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Eine Wissenschaft für sich: die Abrechnung in der Hausarztpraxis

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Bald steht sie wieder ins Haus: Die Abrechnung am Quartalsende. Für die meisten „alten Hasen“, die seit Jahren niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte, stellt sie kein Problem dar. Sie kostet ein oder zwei Nachmittage zusammen mit einer versierten MFA. Man geht noch einmal alles durch, eliminiert die Fehler und schickt dann alles ab. Aber wie ist das für die Berufsanfänger, die Ärzte in Weiterbildung, aber auch für angestellte Fachärzte? In vielen Praxen müssen die angestellten Ärzte alle Abrechnungsziffern selbst eingeben. Anfangs steht man vor einem unüberschaubaren Wust aus Zahlen und dazugehörigen Regeln. Unser neues Kapitel Abrechnungsziffern für Hausärzte gibt einen Überblick über die gängigen EBM- und GOÄ-Ziffern, den man auch ausdrucken und als Tischvorlage nutzen kann.

Auch nachdem man sich einen ersten Überblick verschafft hat, stellen sich den Praxisneulingen berechtigte Fragen: Was ist der Unterschied zwischen den „Psychoziffern“ 35100 und 35110? Wenn die Gesprächsziffer 03230 weniger Geld einbringt, ist es dann nicht besser, die 35100 zu nehmen? Ist nicht jeder ein bisschen „psycho“? Was tun wir den Patienten aber damit an, wenn wir „F“-Diagnosen, wie „depressive Episode“, „Burnout“ oder „Angststörung“ verschlüsseln, wenn Patienten ein längeres Gespräch wegen einer psychischen Belastung brauchen? Wirkt sich das zukünftig beispielsweise auf den eventuellen Abschluss einer Lebensversicherung aus? Der Weg durch den Dschungel aus Behandlungsfall, Krankheitsfall, Chronikerziffern, Geriatrieziffern, Hausbesuchen und Mitbesuchen ist anfangs ziemlich unübersichtlich.

Angesichts der Höhe abzurechnenden Beträge, oft im ein-, höchstens zweistelligen Eurobereich, ist klar, dass Praxisinhaber aus betriebswirtschaftlicher Sicht oft unter Druck stehen und diesen Druck auch an ihre angestellten Kollegen weitergeben. Als angestellter Facharzt fühlt man sich schon mal schief angesehen, weil man zu lange mit einer weinenden Patientin gesprochen hat, die ihre demente Mutter pflegt oder weil man nicht bei wirklich jedem Patienten einen „Check-up“ machen kann, z.B. weil er hohes Fieber und eine Influenza oder eine akute Gastroenteritis hat. Das Geld in der Hausarztpraxis ist oft schwer verdient und das Gehalt, das man seinen Angestellten zahlen kann, oft geringer als man es als niedergelassener Hausarzt selbst möchte. All das trägt nicht wirklich dazu bei, den Beruf des Hausarztes attraktiver zu machen und für junge Ärzte eine mit der Familie vereinbare Arbeitssituation zu schaffen.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

 

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