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Gewichtsverlust bei Erwachsenen

Gewichtsverlust kann gewollt sein (Diät) und damit bei eher übergewichtigen Menschen Vorteile mit sich bringen. Verliert man unabsichtlich an Gewicht, kann dies Folge verschiedener Krankheiten sein und schließlich zu deutlicher Unterernährung führen.

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Was ist Gewichtsverlust bei Erwachsenen?

Definition

Bei Erwachsenen spricht man von einem ungewollten Gewichtsverlust (der möglicherweise im Zusammenhang mit einer Erkrankung steht) bei einer Abnahme von mehr als 5 % des Körpergewichts in weniger als 6–12 Monaten.

Ist der Gewichtsverlust gewollt (Diät), besteht bei noch gesundem Körpergewicht kein Problem. Wenn man hingegen ohne Absicht deutlich an Gewicht verliert, sollte man dies abklären lassen.

Symptome

Je nach Ausgangsgewicht wird eine ungewollte Gewichtsabnahme mehr oder weniger optisch sichtbar, oder gewohnte Kleidungsstücke werden zu groß. Möglicherweise treten Begleitsymptome auf wie Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsknick, Stuhlgangveränderungen, Infektneigung, Fieber oder Nachtschweiß.

Ursachen

Eine ungewollte Gewichtsabnahme hat 3 Hauptursachen:

  1. einen erhöhten Energieverbrauch
  2. eine reduzierte Nährstoffzufuhr mit oder ohne Appetitverlust
  3. einen veränderten Stoffwechsel (gesteigerter Energiebedarf).

Es gibt dafür eine große Spannbreite an möglichen Ursachen.

Psychische Ursachen

Stress, Depression, Essstörungen, Zwangsstörungen, Schizophrenie, Alkohol- und Drogenabhängigkeit

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Zöliakie, Erkrankungen der Speiseröhre oder des Magens (Fehlbildungen oder Engstellen der Speiseröhre, Geschwür/Ulkus)

Stoffwechselerkrankungen

Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2, eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder Erkrankungen der Nebennierenrinde (z. B. Addison-Krankheit).

Krebserkrankungen

Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts (Speiseröhre, Magen, Dickdarm, Bauchspeicheldrüse) können ebenso Ursachen für ungewollten Gewichtsverlust sein wie Lungenkrebs oder bösartige Bluterkrankungen (akute lymphatische Leukämie, akute myeloische Leukämie, chronisch lymphatische Leukämie, chronisch myeloische Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphom und Hodgkin-Lymphom).

Auch Krebserkrankungen des harnableitenden- und Geschlechtsorgane wie Nieren- und Harnleiterkrebs, Prostatakrebs und Krebserkrankungen der Eierstöcke können ursächlich sein.

Gewichtsverlust bei älteren Menschen

Gerade bei älteren Menschen kommt es häufiger zu ungewolltem Gewichtsverlust. Eine Ursache ist eine mangelnde Nahrungsaufnahme. Mögliche Gründe sind u. a. Probleme beim Essen durch Zahnverlust, Schmerzen beim Kauen (schlecht sitzendes Gebiss, Zahnfleischverletzungen) und Schluckstörungen sowie Pflegebedürftigkeit und Demenz.

Neurologische Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen können z. B. durch einen Schlaganfall oder neurodegenerative Erkrankungen, bei denen es zum Verlust von Nervenzellen kommt, zu Schluckstörungen führen.

Weitere Erkrankungen

Herzinsuffizienz (Herzschwäche), chronische Lungenkrankheiten (z. B. chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD), chronisches Nierenversagen oder schwere Infektionen, wie z. B. Tuberkulose und HIV/AIDS.

Medikamenteneinnahme

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, die z. B. zu Geschmacksstörungen. Schluckproblemen, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Mundtrockenheit führen, können zu einem ungewollten Gewichtsverlust beitragen.

Häufigkeit

Etwa 15–20 % der Menschen über 65 Jahren sind von unbeabsichtigter Gewichtsabnahme betroffen. Bei älteren Patient*innen mit unbeabsichtigter Gewichtsabnahme lag in 19–36 % eine maligne Ursache zugrunde.
Mangel- oder Unterernährung zeigte sich bei etwa 25 % aller Patient*innen in deutschen Krankenhäusern.

Untersuchungen

Anamnesegespräch

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen wahrscheinlich folgende Fragen stellen:

  • Wie hoch ist der Gewichtsverlust über welchen Zeitraum?
  • Was essen Sie? Wie viel essen Sie? Leiden Sie an Appetitlosigkeit?
  • Haben Sie Schmerzen beim Kauen (Zahngesundheit) oder Schluckstörungen?
  • Fühlen Sie sich deutlich abgeschlagen/erschöpft? Haben Sie Fieber? Nachtschweiß?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Haben Sie andere Symptome oder Probleme?
    • Übelkeit/Erbrechen? Magenbeschwerden?
    • Beobachten Sie Veränderungen beim Stuhlgang? Haben Sie Blut im Stuhlgang?
    • Gibt es psychische Probleme (Trauer, Stress, Sorgen wegen bestimmter Ereignisse etc.)?
  • Trinken Sie Alkohol, rauchen Sie, oder nehmen Sie Drogen?

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung werden Herz und Lungen abgehört, die Bauchorgane abgetastet, auf vergrößerte Lymphknoten geachtet, die Mundhöhle untersucht, der Zahnstatus geprüft und ggf. ein Test auf das Vorliegen dementieller Erkrankungen durchgeführt.

Weitere Untersuchungen

Zur Basisuntersuchung gehören eine Blutentnahme, bei der sich die Funktion verschiedener Organe, Stoffwechselparameter, Blutzucker, Hormone etc. bestimmen lässt, eine Röntgenaufnahme der Lunge, ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl, und ggf. eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums.

Sind Untersuchungen notwendig, die nicht in der Hausarztpraxis durchgeführt werden können, werden Sie an Spezialist*innen oder ein Krankenhaus überwiesen.

Ergeben sich Hinweise auf eine bestimmte zugrunde liegende Krankheit, sind meist weitere zielgerichtete Untersuchungen nötig.

Behandlung

Die Behandlungsmaßnahmen richten sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung.

Gewichtsverlust bzw. Untergewicht/Unterernährung gehen gehäuft mit weiteren Erkrankungen, häufigeren Klinikaufenthalten, geringerer Lebensqualität und erhöhter Sterblichkeit einher und sollten daher behandelt werden.

Ergibt sich aus den Untersuchungen eine bestimmte Krankheit (etwa eine Essstörung, eine Krebserkrankung, Herzschwäche oder anderes), wird diese entsprechend behandelt.

Allgemeine Maßnahmen bei (drohender) Mangelernährung sind:

  • Sorgfältige, individuelle Ernährungsberatung (Nahrungsmittel, Zubereitung, Essgewohnheiten etc.)
  • Anregung zu körperlicher Aktivität (Appetitsteigerung)
  • Überprüfung der Medikation (z. B. möglichst Absetzen von appetithemmenden Medikamenten)
  • Ggf. Empfehlung von Nahrungsergänzungsmitteln, hochkalorischer Zusatznahrung oder Vitaminsubstitution
  • Notfalls auch (vorübergehende) künstliche Ernährung.

Was können Sie selbst tun?

Falls Sie Zeichen eines ungewollten Gewichts- oder Appetitverlusts an sich feststellen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der vorliegenden Grunderkrankung. Eine frühzeitige Erfassung und Behandlung einer beginnenden Mangelernährung haben einen positiven Einfluss auf den individuellen Verlauf und damit die Prognose der Betroffenen.

Weitere Informationen

Autorin

  • Susanna Allahwerde, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Berlin

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gewichtsabnahme, ungewollte. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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