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2021 – Ein Jahr voller Meinungsverschiedenheiten

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Das letzte Jahr war bestimmt von Diskussionen über das beste Vorgehen bei den Impfungen gegen COVID-19, Konflikten um die Deutungshoheit über das Pandemiegeschehen und der widersprüchlichen Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse. Uneinigkeit herrscht nicht nur im Familien- und Freundeskreis, sondern auch unter ärztlichen Kolleg*innen. Wir alle sind in den letzten zwei Jahren zu COVID-19-Expert*innen geworden. Dabei ist es angesichts der Flut an Informationen in Presse und Fachmedien schwer, diese zu bewerten und einzuordnen.

In den Tagesmedien wird gerne ungefiltert und unreflektiert über neue wissenschaftliche Ergebnisse oder neue Therapieformen berichtet. Dabei wird oft nicht beachtet, dass viele Publikationen noch nicht reif für eine öffentliche Diskussion in der sogenannten Laienpresse sind, z. B. kleine Laborstudien, deren Ergebnisse nur ohne wissenschaftliche Begutachtung auf einem Preprint-Server liegen und die möglicherweise von Pharmaherstellern mit enormen Interessenkonflikten publiziert wurden. Auch gerne ausführlich berichtete „Expertenmeinungen“ sind eben nur eine Meinung und tragen oft nur zu größerer Unübersichtlichkeit bei. In manchen Fachmedien, z. B. aerzteblatt.de , werden häufig kleine Studienergebnisse oder Zwischenergebnisse vorgestellt und diskutiert, deren Relevanz noch nicht absehbar ist.

Viele ärztliche Kolleg*innen finden es schwierig, hier den Überblick zu behalten und relevante und wissenschaftlich verlässliche Informationen als solche zu erkennen. So kann es passieren, dass sich viele der engagierten und interessierten privaten COVID-19-Expert*innen ein eigenes Bild machen, die wirre Informationsflut zu einem für sie nachvollziehbaren Gesamtbild anordnen und dabei zu Fehlinterpretationen neigen. So wird beispielsweise häufig die Bedeutung von Impfdurchbrüchen oder COVID-19-Ausbrüchen falsch verstanden. So höre ich auch von befreundeten Kolleg*innen, dass die Impfung ja „nicht wirklich zum Fremdschutz beitrage.“

Wie können verlässliche und wissenschaftliche Informationen erkannt werden und, noch wichtiger, wo sind sie zu finden? In unserem Artikel COVID-19 finden Sie relevante, aktuelle und evidenzbasierte Informationen aus verlässlichen Quellen. Mit unserem Artikel wollen wir Praxisrelevanz und konstante Informationsqualität gewährleisten. Um in Diskussionen, die aus der täglichen Diskussionsflut entstehen, fundierte Argumente zu haben oder neue „Sensationsnachrichten“ einordnen zu können, sind manchmal weitergehende Informationen nötig.

Verlässliche, aktuelle und von einem großen wissenschaftlich ausgebildeten Mitarbeiterstab erstellte Informationen finden Sie beim RKI . Zur aktuellen Lage, der Rate an Erkrankungen und der Todesfälle sowie zu Impfdurchbrüchen und Impfwirksamkeit bieten die täglichen und wöchentlichen Lageberichte  fundierte Informationen. Außerdem finden Sie beim RKI unzählige Dokumente mit umfassenden Informationen zu SARS-CoV-2 , zur Impfung  und zu besorgniserregenden Virusvarianten . Hilfe bei der Interpretation der vielen Nachrichten über Impfdurchbrüche bieten beispielsweise die Unstatistiken  des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Der aktuelle Stand zur deutschland- und europaweiten Übersterblichkeit durch die Pandemie ist auf euromomo.eu  nachzulesen.

Die Informationsseite des Paul-Ehrlich-Instituts zum Corona-Virus  stellt ebenfalls umfassende Informationen zu COVID-19 bereit sowie zu den derzeit zugelassenen Impfstoffen und Wirkstoffen gegen COVID-19. Beim Harding Center für Risikokompetenz  finden Sie Faktenboxen zur COVID-19-Impfung. Diese Faktenboxen unterstützen die Einschätzung von Nutzen und Risiko der Impfung. Auf den Seiten Zusammen gegen Corona  des BMG, bei der BZGA  und bei Correctiv  werden Impfmythen und Fake News einem Faktencheck unterzogen und verständlich erklärt.

Zuverlässige Informationen zu Arzneimitteln und Impfstoffen gegen COVID-19 bieten auch das arznei-telegramm  und der Arzneimittelbrief , allerdings mit zeitlicher Verzögerung nach tagesaktuellen Diskussionen. Die DEGAM-S1-Handlungsempfehlung SARS-CoV-2/ Covid-19- Informationen & Praxishilfen für niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte  liefert zuverlässige Orientierung und Anleitung für die Hausarztpraxis. Für DEGAM-Mitglieder sind außerdem die MMK-Benefits  von Prof. Michael Kochen eine hervorragende Informationsquelle.

Es ist vielleicht nur eine schöne Wunschvorstellung, dass alle die Diskutant*innen im privaten und kollegialen Umfeld die Zeit zwischen den Jahren nutzen, um sich auf einen vergleichbaren, auf einer seriösen Basis beruhenden Informationsstand zu bringen. Es wäre aber auch keine Schande, zuzugeben, etwas nicht verstanden zu haben, keine Meinung zu einem Thema zu haben und sich anzuhören, was Leute, die sich wirklich gut auskennen, zu sagen haben. Vielleicht kann ein besseres gegenseitiges Verständnis aus einem guten Vorsatz für das neue Jahr entstehen? Mit dieser Hoffnung wünsche ich Ihnen, liebe Leser*innen, ein gutes Neues Jahr 2022!

Marlies Karsch, Chefredakteurin

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