Gesundheitsschäden durch Passivrauchen

Beim Passivrauchen atmen die Betroffenen grundsätzlich dieselben Giftstoffe ein wie die Raucher*innen selbst. Eine rauchfreie Umgebung ist die einzige Möglichkeit, sich vor gesundheitlichen Schäden zu schützen, die das Passivrauchen mit sich bringen kann.

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Passivrauchen

Nichtraucher*innen sind beim Passivrauchen einer Kombination von Rauch ausgesetzt: dem Rauch, der am glühenden Teil der Zigarette, Pfeife oder Zigarre entsteht (Nebenrauch), und dem Rauch, den die Raucher*innen ausatmen (Hauptrauch, 15 % des Gesamtrauchs). Dabei ist der Nebenrauch sogar giftiger und schädlicher als der Hauptrauch bzw. enthält er viele der vorhandenen Schadstoffe in deutlich höheren Konzentrationen. Das liegt unter anderem daran, dass z. B. viele krebserregende Substanzen v. a. bei unvollständiger Verbrennung des Tabaks entstehen, also wenn die Zigarette glimmt und zwischen den Zügen die Temperatur an der Zigarette von etwa 900 °C auf 600 °C abfällt. Beim Passivrauchen können so dieselben Substanzen in Ihren Körper gelangen, wie es der Fall wäre, wenn Sie selbst rauchen.

Selbst wenn in einem Raucherraum gerade nicht geraucht wird, bleiben viele Giftstoffe des Rauchs an Wänden oder Gegenständen hängen, die dann eingeatmet werden.

Es gibt keinen unteren Grenzwert, ab dem Passivrauchen unbedenklich ist. Selbst sehr kleine Mengen können der Gesundheit schaden. Eine rauchfreie Umgebung ist die einzige Möglichkeit, sich vor den Gefahren des Passivrauchens zu schützen. Eine gute Belüftung, die Reinigung der Luft oder separate Raucherräume in Gebäuden sind zwar hilfreich, aber nicht genug, um ganz zu verhindern, dass Nichtraucher*innen dem schädlichen Rauch ausgesetzt sind.

Besonders gefährlich für Ungeborene und Kleinkinder

Passivrauchen ist in jedem Alter schädlich; besonders gefährlich ist es jedoch für ungeborene und kleine Kinder. Rund 13 % der Frauen, die schwanger werden, sind Raucherinnen und nur etwa ein Viertel von ihnen hört während der Schwangerschaft auf zu rauchen. Viele beginnen dann nach der Geburt wieder.

Bei Säuglingen, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, besteht ein höheres Risiko für den plötzlichen Kindstod, und sie sind häufig kleiner und schwächer als Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft nicht geraucht haben. Es besteht auch ein höheres Risiko für viele ernsthafte gesundheitliche Probleme. Kleinkinder, die Passivrauch ausgesetzt sind, erkranken im Vergleich unter anderem häufiger an Mittelohrentzündungen.

Kleinkinder und Kinder sind Passivrauch aus mehreren Gründen eher ausgesetzt als ältere Kinder und auch stärker von den Gesundheitsgefahren betroffen: Zum einen können Säuglinge/Kleinkinder nicht selbstständig etwa einen Raum verlassen, in dem geraucht wird. Zum anderen atmen Kinder viel häufiger pro Minute ein und aus als Erwachsene, was die Zufuhr der Giftstoffe in der Luft erhöht. Zudem sind Gewebe und Organe der Kinder empfindlicher gegenüber Schadstoffen.

Grundsätzlich erleiden alle Kinder, die Passivrauchen ausgesetzt sind, Schäden der Lunge und anderer Organe. Besonders gefährdet sind jedoch Kinder, die bereits eine Lungenkrankheit haben, z. B. Asthma.

Gesundheitliche Schäden durch Passivrauchen

Ebenso wie durch Rauchen ist auch durch Passivrauchen das Risiko für zahlreiche Beschwerden und Krankheiten höher im Vergleich zu Nichtraucher*innen:

Wie lässt sich Passivrauch vermeiden?

Am besten ist es natürlich, wenn Raucher*innen aufhören zu rauchen. Ist das nicht möglich, dann ist Nichtraucher*innen in der näheren Umgebung sehr geholfen, wenn Raucher*innen nicht in Innenräumen und v. a. auch nicht im Auto rauchen. Wie oben erwähnt, gelangen die Schadstoffe aus dem Tabak nicht nur während des Rauchens in die Raumluft, sondern verbleiben an den Wänden und am Mobiliar oder Autositzen und werden permanent freigesetzt.

Selbst wer nur draußen raucht, trägt verschiedene Schadstoffe mit der Kleidung wieder in die Wohnung, wo sie von den Mitbewohner*innen wieder eingeatmet werden können. Seit der Einführung des Rauchverbots in Gaststätten hat sich die Situation für Nichtraucher*innen erheblich verbessert; diskutiert wird immer wieder auch in Deutschland ein Rauchverbot in Autos zumindest dann, wenn Kinder mitfahren, also wie beispielsweise in Österreich.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Passivrauchen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko. Heidelberg, 2005. www.dkfz.de
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum. Nichtraucherschutz wirkt – Eine Bestandsaufnahme der internationalen und der deutschen Erfahrungen. Heidelberg 2010. www.dkfz.de

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Rauchen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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