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Ausbeutung von PJ-Studenten in Kliniken

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Auf aerzteblatt.de  wird über eine Umfrage des Marburger Bundes zu den Arbeitsbedingungen für Studenten im Praktischen Jahr in deutschen Kliniken berichtet, mit nach wie vor niederschmetterndem Ergebnis: In den letzten 20 Jahren hat sich fast nichts geändert. Immer noch fühlen sich die Studenten als billige Arbeitskräfte missbraucht. Sie klagen über hohe Arbeitszeiten von bis zu 60 Wochenstunden sowie regelmäßige Dienste (!), sie müssen ärztliche Tätigkeiten ohne Anleitung und Aufsicht verrichten und das bei einer geradezu lächerlichen Aufwandsentschädigung. Wieso muss die berufliche Laufbahn junger Ärzte immer noch mit einer derartigen Negativerfahrung starten?

„Macht euer PJ in der Hausarztpraxis“, möchte man den Studenten zurufen. Hier haben sie eine (mindestens) 1:1-Betreuung. Sie lernen unter Aufsicht am Patienten ganzheitliche Medizin, z. B. den Umgang mit Polypharmazie im Alter, werden mit Früherkennungsuntersuchungen vertraut, werden bei der Sonografie angeleitet und sehen die ganze Bandbreite der Hausarztmedizin, auch mit all den banalen Alltagsproblemen (Erkältungskrankheiten, Harnwegsinfekte, Gastroenteritis etc.).

Natürlich müssen die klinischen Abschnitte weiterhin absolviert werden, aber zumindest ein Teil des PJs kann zu einer sehr positiven Erfahrung werden. Das Erleben der Diskrepanz zwischen der Arbeitssituation in der Klinik und der in der Praxis kann zu einer bewussten Entscheidung für die Allgemeinmedizin als Weiterbildungsziel führen und so vielleicht auch langfristig dem Hausarztmangel entgegenwirken.

Dass sich ein Ausbeutersystem über Jahrzehnte halten kann, liegt auch an der „Mir ging es auch nicht besser“-Mentalität, die unter Medizinern weit verbreitet ist. Wenn wir möchten, dass sich junge Mediziner für die hausärztliche Versorgung entscheiden, müssen auch wir Hausärzte uns davon frei machen. Dass junge Ärzte bessere Arbeits- und Niederlassungsbedingungen vorfinden als wir selbst, sollte für uns alle ein Ziel sein, auch wenn es uns persönlich nicht mehr nützt. Hier ist nicht nur die Vermeidung von Burnout und Depression gemeint, sondern die Vereinbarkeit des Arztberufes mit einem modernen Leben als Ärztinnen und Ärzte mit Familie unter geregelten Arbeitsbedingungen.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

 

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