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Klimafreundliche Hausarztpraxis

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Wieder einmal findet ein globaler Klimastreik statt. Die Botschaft bleibt immer gleich: Der Klimawandel stellt eine Bedrohung für die Gesundheit aller Menschen dar, und Klimaschutz sollte somit ein ärztliches Anliegen sein. Dies habe ich bereits ausführlich in früheren Themen der Woche geschildert: z. B. 2020-W39 Der Klimawandel hört einfach nicht auf, 2020-W34 Gesundheitliche Risiken an heißen Tagen, 2019-W38 Und jetzt: Alle for Future!, 2018-W31 Hitzewelle und Gesundheitsrisiken und 2017-W46 Klimawandel: wir Ärzt*innen sollten dazu etwas sagen.

Obwohl die Brisanz und der Zeitdruck angesichts globaler Klimaveränderungen allgemein bekannt sind, kommen politische Veränderungen nur quälend langsam in Gang. Ob die Pariser Klimaziele noch erreicht werden können ist mehr als unsicher. Die UN-Klimakonferenz 31.10. bis 12.11. droht an der Blockadehaltung der größten Verursacher von CO2-Emissionen, wie Russland, Indien und China, zu scheitern. Es ist schwer, optimistisch zu bleiben. Doch wenn alle zusammenhelfen, werden aus Einzelpersonen Millionen oder Milliarden von Menschen. So können auch wir als ärztliche Aufklärer*innen, Konsument*innen und Praxisbetreiber*innen einiges erreichen. Was kann also im Kleinen getan werden?

Beispielweise können wir versuchen, unsere Arbeit möglichst emissionsarm und umweltfreundlich auszuführen. Hierzu hat sich die Deutsche Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG)  bereits ausführlich Gedanken gemacht und ein Rahmenwerk Klimagerechte Gesundheitseinrichtungen  herausgegeben. Dieses Rahmenwerk behandelt Möglichkeiten und Maßnahmen zur CO2-Einsparung innerhalb von größeren Organisationen, wie Kliniken. Es werden konkrete Maßnahmen genannt, die sich auch auf die Praxisorganisation übertragen lassen. Die meisten der folgenden Vorschläge sind jedoch einfach naheliegend:

Um einen Beitrag zur Mobilitätswende zu leisten und den CO2-Ausstoß zu vermindern, könnte ein Praxis-Fahrrad mit großem Gepäckträger für Hausbesuche bereitgestellt werden. Für Praxen in ländlichen Gebieten mit weiten Fahrtwegen zu Hausbesuchen und Pflegeeinrichtungen kann ein kleines Praxis-E-Auto erworben oder geleast werden. Auch in der Praxis gilt: Think before you print. Selbst Faxe können elektronisch am Bildschirm gelesen werden. Die möglichst papierlose Praxis sollte das Ziel sein.

Wie in allen Alltagsbereichen sollte auch in der Praxis Müll vermieden werden. Bei Anschaffung von Produkten, wie Seife, Putzmittel, Sonografie-Gel oder Toilettenpapier sind Großpackungen zum Umfüllen umweltfreundlicher als kleine Einzelpackungen. Wenn möglich, sollten Mehrwegprodukte verwendet werden oder Recycling angestrebt werden, z. B. bei Druckerpatronen, aber auch elektrischen oder elektronischen Geräten. Nicht zu vermeidender Müll sollte konsequent getrennt werden. Bei der Anschaffung von Mobiltelefonen für den Praxisbetrieb und Hausbesuche kann ohne gravierende Mehrkosten auf Nachhaltigkeit und Fairness der Produkte geachtet werden. Beim Kauf von Kühlschränken und anderen Elektrogeräten sollte eine hohe Energieeffizienzklasse gewählt werden.

Klimafreundliche Stromversorgung in der Praxis funktioniert nicht anders als im Haushalt. Generell sollte Ökostrom aus erneuerbaren Energien genutzt werden. Elektrogeräte sollten nicht unnötig oder ungenutzt laufen und Stromverbrauch durch Standby-Betrieb vermieden werden. Auf eine emissionsarme Heizungstechnik sollte ebenfalls geachtet und geschlossene Praxen nicht sinnlos beheizt werden. Durch die Auswahl entsprechender Banken und Kreditgeber sowie verantwortungsvoller Anlage von Rücklagen kann ebenfalls ein Beitrag zu ethischer Verantwortung und Nachhaltigkeit geleistet werden.

Und dann gilt es noch, umweltverträglich und nachhaltig Gemeinschaftsverpflegung für das Praxisteam einzukaufen: gemeinsame Frühstücksprodukte ohne Plastikverpackung, möglichst regional, bio und wenn möglich fleischarm. Dies gilt natürlich auch für den Praxis-Kaffee, der fair produziert und gehandelt sein sollte. Diese Vorschläge sind kleine Beiträge zum Umwelt- und Klimaschutz. Manche mögen lästig oder teuer erscheinen, andere sind für viele selbstverständlich und bereits umgesetzt. Eine emissionsfreie, komplett nachhaltige Praxis ist nicht erreichbar, aber in vielen kleinen Schritten kommen wir dem Ziel zumindest näher.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

 

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