Was kann man jetzt noch tun?

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Was kann man jetzt noch tun?

Frau Roswitha W., 72 Jahre alt, kommt aus dem Krankenhaus, wo sie wegen Exsikkose und Schwäche bei Chemotherapie bei metastasiertem (Hirn, Leber, Lunge) Mamma-Karzinom in Behandlung war. Z. n. Radio-Chemotherapie und Ablatio mammae links vor über 10 Jahren. Der Ehemann, 76 J., bittet um einen Hausbesuch. Sie finden Frau W. in einem kachektischen Ernährungszustand und reduziertem Allgemeinzustand, aber ansprechbar auf dem Sofa liegend vor.

Kommentar

Allen Beteiligten sollte klar sein (bzw. erklärt werden), dass es sich hier um eine palliative Situation handelt. Sie fragen nach unmittelbar behandlungsbedürftigen Symptomen: Angst, Atemnot, Schmerzen (dagegen lösen Kachexie und Dehydratation nicht notwendig sofort therapeutische Maßnahmen aus). Ansonsten suchen Sie das Gespräch mit der Patientin und dem Ehemann, um Wünsche, Erwartungen, Ängste sowie noch zu klärende Angelegenheiten zu besprechen.

Sie verschaffen sich ein klares Bild des Patientenwillens, nach dem sich alle weiteren Maßnahmen auch dann richten werden, wenn eine direkte Kommunikation erschwert oder unmöglich werden wird. Vermutlich wird die Patientein ein palliativmedizinisch betreutes Sterben zuhause einer erneuten Krankenhauseinweisung vorziehen. Sie erklären, dass Sie zunächst zur Behandlung unmittelbar quälender Beschwerden zur Verfügung stehen (neben den genannten etwa Delir, Depression, Mundtrockenheit, Übelkeit und Erbrechen, Obstipation, gastrointestinale Obstruktion), dass Sie aber die Hinzuziehung eines in der palliativen Betreuung geschulten Pflgedienstes bzw. bei Bedarf einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) empfehlen.

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