Alkohol- oder Drogenmissbrauch – bin ich gefährdet?

Überprüfen Sie, ob Sie eventuell zu viel Alkohol oder Drogen konsumieren.

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Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Alkohol- und Drogenkonsum – Definitionen

Ein Standardglas Alkohol entspricht einer kleinen Flasche Bier (0,33 l), einer großen Flasche Leichtbier (0,5 l), einem Glas Wein (0,125 l) oder einem doppelten Schnaps (4 cl Spirituosen). Ein Standardglas enthält 12 g reinen Alkohol.

Drogen umfassen illegal erworbene Rauschmittel und Betäubungsmittel, die ohne ärztliche Verschreibung eingenommen werden.

Trinke ich zu viel?

In Deutschland liegen die Grenzwerte für einen „risikoarmen Alkoholkonsum" bei bis zu 24 g Reinalkohol pro Tag für Männer (z. B. zwei Gläser Bier à 0,3 l) und bis zu 12 g Reinalkohol für Frauen (z. B. ein Glas Bier à 0,3 l). Wenn Sie diese Grenzwerte überschreiten, gilt Ihr Alkoholkonsum als „riskant".

Sie trinken zu viel, wenn Sie

  • eine Frau sind und mehr als 9 Standardgläser pro Woche oder mehr als 3 Standardgläser pro Gelegenheit trinken
  • ein Mann sind und mehr als 14 Standardgläser pro Woche oder mehr als 4 Standardgläser pro Gelegenheit trinken
  • an mehr als drei Tagen pro Woche Alkohol konsumieren.

Ältere Menschen, Jugendliche und Menschen mit einer körperlichen Erkrankung sollten weniger Alkohol trinken, als hier angegeben. Schwangere Frauen und Frauen mit Kinderwunsch sollten vollständig auf Alkohol verzichten.

Bestehen Risiken im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen?

Ja, wenn Sie

  • Alkohol oder Drogen konsumieren und Maschinen fahren oder bedienen .
  • Alkohol oder Drogen konsumieren und am Straßenverkehr teilnehmen.
  • Alkohol oder Drogen mit anderen Medikamenten konsumieren.
  • Ihrem Arzt nicht mitteilen, dass Sie regelmäßig Alkohol oder Drogen konsumieren.
  • an einer körperlichen oder psychischen Erkrankung leiden.
  • Alkohol oder Drogen konsumieren, während sich Kinder in Ihrer Obhut befinden.
  • schwanger sind oder schwanger werden möchten und Alkohol oder Drogen konsumieren: schon kleine Mengen Alkohol können das Ungeborene schädigen (siehe auch Fetales Alkoholsyndrom). Auch andere Drogen können in der Schwangerschaft schädlich sein.

Ist der Alkohol- oder Drogenkonsum zur Gewohnheit geworden?

Ja, wenn Sie regelmäßig Alkohol oder Drogen konsumieren, um

  • zu entspannen, Angstzustände zu lindern oder einschlafen zu können.
  • sich in sozialen Situationen wohler zu fühlen.
  • nicht an traurige oder unangenehme Dinge denken zu müssen.
  • soziale oder psychische Probleme zu verdrängen.
  • mit anderen zusammen zu sein, die regelmäßig Alkohol trinken oder Drogen nehmen.

Wenn Sie regelmäßig Alkohol trinken, gewöhnen Sie sich mit der Zeit an die konsumierte Menge und spüren eine geringere Wirkung. Dies kann zu einer (schädlichen) Steigerung der Dosis führen.

Bestimmen Alkohol und Drogen mein Leben?

Ja, wenn Sie

  • sich Gedanken darüber machen, ob Sie genug Alkohol oder Drogen für den Abend oder das Wochenende haben.
  • Alkohol oder Drogen verstecken oder Alkohol in verschiedenen Geschäften kaufen, damit andere nicht erfahren, wie viel Sie trinken.
  • viel Zeit mit der Beschaffung von Alkohol oder Drogen verbringen.
  • ein starkes Verlangen nach Alkohol oder Drogen verspüren.
  • von einer Alkoholsorte zur anderen wechseln, weil Sie hoffen, dass Sie dadurch nicht betrunken werden.
  • bei gesellschaftlichen Anlässen versuchen, zusätzliche Drinks zu bekommen oder heimlich trinken, wenn andere es nicht sehen.

Sind Alkohol oder Drogen zu einem Problem für mich geworden?

Ja, wenn Sie

  • nicht aufhören können, zu trinken oder Drogen zu nehmen, wenn Sie einmal angefangen haben.
  • versucht haben, eine Woche keinen Alkohol zu trinken oder keine Drogen zu nehmen, es aber nur ein paar Tage geschafft haben.
  • Ihre Aufgaben bei der Arbeit oder zu Hause aufgrund des Alkohols oder der Drogen nicht erledigen können.
  • trotz sozialer oder psychischer Probleme weiter Alkohol oder Drogen konsumieren.
  • durch den Alkohol- oder Drogenkonsum gesundheitliche Probleme bekommen.
  • sich nach dem Alkohol- oder Drogenkonsum schuldig fühlen.
  • merken, dass andere Leute Ihren Alkohol- oder Drogenkonsum kommentieren.
  • Alkohol oder Drogen am Morgen konsumieren, um „in die Gänge zu kommen“.
  • sich nicht mehr daran erinnern können, was im Alkohol- oder Drogenrausch passiert ist.
  • jemanden aufgrund Ihres Alkohol- oder Drogenkonsums verletzt haben.
  • viel Zeit verlieren, um sich von einem Rausch zu erholen .
  • Entzugssymptome haben, wenn Sie keinen Alkohol oder Drogen konsumieren.

Was kann ich dagegen tun?

Versuchen Sie, den eigenen Konsum zu reduzieren oder zu beenden. Der Alkoholkonsum sollte unter den oben angegebenen Risikogrenzen liegen. Bestimmte Personengruppen (z. B. Schwangere oder Personen mit einer bestimmten Krankheit) sollten gar keinen Alkohol trinken.

Wo kann ich Unterstützung bekommen, wenn ich ein Suchtproblem habe?

Benötigen Sie Hilfe bei der Reduzierung Ihres Konsums, können Sie sich an folgende Personen/Einrichtungen wenden:

  • an Ihren Arzt zur Beratung, Therapie oder Überweisung
  • Beratungsstellen oder das Sozialamt in Ihrer Gemeinde oder Ihrem Stadtviertel
  • Selbsthilfegruppen, z. B. am Arbeitsplatz
  • Anonyme Alkoholiker
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Bewusst genießen – im Limit bleiben! www.kenn-dein-limit.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. www.drugcom.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Null Alkohol Voll Power
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen: halt-projekt

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Alkoholkonsum, übermäßiger. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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