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Schwindel

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Was ist Schwindel?

Unter Schwindel versteht man eine Störung des Gleichgewichtssinns – es ist ein Symptom, keine Diagnose.

Das Gleichgewichtsorgan befindet sich in der Nähe des Innenohrs. Die 3 Bogengänge sind gefüllt mit Flüssigkeit, die sich hin- und her bewegt, wenn der Kopf bewegt wird. Die Verschiebung der Flüssigkeit können Sinneshärchen registrieren und entsprechend Signale ans Gehirn weiterleiten. Bei geöffneten Augen nutzt das Gehirn auch den Seheindruck, um die Lage des Körpers im Raum zu „bestimmen".

 

 

Es können verschiedene Krankheiten zu Schwindel führen, oft lässt sich jedoch keine Ursache finden. Oft kann zwischen Schwindel und einem Unsicherheitsgefühl aufgrund anderer Ursachen nicht eindeutig unterschieden werden. Mit dem Begriff Schwindel meinen Betroffene manchmal auch Schwäche, Kraftlosigkeit oder drohende Bewusstlosigkeit.

Dabei bezeichnet Schwindel eine Wahrnehmung, bei der es sich anfühlt, als ob die Umgebung oder Sie selbst sich drehen (Drehschwindel) oder der Boden schwankt (Schwankschwindel) oder sich bewegt. Auch Gangunsicherheit und Benommenheit fallen mit unter den Begriff Schwindel.

Häufigkeit

Schwindel tritt relativ häufig auf, und das Vorkommen steigt mit dem Alter. In der Altersgruppe über 70 Jahre leidet fast ein Drittel vorübergehend unter Schwindelanfällen, die die Alltagsaktivitäten einschränken.

Kurze Schwindelanfälle oder -schübe werden dabei noch als erträglich empfunden. Schwere Anfälle können allerdings gefährlich sein und das Leben der Betroffenen beeinträchtigen. Langanhaltender Schwindel ist sehr unangenehm. In Hausarztpraxen ist Schwindel in ungefähr 2–5 % der Fälle der Grund für den Besuch. Schwindel ist darüber hinaus aber auch eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen.

Was kann die Ursache sein?

Schwindel bei jungen Menschen wird oft durch Angstzustände oder Unruhe ausgelöst, kann aber auch die Folge einer Virusinfektion im Innenohr sein.
Schwindel bei älteren Menschen wird meist durch eine beeinträchtigte Blutversorgung des Gehirns, eventuell in Kombination mit anderen Altersbeschwerden, hervorgerufen. Die Blutversorgung des Gleichgewichtsorgans erfolgt aus der Arteria basilaris, die aus der Arteria vertebralis im Bereich der Wirbelsäule entspringt. Daher ist Schwindel eine mögliche Folge von Durchblutungsstörungen auch im Bereich der Halswirbelsäule.

Grundsätzlich kann Schwindel durch eine Fehlfunktion folgender Organe bzw. aufgrund folgender Ursachen entstehen: Gleichgewichtsorgan, Gehirn (Migräne, Blutung, Infektion), Augen (Sehstörungen), Ohren, Herz-Kreislauf-System (eingeschränkte Durchblutung), Funktionsstörung peripherer Nerven (z. B. im Bereich der Füße) oder auch psychisch ausgelöster Schwindel.

Häufige Ursachen

Psychische Ursachen

  • Schwindel aufgrund von psychischen Ursachen – z. B. Angstzustände – tritt häufig auf.
  • Die Patienten fühlen sich dabei oftmals angeschlagen und haben das Gefühl, ohnmächtig zu werden. In der Regel treten auch andere Symptome wie Abgeschlagenheit sowie Bauch- oder Brustschmerzen auf.

Blutarmut, Anämie

  • Bei vielen Krankheiten kann es zu einem Blutmangel wegen Blutungen oder einer verringerten Produktion von roten Blutkörperchen kommen.
  • Die Symptome richten sich nach der Schwere und dem Fortschreiten der Anämie. Typischerweise treten dabei Abgeschlagenheit, Müdigkeit, verringerte körperliche Leistungsfähigkeit, Ohrensausen und Kurzatmigkeit auf. Hinzu kommen Blässe, Herzrasen und oft Schwindel.

Chronische Kopfschmerzen

  • Bestimmte Formen der Migräne können auch zu Schwindel führen.

Steife Nackenmuskulatur

  • Ein steifer Nacken ist oft ein Anzeichen von Stress.
  • Die Nackenmuskeln verkrampfen, wenn wir angespannt sind. Dies führt zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Empfindlichkeit und Schmerzen in der Nackenmuskulatur.

Altersbedingter Schwindel

Virusinfektion im Gleichgewichtsorgan

  • Der Auslöser kann eine Virusinfektion in den oberen Atemwegen sein, die sich aufs Gleichgewichtsorgan ausgebreitet hat.
  • Die Symptome treten plötzlich auf und umfassen Gleichgewichtsstörungen, Schwindel (alles dreht sich), unkontrollierbare, rhythmische Bewegungen des Auges (Nystagmus), Übelkeit und Erbrechen.
  • Die Symptome können in den ersten Tagen stark sein und danach langsam schwächer werden.

Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis)

  • Anhaltender Drehschwindel über Tage bis Wochen
  • Gangunsicherheit, auffällige Augenbewegungen, Übelkeit und Erbrechen
  • In etwa 50 % selbstheilend nach einigen Wochen

Lagerungsschwindel, BPPV

  • Der Schwindel wird durch bestimmte Positionen oder Kopfbewegungen ausgelöst.
  • Ursache dafür ist eine Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr.
  • Der Drehschwindel, der 30 Sekunden bis etwa 2 Minuten andauern kann, tritt meist beim Hinlegen oder Aufstehen auf.

Ménière-Krankheit

  • Die Krankheit äußert sich durch Drehschwindel, Hörminderung und Ohrensausen bzw. ein Ohrgeräusch (Tinnitus), Übelkeit und Erbrechen. Betroffene müssen sich in der Regel hinlegen; die Anfälle dauern oft 1–2 Stunden.
  • Die Krankheit tritt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr das erste Mal auf. Bei 90 % ist anfangs nur eine Seite betroffen, später treten bei 30–60 % allerdings beidseitige Beschwerden auf.
  • Mit der Zeit kommt es zu einem fast ständigen, niederfrequenten, rauschenden Ohrensausen (Tinnitus) sowie einer Hörminderung.

Herzerkrankungen, z. B.:

In seltenen Fällen kann Schwindel Anzeichen eines Schlaganfalls sein (Blutung oder Durchblutungsstörung im Gehirn).

  • Insbesondere bei plötzlichem Auftreten des Schwindels
  • Meist bestehen gleichzeitig weitere Beschwerden wie Übelkeit, Sprech-, Gang-, Koordinations- oder Sehstörungen.

Weitere chronische Erkrankungen

Auch verschiedene Medikamente (sowie Drogen, Gifte, Alkohol) können entweder direkt den Gleichgewichtsnerv schädigen oder indirekt als Nebenwirkung zu Schwindel führen. Manche Patienten mit einer schweren allergischen Reaktion berichten ebenfalls über Schwindel.

Seltene Ursachen

Akustikusneurom

  • Es handelt sich dabei um einen gutartigen Tumor im Gleichgewichtsnerv, der bei einer von 100.000 Personen im Jahr diagnostiziert wird.
  • Es kommt zu einer einseitigen, zunehmenden Hörminderung, die vor allem hohe Töne betrifft.
  • Andere Symptome sind unspezifisch; Schwindel und Ohrensausen sind meist nicht besonders ausgeprägt.

Multiple Sklerose

  • Die Krankheit tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf.
  • Die ersten Symptome können akutes Schwindelgefühl, Doppeltsehen, eine einseitige Sehnervschädigung, Ungeschicklichkeit, Sensibilitätsstörungen und starker Harndrang sein.

Hirntumor

  • Erste Anzeichen sind epileptische Anfälle, ja nach Ort des Tumors langsam fortschreitende Lähmungen und Sprachstörungen; Kopfschmerzen treten im frühen Stadium selten auf.
  • Typische andere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Lähmungen der Gesichtsmuskulatur.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

In den meisten Fällen handelt es sich um kurz anhaltende leichte Schwindelanfälle ohne weitere Beschwerden. Gerade bei älteren Menschen sollten diese bei erstmaligem Auftreten sorgfältig untersucht werden, um eine evtl. zugrunde liegende Krankheit nicht zu übersehen. Oft lässt sich jedoch keine Ursache finden.

Plötzlich einsetzende und schwere Schwindelanfälle sollten möglichst schnell ärztlich untersucht werden. Insbesondere wenn zu gleich weitere Symptome bestehen (Fieber, Gangstörung, Sehstörung etc.) kann dies ein Hinweis auf eine Krankheit sein, die rasch behandelt werden muss. Möglicherweise ist eine Klinikeinweisung erforderlich.

Bei anhaltendem Schwindel sollten Sie ebenfalls eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen, um die Ursache zu klären.

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Man wird Ihnen wahrscheinlich folgende Fragen stellen:

  • Seit wann leiden Sie unter Schwindel?
  • Leiden Sie ständig unter Schwindel oder tritt er anfallsartig auf?
    • Wie lange dauert ein Anfall?
  • Können Sie den Schwindel beschreiben?
    • Haben Sie das Gefühl, dass sich alles dreht (Drehschwindel)?
    • Haben Sie das Gefühl, dass der Boden sich bewegt (Schwankschwindel)?
    • Tritt das Schwindelgefühl im Kopf auf oder fühlen Sie sich eher „nur" unsicher auf den Beinen (Gangunsicherheit)?
    • Fühlen Sie sich benommen bzw. so, als würden sie möglicherweise ohnmächtig?
  • Haben Sie neben dem Schwindel noch andere Symptome?
  • Gibt es einen Auslöser für den Schwindel?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Wirkt sich der Schwindel auf Ihren Alltag aus?

Ärztliche Untersuchung

Die Ärztin/der Arzt führt in den meisten Fällen eine allgemeine körperliche Untersuchung durch; dabei gilt das Hauptaugenmerk Blutdruck, Puls und Herz sowie den Ohren. Wichtig ist ebenfalls eine sorgfältige Untersuchung des Nervensystems inklusive möglicher auffälliger Augenbewegungen.

Mithilfe verschiedener Tests versucht man herauszufinden, ob die Ursache für den Schwindel eher im Bereich des Gleichgewichtsorgans (peripher) oder des Gehirns liegt (zentral). 

Bei Verdacht auf Lagerungsschwindel führt die Ärztin/der Arzt eine spezielle Untersuchung durch, das sogenannte Dix-Hallpike-Manöver (bestimmte Lagerungswechsel, die Schwindel auslösen können).

Andere Untersuchungen

Möglicherweise werden einige Blutuntersuchungen durchgeführt.

Besteht der Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung, werden eventuell bildgebende Verfahren angewandt, z. B. Röntgen, Computertomografie usw. oder ein Elektrokardiogramm durchgeführt.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

Kann keine eindeutige Diagnose gestellt werden oder sind spezielle Verfahren notwendig, werden Sie an einen Spezialisten (meist  Neurologie oder HNO) überwiesen.

Behandlungsmöglichkeiten

Ist der Schwindel Folge einer heilbaren Krankheit (z. B. Infektion, Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenunterfunktion) oder Nebenwirkung von Medikamenten, wird er abklingen, wenn die Krankheit behandelt bzw. das Medikament abgesetzt wurde. Besteht jedoch ein Schwindel bei chronischen Krankheiten oder lässt sich keine Ursache ergründen, nützt es nichts, die Situationen zu meiden, in denen der Schwindel auftritt. Vielmehr müssen Betroffene lernen, damit umzugehen: Es gibt Trainingsprogramme, in denen das Gehirn sozusagen trainiert wird, den Schwindel nicht mehr so stark wahrzunehmen.

Ein Lagerungsschwindel lässt sich meist mit bestimmten Lagerungsmanövern bei einer/einem erfahrenen Ärztin/Arzt lindern oder heilen. Bei sehr starkem Schwindel und Übelkeit helfen anfangs manchmal auch Medikamente gegen Übelkeit oder andere Wirkstoffe; in manchen Situationen auch vorübergehend Medikamente gegen psychische Krankheiten bzw. eine Psychotherapie.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen