspray erhältlich. Sie sollten diese Präparate erst dann anwenden, wenn Sie nicht mehr rauchen.1

Durch die Präparate wird dem Körper Nikotin in einer niedrigeren Dosis und mit langsamerer Freisetzung als beim Rauchen zugeführt. Die Nikotinabhängigkeit besteht in dieser Form teilweise fort, jedoch hat sich in der Praxis gezeigt, dass eine Langzeitanwendung selten ist. Es wird empfohlen, gleich zu Beginn einen Plan für die allmähliche Reduktion festzulegen. Die Behandlung mit Nikotinersatzmitteln wird parallel zum Rauchstopp aufgenommen und sollte 2–3 Monate, in schwierigen Fällen bis zu 6 Monate, fortgesetzt werden.

Kaugummis

Nikotinkaugummis sind in 2 Stärken (2 mg und 4 mg) verfügbar und v. a. bei Raucher*innen hilfreich, die nicht regelmäßig rauchen. Stärkere Raucher*innen sollten mit den 4 mg beginnen. Sie sollten möglichst 1 Kaugummi pro Stunde (2 mg: max. 24 Stück pro Tag, 4 mg: max. 15 Stück pro Tag) kauen. Seien Sie vorsichtig bei der Anwendung von Kaugummis. Kauen Sie immer nur einige wenige Male, da das Nikotin nur beim Kauen freigesetzt wird, nicht wenn der Kaugummi im Mund liegt. Kauen Sie also langsam (mindestens eine halbe Stunde), bis Sie die Wirkung spüren, damit das Nikotin nicht zu schnell abgegeben wird. Durch zu schnelles Kauen kann es zu Überdosierungserscheinungen kommen, als Nebenwirkung können lokale Reizerscheinungen im Mund auftreten.

Lutschtabletten

Lutschtabletten mit Nikotin sind ebenfalls in verschiedenen Dosierungen erhältlich. Sie setzen das Nikotin schneller frei und eignen sich je nach Dosis für mäßig bis starke Raucher*innen, die eher unregelmäßig über den Tag verteilt zur Zigarette gegriffen haben.

Pflaster

Pflaster sind in 3 Stärken für 16- oder 24-stündige Anwendungsdauer erhältlich. Personen, die in der Vergangenheit täglich mehr als 30 Zigaretten geraucht haben, sollten den Entzug mit Pflastern mit der höchsten Wirkstärke (21–24 mg/24 Stunden) beginnen, andernfalls reichen schwächere Pflaster. Nach einiger Zeit kann zu einem schwächeren Pflastertyp gewechselt werden. Pflaster eignen sich für Personen, die recht gleichmäßig über den Tag und viel geraucht haben.

Nikotinspray

Das Nikotin aus einem Spray wird über die Nasenschleimhaut sehr schnell und in hoher Dosis in den Körper aufgenommen. Spray eignet sich daher für Menschen, die sehr viel geraucht haben (mehr als 30 Zigaretten am Tag) und/oder die ihr akutes Verlangen schlecht kontrollieren können.

Medikamente

Bupropion oder Vareniclin sind medikamentöse Therapiealternativen mit einem anderen Wirkmechanismus. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und werden als alleinige Behandlung statt einer Nikotinersatztherapie eingesetzt.

Ist eine Nikotinersatztherapie mit Nebenwirkungen verbunden?

Nikotin hat in dieser Form die gleichen Nebenwirkungen wie das Nikotin im Tabak. Wenn Sie sich an die Anweisungen halten, nehmen Sie weniger Nikotin auf als beim Rauchen. Typische Nebenwirkungen von Nikotin sind Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit und allgemeines Unwohlsein. Auch Hautreizungen an der Stelle, an der das Pflaster platziert wird, sind nicht auszuschließen. Manche Menschen klagen über Reizungen in Mund und Nase bei Anwendung von Kaugummis oder Nasensprays. Lesen Sie den Beipackzettel des Präparats genau durch und lassen Sie sich bei Unsicherheiten ärztlich beraten.

Nikotinersatzpräparate sind längst nicht alles

Nikotinersatzpräparate können Sie beim Verzicht aufs Rauchen unterstützen und die körperliche Entzugssymptome mildern. Das Wichtigste zum Erfolg ist aber, dass Sie frühere Verhaltensmuster ändern: In den typischen Situationen, in denen Sie immer geraucht haben, müssen Sie nun etwas anderes tun, sich anders beschäftigen. Die Zeit jedoch, während der die Nikotinersatzpräparate dafür sorgen, dass die Entzugsbeschwerden nicht so stark sind, können Sie gut nutzen, um Strategien zu entwickeln, Ihre Verhaltensweise dauerhaft zu ändern. Für diesen Prozess gibt es viele bewährte Methoden.1

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Nikotinersatztherapie. www.rauchfrei-info.de

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Raucherentwöhnung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 076-006, Stand 2021. www.awmf.org
  2. Zeiher J. Starker A, Kuntz B. Rauchverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring. Robert Koch-Institut 2018 www.rki.de
  3. Robert-Koch-Institut. Rauchen. Zugriff 8.2.21 www.rki.de
  4. Batra A: Treatment of tobacco dependence. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(33): 555–64. www.aerzteblatt.de
  5. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Tabakentwöhnung bei COPD. AWMF-Leitlinie Nr. 020-005, Stand 2014 (in Überarbeitung) www.awmf.org
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