Dir huste ich was!

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Dir hust ich was!

Eine schlanke 58-Jährige kommt als neue, eben hergezogene Patientin zu Ihnen in die Praxis. Ihr ständiger Husten erscheint ihr, da seit dem 18. Lebensjahr Raucherin, unvermeidlich. Jedoch habe man ihr Etliches dagegen verordnet: Budesonid 400 µg 2x1 Hub, Formoterol 12 µg 2x1 Hub, Tiotropiumbromid 18 µg 1 Hub, Salbutamol Spray bei Bedarf.

Kommentar

Die Kombination von inhalativem Kortikoid (ICS), Anticholinergikum (LAMA), lang- (LABA) und bei Bedarf auch kurzwirksamem (SABA) Beta-2-Agonisten kann auf das Vorliegen eines Asthma bronchiale oder einer COPD hindeuten. Einerseits würde die Patientin von Asthma als Diagnose vermutlich wissen, andererseits würde sie angesichts der umfassenden Therapie von COPD-Exazerbationen berichten. In Anbetracht der Raucheranamnese dürfte doch eher eine COPD vorliegen. Außerdem lässt sich Asthma durch den Reversibilitätstest weitgehend (wenn auch nicht mit letzter Sicherheit) ausschließen: Spirometrie vor und 15 Min nach SABA-Gabe; wenn FEV1/FVC < 70 bleibt, ist die Diagnose COPD naheliegend.

Dann aber sollte die Patientin stärker als bisher in die Therapieplanung einbezogen werden: Aufnahme in ein DMP mit regelmäßigen Kontrollen, Raucherentwöhnung (es ist nie zu spät) und Empfehlung körperlicher Aktivität. Bei der offensichtlich gering ausgeprägten Symptomatik ohne Dyspnoe, und da keine Exazerbationen bekannt sind, kann die medikamentöse Behandlung vorsichtig auf LABA oder LAMA alleine reduziert werden. Ein ICS als Monopräparat ist bei COPD nicht indiziert, und auch die verbreitete primäre Verordnung einer Fixkombination aus ICS+LABA ist wegen des Pneumonierisikos problematisch.

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