Respiratorische Erkrankung durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

Aktuell diskutierte Aspekte – Direktsuche

Allgemeine Informationen1

Definition

  • Respiratorische Erkrankung durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2)
    • Laut WHO wird die Erkrankung als COVID-19 bezeichnet (Coronavirus Disease 2019).2
  • Häufung von Lungenentzündungen in der chinesischen Metropole Wuhan im Dezember 2019
  • Der Erreger wurde am 07.01.2020 von den chinesischen Behörden als neuartiges Coronavirus identifiziert.
  • Es gehört, wie das SARS-Virus, zu den Beta-Coronaviren.3
    • Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion.3
  • Pandemie: größte dokumentierte Fallzahl und die meisten Todesfälle inzwischen in Europa, Lateinamerika und den USA

Risikogebiete laut RKI4

  • Zahlreiche Staaten und Regionen werden aktuell als Gebiete, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, ausgewiesen.
  • Weiterführende tagesaktuelle Informationen finden Sie bei den RKI-Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete.
  • Das Auswärtige Amt hat seine weltweite Reisewarnung für EU-Länder, Schengen-assoziierte Staaten und Großbritannien aufgehoben und durch länderspezifische Reisehinweise ersetzt.
    • Für alle anderen Länder gilt eine Reisewarnung für nicht notwendige touristische Reisen.
    • Aus welchen außereuropäischen Ländern derzeit eine Einreise möglich ist, listet das Bundesinnenministerium auf.
    • Derzeit gilt eine Reisewarnung auch für die europäischen Risikogebiete, die vom RKI ausgewiesen wurden.

Regelungen für Reisende

  • Personen, die aus einem Risikogebiet einreisen, müssen nach ihrer Einreise unverzüglich in Quarantäne begeben und eigeninitiativ die zuständige Kreisverwaltungsbehörde (Landratsamt) und/oder das Gesundheitsamt informieren.5
    • Gemäß der jeweiligen Quarantäneverordnung des Bundeslandes kann eine Pflicht zur 14-tägigen Quarantäne bestehen.
    • Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten müssen sich laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf SARS-CoV-2 testen lassen (entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise oder innerhalb von 10 Tagen nach der Einreise).
      • Bei Einreise mit Flugzeug, Schiff, Bahn oder Bus müssen sie Aussteigerkarten ausfüllen, die an die Gesundheitsbehörden weitergegeben werden können.
    • Über die Anerkennung von negativen PCR-Ergebnissen aus dem Reiseland zur Verkürzung oder Aufhebung der Quarantäne entscheidet das zuständige Gesundheitsamt.
    • Auch bei einem negativen Testergebnis besteht die Verpflichtung, unverzüglich das zuständige Gesundheitsamt zu kontaktieren, wenn innerhalb von 14 Tagen nach Einreise Symptome einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 auftreten.3
  • Zukünftig gibt es keine kostenfreien freiwilligen Tests mehr für Reiserückkehrer*innen aus dem Ausland.
  • Weitere Informationen zu verpflichtenden Tests für Einreisende aus Risikogebieten bieten die FAQ des BMG.

Häufigkeit

Fallzahlen und Mortalität – allgemeine Informationen

  • Es ist unklar, wie hoch weltweit und in einzelnen Ländern die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten, oft asymptomatischen infizierten Personen ist.6
  • Analysen von Mutationen im Virusgenom lassen darauf schließen, dass sich SARS-CoV-2 bereits zu Beginn der Epidemie, also schon Ende 2019, sehr schnell weltweit ausgebreitet hat.7
    • Belege für ein früheres Zirkulieren von SARS-CoV-2 gibt es aber nicht.

Zahlen in Deutschland

  • Es ist auch in Deutschland von einer Untererfassung der SARS-CoV-2-Infizierten auszugehen.8
    • Laut RKI könnte die Anzahl der Infizierten um den Faktor 11 bis 20 größer sein als angegeben.
  • Die Lage ist instabil und ändert sich sehr kurzfristig.9
    • Derzeit treten bundesweit in verschiedenen Settings COVID-19-bedingte Ausbrüche auf. Insbesondere in Verbindung mit Reisen bzw. Reiserückkehrer*innen und im Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie u. a. in Senioren- und Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Einrichtungen für Asylbewerber*innen und Geflüchtete, Gemeinschaftseinrichtungen, verschiedenen beruflichen Settings und im Rahmen religiöser Veranstaltungen werden Fallhäufungen beobachtet.
  • Detaillierte Zahlen zur Lage in Deutschland finden Sie auf dem RKI-COVID-19-Dashboard (manchmal zeitverzögert, aber mit solider Datenbasis) und im täglichen Lagebericht des RKI.
  • Laut Auswertung von Blutproben blutspendender Erwachsener (Datenstand 19.08.2020, 30.000 Spenden) liegt der Anteil seropositiver Personen in Deutschland bei 1,25 % (m 1,48 %, w 0,96 %).10

Zahlen weltweit

  • Einen tagesaktuellen weltweiten Überblick über die Fallzahlen und Todesfälle  finden Sie auf dem Dashboard der Johns Hopkins University (sehr schnelle Publikation von Zahlen, aber Datengrundlage nicht behördlich bestätigt).3

Weitere Entwicklung in Deutschland nach Einschätzung des RKI3

  • Durch die raschen und umfangreichen Infektionsschutzmaßnahmen und das gute Mitwirken der Bevölkerung ist es gelungen, die erste COVID-19-Welle in Deutschland abzuflachen.
  • Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hat noch immer keinerlei Immunschutz gegen SARS-CoV-2.
  • Ob die Aktivität von SARS-CoV-2 saisonal beeinflusst wird, ist noch offen. Eine Saisonalität wurde bei anderen humanen Coronaviren beobachtet.

Ätiologie und Pathogenese

SARS-CoV-2

  • Chinesischen Behörden gelang am 07.01.2020 der Virusnachweis.11
  • Das Virus gehört wie das SARS-Virus zu den Beta-Coronaviren.12
    • Coronaviren sind umhüllte RNA-Viren.
    • Das S(Spike)-Protein ist für den Eintritt in die Wirtszelle zuständig.
    • Es induziert neutralisierende (protektive) Antikörper und ist deswegen wichtig für die Impfstoffentwicklung.
    • SARS-CoV-2 verwendet das transmembranäre Enzym ACE-2 als Rezeptor, um in die Wirtszellen zu gelangen; unterstützt wird der Zelleintritt durch die zelluläre Protease TMPRSS2 und andere Proteasen.
  • Man nimmt an, dass der Vorläufer des SARS-CoV-2 von Fledermäusen oder dem Schuppentier (Pangolin) stammt, Zwischenwirte wurden jedoch noch nicht identifiziert.13
  • Bei SARS-CoV-2 wurden zahlreiche unabhängige Mutationen festgestellt, die darauf hindeuten können, dass sich das Virus ständig verändert, um sich an seinen neuen menschlichen Wirt anzupassen.7
    • Analysen der Virusmutationen schließen ein Zirkulieren des Virus vor Ende 2019 aus.
  • Coronaviren wurden erstmals Mitte der 60er-Jahre identifiziert. Sie können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere.3
    • Mit SARS-CoV-2 sind insgesamt 7 humanpathogene Coronaviren bekannt.
    • Coronaviren verursachen in Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen Krankheiten wie das Middle East Respiratory Syndrome (MERS) von 2015 oder das Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) von 2003.

Übertragung

  • Infektionsquelle sind infizierte Personen mit oder ohne Symptomatik.14
  • Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2 ist die respiratorische Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen und Niesen entstehen.8
    • Je nach Partikelgröße unterscheidet man Tröpfchen (größer als 5 µm) von kleineren Partikeln (Tröpfchenkerne oder infektiöse Aerosole, kleiner als 5 µm), wobei der Übergang zwischen beiden Formen fließend ist.
    • Während insbesondere größere respiratorische Tröpfchen schnell zu Boden sinken, können Aerosole auch über längere Zeit in der Luft schweben und sich in geschlossenen Räumen verteilen.
    • Beim Atmen und Sprechen, aber noch weitaus stärker beim Schreien und Singen werden Aerosole ausgeschieden, beim Husten und Niesen entstehen zusätzlich deutlich mehr Tröpfchen.
  • Übertragungsrisiko in geschlossenen Räumen/im Freien8
    • Der längere Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 m erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt und exponierte Personen besonders tief einatmen.
    • Durch die Anreicherung und Verteilung der Aerosole ist unter diesen Bedingungen das Einhalten des Mindestabstandes ggf. nicht mehr ausreichend.
      • Beispiele dafür sind gemeinsames Singen oder schwere körperliche Arbeit in einem geschlossenen Raum bei mangelnder Lüftung über einen längeren Zeitraum.
      • Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum vermindern.
    • Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.
    • SARS-CoV-2 ist bei geringen Temperaturen und geringer Luftfeuchtigkeit stabiler als in warmer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit.15
  • Kontaktübertragung
    • Eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist insbesondere in der unmittelbaren Umgebung von infizierten Personen nicht auszuschließen.8
  • Konjunktiven als Eintrittspforte
    • Bei einzelnen Patient*innen wurde SARS-CoV-2 in Konjunktivalproben nachgewiesen, dies ist jedoch kein Beleg, dass Konjunktiven als Eintrittspforte fungieren können.8
  • Bluttransfusion
    • Das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 durch Transfusion von nichtvirusinaktivierten Blutkomponenten wird als sehr gering eingeschätzt.16
  • Fäkal-orale Übertragung
    • Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben einiger betroffener Personen gefunden.8
    • Blut, Stuhl und Urin gelten bei COVID-19-Patient*innen laut STAKOB als nicht infektiös.14
  • Übertragung durch Nahrungsmittel
    • Nach derzeitigem Wissensstand sind bislang keine Übertragungen durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel nachgewiesen. 8
  • Vertikale Übertragung von der (infizierten) Mutter auf ihr Kind (vor, während, nach der Geburt sowie über Muttermilch)3,8
    • Basierend auf den bisher vorliegenden wenigen Untersuchungen und Fallberichten kann eine Übertragung im Mutterleib nicht ausgeschlossen werden.
      • Grundsätzlich kann hohes Fieber während des ersten Trimenons der Schwangerschaft das Risiko von Komplikationen und Fehlbildungen erhöhen.
    • In den meisten Fällen zeigen die Kinder COVID-positiver Mütter nach der Geburt keine Krankheitszeichen.
    • Es gibt keinen Hinweis auf eine erhöhte Rate an Fehlgeburten, Totgeburten oder Teratogenität.17
    • Bisher wurde SARS-Cov-2 in einem Fall in Muttermilch nachgewiesen, die Infektiosität wurde nicht untersucht.8
    • Eine Übertragung auf das neugeborene Kind ist über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion möglich.3
      • Bei einer Infektion der Mutter ist eine Trennung vom Neugeborenen nicht erforderlich.17-18
  • Übertragung durch prä- und asymptomatische Infizierte
    • Studiendaten sprechen dafür, dass SARS-CoV-2 in größerem Ausmaß von präsymptomatischen und vermutlich in einem geringeren Ausmaß von asymptomatischen Infizierten übertragen wird.
  • Ansteckung durch infizierte Kinder8
    • Einschätzung des RKI
      • Die Infektiosität im Kindesalter wurde bisher selten untersucht und kann daher nicht abschließend bewertet werden.
    • Die Ansteckungsrate durch Kinder war in Studien ähnlich hoch oder höher als bei erwachsenen Indexfällen.
    • Studien zur Viruslast bei Kindern zeigen keinen wesentlichen Unterschied zu Erwachsenen.
  • Ansteckungsgefahr für im selben Haushalt lebende Personen
    • Laut einer chinesischen Hochrechnung liegt die Ansteckungsgefahr für Personen, die mit einem COVID-19-Erkankten im selben Haushalt leben, durchschnittlich bei 12,6 %.19
      • Die Ansteckungsgefahr liegt für Personen < 20 Jahre im selben Haushalt bei 5,3 % und für Personen ≥ 60 Jahre bei 17,7 %.
  • Ansteckungsgefahr in Sammelunterkünften
    • Geflüchtete und andere Bewohner*innen von Sammelunterkünften sind besonders gefährdet, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und an COVID-19 zu erkranken.
    • Laut den Ergebnissen der Universität Bielefeld besteht für die anderen Bewohner*innen ein Infektionsrisiko von 17 %, wenn ein Fall von COVID-19 in einer Sammelunterkunft für Geflüchtete auftritt.20
  • Medizinischer Sektor
    • Ein Hochrisiko-Setting sind Aerosol-produzierende Vorgänge, wie z. B. Intubation, Bronchoskopie oder zahnärztliche Prozeduren, bei denen eine Übertragung mittels Aerosol auf ärztliches/pflegerisches Personal möglich ist.8
  • „Superspreading“ und „Superspreading Events“ (SSE)8
    • SSE sind Ereignisse, bei denen eine infektiöse Person eine Anzahl an Menschen ansteckt, die deutlich über die durchschnittliche Anzahl an Folgeinfektionen hinausgeht.
    • Begünstigende Begleitumstände: 
      • hohe individuelle Infektiosität
      • kleine Räume
      • keine oder geringe Frischluftzufuhr
      • längerer Aufenthalt
      • vermehrte Freisetzung kleiner Partikel durch Aktivitäten mit gesteigerter Atemtätigkeit wie Schreien, Singen, Sporttreiben oder andere schwere körperliche Aktivität
      • Sozialverhalten: extensive soziale Interaktionen und erhöhte Kontaktrate
      • besonders viele vulnerable Personen unter den Exponierten.
    • Vermeidung der „Drei Gs"
      • geschlossene Räume 
      • Gruppen und Gedränge
      • Gespräche

Inkubationszeit

  • Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit 10–14 Tage betragen kann, im Median beträgt sie 5 Tage.8

Ausbreitung und Infektiosität

  • Die Basisreproduktionszahl R0 bezeichnet die Zahl der Ansteckungen, die unter Anfangsbedingungen von einem COVID-19-Fall ausgehen: keine Immunität, keine Schutzmaßnahmen, keine Impfung.
  • Aufgrund der bisherigen Daten wird angenommen, dass R0 zwischen 2,4 und 3,3 liegt8 (zum Vergleich: R0 von Masern ca. 12–18, von Influenza 1–2).
  • Ohne Gegenmaßnahmen würde die Zahl der Infektionen rasch exponentiell ansteigen und erst stoppen, wenn bis zu 70 % der Bevölkerung eine Infektion bzw. Erkrankung durchgemacht haben, also immun sind und das Virus ihrerseits nicht mehr weiterverbreiten können.3
  • Die 7-Tage-Reproduktionszahl für Deutschland wird vom RKI täglich geschätzt. Die jeweils aktuelle Schätzung ist im täglichen Situationsbericht des RKI zu finden.9
  • Neben der Basisreproduktionszahl kann der Dispersionsfaktor (K oder Kappa) die Verbreitung der Infektion erklären.21-22
    • Die Reproduktionszahl stellt lediglich einen Mittelwert dar.
    • Die meisten infektiösen Menschen scheinen keinen weiteren anzustecken, manche stecken allerdings sehr viele an.
    • Dies ist eine Erklärung für das Auftreten der Infektion in Clustern.
    • Je geringer der Dispersionsfaktor, umso niedriger ist die Zahl der Verursacher.
    • Nach aktuellen Schätzungen scheinen bei COVID 10 % der Infizierten für 80 % der Infektionen verantwortlich zu sein.

Dauer der Infektiosität8

  • Zur Dauer der Ansteckungsfähigkeit in der präsymptomatischen Phase zeigte sich im Mittel mit 2 Tagen (Spannbreite 1–4 Tage) eine verhältnismäßig gute Übereinstimmung zwischen den vorhandenen Studien.
  • Während sich für mild-moderat Erkrankte mit normalem Immunstatus annehmen lässt, dass die Ansteckungsfähigkeit maximal 9–10 Tage nach Symptombeginn anhält, wird in hospitalisierten Patient*innen mit schweren klinischen Verläufen über erfolgreiche Virusanzucht bis zum Tag 20 nach Symptombeginn berichtet.

Manifestationsindex8

  • Der Manifestationsindex beschreibt den Anteil der Infizierten, der auch tatsächlich erkrankt.
    • Manifestationsindizes werden in verschiedenen Übersichtsarbeiten auf 55–85 % geschätzt.

Immunität

  • Eine Infektion mit SARS-CoV-2 induziert die Bildung unterschiedlicher Antikörperklassen, die gegen das S- oder N-Protein gerichtet und im Median in der zweiten Woche nach Symptombeginn nachweisbar sind, jedoch vermutlich nicht bei allen Infizierten.8
    • Unklar ist jedoch noch, wie robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird.
    • Die Erfahrungen mit anderen Coronavirus-Erkrankungen wie SARS und MERS deuten darauf hin, dass ein zumindest partieller Immunstatus bis zu 3 Jahre anhalten könnte.
  • Studienergebnisse nach Untersuchungen an asymptomatischen und rekonvaleszenten Patient*innen deuten darauf hin, dass nicht alle (nur 2/3) SARS-CoV-2-Infizierte neutralisierende Antikörper bilden und dass Antikörper bei manchen Erkrankten nur wenige Wochen nachweisbar sind.23-24
    • Asymptomatische Infizierte scheinen weniger Antikörper zu bilden, die auch weniger lang persistieren, als symptomatisch Erkrankte.23
    • Es gibt aber Hinweise, dass fast alle Erkrankten Gedächtniszellen bilden, die zur Produktion von neutralisierenden Antikörpern gegen die Bindungsstellen am Spike-Protein von SARS-CoV-2 in der Lage sind.25
  • Einige Studien berichten über eine T-Zell-Kreuzreaktivität auf Proteine endemischer Coronaviren und SARS-CoV-2. Diese Kreuzreaktivität lässt eine Hintergrundimmunität vermuten, die möglicherweise Schutz vor einer schweren COVID-19-Erkrankung bietet.8

Pathophysiologie26

  • Bei schwer verlaufenden COVID-19-Fällen wird von 3 Krankheitsstadien ausgegangen:27
    • Stadium I: frühe Infektion, milde unspezifische Symptomatik
    • Stadium II: pulmonale Phase, abrupte respiratorische Verschlechterung, Hypoxie bis hin zu ARDS
    • Stadium III: hyperinflammatorische Phase, ARDS, disseminierte intravasale Gerinnung, Multiorganversagen.
  • SARS-CoV-2 dockt am ACE2-Rezeptor in den Alveolarzellen und intestinalen Epithelzellen an, demselben Rezeptor, den auch das SARS-Virus von 2003 verwendet hat.28
    • COVID-19 kann sich in vielfältiger Weise und nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen manifestieren.8
    • Die Manifestationsorte sind u. a. von der Dichte der ACE-2-Rezeptoren in den Geweben abhängig, die dem Virus den Eintritt in die Zelle ermöglichen.8
    • Über hohe ACE2-Dichte wurde nicht nur im Respirationstrakt, sondern z. B. auch auf Enterozyten, Gefäßendothelzellen, Nierenepithel und Myokardzellen berichtet.12
  • ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome)
    • Das ARDS bei COVID-19 ist durch eine diffuse alveolare Schädigung, inklusive hyaline Membrane charakterisiert.
    • An Pneumozyten wurde ein viraler zytopathischer Effekt gezeigt, was für eine direkte Schädigung durch das Virus selbst spricht (eher als für eine rein hyperinflammatorische Schädigung).29 
  • Zytokinsturm, hyperinflammatorische Phase
    • Manche Patient*innen reagieren auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 mit einem Zytokinsturm (mit Merkmalen einer bakteriellen Sepsis oder der überschießenden Immunreaktion bei einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose).
    • In der späten, hyperinflammatorischen Erkrankungsphase (Stadium III) stehen immunologische Prozesse im Vordergrund, die Virusreplikation ist meist nicht mehr nachweisbar.30
  • Befall der Endothelien
    • Eine Schweizer Fallserie zeigte bei zwei an COVID-19 Verstorbenen und einer erkrankten Person mit COVID-19 und Mesenterialinfarkt eine diffuse Endotheliitis und ein Absterben von Endothelzellen.31
      • ACE-2-Rezeptoren werden auch von Endothelzellen gebildet.
  • Befall verschiedener Organe
    • Eine deutsche Autopsiestudie weist an 22 Verstorbenen eine Virusausbreitung nicht nur in den Atemwegen und Lungen nach, sondern auch in Herz, Leber, Gehirn, Blut und ganz besonders in den Nieren.32

Prädisponierende Faktoren

  • Kontakt zu infizierten und/oder erkrankten Personen in einem Zeitraum von 14 Tagen vor Symptombeginn
  • Aufenthalt in Regionen mit hohem Erkrankungsaufkommen
  • Höheres Lebensalter, chronische Erkrankungen, Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen und Sammelunterkünften für Geflüchtete, Angestellte in fleischverarbeitenden und landwirtschaftlichen Betrieben
    • Alter allein scheint bis zum 70. Lebensjahr eine untergeordnete Rolle zu spielen.33
    • Das Risiko für einen schweren Verlauf steigt insbesondere mit der Anzahl der chronischen Erkrankungen an.
    • Bei den 70- bis 79-Jährigen ohne Vorerkrankungen beträgt das Risiko für einen tödlichen Verlauf 5 % (bei 4 chron. Erkrankungen bereits 28 %).
  • Ärztliches und medizinisches Personal, Pflegekräfte, die in engen Kontakt mit Erkrankten kommen.

ICPC-2

  • R991 COVID-19
    • Gilt für Verdachtsfälle und bestätigte COVID-19-Fälle.
  • R 81 Lungenentzündung
  • A77 Virale Erkrankung NNB, andere

ICD-10

  • U07.1 G COVID-19 (Coronavirus-Krankheit 2019, Virus durch Labortest nachgewiesen)
    • Zusatzkode, Verwendung nur in Kombination mit einem anderen ICD-Kode, z. B. J06.9 Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
  • U07.2 G Verdacht auf COVID-19 (nicht nachgewiesen)
    • Zusatzkode, Verwendung nur in Kombination mit einem anderen ICD-Kode, z. B. J06.9 Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
  • Hinweise der KBV
    • Die Kodes ausschließlich mit dem Zusatzkennzeichen „G" (gesichert) für die Diagnosesicherheit angeben.
    • Bei beiden COVID-19-Kodes handelt es sich nach der ICD-10-GM um Zusatzkodes, also sog. Ausrufezeichenkodes (!). Das Ausrufezeichen gehört zur Bezeichnung des Kodes, es wird aber bei der Kodierung nicht angegeben.
    • Sie sind nicht zu verwenden, wenn ein Verdacht besteht, ohne dass die RKI-Kriterien sicher erfüllt sind (z. B. ausschließlich vermuteter Kontakt mit einem COVID-19-Infizierten) oder um den Ausschluss oder den Zustand nach einer COVID-19-Infektion zu verschlüsseln, dann nur z. B. J06.9 G.
    • Bei Abstrich nach Warnhinweis in der Corona-Warn-App sind folgende Ziffern zu kodieren: bei Abstrichentnahme Kode U99.0 G (spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2) zusammen mit dem ICD-Kode Z11 G (spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten).
    • Für Testungen im Rahmen des bayerischen Testkonzepts gelten die gleichen ICD-Kodes wie für Tests aufgrund der Corona-Warn-App.
    • Bei Beauftragung durch den ÖGD ist keine Kodierung vorgesehen.
    • Für Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten ist keine Kodierung gemäß § 295 SGB V (Sozialgesetzbuch) vorgesehen, mögliche Kodierung gemäß ICD-10-GM: Z11 G und U99.0 G für die Testung (es kann regionale Vereinbarungen geben).

Diagnostik

Allgemeine Hinweise für die Hausarztpraxis

Vorgehen bei Verdachtsfällen

  • Flussschema des RKI COVID-19-Verdacht: Maßnahmen und Testkriterien – Orientierungshilfe für Ärzte (mit Hinweisen für die ambulante Versorgung, wie z. B. in der Hausarztpraxis)
  • Bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 müssen Ärzt*innen/Hausärzt*innen das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.3
    • Unter diesem Link zum RKI können Gesundheitsämter nach Postleitzahl gesucht werden.
  • Für einen Corona-Abstrich soll medizinisches Personal eine FFP2-Maske anlegen sowie Schutzkittel, Handschuhe und einen Gesichtsschutzschild.
    • Laut DEGAM sollen Praxen ohne Schutzausrüstung nicht testen.5
    • RKI und das Bundesministerium für Gesundheit bieten Informationen zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken (Links beim RKI).
  • Die DEGAM empfiehlt Selbstabstriche als pragmatisches und ausreichend zuverlässiges Verfahren.5
    • Erkrankte (oder Angehörige) können Teströhrchen an der Praxis (Übergabe kontaktlos draußen) abholen, den Test durchführen und dann das Röhrchen ebenso kontaktlos wieder an der Praxis abgeben.
    • Die DEGAM hat eine Anleitung zum Selbsttest herausgegeben.
  • Je nach Bundesland bestehen unterschiedliche Vorgaben zur Maskenpflicht in Praxen, siehe Hinweise zu den Regelungen der Bundesländer.

Praxisschließung, Arbeitsunfähigkeit und AU-Bescheinigung – lnformationen der KBV34

  • Ärzt*innen haben Anspruch auf Entschädigung, wenn der Praxisbetrieb aus infektionsschutzrechtlichen Gründen untersagt wird.
    • Voraussetzung für Entschädigungsansprüche ist das Verbot der Erwerbstätigkeit oder die Anordnung von Quarantäne aus infektionsschutzrechtlichen Gründen.
  • Bei Arbeitnehmer*innen, die zu Hause bleiben müssen, aber keine Symptome haben, müssen zunächst die Arbeitgeber den Lohn auszahlen; dieser ist aber vom Land zu erstatten.
    • Es darf keine AU-Bescheinigung ausgestellt werden.
  • Sobald Arbeitnehmer*innen, die bisher symptomfrei waren, während der Quarantäne erkranken, besteht Arbeitsunfähigkeit.
    • Bei Arbeitsunfähigkeit ist also trotz Quarantäne eine AU-Bescheinigung erforderlich.
    • Seit 16.07.2020 ist laut G-BA die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit für 7 Tage per Videosprechstunde erlaubt.
      • Voraussetzung ist, dass die Patient*innen der Arztpraxis bekannt sind und die Erkrankung eine Untersuchung per Videosprechstunde zulässt.
  • Die KBV bietet Hinweise und Erläuterungen zur Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit

Hinweise zu Abrechnung und Vergütung (KBV)

  • Inzwischen gibt es bundesweit unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten, Vergütungen und Kostenträger für unterschiedliche Abstrichindikationen.
    • Patient*innen mit COVID-19-Symptomen
    • Personen mit Warnhinweis in der Corona-Warn-App
    • Pflichttests für Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten 
    • Testung im Auftrag des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD)
  • Zu den o. g. Testindikationen stellt die KVB eine Übersicht zur Corona-Testung bereit.
  • Zusätzlich gibt es auch Testungen nach speziellen Vereinbarungen der Bundesländer, wie z. B.:
    • Testung nach bayerischem Testkonzept 
      • Test auf Wunsch von asymptomatischen Bewohner*innen Bayerns, auch ohne Krankenversicherung
      • Reihentestung von z. B. Lehrkräften und Erzieher*innen in Bayern
      • Abrechnung über die KVB; für den Abstrich Ziffer 98050 (16,53 €)
      • Laborüberweisung auf Muster 10 mit Freitext „98055-Bayerisches Testangebot“ 
    • Testung von hessischen Lehrkräften laut Vertrag der KV Hessen mit dem hessischen Kultusministerium
      • Abzurechnen sind die Ziffern 98250 (Test, 15 €), 98251 (Versand), 98252 (schriftliche Testübermittlung).

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Grundsätze für die hausärztliche Praxis

  • Alle Patient*innen mit akuten respiratorischen Infekten und/oder Fieber sowie Besorgte sind aufgerufen, zunächst zu telefonieren/faxen/mailen (regionale Gegebenheiten berücksichtigen):
    • Hausärztin/Hausarzt
    • ggf. zentrale Teststation/en
    • ärztlicher Bereitschaftsdienst Tel. 116 117
    • Gesundheitsamt.
  • Schutz und Sicherheit anderer Patient*innen und der Praxismitarbeiter*innen haben höchste Priorität.
  • Daher: Keine Testung auf SARS-CoV-2 bei fehlender Schutzausrüstung (insbesondere Gesichtsschutzschild und Maske [mind. FFP2 ohne Ausatemventil]), in diesem Fall Schild vor der Praxis: „Praxis kann keine Testungen durchführen“, oder Patienten-Selbstabstrich außerhalb der Praxis erwägen.
  • Grundsätzlich
    • sollten auch Patient*innen ohne Infektzeichen mit MNS, zur Not auch selbstgenähten Stoffmasken, in der Praxis erscheinen.
    • sollte Personal bei direktem Patientenkontakt neben einer FFP2- bzw. 3-Maske einen zusätzlichen Gesichtsschutzschild tragen.
      • Der Gesichtsschutzschild sollte auch getragen werden, wenn nur weniger hochwertige oder gar keine Masken mehr zur Verfügung stehen.
      • Ansonsten: Abstand halten, ggf. vor der Praxistür befragen.
  • Schutzausrüstung
    • Solange Qualität, Nachschub und Finanzierung von Schutzausrüstung nicht nachhaltig und dauerhaft gewährleistet sind, verbleiben Probleme für das Praxisteam, sich angemessen zu schützen.
    • Insbesondere das Fehlen von FFP2-/FFP3-Masken, erhöht das Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion bei Ärzt*innen und medizinischen Fachangestellten beträchtlich.
    • Als bestmögliche pragmatische Alternative wird als Schutzmaßnahme das Tragen eines Gesichtsschutzschilds (engl. Bezeichnung: „Face Shield“) über einer noch vorhandenen anderen Maske (z. B. MNS oder verfügbarem MNS-Ersatz) empfohlen.
    • Selbst wenn jede Art von Schutzmaske (MNS/FFP2) fehlen sollte, bietet der Gesichtsschutzschild guten Schutz.
    • Bei FFP2- bzw. FFP3-Masken mit Ausatemventil ist zu beachten, dass der Gesichtsschutzschild die Patienten vor der Ausatemluft des Maskenträgers schützt.
    • FFP2- oder FFP3-Masken mit Ventil schützen nur die sie tragende Person vor einer Infektion, nicht die Patient*innen vor infizierten Maskenträger*innen.

Umgang mit begründeten Verdachtsfällen

  • Definition „begründeter Verdachtsfall“ (nach RKI)
    1. akute respiratorische Symptome jeder Schwere und/oder Verlust von Geruchs-/Geschmackssinn bei allen Patient*innen unabhängig von Risikofaktoren
    2. Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn und jegliche mit COVID-19 zu vereinbarende Symptome
    3. klinische Hinweise auf eine Pneumonie und Zusammenhang mit einer Häufung von Pneumonien in Pflegeeinrichtung oder Krankenhaus
  • Die Meldung an das Gesundheitsamt erfolgt bei 1. nur bei positivem Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion, bei 2. und 3. bereits bei Verdacht.
  • Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Meldung von Verdachtsfällen von COVID-19 finden Sie hier.
  • Auch Kontaktpersonen der Kategorie I (mind. 15 min Face-to-Face-Kontakt oder direkter Kontakt zu Körperflüssigkeiten) sollen laut RKI so früh wie möglich auf SARS-CoV-2 getestet werden
    – auch wenn sie asymptomatisch sind.
    • Testschema: Tag 1 nach Ermittlung als Kontaktperson und zusätzlich 5–7 Tage nach Erstexposition. Ermittlung, Nachverfolgung und (Veranlassung einer) Testung sowie Anordnung einer Quarantäne bei Kontaktpersonen der Kategorie I sind primär Aufgabe des zuständigen Gesundheitsamtes.
    • Die Gesundheitsämter tragen auch die Kosten dieser Testungen.
    • Siehe hierzu die Infografik: Kontaktpersonennachverfolgung bei SARS-CoV-2-Infektionen.
  • Über die RKI-Kriterien hinaus kann die Abklärung einer SARS-CoV-2-Infektion aus differenzialdiagnostischen Erwägungen sein. Hinweise dazu siehe unten unter Testung von Patient*innen, die nicht den RKI-Kriterien entsprechen.
  • Da notwendige Schutzausrüstungen weiterhin nicht überall in der gebotenen Qualität und Menge verfügbar oder sehr knapp sind, empfehlen wir – auch im Sinne hausärztlicher Arbeits- und Gesundheitssicherheit – wann immer möglich:
    • Testmöglichkeiten zunächst über regionale Teststationen/Tel. 116 117/Gesundheitsamt
      erkunden.
      • Leider wurden zahlreiche Teststationen inzwischen wieder eingestellt.
      • Dies stellt eine extreme Herausforderung für die hausärztlichen Praxen dar, sobald mit steigender Fallzahl Testungen wieder vermehrt notwendig werden.
    • alternativ Durchführung des Rachen-Selbstabstrichs durch die Erkrankten als pragmatisches und ausreichend zuverlässiges Verfahren (sofern Compliance der Betroffenen vorhanden – siehe Anleitung Selbsttest
    • Bei Kindern im Vorschulalter kann die Testung auch durch eine Speichelprobe erfolgen (morgens nach dem Aufstehen einen Schluck Wasser im Mund spülen und in ein Testgefäß geben – vorherige Absprache mit Labor erforderlich).
    • Schutzausrüstung sollte, solange nur beschränkt verfügbar, geschont werden, damit die Versorgung von ernsthaft Erkrankten langfristig gesichert werden kann.
    • Alle Verdachtsfälle sollten diagnostisch abgeklärt werden und mindestens bis zum Testergebnis in häuslicher Isolierung verbleiben.
    • Die Isolierung kann bei diesen Verdachtsfällen frühestens aufgehoben werden, wenn ein negatives Testergebnis vorliegt.
    • Bei negativem Testergebnis, aber klinisch fortbestehendem Verdacht, sollte die Isolierung aufrecht erhalten werden.
      • Ein zeitnaher 2., ggf. auch 3. Abstrich kann die diagnostische Unsicherheit aufgrund eines initial falsch negativen Abstrichergebnisses verbessern und als Kriterium für eine Beendigung der häuslichen Isolierung herangezogen werden.
    • Bei positivem Testergebnis muss eine Isolierung über mindestens 14 Tage ab Symptombeginn
      erfolgen.
      • Diese kann danach erst aufgehoben werden (durch das Gesundheitsamt), wenn seit 48 h Symptomfreiheit besteht.
    • Enge Kontaktpersonen und alle Mitbewohner*innen ausfindig zu machen und eine Quarantäne anzuordnen, ist Aufgabe des Gesundheitsamtes.

Testung von Patient*innen, die nicht den RKI-Kriterien entsprechen

  • Durch die Definition des RKI bleiben einige Patient*innen unberücksichtigt, die nicht den oben aufgeführten Kriterien 1–3 entsprechen, bei denen die Abklärung einer SARS-CoV-2-Infektion dennoch differenzialdiagnostisch sinnvoll sein kann.
    • z. B. bei anderen ätiologisch primär unklaren Beschwerdebildern wie Fieber, Kopf- und/oder Gliederschmerzen, gastrointestinalen oder neurologischen Beschwerden sowie unklaren Hautausschlägen
  • Die Praxis muss hier entscheiden, ob die Testung über eine zentrale Teststelle, Tel. 116 117 etc., möglich ist oder (bei vorhandener Schutzausrüstung) ggf. durch die Praxis bzw. über einen Rachen-Selbstabstrich erfolgen kann.
  • Eine Meldung ans Gesundheitsamt erfolgt nur bei Nachweis einer Infektion.
  • Massentestungen bzw. Testungen asymptomatischer Personen (z. B. in Senioreneinrichtungen, bei Reisenden etc.) sind Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Dieser kann in manchen Bundesländern niedergelassene Ärzt*innen zur Erfüllung dieser Maßnahmen beauftragen.

Vorgehen in der Praxis in Abhängigkeit von der Fallschwere

  • Bei Schwerkranken → Krankenhauseinweisung ohne Testung (Rettungsdienst, Tel. 112) auch bei V. a. schwere Erkrankung nach Telefonkontakt

Hilfen zur Entscheidung über eine stationäre Einweisung bei COVID-19

  • Es gibt keine validierten Scores mit einfachen Cut-Off-Werten, die die hausärztliche Abwägung und Entscheidung zur stationären Einweisung ersetzen könnten. Auch der CRB-65-Index oder andere Scores stellen nur eine Entscheidungshilfe dar.
  • Das hausärztliche Urteil setzt sich aus einer Vielzahl weiterer Informationen zusammen, wie z. B.:
    • „biologisches" Alter
    • Komorbidität: insbes. kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonus, Diabetes mellitus etc., Risikofaktoren, Medikation, Immunsuppression
    • Allgemeinzustand, subjektives Befinden
    • Atemnot (in Ruhe, bei Belastung), Husten
    • weitere Beschwerden
    • Körpertemperatur
    • Herzfrequenz, Blutdruck
    • Blässe/Kaltschweißigkeit
    • Sauerstoffsättigung (einmal tägliches Screening wird vom RKI auch bei symptomlosen Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen empfohlen)
    • Ergebnis der körperlichen Untersuchung, insbesondere der Auskultation (wenn möglich)
    • Möglichkeiten zur häuslichen Versorgung etc.
  • CRB-65-Index (klinischer Score zur statistischen Wahrscheinlichkeit des Versterbens, 1 Punkt für jedes festgestellte Kriterium [max. 4]):
    • Pneumonie-bedingte Verwirrtheit, Desorientierung
    • Atemfrequenz ≥ 30/min
    • Blutdruck diastol. ≤ 60 mmHg oder systol. < 90 mmHg (wenn anderweitig nicht erklärbar)
    • Alter ≥ 65 Jahre.
    • Stationäre Aufnahme: Ab 1 Punkt erwägen, ab 2 Punkten immer!
  • Die o. g. Informationen (subjektives Befinden, Atemnot, Temperatur, Husten, Auswurf, weitere Beschwerden, wenn möglich Sauerstoffsättigung etc.) sollten auch beim regelmäßigen Monitoring der an COVID-19 erkrankten, ambulant betreuten Patient*innen erhoben werden.
  • Beim telemedizinischen/telefonischen Monitoring sind die Möglichkeiten, o. g. Punkte zu erheben, teilweise eingeschränkt. Hier kann erlebte Anamnese bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung helfen, ob eine persönliche Untersuchung oder eine Einweisung ins Krankenhaus geboten scheint.
  • Berücksichtigt werden sollte, dass auch eine bereits fortgeschrittene COVID-19-Erkrankung mit vergleichsweise geringer subjektiver Beeinträchtigung des Wohlbefindens einhergehen und sich das Zustandsbild rasch verschlechtern kann.
  • Grundsätzlich müssen die Patient*innen oder die Vertreter einer Krankenhauseinweisung als Option zustimmen, diese kann nicht gegen deren Willen erfolgen.
    • Die Konsequenzen einer stationären Einweisung/Nichteinweisung sollten vorab besprochen werden.
  • Zur präklinischen patientenzentrierten Vorausplanung für den Notfall verweisen wir auf den Leitfaden Ambulante patientenzentrierte Vorausplanung für den Notfall und Dokumentation.

Bei Erkrankten, die ambulant betreut werden können/müssen

  • Im Gespräch mit den Patient*innen über die Notwendigkeit eines Praxisbesuchs entscheiden, Hausbesuche bei dringender Notwendigkeit erwägen (dann Erkrankte grundsätzlich mit Maske, Gesichtsschutzschild und Handschuhen aufsuchen, bei V. a. SARS-CoV-2-Infektion auch Schutzkittel).
  • Bei fehlendem persönlichem Kontakt insbesondere bei Risikogruppen für ausreichend häufiges Monitoring sorgen, damit eine Verschlechterung des Verlaufes nicht übersehen wird.
  • Klinischer Verdacht auf SARS-CoV-2-Infektion
    • Eine Testung sollte bei Vorliegen der o. g. Kriterien durchgeführt werden bzw. bei anderweitigem V. a. eine SARS-CoV-2-Infektion, der nicht die Kriterien 1–3 erfüllt.
    • Wenn möglich über die lokalen Testzentren/in der Praxis, falls sie das leisten kann (Schutzausrüstung!)/ggf. über einen Rachen-Selbstabstrich.
  • Bei nur leichter Erkrankung ist gegenwärtig eine telefonische AU für maximal 14 Tage (7+7) möglich.
  • Solange kein negatives Abstrichergebnis vorliegt, sollten auch enge Kontaktpersonen und alle Mitbewohner*innen (Erkrankte wie Nicht-Erkrankte) zuhause bleiben und Sozialkontakte minimieren.
  • Falls in diesem Zusammenhang eine Freistellung von der Arbeit benötigt wird, muss bezüglich Quarantäneanordnung Rücksprache mit dem Gesundheitsamt gehalten werden.
  • Muss eine erkrankte Person mit Infektsymptomen in der Praxis gesehen werden: Sicherheitsvorkehrungen wie bei „Patient*in erscheint unangemeldet in der Praxis" (s. u.) einhalten.

Falls Patient*in mit Atemwegsinfekt unangemeldet in der Praxis erscheint

  • Sofort
    • Patient*in einen separat bereit liegenden Mund-Nasen-Schutz anlegen lassen.
    • ausreichend Abstand (> 2 m) von anderen einhalten lassen.
  • Falls leicht erkrankt, Patient*in entweder umgehend heimschicken (weitere Planung, insbesondere der Testung, dann telefonisch) oder Testung in der Praxis (s. u.).
  • Wenn Patient*in, in der Praxis untersucht/versorgt werden muss
    • In eigenen Praxisraum leiten oder in separaten Bereich außerhalb der Praxis.
    • MFA/Ärzt*in: FFP2-/FFP3-Maske, Gesichtsschutzschild, Schutzkittel, Handschuhe, ggf. Schutzbrille, zusätzlich Sicherheitsabstand einhalten.
    • Kontakt- und ggf. Reiseanamnese erheben, Risikofaktoren erheben (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Immunsuppression), ebenso nach Kontakt zu vulnerablen Gruppen fragen (Berufsanamnese oder Pflege im privaten Umfeld).

Organisatorische Hinweise

  • Testung von Mitarbeiter*innen in Praxen (und Pflegeeinrichtungen)
    • Bei Symptomen einer Atemwegserkrankung ist (solange kein relevanter Personalmangel vorliegt) immer eine Testung (PCR-Test) und Herausnahme aus der Versorgung erforderlich.
  • Situationen mit relevantem Personalmangel
    • Für Situationen mit relevantem Personalmangel im Rahmen der COVID-19-Pandemie hat das RKI differenzierte Optionen erarbeitet, um die Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens zu erhalten.
    • Je nach Exposition unterscheiden sich die Empfehlungen, gemeinsam sind ihnen aber folgende Möglichkeiten:
      • nach Exposition und bei Symptomfreiheit: Arbeiten nur mit Mund-Nasen-Schutz und wenn möglich, kein Einsatz in der Versorgung besonders vulnerabler Patientengruppen
      • bei Symptomen einer Atemwegserkrankung: umgehende Testung auf SARS-CoV-2; bis zum Ergebnis Mund-Nasen-Schutz während gesamter Anwesenheit bei der Arbeit.
  • Medizinisches Personal, das mit einem Verdachtsfall in Kontakt gekommen ist, gilt bei Einhaltung der üblichen Hygienestandards nicht als „enge" Kontaktperson und muss weder unter Quarantäne, noch getestet werden (letztlich entscheidet das Gesundheitsamt).
  • Auch im privaten Umfeld Kontakte reduzieren (z. B. zu Erkrankten, Enkelkindern, Älteren).
  • Materialversand: Alle Universitätskliniken und viele Laborgemeinschaften testen.
  • Hinweise zur Testung und Verpackung
  • Alle ärztlich angeordneten Tests werden ohne Prüfung erstattet.
  • Extrabudgetäre Vergütung für alle COVID-19-Leistungen über Ziffer 88240
    • Diese Ziffer soll aber nicht gesetzt werden, wenn aufgrund des Alarms einer Corona-App getestet wird.
  • Informationen zur Ausstellung von Attesten bezüglich der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe oder bezüglich der Befreiung von der Maskenpflicht finden Sie im Originaltext der S1-Handlungsempfehlung.

Diagnostische Kriterien

Falldefinition des RKI für respiratorische Erkrankungen durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, COVID-19

  • Falldefinition des RKI im Flussschema des RKI
    • Eine Laboruntersuchung auf SARS-CoV-2 soll durchgeführt werden, wenn es sich bei den Betroffenen um begründete COVID-19-Verdachtsfälle handelt, d. h. bei
      • Kontakt zu bestätigtem COVID-19 Fall bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn und
      • jegliche mit COVID-19 vereinbare Symptome
    • und/oder
      • klinischen oder radiologischen Hinweisen auf eine virale Pneumonie und
      • Zusammenhang mit einer Häufung von Pneumonien in Pflegeeinrichtung oder Krankenhaus

 → Meldepflichtiger Verdachtsfall, Meldung an das Gesundheitsamt!

    • akute respiratorische Symptome jeder Schwere und/oder
    • Verlust von Geruchs-/Geschmackssinn
    • bei ALLEN Patient*innen unabhängig von Risikofaktoren

 → Kein meldepflichtiger Verdachtsfall, keine Meldung an das Gesundheitsamt!

Kontakt­personen­nach­ver­folgung 

  • Laut DEGAM und RKI gilt medizinisches Personal, das mit einem Verdachtsfall in Kontakt gekommen ist, bei Einhaltung der üblichen Hygienestandards nicht als enge Kontaktperson und muss weder in Quarantäne noch getestet werden.5,36
  • Für die Einschätzung der individuellen Situation sind die lokal zuständigen Gesundheitsämter verantwortlich.
  • Ein Flussschema zur Kontaktpersonennachverfolgung wird derzeit überarbeitet; ausführlichere Informationen finden Sie beim Robert Koch-Institut.
  • Dort finden Sie auch folgende Dokumente:
  • Das Zeitintervall, in dem ein Kontakt mit einer Indexperson relevant ist, variiert je nachdem, ob die Indexperson im Rahmen der SARS-CoV-2-Infektion symptomatisch wurde oder nicht.36
    • symptomatische Fälle mit bekanntem Symptombeginn: ab dem 2. Tag vor Auftreten der ersten Symptome des Indexfalles 
    • Asymptomatische Fälle: Der Labornachweis kann als Proxy für den Symptombeginn angenommen werden; somit sind Personen mit Kontakt ab 48 h vor Probenabnahmedatum nachzuverfolgen.

Testung asymptomatischer Personen37

  • Testen ohne Anlass führt zu einem falschen Sicherheitsgefühl.
  • Auch ein negativer PCR-Nachweis ist nur eine Momentaufnahme und entbindet nicht von Hygiene- und Schutzmaßnahmen.
  • Präventives Testen ohne begründeten Verdacht erhöht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität.
  • In Deutschland werden laut RKI die folgenden Personengruppen getestet:
    • symptomatische Personen
    • enge Kontaktpersonen bestätigter COVID-19-Fälle 
    • Bewohner*innen von Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen und Patient*innen in Kliniken und ambulanter Pflege 
      • bei bestätigten SARS-CoV-2-Infektionen in stationären Einrichtungen
      • vor (Wieder-)Aufnahme in Einrichtung, Klinik oder vor ambulanter Operation
      • nach der Aufnahme Tests in gewissen Abständen zu empfehlen
    • Personal in Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen und stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen
      • regelmäßige Testung bei Betreuung von COVID-19-Erkrankten
      • bei Ausbrüchen Testung des gesamten Personals
      • regelmäßige Testen z. B. im Rahmen betriebsärztlicher Untersuchungen möglich
      • Bei erhöhten Inzidenzen in der Region und bei Betreuung vulnerabler Gruppen kann das gesamte Personal regelmäßig, z. B. alle 2 Wochen, getestet werden. 
    • Personen in Gemeinschaftseinrichtungen (auch Arztpraxen) und -unterkünften bei Ausbrüchen
    • Epidemieregionen: Es kann entschieden werden, Teile bzw. die gesamte Bevölkerung binnen weniger Tage zu testen.
    • Einreisende aus dem Ausland
      • Zu den Pflichttests für Einreisende aus Risikogebieten und den kostenlosen Tests für Urlaubsrückkehrende  siehe Abschnitt Risikogebiete. Zu diesen und weiteren Teststrategien siehe auch den Abschnitt Abrechnung und Vergütung.
      • Verstöße können mit einer Geldbuße bis zu 25.000 € geahndet werden.
  • Gesetzliche Regelungen hierzu sind in der Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und eine Änderung dieser Verordnung des BMG zu finden.

Differenzialdiagnosen38

Anamnese

Symptome

  • Nach Kontakt zu bestätigten Coronavirus-Fällen und beruflicher Exposition fragen.
  • Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen kann, im Median beträgt sie 5–6 Tage.8
  • Die Symptome von COVID-19 sind unspezifisch. Das klinische Bild kann zwischen asymptomatischen Verläufen und schweren Pneumonien mit Todesfolge variieren.
  • Beginn der Erkrankung meist mit folgenden Symptomen, einzeln oder in Kombination laut STAKOB:14
  • Die Auswertung deutscher Fälle des RKI kam zu folgenden Zahlen:8
    • Husten 45 %
    • Fieber 38 %
    • Schnupfen 20 %
    • Geruchs- und Geschmacksverlust 15 %
    • Pneumonie 3 %.
    • Weitere Symptome zusätzlich zu den von STAKOB genannten: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Apathie, Somnolenz.
  • Beeinträchtigung von Geruchs- und Geschmackssinn
    • In der sog. „Heinsberg-Studie“ waren Geruchs- und Geschmacksverlust die am stärksten mit einer SARS-CoV-2-Infektion assoziierten Symptome.39
  • Hautmanifestationen8
    • Es ist eine relativ große Bandbreite an dermatologischen Manifestationen beschrieben, die jedoch insgesamt selten sind (0,2–1,2 %).
    • Dazu zählen u. a. juckende, morbilliforme Ausschläge, Papeln, Rötungen und ein Nesselsucht-ähnliches Erscheinungsbild sowie Hautbläschen.
    • In seltenen Fällen sind schwere Durchblutungsstörungen in den Akren bis hin zur Gangrän beschrieben.
    • Das Auftreten dieser Hautmanifestationen wurde sowohl am Anfang des Krankheitsverlaufs (noch vor anderen bekannten Symptomen) beobachtet als auch im späteren Erkrankungsverlauf.
  • Thromboembolische Ereignisse
    • Gehäuft beobachtet wurden inzwischen thrombembolische Ereignisse in unterschiedlichen Schweregraden, zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Erkrankung und auch bei jungen Erkrankten ohne Risikofaktoren oder Vorerkrankungen.14
    • Die pathologisch erhöhte Blutgerinnung geht bei schweren COVID-19-Verläufen mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien, u. a. in den unteren Extremitäten, sowie Lungenarterien- und zerebrovaskulären Embolien und möglichen Folgeschäden einher.8
  • Neurologische Symptome und Erkrankungen8
    • Als neurologische Symptome wurden Kopfschmerzen, Schwindel und andere Beeinträchtigungen beschrieben, die neuroinvasive Eigenschaften des Virus vermuten lassen.
    • Dazu zählen auch neuropsychiatrische Krankheitsbilder bzw. einzelne Fälle möglicherweise SARS-CoV-2-assoziierter akuter nekrotisierender hämorrhagischer Enzephalopathie und Meningitis.
  • Herz-Kreislauf-Symptome und -Erkrankungen8
    • Eine kardiale Beteiligung ließ sich anhand erhöhter Herzenzyme bzw. Troponin bei einem Teil der Erkrankten nachweisen, darunter auch Kinder und Patient*innen mit mildem oder moderatem Verlauf.
    • Insbesondere bei schweren Infektionen der Atemwege erleidet eine Reihe von Patient*innen kardiovaskuläre Erkrankungen, einschließlich Myokardschädigungen, Myokarditis, akuter Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und venöse thromboembolische Ereignisse.
  • Nierenerkrankungen
    • Insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen COVID-19-Patienten wird das Auftreten von akutem, u. U. dialysepflichtigem, Nierenversagen beobachtet.

Symptome bei Kindern8

  • Am sind häufigsten Husten und Fieber.
  • Magen-Darm-Symptome treten häufiger auf als bei Erwachsenen.
  • In der Mehrzahl eher asymptomatischer oder milder Verlauf.

Unterschiedliche klinische Verläufe14

  • Laut Ergebnissen aus Italien waren gut 40 % der Infizierten asymptomatisch.40
  • 81 % der Erkrankungen verlaufen mild bis moderat.
  • Im Verlauf der Erkrankung kann es bei etwa 20 % der Erkrankten zu einer klinischen Verschlechterung kommen, mit Entwicklung von Dyspnoe, und/oder Hypoxämien, typischerweise ca. 7–10 Tage nach Symptombeginn.5
    • Schwere Verläufe werden vor allem bei älteren Menschen mit Risikoerkrankungen beobachtet, können aber auch bei jüngeren Menschen vorkommen.
    • Dabei ist in vielen Fällen eine stille Hypoxämie zu beobachten, bei der trotz deutlich eingeschränkter Oxygenierung subjektiv keine wesentliche Dyspnoe besteht.14
  • In ca. 5 % der Fälle besteht die Indikation zur intensivmedizinischen Therapie, in 4 % zur Beatmungstherapie aufgrund eines hypoxämen respiratorischen Versagens und ca. 0,5–1 % versterben.14
  • Das klinische Bild lässt keine Unterscheidung von Influenza und anderen respiratorischen Erkrankungen zu.5

Klinische Klassifikation nach Schweregrad14

  • Leicht und unkompliziert (leichte Symptome)
  • Moderat (leichte Pneumonie)
  • Schwere Pneumonie, definiert durch Fieber und Lungeninfiltrate und entweder Atemfrequenz > 30/min, schwere Luftnot oder SpO2 < 90 % bei Raumluft
  • Kritisch (ARDS, Hyperinflammation mit dem klinischen Bild einer Sepsis bzw. eines septischen Schocks mit Multiorganversagen)

Klinische Prädiktoren für einen schweren Verlauf14

  • Prädiktoren für einen schwereren Verlauf scheinen neben Alter (> 50 Jahre), männlichem Geschlecht, Dyspnoe und Persistenz von Fieber auch eine ausgeprägte Lymphozytopenie und eine Erhöhung von Biomarkern  wie CRP, D-DimerLDH, Ferritin und Troponin zu sein.
  • Das Fieber ist durch Antipyretika häufig kaum zu beeinflussen.

CRB-65-Index

  • Zur Einschätzung der Pneumonie-assoziierten Mortalitätswahrscheinlichkeit und der damit verbundenen Indikation zur Klinikeinweisung
  • Einsatz von der DEGAM empfohlen, weitere Informationen zum CRB-65-Index im Abschnitt Indikationen zur Klinikeinweisung.

4C Mortality Score41

  • Auf der Basis der Daten von 35.463 britischen Patient*innen entwickelt, validiert an weiteren 22.361 Patient*innen.
  • Beruht auf 8 Items: 
    • Alter (< 50: 0 P, 50–59: + 2 P, 60–69: + 4 P, 70–79: + 6 P, ≥ 80: +7 P)
    • männliches Geschlecht (+ 1 P)
    • Begleiterkrankungen (1: + 1 P, ≥ 2: + 2 P)
    • Atemfrequenz (< 20/min: 0 P, 20–29/min: + 1 P, ≥ 30/min: + 2 P)
    • periphere Sauerstoffsättigung, Raumluft (≥ 92 %: 0 P, < 92: + 2 P)
    • Glasgow-Coma-Skala (15: 0 P, < 15: + 2 P)
    • Harnstoff (≤ 7 mmol/l: 0 P, 7–14 mmol/l: +1 P, >14 mmol/l +2 P)
    • CRP (<50 mg/dl: 0 P, 50–99 mg/dl: + 1 P, ≥ 100 mg/dl: + 2 P)
  • Punktezahl insgesamt 0–21
    • Score 0–3: Mortalität 1,2 %
    • Score 4–8: Mortalität 9,9 %
    • Score 9–14: Mortalität 31,4 %
    • Score > 15: Mortalität 61,5 %
  • Anwendung für die Hausarztpraxis möglicherweise unpraktisch, weil Laborergebnisse abgewartet werden müssen.

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf

  • Laut einer Schätzung in einer Lancet-Publikation haben ca. 1/5 aller Menschen gesundheitliche Risikofaktoren, die bei COVID-19 einen schweren Verlauf begünstigen.42

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

  • Welche Begleiterkrankungen markieren das größte Komplikationsrisiko?
    1. kardiovaskuläre Erkrankungen (inklusive Hypertonie)
    2. Diabetes mellitus
    3. Adipositas
    4. COPD/Raucher
    5. Immunsuppression
    6. chronische Niereninsuffizienz
  • Mit steigendem Alter erhöht sich zwar das Erkrankungsrisiko, die Letalität beträgt aber bei fehlenden Vorerkrankungen bis zum Alter von 80 Jahren lediglich 5 % (80–90 Jahre: 18 %; > 90 Jahre: 44 % – Nationale Kohorte Dänemark, 9.519 Patient*innen).
  • Folgenden Personengruppen haben laut RKI ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe:8
    • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren)
    • männliches Geschlecht
    • Raucher (schwache Evidenz)
    • stark adipöse Menschen
    • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen
      • des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck)
      • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
      • chronische Nieren- und Lebererkrankungen
      • Diabetes mellitus
      • einer Krebserkrankung
      • mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Kortison).
    • Studiendaten sind aktuell nicht ausreichend, um den Einfluss einer Schwangerschaft auf die Schwere des Krankheitsverlaufs und das Behandlungsergebnis abschließend zu beantworten.
  • Laut der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie ist das Risiko für Krebspatient*innen, durch eine Infektion mit respiratorischen Viren eine Lungenentzündung zu erleiden, deutlich höher als für Gesunde. Dies gilt wahrscheinlich auch für Infektionen durch SARS-CoV-2.43
    • Potenzielle Risikofaktoren, die bei anderen respiratorischen Infektionen eine Rolle spielen sind u. a.:
      • schwere Immunsuppression 
      • Neutropeniephase
      • Lymphozytopenie < 0,2 x 109/l 
      • hereditäre Immundefekte.
  • Den Daten einer kleineren US-amerikanischen Studie zufolge haben Kinder mit Krebserkrankungen kein erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu erkranken oder einen schweren Verlauf zu erleiden.44
  • Laut den Ergebnissen einer chinesischen Fallserie erkranken Patient*innen, die sich während der Inkubationszeit einer elektiven Operation unterziehen, früher an COVID-19 und sterben häufiger an den Komplikationen.45
  • Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hat eine Stellungnahme zur Risikoabschätzung bei Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie herausgegeben. 

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf bei Kindern8

  • In Deutschland wurden für 26 % der hospitalisierten Kinder und für 50 % aller intensivmedizinisch behandelten Kinder Vorerkrankungen berichtet.
  • Bei den hospitalisierten Kindern sind dabei pulmonale (15 %) und kardiale (8 %) Vorerkrankungen häufiger registriert worden.
  • In einer europaweiten Studie waren ein Alter unter 1 Monat, das Vorliegen einer Vorerkrankung sowie Anzeichen einer Infektion der unteren Atemwege Risikofaktoren für eine Aufnahme auf die Intensivstation.
  • Informationen zum „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C)" in Kombination mit einem „Toxic Shock Syndrome" (TSS) sind im Abschnitt Komplikationen zu finden.

Allgemeines zur Untersuchung

  • Empfehlungen der DEGAM für die Hausarztpraxis5
    • Abstriche aus Nase und Oropharynx nur mit Schutzausrüstung
    • Details zum Vorgehen siehe Leitlinienkasten.
  • Die DEGAM empfiehlt alternativ die Selbsttestung durch die betroffenen Personen.5
  • RKI und das Bundesministerium für Gesundheit bieten Informationen zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken (Links beim RKI).
  • Das RKI schlägt mehrere Test- und Untersuchungsszenarien vor, damit Verdachtsfälle getrennt von anderen Patient*innen untersucht werden können. Siehe RKI-Dokument Optionen zur getrennten Versorgung von COVID-19-Verdachtsfällen/Fällen und anderen Patienten im Gesundheitswesen.
  • Zur Ergänzung der molekularen Diagnostik sollte bei schweren Krankheitsverläufen auch eine radiologische/bildgebende Diagnostik erfolgen.3

Spezielle SARS-CoV-2-Diagnostik 

Probeentnahme für die RT-PCR-Diagnostik

  • Das NEJM bietet eine Videoanleitung zur korrekten Abnahme eines Nasopharynxabstrichs.
  • In der seriellen PCR-Untersuchung von Virusproben bei den 9 ersten Infizierten in München (Münchner Kohorte) zeigte sich im gesamten Krankheitsverlauf kein messbarer Unterschied in Viruslast und Virusnachweisbarkeit zwischen Nasopharynx- und Oropharynx-Abstrich.46
    • In der Prodromalphase oder bei anfangs milden Symptomen bieten einfache Rachenabstriche eine ausreichende diagnostische Sensitivität.

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Abstrich – PCR

  • Der Nachweis des Virus im Rachenabstrich mittels des PCR-Tests hat eine Sensitivität von bestenfalls 95 % und eine hohe Spezifität.
    • Welche Sensitivität bzw. Spezifität der Abstrich in der tgl. Routine aufweist, ist jedoch nicht gesichert.
    • Durch falschen Zeitpunkt des Abstrichs (zu früh oder zu spät), falsche Abstrichtechnik oder zu große Zeitverzögerung bis zur Analyse der Probe im Labor wird die Sensitivität weiter vermindert.
  • Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Raten an falsch-negativen Testergebnissen von bis zu 30 % (vereinzelt mehr).
  • Die Rate an falsch-negativen Testergebnissen wird entscheidend von der Vortestwahrscheinlichkeit beeinflusst.
    • Je geringer die Vortestwahrscheinlichkeit (z. B. im anlasslosen Screening), desto weniger falsch-negative Ergebnisse sind zu erwarten.
    • Bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit (typischer Symptomatik, gesicherter Kontakt) steigt die Rate der falsch-negativen Ergebnissen deutlich an.
  • Problematisch bei falsch-negativem Ergebnis ist, dass tatsächlich Erkrankte bzw. Infizierte sich in falscher Sicherheit wähnen und ggf. zu weiteren Infektionen beitragen.
    • Aus diesem Grund sind bei einem dringenden Verdacht auf eine tatsächliche Infektion ein erneuter PCR-Abstrich bzw. die Untersuchung von Antikörpertiter-Verläufen indiziert.
    • Liegt der Symptombeginn länger als ca. 10 Tage zurück, sollten von vornherein AK-Titer bestimmt werden, da hier die Sensitivität eines PCR-Abstrichs zu gering wird.
    • Bei der Untersuchung asymptomatischer Kontaktpersonen der Kategorie I ist ein einmaliger negativer Abstrich ebenfalls nicht als ausreichend sicher anzusehen.
  • Bei der PCR gibt es auch falsch-positive Testergebnisse, die insbesondere bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit (z. B. keine bekannte Infektionsquelle, keine typischen Symptome) vermehrt auftreten.
  • Wie hoch die Spezifität der PCR ist, kann derzeit nicht genau angegeben werden, da dazu bisher wenige Daten publiziert wurden.
    • In Labor-Ringversuchen aus Deutschland lag die Spezifität bei ca. 98 %.
    • Bei einem falsch-positiven PCR-Befund wird eine Person zu Unrecht in Quarantäne geschickt.
    • Es besteht die Gefahr, dass diese sich bezüglich einer evtl. Immunität anschließend in falscher Sicherheit wähnt.
    • Bei Verdacht auf ein falsch-positives Abstrichergebnis kann eine zusätzliche Antikörperbestimmung im weiteren Verlauf der Erkrankung/Quarantäne ggf. zur Klärung beitragen.
  • Die größte Wahrscheinlichkeit, bei Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus mithilfe eines Rachenabstrichs ein positives Testergebnis zu erhalten, besteht innerhalb der ersten 3–4 Tage nach Symptombeginn, danach sinkt die Wahrscheinlichkeit.
  • Auch 1–2 Tage vor Symptombeginn stehen die Chancen gut – was selbstverständlich nur retrospektiv beurteilt werden kann.
  • Tief-nasale, nasopharyngeale und Rachenabstriche (sowie Speichelproben bei Kindern im Vorschulalter) sind nach aktueller Beleglage höchstwahrscheinlich als gleichwertige Methoden zum Virusnachweis geeignet.
  • Wichtig!
    • Eine Testung auf SARS-CoV-2 mittels PCR-Abstrich ist dazu geeignet, eine akute Infektion nachzuweisen.
    • Der Abstrich ist jedoch nicht dazu geeignet, eine Infektion mit absoluter Sicherheit auszuschließen (zu niedrige Sensitivität)!
    • Eine Antikörper-Untersuchung kann dazu beitragen, den Verdacht auf ein falsch-positives Ergebnis (retrospektiv) zu klären.

Empfehlungen des RKI

  • Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) sollten je nach klinischer Situation möglichst Proben parallel aus den oberen und den tiefen Atemwegen entnommen werden (Schutzmaßnahmen beachten).35
    • obere Atemwege
      • Nasopharynx-Abstrich oder -Spülung
      • Oropharynx-Abstrich
    • tiefe Atemwege
      • bronchoalveoläre Lavage
      • Sputum (nach Anweisung produziert bzw. induziert; Arbeitsschutz beachten)
      • Trachealsekret
    • Für den Virusnachweis geeignete Tupfer sollen verwendet werden: „Virustupfer“ mit entsprechendem Transportmedium oder notfalls trockene Tupfer mit kleiner Menge NaCl-Lösung; kein Agar-Tupfer.35
    • Alle Proben sollten das Labor schnellstmöglich erreichen.35
      • Erfolgt dies voraussichtlich innerhalb von 72 Stunden, kann die Probe bei 4 °C gelagert und wenn möglich gekühlt versendet werden.
  • Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht aus.35
    • Ein negatives Testergebnis bei Kontaktpersonen 1. Grades ist kein Anlass, eine Quarantänezeit zu verkürzen.
    • Das am besten geeignete Untersuchungsmaterial ist vom Zeitpunkt der Entnahme im Verlauf der Erkrankung abhängig.
    • Bei tiefen Atemwegsinfektionen ist die alleinige Testung von Probenmaterial aus dem Oro- und Nasopharynx zum Ausschluss einer Infektion nicht geeignet, da in dieser Phase der Erkrankung ggf. nur Material aus dem unteren Respirationstrakt oder Stuhl in der PCR positiv ist.
  • Weiterführende Informationen und ein Diagramm zum zeitlichen Verlauf verschiedener Testergebnisse bietet die Information des RKI zur SARS-CoV-2-Diagnostik.

Schnelltests

  • Nach Einschätzung des Arznei-Telegramms sollten Schnelltests überhaupt nicht verwendet werden.47
    • u. a. wegen fehlender unabhängiger Validierung der Tests
  • Die im untenstehenden Leitlinienkasten Antikörper – ELISA und im Abschnitt Serologische Tests geschilderten Einschränkungen bei der Verlässlichkeit der Ergebnisse von serologischen Tests gelten auch für Schnelltests.

Antigen-Test3

  • Test, der innerhalb von wenigen Minuten eine akute Infektion mit SARS-CoV-2 aus einem Rachenabstrich identifizieren soll.
  • Allerdings weisen bisherige Testverfahren eine Infektion lange nicht so zuverlässig nach wie ein PCR-Test.

Selbstabstrich

  • Die DEGAM empfiehlt Selbstabstriche als pragmatisches und ausreichend zuverlässiges Verfahren.5
    • Patient*innen (oder Angehörige) können Teströhrchen an der Praxis (Übergabe kontaktlos draußen) abholen, den Test durchführen und dann das Röhrchen ebenso kontaktlos wieder an der Praxis abgeben.
    • Die DEGAM hat eine Anleitung zum Selbsttest herausgegeben.
  • Eine US-amerikanische Studie, die Selbstabstriche mit Abstrichen durch medizinisches Personal vergleicht, belegt den ausreichenden Nutzen von Selbstabstrichen: Die Sensitivität lag dabei bei 89,8 % (Zunge), 94 % (Nase) und 96,2 % (Nasenmuschelabstrich), verglichen mit einem Nasopharyngealabstrich durch medizinisches Personal.48

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Antikörper – ELISA

  • Nach vorliegenden Daten können infizierte/erkrankte Patient*innen Antikörper frühestens nach 7–11 Tagen entwickeln.
    • Daher erscheint es nicht sinnvoll, einen serologischen Test vor Ablauf von 2 Wochen durchzuführen.
  • Nicht alle aktuell verfügbaren Antikörper-Tests sind ausreichend extern evaluiert. Die berichteten Sensitivitäten und Spezifitäten unterscheiden sich in Abhängigkeit von Studie, Test und dem Tag der Blutentnahme nach vermuteter Infektion sowie Schwere der Erkrankung.
    • Je leichter die Erkrankung war, desto unwahrscheinlicher ist ein Antikörpernachweis; auch gibt es
      Hinweise, dass Antikörperspiegel nach leichter/asymptomatischer Erkrankung rasch wieder
      unter die Nachweisgrenze abfallen.
    • Die Sensitivität ist mit Vorsicht zu betrachten, da sie sich zumindest in den ersten Wochen nach Infektion meist als niedriger erweist als von den Firmen angegeben.
  • Grundsätzlich ist zu beachten:
    • Der negativ prädiktive Wert ist aktuell eher hoch (negatives Testergebnis = hohe Wahrscheinlichkeit, keine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht zu haben), wenn ein ausreichend langer Zeitabstand von mindestens 14 Tagen zur vermuteten Infektion besteht.
      • Das Problem des raschen Antikörperspiegel-Abfalls nach leichter Erkrankung (s. o.) ist zu beachten.
    • Der positiv prädiktive Wert (PPW) ist derzeit bei Einsatz als Screeninginstrument wegen niedriger Durchseuchung gering (ein positives Testergebnis ist also oft falsch positiv).
      • Der PPW ist aber sehr von der Vortestwahrscheinlichkeit abhängig und daher einige Wochen nach einem klinischen V. a. eine 
        COVID-19-Erkrankung (z. B. bei Geruchssinnstörung
        o. Ä.) deutlich höher.
    • Es fehlt ein unabhängiger Bestätigungstest (analog z. B. dem Western-Blot bei positivem HIV-Antikörpernachweis), da der prinzipiell geeignete „Neutralisationstest" wegen des hohen Aufwands nicht als Routineverfahren eingesetzt werden kann.
  • Ohne Kenntnis der aktuellen Durchseuchung bleibt die Interpretation des ELISA daher schwierig!
  • Ein falsch positives Testergebnis kann schwerwiegende Konsequenzen haben: Getestete Person denkt, sie sei immun, ist es aber nicht.
  • Für die epidemiologische Fragestellung der Durchseuchung ist der Einsatz der ELISA-Antikörper-Testungen geeignet.
  • Wichtig!
    • Eine Testung auf Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus ist nicht dazu geeignet, eine akute Infektion sicher nachzuweisen oder auszuschließen!
    • Ein positiver Antikörpernachweis kann ein falsch positives Ergebnis sein.
    • Zudem weist selbst ein richtig positiver ELISA im Einzelfall keine sichere Immunität nach!
    • Wir raten in der momentanen Situation, ELISA-Antikörper-Testungen nur in gut begründeten Fällen durchzuführen und das Ergebnis entsprechend vorsichtig zu interpretieren.
    • Aktuell verfügbare Schnelltests sollten grundsätzlich nicht eingesetzt werden (sie haben eine noch geringere Aussagekraft als der ELISA).
    • Leider sind diese frei im Internet zu erwerben und können auch von nichtärztlichen Stellen verwendet werden.

Serologische Tests

  • Mit den derzeit am Markt befindlichen serologischen Tests kann bei einmaliger Untersuchung noch nicht ausreichend sicher festgestellt werden, ob eine akute Infektion vorliegt.3
  • Sollte im Rahmen einer Untersuchungsserie bei einer Person eine Serokonversion festgestellt werden, kann dies auf eine akute Infektion hinweisen.3
    • Ob der Nachweis der Antikörper mit einer Immunität gleichzusetzen ist, ist noch unklar.
  • Der Befund einer Serokonversion bei einem gleichzeitigen negativen oder fraglichen PCR-Test einer Person mit noch bestehender COVID-19-kompatibler Symptomatik sollte Anlass für eine zweite PCR-Untersuchung sein.35
    • Der alleinige Nachweis von SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern schließt die Infektiosität von Patient*innen nicht aus.
    • Es fehlen systematische Studien, um zu beurteilen, ob bzw. welche Antikörpertiter mit einem Schutzstatus gegen eine Re-Infektion verbunden sind.
  • Ein Cochrane-Review kommt zu dem Schluss, dass die Sensitivität von Antikörpertests frühestens 15 Tage nach Symptombeginn über 90 % liegt.49
    • Die Dauer der Erhöhung des Antikörpertiters nach einer Infektion ist derzeit unbekannt. Die Autor*innen können deshalb keine Aussage zum Nutzen von Antikörpertests für epidemiologische Fragen und für gesundheitspolitische Entscheidungen treffen.
  • Das RKI bietet einen Überblick über laufende seroepidemiologische Studien in Deutschland.

Warten auf das Testergebnis

  • Schon bevor das Testergebnis vorliegt, sollten Betroffene sich selbst isolieren, d. h. zuhause bleiben, alle engen Kontakte unter 2 m meiden, gute Händehygiene einhalten und bei Kontakt zu anderen (falls vorhanden) einen Mund-Nasen-Schutz tragen.3

Weitere Untersuchungen (in der Klinik)

Labor14

  • CRP (bei COVID-19 stärker erhöht als bei anderen viralen Infektionen, Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Differenzialblutbild (Leukozytose/Leukopenie, Lymphopenie als Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Troponin (Hinweis auf kardiale Beteiligung, Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • D-Dimere (Hinweis auf thromboembolische Ereignisse, mit einer deutlich erhöhten Mortalität assoziiert)
  • LDH (Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Abnahme von mehreren Blutkulturen
  • Urin-Diagnostik auf Pneumokokken, Legionellen
    • Laut den vorläufigen Ergebnissen einer Forschungsgruppe aus Göttingen sowie den Resultaten einer chinesischen Studie können Leukozyturie, Albuminurie und Hämaturie Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für eine respiratorische Dekompensation geben.50-51
  • Je nach Verlaufsform Nieren- und Leberfunktionsparameter, Elektrolyte
  • Procalcitonin: selten erhöht, evtl. Hinweis auf bakterielle Infektion
  • Ferritin, IL-6 zur Diagnose einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose30

Röntgenthorax

  • Im konventionellen Röntgenbild des Thorax werden bei 50–60 % der Erkrankten Veränderungen sichtbar.14

Thorax-CT

  • Die Bildgebung mit der stärksten diagnostischen Aussagekraft bei Lungenbeteiligung im Rahmen von COVID-19 ist die Thorax-CT.
  • Laut einer deutschen Studie hat die Niedrigdosis-Computertomografie eine mit der PCR vergleichbare Sensitivität, ihr Ergebnis liegt schneller vor und negative Abstrichergebnisse können korrigiert werden.52 
  • In der CT-Untersuchung der Lunge werden in ca. 85 % der Fälle Veränderungen gefunden.14
  • Typische Befunde sind multiple Milchglastrübungen, Konsolidierungen und Verdickung der Interlobärsepten beidseitig. Die pathologischen Veränderungen sind am häufigsten subpleural gelegen.53
  • Die Deutsche Gesellschaft für Intensivmedizin schreibt jedoch hierzu in ihrer S1-Empfehlung zu COVID-19: Aufgrund des Risikos für Mitarbeiter*innen und Patient*innen sollte eine CT bei Intensivpatient*innen nur bei therapeutischer Konsequenz durchgeführt werden.54

Lungensonografie

  • Laut S1-Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Intensivmedizin werden bettseitige Untersuchungen, wie Ultraschall, bei der Bildgebung bei Lungenbeteiligung bei COVID-19 bevorzugt.54
  • Pleuraerguss und subpleurale Konsolidierungen können sonografisch gut dargestellt werden.55
  • Auch die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt bei Verdacht auf COVID-19 die Durchführung eines Point-of-Care-Ultraschalls der Lunge bei Patient*innen mit respiratorischer Insuffizienz sowie dem Verdacht auf eine Lungenentzündung.56

Indikationen zur Klinikeinweisung

Vorgehen laut DEGAM5

  • Klinisch schwere Verdachtsfälle auf COVID-19 ohne Testung einweisen.
  • Schweregrad einer Pneumonie mit CRB-65-Index abschätzen. 
    • CRB-65-Index (klinischer Score zur statistischen Wahrscheinlichkeit des Versterbens, 1 Punkt für jedes festgestellte Kriterium [max. 4]):
      • Pneumonie-bedingte Verwirrtheit, Desorientierung
      • Atemfrequenz ≥ 30/min
      • Blutdruck diastol. ≤ 60 mmHg oder systol. < 90 mmHg (wenn anderweitig nicht erklärbar)
      • Alter ≥ 65 Jahre.
    • Stationäre Aufnahme: Ab 1 Punkt erwägen, ab 2 Punkten immer!
  • Es gibt keine validierten Scores mit einfachen Cut-Off-Werten, die die hausärztliche Abwägung und Entscheidung zur stationären Einweisung ersetzen könnten. Auch der CRB-65-Index stellt nur eine Entscheidungshilfe dar. Das hausärztliche Urteil setzt sich aus einer Vielzahl weiterer Informationen zusammen, wie z. B.:
    • Allgemeinzustand (Exsikkose)
    • Blässe/Schweißigkeit
    • subjektive Atemnot (in Ruhe, bei Belastung)
    • Husten
    • Herzfrequenz
    • Sauerstoffsättigung (wenn Gerät vorhanden)
    • Körpertemperatur
    • Ergebnis der körperlichen Untersuchung, insbesondere des Auskultationsergebnisses (wenn möglich)
    • Komorbidität, Risikofaktoren, Medikation, Immunsuppression
    • „biologisches“ Alter
    • Möglichkeiten zur häuslichen Versorgung etc.
  • Grundsätzlich müssen die Patient*innen oder die Vertreter einer Krankenhauseinweisung als Option zustimmen.
  • Cave: Der CRB65-Score kann insbesondere bei jüngeren Patient*innen die Schwere der Krankheit unterschätzen!57

Ambulantes Management von COVID-19-Verdachtsfällen und leicht erkrankten COVID-19-Patient*innen

Ambulantes Management von COVID-19-Verdachtsfällen58

  • Leicht erkrankte Patient*innen ohne Risikofaktoren für Komplikationen (z. B. Immunsuppression, relevante chronische Grunderkrankungen, hohes Alter) können bei Gewährleistung einer ambulanten ärztlichen Betreuung – sowie im Austausch mit dem zuständigen Gesundheitsamt im Falle eines begründeten Verdachtsfalls – bis zum Vorliegen der endgültigen Untersuchungsresultate zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer COVID-19-Verdachtsdiagnose in das häusliche Umfeld zurückkehren.
    • Eine Unterbringungsmöglichkeit in einem gut belüftbaren Einzelzimmer sollte gewährleistet sein.

Ambulantes Management von leicht erkrankten bestätigten COVID-19-Erkrankten58

  • Leicht erkrankte Patient*innen ohne Risikofaktoren für Komplikationen (z. B. Immunsuppression, relevante chronische Grunderkrankungen, hohes Alter) können bei Gewährleistung einer ambulanten ärztlichen Betreuung sowie im Austausch mit dem zuständigen Gesundheitsamt bis zur vollständigen Genesung im häuslichen Umfeld behandelt werden.
    • Eine Unterbringungsmöglichkeit in einem gut belüftbaren Einzelzimmer sollte gewährleistet sein.
    • keine Haushalts­an­ge­hörigen mit Risiko­faktoren für einen schweren Krankheits­verlauf/Kom­pli­ka­tionen bei Infek­tion
    • Keine Haus­halts­an­ge­hörigen, die mit der Betreuung von kranken Menschen befasst sind (z. B. medizinisches Personal).

Kontrolle bei ambulanter Versorgung

  • Vor allem Patient*innen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sollten engmaschig kontrolliert und ggf. frühzeitig in eine stationäre Versorgung eingewiesen werden.14
  • Kontrolle der klinischen Symptomatik nach 7–10 Tagen in der ambulanten Versorgung zwingend erforderlich, Einweisung der Patient*innen bei Verschlechterung der klinischen Symptomatik oder ausbleibender Besserung, insbesondere bei Weiterbestehen oder Zunahme von Fieber oder Dyspnoe.14
  • Zur Beurteilung von Atemnot im Telefongespräch mit Patient*innen kann die BMJ-Leitlinie Covid-19: a remote assessment in primary care (Box 1) hilfreich sein. 

Informationen

Therapie

Therapieziele

  • Symptome lindern.
  • Komplikationen und Ateminsuffizienz behandeln.
  • Ausbreitung der Infektion verhindern.

Allgemeines zur Therapie14

Ambulante Behandlung bei unkomplizierter Erkrankung

  • Bei unkomplizierter Erkrankung ist eine rein symptomatische Therapie empfohlen.
    • Nur bei stationärer Behandlung kann der Einsatz der derzeit in klinischer Erprobung befindlichen Arzneimittel erwogen werden.
    • Vom Einsatz von Hydroxychloroquin (HCQ) bei der Behandlung ambulanter COVID-19-Patient*innen wird abgeraten.
  • Schwangere 
    • Empfehlungen des Royal College of Obstetricians and Gynecologists: Da COVID-19 mit einer Hyperkoagulabilität einhergehen kann und es auch in der Schwangerschaft physiologisch zu einer Hyperkoagulabilität kommt, sollte die Indikation zur Thromboseprophylaxe sorgfältig geprüft werden.59
  • Antikoagulation im ambulanten Setting5
    • Obwohl wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit einer Antikoagulation bereits im ambulanten Bereich bislang fehlen, kann man bei nicht-antikoagulierten Risikopatient*innen (d. h. Patient*innen mit Begleiterkrankungen) mit positivem PCR-Abstrich eine prophylaktische Heparinisierung bei deutlich erhöhten D-Dimeren erwägen. Bei Übergewicht (BMI > 30 analog KG > 100 kg) kann die Standarddosis verdoppelt werden.
  • Fiebersenkung5
    • Wenn eine Fiebersenkung notwendig ist, sollte insbesondere bei älteren Patient*innen mit kardiovaskulären und/oder renalen Vorerkrankungen Paracetamol anstelle von NSAR verabreicht werden.

Stationäre Behandlung

  • Verschiedene Substanzen wurden in den vergangenen Wochen, u. a. von der WHO für die Untersuchung in klinischen Studien bei COVID-19-Patient*innen priorisiert.14
  • Die Deutsche Gesellschaft für Intensivmedizin empfiehlt den Einsatz von Dexamethason bei beatmungspflichtigen Erkrankten.54
  • Am 03. Juli 2020 hat die Europäische Kommission die bedingte Zulassung für Remdesivir erteilt.
  • Der Einsatz anderer antiviraler Arzneimittel ist allenfalls laut STAKOB erst bei schweren Verlaufsformen im Rahmen klinischer Studien oder einer Einzelfallentscheidung zu erwägen.14
  • Unter dem folgendem Link sind zusätzlich Arzneimittelinteraktionen der verschiedenen experimentellen Therapeutika einsehbar: www.covid19-druginteractions.org.
  • Beim BfArM finden sich weitere Informationen zu den derzeit auf ihre klinische Wirksamkeit untersuchten Arzneimitteln.

Allgemeine Maßnahmen (bei stationärer Versorgung)14

  • Bei Zunahme der Dyspnoe, vermehrter Hypoxämie und Persistenz von Fieber sollte ein möglicher schwerer Verlauf in Betracht gezogen werden.
  • Patient*innen mit schwerem und kritischem Verlauf sollten frühzeitig einer intensivmedizinischen Überwachung und Versorgung zugeführt werden.
  • Zusätzlich beachtet werden sollten klinische Hinweise auf mögliche thrombembolische Ereignisse (z. B. TVT, LAE) und ggf. eine frühzeitige Diagnostik und Therapie eingeleitet werden.
  • Restriktive Flüssigkeitstherapie (da diese die Oxygenierung verschlechtern kann)
  • Konsequente Einleitung einer Thromboseprophylaxe, ggf. therapeutische Antikoagulation unter Berücksichtigung des möglichen Blutungsrisikos
  • Sauerstoffgabe (nasal, Maske, ggf. High-Flow), je nach Bedarf, Ziel SpO2 > 90 % (> 92–95 % bei Schwangeren) 
  • Sofern möglich bereits Bauchlagerung bei wachen Patient*innen („Awake Proning“), ggf. nasale „High-Flow“-Sauerstofftherapie, nichtinvasive oder invasive Beatmung
    • bei Bedarf ECMO, frühzeitige Kontaktaufnahme mit regionalem ECMO-Zentrum zur Beratung bei schwierigen Beatmungssituationen

Medikamentöse Therapie

  • Laut den Autor*innen eines permanent aktualisierten systematischen Reviews mit Netzwerk-Metaanalyse (living review) zur Therapie bei COVID-19 spricht die untersuchte Evidenz dafür, 60
    • dass Glukokortikoide wahrscheinlich die Mortalität und die Notwendigkeit bzw. Dauer einer mechanischen Beatmung bei Patient*innen mit schwerer COVID-19-Erkrankung reduzieren und
    • dass Remdesivir wahrscheinlich die Dauer bis zur Symptomfreiheit vermindert.
  • Ein Einfluss von Remdesivir auf andere wichtige Outcomes, wie Mortalität, bleibt unsicher.
  • Der Effekt der meisten derzeit erprobten Arzneimittel sowie nichtmedikamentöser Interventionen bleibt weiterhin höchst unsicher.

Dexamethason

  • Laut den Ergebnissen der britischen RECOVERY-Studie senkt niedrig-dosiertes Dexamethason (6 mg 1 x/d) die Sterblichkeit von beatmeten oder sauerstoffpflichtigen COVID-19-Patient*innen.61
    • Die 28-Tage-Sterblichkeit mechanisch beatmeter Erkrankter wurde um 35 % gesenkt (NNT 8).
    • Bei sauerstoffpflichtigen Patient*innen sank die Sterblichkeit um 20 % (NNT 25).
    • keine Wirksamkeit bei Betroffenen ohne Unterstützung der Atmung
  • Der STAKOB am RKI hält eine Therapie mit Dexamethason bei Patient*innen mit invasiver Beatmung oder Sauerstofftherapie mit einer Krankheitsdauer von mind. 7 Tagen für indiziert.14
  • Die Deutsche Gesellschaft für Intensivmedizin empfiehlt den Einsatz von Dexamethason bei beatmungspflichtigen Erkrankten (6 mg/d für 10 Tage)54, und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin empfiehlt eine Therapie mit der o. g. Dosierung und Dauer zusätzlich auch bei Indikation zur Sauerstoffgabe.62
  • Aufgrund einer numerischen Zunahme der Sterblichkeit in der RECOVERY-Studie sollten Erkrankte ohne Sauerstoff- oder Beatmungspflichtigkeit nicht mit Dexamethason behandelt werden.63

Remdesivir

  • Laut den Ergebnissen einer US-amerikanischen „adaptiven" randomisierten Studie soll Remdesivir die Zeit bis zur Genesung von hospitalisierten COVID-19-Erkrankten von 15 auf 11 Tage verkürzen.64
    • Im Verlauf der Studie wurden die zuvor primären Endpunkte Beatmungspflicht und Mortalität verlassen.
    • Die Ergebnisse zur Verminderung der Mortalität sind nicht signifikant.65
    • Die Daten werden vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) als ausreichend angesehen, und es werden keine weiteren Patient*innen in die Studie aufgenommen.66
  • Laut Einschätzung des Arzneitelegramms lassen sich aus den bislang bekannt gewordenen Daten zu Remdesivir bei COVID-19 keine hinreichend sicheren Aussagen zum Nutzen ableiten.65
  • Informationen zu Indikationen und Kontraindikationen sowie Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zum Einsatz von Remdesivir finden Sie in den aktuellen Empfehlungen von STAKOB.14
  • Am 03.07.2020 hat die Europäische Kommission die bedingte Zulassung für Remdesivir erteilt.
    • Remdesivir ist für die Behandlung von einer an COVID-19-Pneumonie erkrankten, sauerstoffpflichtigen erwachsenen Person und für Jugendliche ab einem Alter von 12 Jahren indiziert.14
  • Laut Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Intensivmedizin kann ein Einsatz bei schwerer COVID-Erkrankung (pulmonale Manifestation, Hospitalisierung) erwogen werden.54
  • Remdesivir ist in Deutschland noch nicht offiziell im Handel. Vom Bundesgesundheitsministerium wird das vom Hersteller zur Verfügung gestellte Medikament über Krankenhausapotheken kostenlos verteilt.67

Pharmaka ohne nachgewiesene Wirkung

  • Hydroxychloroquin wird von der WHO als wirkungslos eingestuft (u. a. auf der Basis der SOLIDARITY-Studie und eines Cochrane-Reviews).68-69
  • Laut den Ergebnissen eines Rapid Reviews gibt es für Azithromycin keine Evidenz, außer wenn damit bakterielle Superinfektionen behandelt werden.70
    • Die Evidenz die Kombination von Azithromycin und Hydroxychloroquin ist extrem limitiert.
  • Die Universität Oxford beendet den Lopinavir/Ritonavir-Arm der RECOVERY-Studie und die WHO den Lopinavir/Ritonavir-Arm der SOLIDARITY-Studie wegen Wirkungslosigkeit in der Therapie von COVID-19.71-72
  • Dem Hersteller zufolge hat der Antikörper Tocilizumab in einer Phase-3-Studie keinen relevanten Effekt bei COVID-19-Erkrankten mit schwerer Pneumonie.73
  • Laut eines Cochrane Rapid Reviews ist die Evidenzlage zum Nutzen und zu den Nebenwirkungen von Plasmatherapie (Rekonvaleszentenplasma) bei COVID-19 sehr unsicher.74

Empfehlungen von Behörden und Fachgesellschaften

Pläne und Empfehlungen von Behördenseite

  • Die Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt, den Einsatz von Remdesivir bei Heilversuchen auf beatmete Patient*innen zu beschränken, bei denen es noch nicht zu einem Multiorganversagen gekommen ist.75
    • Es gibt noch keine sicheren Belege für eine Wirksamkeit, aber Hinweise auf Hepatotoxizität.
    • Abgeraten wird von einer Anwendung bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion.
  • Die WHO testete in einer globalen Studie (SOLIDARITY) 4 Medikamente zur Behandlung von COVID-19: Remdesivir (ursprünglich gegen Ebola entwickelt), Chloroquin (Malaria-Medikament), Lopinavir/Ritonavir (HIV-Medikament) und diese Kombination ergänzt um Beta-Interferon.2
    • Die Untersuchung von Hydroxychloroquin in der SOLIDARITY-Studie wurde wegen Nutzlosigkeit endgültig eingestellt.68
    • Auch der Lopinavir/Ritonavir-Arm wurde wegen Wirkungslosigkeit eingestellt.72
  • In einer Drug Safety Mail weist die AKDÄ auf die von der Bundesregierung eingeleitete zentrale Beschaffung von Off-Label-Medikamenten für die Behandlung von COVID-19 hin und stellt eine Tabelle zu Kontraindikationen sowie Neben- und Wechselwirkungen von (Hydroxy-)Chloroquin, Lopinavir/Ritonavir, Favipiravir und Camostat zur Verfügung.

Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin54

  • Eine Aufnahme auf die Intensivstation von COVID-19-Erkrankten ist sinnvoll, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
    • Hypoxämie SpO2 < 90 % (unter 2–4 Liter Sauerstoff/min bei nicht vorbestehender Therapie) und Dyspnoe
    • Atemfrequenz > 25–30/min
    • systolischer Blutdruck ≤ 100 mmHg
    • erhöhte Laktatwerte.
  • Für folgende Therapien wird ein Einsatz außerhalb klinischer Studien nicht empfohlen:
    • antiviral
      • Chloroquin/Hydroxychloroquin +/– Azithromycin
      • Interferon beta-1b
      • Lopinavir/Ritonavir
    • immunmodulatorisch
      • Tocilizumab
      • Anakinra
    • Rekonvaleszentenplasma.
  • Empfohlen wird der Einsatz von Dexamethason bei beatmungspflichtigen Erkrankten (6 mg/d für 10 Tage).
  • Ein Einsatz von Remdesivir kann bei schwerer COVID-Erkrankung (pulmonale Manifestation, Hospitalisierung) erwogen werden.
  • Eine prophylaktische Antibiotikagabe wird nicht empfohlen.

Gefährdung durch Einnahme von Ibuprofen, Sartanen oder ACE-Hemmern?

  • Neuen Publikationen zufolge ist die Einnahme von Blutdruckmedikamenten (ACE-Hemmer, Sartane) nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit oder einem schweren Verlauf von COVID-19 assoziiert.76
  • Von einem Absetzen oder Umsetzen der Blutdruckmedikation wird laut ESC (European Society of Cardiology) klar abgeraten.
  • Im Allgemeinen (gilt für alle Altersgruppen) sind die bisherigen Bedenken gegen die Einnahme von NSAR bei COVID-19 durch eine nationale Kohortenstudie aus Dänemark weitgehend ausgeräumt.5
    • Wenn eine Fiebersenkung notwendig ist, sollte insbesondere bei älteren Patient*innen und Betroffenen mit kardiovaskulären und/oder renalen Vorerkrankungen Paracetamol anstelle von NSAR verabreicht werden.

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie43

  • Die bisherigen Erfahrungen in Deutschland zeigen, dass die Therapie bei der großen Mehrzahl der Patient*innen weiter unverändert nach gültigen Therapiestandards durchgeführt werden kann und wird.
  • Bei infektiös symptomatischen Patient*innen können Therapien verschoben werden, wie dies auch bei anderen Virusinfektionen geschehen muss.
  • Eine ausführliche und regelmäßig aktualisierte Version der Leitlinie mit detaillierten Angaben zum Vorgehen bei einzelnen onkologischen Krankheitsbildern ist unter www.onkopedia.com zu finden.

Empfehlungen der Global Initiative for Asthma (GINA)77 

  • An Asthma Erkrankte sollten inhalative Medikation, inkl. ICS, wie verordnet, fortsetzen.
  • Falls indiziert, sollten Asthma-Patient*innen bei einem Asthmaanfall orale Kortikosteroide, wie verordnet, einnehmen.
  • Die Verwendung von Verneblern sollte wegen der Gefahr der Verbreitung von COVID-19 vermieden werden.
  • Aus diesem Grund sollten auch Routine-Spirometrien verschoben werden.

Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft78

Bei COVID-19
  • Bei blandem Verlauf: orale Antidiabetika bzw. Fortführen der bestehenden Therapie
  • Falls orale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist: s. c. Insulintherapie.
  • Intensivpflichtige Patient*innen: i. v. Insulintherapie
Bei Diabetes und schweren Verläufen von COVID-19
  • Sulfonylharnstoffe sollten wegen der Gefahr von Hypoglykämien bei Kumulation aufgrund einer (transienten) Niereninsuffizienz pausiert werden.
  • SGLT2-Inhibitoren
    • pausieren bei:
      • Fieber > 38,5 °C
      • eingeschränkter Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme und/oder Insulinmangel (dabei Überprüfung des Säure-/Basenhaushaltes, der Ketone im Serum und der Nierenfunktion).
    • Wiederaufnahme der Therapie erst:
      • bei Fieberfreiheit
      • ausreichender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme
      • eGFR > 60 ml/min/1,73 kg/m2
      • ausgeglichenem Säure-/Basenhaushalt und nicht erhöhter Ketone im Serum.
    • Bei einer vorbestehenden Dapagliflozin-Therapie bei Typ 1 Diabetes mellitus soll diese generell bei akuten Infektionskrankheiten – einschließlich COVID-19 – pausiert werden.
  • Metformin
    • Pausieren bei Fieber > 38,5 °C
    • engmaschige Überprüfung der Nierenfunktion
    • Überprüfung des Säure-/Basenhaushalts und des Laktats im Serum bei vorheriger Metformin-Einnahme und fortgeschrittener Niereninsuffizienz oder passagerem Nierenversagen
    • Wiederaufnahme der Therapie erst bei Fieberfreiheit, ausreichender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, eGFR > 30 ml/min/1,73 kg/m2 und Ausschluss einer Hypoxämie
  • DPP4-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptor-Antagonisten müssen nicht pausiert werden.

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie79

  • Ein generelles Pausieren oder eine generelle Reduktion der Immunsuppression wird nicht empfohlen, da die Pandemie voraussichtlich länger andauern wird und immunsupprimierte Patient*innen im Falle einer Therapiereduktion oder eines Aussetzens der Immunsuppression einem erhöhten Risiko von Rezidiven ausgesetzt wären.
  • Bei symptomatischen Patient*innen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion soll die antirheumatische Medikation pausiert werden (bis auf eine evtl. Glukokortikoid-Therapie).
  • Bei asymptomatischen Patient*innen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion sollte ein Pausieren oder Herauszögern von Therapien mit Biologika und zielgerichteten, synthetischen Basismedikamenten für die Dauer der mittleren Inkubationszeit erwogen werden.

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie 80

  • Schwer erkrankte, intensivpflichtige COVID-19-Patient*innen sollten neurologisch mitbetreut werden.
  • Es soll aktiv nach einer Mitbeteiligung des zentralen oder peripheren Nervensystems gesucht werden.
  • Bei Verdacht auf eine zerebrale oder auch spinale Beteiligung durch COVID-19 sollte ein CT oder ein MRT durchgeführt werden.
  • Immuntherapie
    • Im Fall einer COVID-19-Erkrankung sollten insbesondere Aspekte wie Krankheitsaktivität der zugrunde liegenden neurologischen Erkrankung sowie der bisherige Therapieverlauf berücksichtigt und die Immuntherapie ggf. pausiert werden.

Medikamentöse Behandlung von Kindern

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie

  • Empfehlungen zum Management von Patient*innen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen während der COVID-19-Pandemie finden Sie in den Artikeln M. Crohn und Colitis ulcerosa.

Ethische Aspekte und Empfehlungen zur Palliativversorgung

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

  • Es ist eine hausärztliche Pflicht, den Patientenwillen und das Selbstbestimmungsrecht zu beachten.
  • Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass alle medizinisch notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden können, auch in Pflegeeinrichtungen.
  • Es ist – nicht nur in Zeiten der Pandemie – wichtig, auf mögliche Notfälle vorbereitet zu sein, um für die Betroffenen, Angehörigen, Pflegenden und Ärzt*innen Handlungssicherheit zu schaffen.
  • Hinweise zur präklinischen patientenzentrierten Vorausplanung für den Notfall sind neben dieser Leitlinie auf www.degam.de publiziert, ebenso Hilfen zur Dokumentation.
  • Bei Fragen zur palliativen Betreuung von Patient*innen mit Atemnot empfehlen wir eine Zusammenarbeit mit den regionalen SAPV-Teams.

Wiederbelebungsmaßnahmen

  • Der Deutsche Rat für Wiederbelebung hat eine Aktualisierte Stellungnahme zur Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen im Umfeld der COVID-19-Pandemie herausgegeben.82
  • Versorgung durch Ersthelfer*innen
    • Laien sollen keine Atemkontrolle in der Nähe des Gesichts der Betroffenen durchführen, sondern sich auf die Überstreckung des Nackens mit Anheben des Kinns und die Beobachtung von Brustkorbbewegungen beschränken.
      • Wenn die Person nicht reagiert und keine Brustkorbbewegungen erkennbar sind, ist davon auszugehen, dass sie nicht atmet.
    • Die Wiederbelebungsmaßnahmen durch Laien und Ersthelfer*innen können sich bei unbekannten Hilfsbedürftigen auf die Herzdruckmassage und den Einsatz von öffentlich zugänglichen automatisierten externen Defibrillatoren (AED) beschränken.
    • Wie bereits vor der COVID-19-Situation empfohlen, kann auf die Atemspende verzichtet werden, wenn man diese nicht durchführen kann bzw. nicht durchführen möchte.
    • In diesem Fall können zum Eigenschutz der Ersthelfer*innen vor Aerosolen Mund und Nase der betroffenen Person zusätzlich mit einem luftdurchlässigen Tuch (im Sinne einer „Mund-Nasen-Maske“) bedeckt werden.
    • Obwohl die Atemspende ein Infektionsrisiko für Ersthelfer*innen darstellt, ist der Nutzen der Atemspende bei nicht atmenden Kindern für ihre Überlebenschance als deutlich höher einzustufen.
  • Reanimation durch medizinisches Fachpersonal
    • Medizinisches Fachpersonal soll sich durch geeignete persönliche Schutzausrüstung entsprechend der nationalen und lokalen Vorgaben schützen, wenn Maßnahmen durchgeführt werden, bei denen Aerosole entstehen können.
    • Medizinisches Fachpersonal soll im Sinne einer Nutzen-Risiko-Abwägung die Durchführung von Defibrillationen erwägen, bevor ggf. aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden, die durch das Anlegen einer geeigneten Schutzausrüstung möglicherweise verzögert werden könnten.

Prävention

Impfung3,8

  • Aktuell steht kein unter Einhaltung seriöser wissenschaftlicher Standards entwickelter Impfstoff zum Schutz vor COVID-19 zur Verfügung.
  • Laut WHO befinden sich mit Stand 28.08.2020 176 Impfstoff-Kandidaten in der Entwicklung, die auf unterschiedlichen Wirkprinzipien beruhen (z. B. DNA, RNA, Protein Subunit oder Vektor-Impfstoffe).
  • Die meisten Impfstoff-Kandidaten befinden sich derzeit noch in der präklinischen bzw. explorativen Entwicklungsphase.
  • Mittlerweile werden aber auch schon 33 Impfstoff-Kandidaten in klinischen Studien an Menschen untersucht (Stand 28.08.2020).
  • Im Juli wurden die ersten Phase 3 Studien zum Nachweis der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit mit verschiedenen Impfstoffkandidaten in verschiedenen Ländern genehmigt, u. a. für Vektorbasierte bzw. mRNA-Impfstoffe.
  • Das RKI hat eine Stellungnahme zur künftigen Impfung gegen COVID-19 publiziert.

Pneumokokken-Impfung

  • Die STIKO empfiehlt – unabhängig von der COVID-19-Pandemie – für alle Personen, die ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben, eine entsprechende Impfung.
  • Aktuell sind Pneumokokken-Impfstoffe in Deutschland nur sehr eingeschränkt verfügbar. Daher sollten zurzeit prioritär Personen geimpft werden, die ein besonders hohes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben.
  • Prioritär geimpft werden sollen:83
    • Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 2 Jahren mit Prevenar 13 oder Synflorix
    • Personen mit Immundefizienz, Senior*innen ab 70 Jahren und Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen (z. B. Asthma oder COPD) mit Pneumovax 23.
  • Sollte Impfstoff in ausreichenden Mengen vorhanden sein, gelten die aktuellen Empfehlungen der STIKO zur Pneumokokkenimpfung. 

Schutzimpfungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie84

  • Grippeimpfung
    • Die STIKO empfiehlt in der Saison 2020/21 eine Grippeimpfung allen Personen mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe bzw. mit einem hohen Risiko einer Hospitalisierung (Personen > 60 Jahre, chronisch Kranke), allen beruflich besonders Exponierten, die vulnerable Gruppen anstecken können (Krankenhaus-, Praxismitarbeiter*innen und Personal von Pflegeeinrichtungen) sowie allen Schwangeren.85 
    • Eine generelle Impfempfehlung für Kinder besteht nicht.
  • STIKO-Empfehlungen zu anderen Schutzimpfungen 
    • Laut STIKO sollen anstehende Routineimpfungen entsprechend den STIKO-Empfehlungen grundsätzlich nur bei akuten, schweren Erkrankungen verschoben werden.
    • Impfungen bei COVID-19-Patient*innen sollen erst nach vollständiger Genesung und frühestens 4 Wochen nach dem letzten positiven PCR-Befund erfolgen.
    • Impfungen von Kontaktpersonen können bei Symptomfreiheit 14 Tage nach dem letzten potenziell infektiösen Kontakt erfolgen.
    • Sollte bei einer Kontaktperson eine SARS-Cov-2-Infektion nachgewiesen worden sein und diese asymptomatisch verlaufen, sollten Impfungen frühestens 4 Wochen nach dem positiven PCR-Befund erfolgen.
    • Grundimmunisierungen im Säuglingsalter mit dem 6-fach-Impfstoff und dem Pneumokokken-Impfstoff sowie die erste MMR(V)-Impfung sollten weiterhin mit hoher Priorität durchgeführt werden. 86
      • Wenn zum gleichen Zeitpunkt weitere allgemein empfohlene Impfungen anstehen, sollen diese ebenfalls gegeben werden.
    • Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern mit Symptomen einer Atemwegsinfektion sollen 2 Wochen lang verschoben werden. 86
      • Die Begleitperson darf weder Fieber noch Zeichen einer akuten Atemwegsinfektion aufweisen und soll möglichst mit dem Kind allein (d. h. ohne Geschwister) zum vereinbarten Termin erscheinen.

Schutzwirkung durch Lebendimpfstoffe BCG und OPV3

  • Es wird derzeit diskutiert, ob Lebendimpfungen wie BCG (Bacille-Calmette-Guérin-Impfung gegen Tuberkulose) oder OPV (oraler Polio-Impfstoff) möglicherweise Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion bzw. einem schweren COVID-19-Erkrankungsverlauf bieten.
  • Für diese Annahme gibt es bislang keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz.
  • Beide Impfstoffe sind aktuell nicht auf dem deutschen Markt und werden seit 1998 auch nicht mehr von der Ständigen Impfkommission empfohlen.

Strategie des RKI: Infektionsschutzmaßnahmen11

  • Da weder eine Impfung noch eine spezifische Therapie derzeit zur Verfügung stehen, müssen alle Maßnahmen darauf ausgerichtet sein, die Verbreitung der Erkrankung so gut wie möglich zu verlangsamen.
  • Es gibt 3 Komponenten, die aktiviert und intensiviert werden müssen entsprechend der jeweils aktuellen Lage:
    1. Die Ausbreitung durch Fallfindung und Absonderung von engen Kontaktpersonen verhindern.
    2. Soziale Distanz schaffen und
    3. vulnerable Gruppen gezielt schützen.
  • Die von der Weltgesundheitsorganisation propagierten Phasen Containment (Eindämmung), Protection (Schutz vulnerabler Gruppen) und Mitigation (Folgenminderung) sind Konzepte, die sich nicht ablösen, sondern deren Komponenten sich gegenseitig ergänzen und stärken, wenn die Epidemie weiter fortschreitet.

Allgemeine Warnhinweise und Reisewarnungen

  • Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen touristischen Auslandsreisen.
  • Diese Reisewarnung ist seit 15.06.2020 für 31 europäische Länder aufgehoben und wird durch länderspezifische Reisehinweise ersetzt.
    • Weitere Hinweise zu Reisebeschränkungen und Risikogebieten finden Sie im Abschnitt Risikogebiete.
  • Das öffentliche Leben in Deutschland ist immer noch eingeschränkt.
  • Das Tragen eines MNS oder einer „Community-Maske" beim Einkaufen und im ÖPNV ist in allen Bundesländern Pflicht.
  • Die Situation ist sehr dynamisch, fast täglich gibt es neue Maßnahmen, die das öffentliche Leben betreffen.
  • Auch in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern war oder ist das öffentliche Leben eingeschränkt worden, und es gibt unterschiedliche Einreisebeschränkungen, aber auch zunehmende Lockerungen.
  • Das RKI hat Empfehlungen für betroffene Gebiete veröffentlicht: COVID-19: Optionen für Maßnahmen zur Kontaktreduzierung in Gebieten, in denen vermehrt Fälle bekannt wurden und die Information für Reisende in verschiedenen Sprachen.

Empfehlungen des Kompetenznetzes Public Health zu COVID-19

  • 24 Fachgesellschaften aus dem Kompetenznetz Public Health (darunter auch die DEGAM) sehen die uneinheitlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern kritisch. Sie empfehlen den politisch Verantwortlichen u. a.:87
    • „Bund und Länder sollten sich auf Grundsätze eines gemeinsamen, wissenschaftlich begründeten Vorgehens verständigen.
    • Regional unterschiedliche Ergebnisse dieses Abwägungsprozesses müssen transparent und mit Bezug zu den örtlichen Gegebenheiten kommuniziert werden, um den Anschein von Beliebigkeit zu vermeiden und die Akzeptanz bei der Bevölkerung zu erhöhen."

Befreiung vom Schulbesuch bei Kindern mit Grunderkrankungen

  • Laut Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist eine Befreiung von der Schulpflicht bei Kindern mit Grunderkrankungen individuell von Kinderärzt*innen zu entscheiden.88
    • Eine generelle Freistellung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder zystischer Fibrose ist nicht sinnvoll.
    • Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen, die gut kompensiert bzw. gut behandelt und daher in ihrer Lebensqualität wenig oder unbeeinträchtigt sind, auch kein höheres Risiko für eine schwerere COVID-19-Erkrankung zu fürchten haben.
      • Dazu zählen z. B. Kinder mit Diabetes mellitus Typ 1, Asthma, neurologischen oder endokrinologischen Erkrankungen und auch Kinder mit angeborenen Herzfehlern oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die a priori weder die Lunge, das Herz-Kreislauf-System, die Nierenfunktion noch das Immunsystem in relevantem Ausmaß kompromittieren.
    • Bei Kindern unter immunsuppressiver Therapie oder mit einem schwerwiegenden Immundefekt muss im Einzelfall abgewogen werden.
      • Eine generelle Freistellung z. B. von Kindern mit Rheuma oder Kindern mit variablem Immundefekt unter Immunglobulin-Substitution ist nicht sinnvoll.

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Attest über die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe

  • Attest für Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 (Formulierungsvorschlag):
    • „Um eine SARS-CoV-2-Infektion zu vermeiden, sollen nach den Informationen und Hilfestellungen des RKI Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf Schutzmaßnahmen (z. B. Kontaktreduktion) durchführen.
    • Dies gilt auch für den Einsatz und das Verhalten am Arbeitsplatz, der so zu gestalten ist, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten werden (vgl. § 4 Arbeitsschutzgesetz).
    • Hiermit bestätige ich, dass Herr/Frau XY, geb. am .... an einer Grunderkrankung leidet, die das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer SARS-CoV-2-Infektion erhöht.“
  • Die Entscheidung darüber, ob, wie und in welchem Umfang Mitarbeiter*innen ihre jeweilige Tätigkeit ausüben können und sollen, ist sehr individuell und letztlich durch die jeweiligen Arbeitgeber*innen zu treffen.
  • Dabei haben sich Arbeitgeber*innen in ihrer Entscheidungsfindung und hinsichtlich möglicher Konsequenzen in erster Linie eng mit ihren Mitarbeiter*innen und vor allem mit betriebsärztlichen Stellen abzustimmen.

Attest über die Befreiung von der Maskenpflicht

  • Die meisten Bundesländer haben Ausnahmen von der Maskenpflicht definiert, wie z. B.:
    • Kinder bis zum 6./7. Geburtstag
    • Personen, denen eine Mund-Nasen-Bedeckung aufgrund einer Behinderung oder aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar ist.
    • zwecks der Kommunikation mit Menschen mit Hörbehinderung
    • zu Identifikationszwecken etc.
  • Grundsätzlich ist eine Befreiung aus gravierenden medizinischen Gründen möglich, aber sicherlich nur in absoluten Ausnahmefällen gerechtfertigt. Ein solches Attest ist sehr eng und individuell zu fassen und kann sich nicht ausschließlich auf das Vorliegen einer chronischen Erkrankung beziehen – ganz im Gegenteil: hier sind in der Regel Schutzmaßnahmen besonders sinnvoll.

Wirksamkeit von Kontaktreduzierung

  • Eine Auswertung der Daten des GrippeWeb des RKI, das Meldungen aus der Bevölkerung zum Auftreten akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) erfasst, zeigt einen starken Abfall der ARE in Deutschland seit der 10. Kalenderwoche.89
    • Das RKI schließt daraus, dass die Distanzierungsmaßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung von Atemwegserkrankungen wirksam sind.
    • Wegen der bis zu 14-tägigen Inkubationszeit von SARS-CoV-2 ist die Auswirkung die Zahl der COVID-19-Fälle um 2–3 Wochen zeitverzögert.
  • Auch die Verkürzung der diesjährigen Grippewelle um mindestens 2 Wochen führen Autor*innen des Epidemiologischen Bulletins auf die bundesweiten Eindämmungsmaßnahmen zurück.90
  • Eine Analyse der epidemiologischen Daten aus 11 europäischen Ländern (Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Norwegen, Spanien, Schweden, Schweiz und Großbritannien) kommt zu dem Schluss, dass durch die Lockdown-Maßnahmen in diesen Ländern ca. 3 Mio. Todesfälle verhindert wurden.91
  • Eine weitere Untersuchung für die Länder China, Südkorea, Italien, Frankreich und USA kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass durch Eindämmungsmaßnahmen die Ausbreitung der Pandemie erheblich reduziert werden konnte.92

Corona-Warn-App93

Informationen für Hausärzt*innen94-95

  • Zum Vorgehen bei Meldung „erhöhtes Risiko“ in der Corona-Warn-App stellt das RKI eine Information für Hausärztinnen und Hausärzte und eine Handreichung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bereit.94-95
  • Personen mit der Meldung „erhöhtes Risiko“ in der Corona-Warn-App werden aufgefordert, „sich nach Hause zu begeben und Begegnungen zu reduzieren sowie Verhaltenshinweise bei auftretenden Symptomen zu beachten“.
  • Sie sollen Kontakt mit ihren Hausärzt*innen, dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst bzw. dem Gesundheitsamt aufnehmen.
    • Im ärztlichen Beratungsgespräch soll versucht werden, die Kontaktsituation und das Weiterverbreitungsrisiko zu klären (Kontakte mit Risikogruppen, Tätigkeit im medizinischen oder pflegerischen Bereich, Tätigkeit im pädagogischen Bereich, Tätigkeit in Gemeinschaftsunterkünften).
    • Wenn die Ärzt*innen zu dem Schluss kommen, dass ein relevant erhöhtes Infektions- oder Weiterverbreitungsrisiko besteht oder die Kontaktsituation aufgrund fehlender Informationen unklar ist, soll eine PCR-Testung angeboten werden, bei Symptomen soll eine Meldung als Verdachtsfall beim Gesundheitsamt erfolgen.
      • Kontaktreduktion für 14 Tage seit der aufgezeichneten Risikobegegnung
      • Hinweis, dass die Betroffenen sich persönlich als Person mit relevant erhöhtem Risiko oder unklarem Risiko beim örtlichen Gesundheitsamt melden sollen. Nur das Gesundheitsamt kann eine mögliche Quarantäne anordnen.
  • Laut RKI sollen asymptomatische Kontaktpersonen mit einem höheren Infektionsrisiko (Kategorie I)
    • so früh wie möglich an Tag 1 der Ermittlung getestet werden, um mögliche Kontakte der positiven asymptomatischen Kontaktpersonen rechtzeitig in die Quarantäne zu schicken, und
    • zusätzlich 5–7 Tage nach der Erstexposition, da dann die höchste Wahrscheinlichkeit für einen Erregernachweis ist.36
  • Kritikpunkt: Eine Gesundmeldung ist nicht möglich. Infizierte müssten eigentlich die App löschen.
  • Laut KBV wurden zum Start der Corona-Warn-App neue Leistungen in den EBM aufgenommen.96
  • Abstriche nach der Meldung „erhöhtes Risiko“ in der App sind somit Kassenleistung.
    • Vertragsärzt*innen erhalten für einen Abstrich bei Personen, die aufgrund eines Warnhinweises der App in die Praxis kommen, 10 Euro extrabudgetär. Hierzu ist die Ziffer 02402 abzurechnen.
    • Für die Beauftragung der Laborleistung soll der Vordruck Muster 10 C verwendet werden (mit einem QR-Code, den die Patient*innen erhalten).

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Ungelöste Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Warn-App

  • Personen ohne Symptome dürfen nicht per AU krankgeschrieben werden.
  • Nach derzeitiger Rechtslage reicht die Risiko-Benachrichtigung der App nicht als Grundlage einer Krankschreibung. Eine Änderung der AU-Richtlinie ist bisher nicht vorgesehen.
  • Eine Quarantäne kann nur das GA anordnen. (Das GA wird von der App allerdings nicht benachrichtigt.)
  • Das Bundesgesundheitsministerium vertraut darauf, dass „Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine einvernehmliche Lösung für diese Situation finden“.
  • Selbst bei positivem Abstrich in der PCR und symptomloser Person gilt laut G-BA: „Eine Bescheinigung einer AU allein aufgrund eines positiven Tests ist laut AU-RL nicht möglich. Hier greifen die Quarantäneregeln.“

Allgemeine Hygieneempfehlungen

Verhaltensempfehlungen für den Alltag

  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt ein deutschsprachiges Plakat mit Hygienetipps zum Schutz vor Infektionskrankheiten bereit.
  • Das RKI bietet Hygieneinformationen für nichtmedizinische Einsatzkräfte.
  • Die BZgA und das RKI geben folgende allgemeine Empfehlungen:3
    • AHA-Regeln
      • Abstand halten.
        • Ein Abstand von mindestens 1,5 m zu anderen vermindert das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2.
        • Aufs Händeschütteln und auf Umarmungen sollte verzichtet werden.
        • Kontakte generell reduzieren.
        • Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vermeiden.
        • Nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten.
      • Hygiene beachten.
        • gute Händehygiene, Husten- und Niesetikette
        • Sich möglichst wenig ins Gesicht fassen, um etwaige Krankheitserreger nicht über die Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund aufzunehmen.
      • Alltagsmasken tragen.
        • Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wo diese vorgeschrieben ist, und falls man trotz Krankheitszeichen das Haus verlassen muss.
    • Die Vorgaben der Behörden befolgen.
    • Generell sollten Menschen, die Atemwegssymptome haben, zu Hause bleiben.

Empfehlungen zur Anwendung eines Mund-Nasen-Schutzes3

  • Für die Bevölkerung empfiehlt das RKI das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (textile Barriere im Sinne eines MNS) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum,
    • in denen mehrere Menschen in geschlossenen Räumen zusammentreffen und der Abstand von mindestens 1,5 m zu anderen Personen nicht eingehalten werden kann (z. B. in Geschäften, in öffentlichen Verkehrsmitteln, am Arbeitsplatz).
    • Bundesweit ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht.
  • Laut eines Aufsatzes in Science sind besonders diejenigen Länder bei der Eindämmung der COVID-19-Pandemie erfolgreich, die eine Maskenpflicht eingeführt haben.97
  • Empfehlungen zum Tragen von Masken bei Kindern98
    • Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hält das Tragen einer Maske im öffentlichen Raum für Kinder ab dem Grundschulalter für „zumutbar“.
    • Das Tragen einer Maske ist auch bei kleineren Kindern möglich (vor dem Grundschulalter), z. B. beim Besuch in Risikobereichen (z. B. Ambulanzbesuche im Krankenhaus). Für diese Altersgruppe besteht eine „Kann“-Empfehlung. 
  • Weitere Informationen zum Tragen, Reinigen und Anlegen eines Mund-Nasen-Schutzes und zu sog. „Community-Masken“ finden Sie in den Empfehlungen des BfArM und in der RKI- Dokumentensammlung Hinweise zur Verwendung von Masken (MNS, FFP-Masken sowie Mund-Nasen-Bedeckung)
  • Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin stellt eine Übersicht zur Wirksamkeit von verschiedenen Schutzmasken bereit.

Tragen von Visieren im öffentlichen Raum

  • Die Verwendung von Visieren anstelle von MNB wird derzeit bereits von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz dieser Ersatzmaßnahme vorliegen.3
  • Die Verwendung von Visieren kann daher nach Einschätzung des RKI nicht als Alternative zur MNB angesehen werden.3

Wirksamkeit von Abstandhalten, Schutzmasken und Augenschutz

  • Eine durch die WHO finanzierte Metaanalyse von Beobachtungs- und Vergleichsstudien zeigte einen signifikanten Schutz vor Übertragungen durch Abstandhalten von mindestens 1 m (besserer Schutz mit zunehmendem Abstand), Tragen von FFP2- und FFP3-(N95)-Masken, eines chirurgischen Mund-Nasen-Schutzes und Tragen eines Augenschutzes.99
    • Abstandhalten zeigt die größte Wirkung.
    • In der Metaanalyse wurden Studien zu SARS, MERS und COVID-19 berücksichtigt.
  • Eine US-amerikanische Studie kommt zu dem Schluss, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes besser gegen eine Übertragung von COVID-19 wirkt als Social Distancing und in Kombination mit Social Distancing, Quarantäne und Kontaktpersonennachverfolgung besonders wirksam ist.100

Quarantäne3

  • In Quarantäne müssen Personen,
    • die innerhalb der letzten 2 Wochen engen Kontakt mit einem bestätigten COVID-19-Fall hatten, d. h. mindestens 15 Minuten mit der erkrankten Person gesprochen haben bzw. angehustet oder angeniest worden sind, während diese ansteckend gewesen ist.
    • für die das Gesundheitsamt eine Quarantäne angeordnet hat.
  • Vom RKI wird offiziell eine Quarantänedauer von 14 Tagen empfohlen. Das RKI stellt aber im Dokument Abwägung der Dauer von Quarantäne und Isolierung bei COVID-19 die Möglichkeit vor, Quarantäne durch einen abschließenden PCR-Test um wenige Tage zu verkürzen.
  • Das RKI gibt Hinweise zur Definition und zum Management von Kontaktpersonen in einem Flussschema zur Kontaktpersonennachverfolgung (derzeit in Überarbeitung).
  • Weitere Informationen zu Regelungen für Reisende finden Sie im Abschnitt Risikogebiete.

Wirksamkeit von Quarantänemaßnahmen

  • Die Wirksamkeit unterschiedlicher Maßnahmen zur Quarantäne ist nachgewiesen, besonders wenn sie mit anderen Maßnahmen, wie physischer Distanzierung und Schulschließungen kombiniert wird.101
  • Für die hausärztliche Betreuung ist es wichtig, mögliche negative gesundheitliche Folgen der Quarantäne (Zunahme psychischer Beschwerden, Alkoholkonsum, finanzielle Sorgen) zu berücksichtigen.101

Hände- und Flächendesinfektion

Hygieneempfehlungen für medizinische Einrichtungen

  • Das Institut für hausärztliche Fortbildung hat COVID-19: Praxishilfen für Hausärzte herausgegeben.
  • Das RKI und das Bundesministerium für Gesundheit bieten Informationen zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken (Links beim RKI).
  • Laut BfArM ist die Aufbereitung von Schutzmasken bei Trockenhitze mit 70 Grad nicht geeignet, um SARS-CoV-2 vollständig abzutöten (Stand 30.04.2020). Deshalb ist eine Aktualisierung der derzeitigen Empfehlung notwendig.102

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Mögliche Optionen zur Entlastung der Praxis

  • Für alle Maßnahmen gilt: Der Schutz von Risikogruppen und Praxismitarbeiter*innen ist vorrangig (individuell an Möglichkeiten der jeweiligen Praxis anzupassen).
  • Schutz des Praxisteams
    • Hustenetikette, intensivierte Desinfektion von Händen und Oberflächen (ggf. Anpassung des Hygieneplans)
    • Empfang schützen (z. B. Abstandsmarkierung mit Tape auf dem Boden, Plexiglasschutz).
    • Bei Arbeit mit Patient*innen: Abstand halten, Gesichtsschutzschild, Mund-Nasen-Schutz/Maske nach Verfügbarkeit.
    • Händedesinfektion über Spender am Praxiseingang anbieten (3 ml, 30 sec).
  • Bitte entscheiden Sie über den Umgang mit Infektpatient*innen in Ihrer Praxis und berücksichtigen Sie dabei, dass es auch weiterhin darum geht, die Verbreitung der Infektion zu verhindern und insbesondere die Risikogruppen zu schützen.
  • Gleichzeitig muss der hausärztliche Arbeitsauftrag erfüllt werden, sodass die Wiederaufnahme von Routine-Hausbesuchen, Patientenschulungen, DMP und anderen Routineuntersuchungen unter Beachtung aller Hygieneregeln möglich erscheint, vorausgesetzt, es ist genug Platz und Schutzkleidung vorhanden.
    • Im Praxisteam die Triage abstimmen, sodass das Team bereits am Telefon Patient*innen filtern kann: Die (Online-)Terminvergabe anpassen.
    • Die Telefon- und/oder Videosprechstunden ausbauen.
    • Für Infektpatient*innen, die persönlich untersucht werden möchten, sollte eine Infektsprechstunde eingerichtet werden, um sie von anderen zeitlich und ggf. auch räumlich zu trennen.
    • Option für größere Praxen: Infekt-Team bilden (nicht chronisch krank/immunsupprimiert) und ein Nicht-Infekt-Team (überwiegend am PC bzw. Telefon tätig).
    • Über Aushänge und die Praxiswebseite über veränderte Praxisorganisation/Infektionsschutzmaßnahmen für Patient*innen informieren.
  • Behandlung von Kindern (potenzielle Vektoren, aber selten krank): möglichst nicht im Rahmen der Chroniker-Sprechstunde, sondern idealerweise in einer eigenen Sprechstunde
  • Unnötige persönliche Patientenkontakte reduzieren (z. B. Rezepte/Überweisungen per Post zusenden).
  • Besuche in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen etc. ausschließlich mit Maske, Gesichtsschutzschild und Handschuhen.
    • Handschuhe nach jeder Patientin/jedem Patienten, Maske je nach Durchfeuchtung wechseln.
    • Gesichts-Schutz-Schild stets nach dem Abnehmen mit 70 % Isopropylalkohol desinfizieren.
    • Klinisch schwere Fälle, ggf. bereits telefonisch einweisen (Tel. 112).
  • Weitere organisatorische Hinweise siehe Originaltext der Leitlinie.

Empfehlungen des RKI für (ambulante und stationäre) Einrichtungen des Gesundheitswesens in Deutschland103

Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. aus der häuslichen Isolierung

RKI-Kriterien zur Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. aus der häuslichen Isolierung104

  • RKI-Flussschema: COVID-19: Entlassungskriterien aus der Isolierung Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte
  • Patient*innen mit schwerem COVID-19-Verlauf (mit Sauerstoffbedürftigkeit)
    • mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit (definiert als nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung)
      • PLUS
    • frühestens 10 Tage nach Symptombeginn
      • PLUS
    • PCR-Untersuchung (negatives Ergebnis oder hoher Ct-Wert, der mit Nicht-Anzüchtbarkeit von SARS-CoV-2 einhergeht)
  • Patient*innen mit leichtem COVID-19-Verlauf (ohne Sauerstoffbedürftigkeit)
    • mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit (definiert als nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung)
      • PLUS
    • frühestens 10 Tage nach Symptombeginn
  • Personen mit asymptomatischer SARS-CoV-2-Infektion
    • frühestens 10 Tage nach Erstnachweis des Erregers
  • Bewohner*innen von Seniorenpflegeeinrichtungen
    • mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit (definiert als nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung)
      • PLUS
    • frühestens 10 Tage nach Symptombeginn
      • PLUS
    • PCR-Untersuchung (negatives Ergebnis oder hoher Ct-Wert, der mit Nicht-Anzüchtbarkeit von SARS-CoV-2 Viren einhergeht)
  • Erforderlich ist ein negatives PCR-Resultat basierend mindestens auf zwei zeitgleich durchgeführten Abstrichen: einem oropharyngealen und einem nasopharyngealen Abstrich. Möglich ist die Überführung zweier Abstrichtupfer in dasselbe Transportmedium oder Abnahme beider Abstriche mit demselben Abstrichtupfer.
  • Der Ct-Wert ist ein Maß für die Anzüchtbarkeit des Virus (ein hoher Wert bedeutet geringe Anzüchtbarkeit und damit geringe Infektiosität). Entlasskriterium ist ein Ct-Wert > 30.35
  • Das RKI stellt im Dokument Abwägung der Dauer von Quarantäne und Isolierung bei COVID-19 die Möglichkeit vor, Isolierung durch einen abschließenden PCR-Test um wenige Tage zu verkürzen.

Vorgehen in Pflegeeinrichtungen

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Gespräche in Pflegeeinrichtungen

  • Die in Pflegeeinrichtungen zu etablierenden Maßnahmen sollen denselben Prinzipien folgen, wie die Maßnahmen in der Praxis:
    • räumliche Trennung und Isolierung von akut respiratorisch Erkrankten (unabhängig davon, ob Testung möglich war), ggf. gemeinsame Isolierung von erkrankten Gruppen (siehe Handlungsempfehlung zur häuslichen Isolierung der DEGAM)
    • Gemeinschaftsaktivitäten innerhalb der Einrichtung einschränken.
    • Wo gefahrlos möglich, direkte persönliche Arzt-Patient-Kontakte reduzieren, trotzdem den Bewohner*innen Sicherheit geben, z. B. durch kurze, ressourcenorientierte Telefonate, ggf. Telemedizin.
    • Unter Einhaltung der Hygieneregeln (Maske, Gesichts-Schutz-Schild und Handschuhe) sind in der aktuellen Situation auch Routine-Heimbesuche möglich. Falls möglich, immer Fenster öffnen.
    • regelmäßiger telefonischer Austausch mit dem Pflegepersonal zwecks Führung von durch soziale Isolation gefährdeter Bewohner*innen
    • Besuche reduzieren, soweit vertretbar, kein Zutritt von Erkrankten oder Kontaktpersonen zu den Einrichtungen (Besuchsreduktion in vielen Einrichtungen bereits realisiert).
    • Einhaltung eines Besuchskonzeptes, das den Wunsch nach Besuch und den Schutz der Bewohner*innen gleichermaßen berücksichtigt (Registrierung der Besucher*innen, zeitliche Begrenzung, Unterweisung der Besucher*innen in Schutzmaßnahmen), ggf. Einrichtung eines Bildtelefons zur Kommunikation mit Angehörigen.
    • Schulung der Beschäftigten hinsichtlich der erforderlichen Maßnahmen, Schutzkleidung bei der Pflege von Erkrankten (FFP2-Maske, Gesichtsschutzschild, Schutzkittel, Handschuhe, Schutzbrille), Hygieneregeln, Tätigkeitsverbot für erkrankte Beschäftigte (Gefährdung Dritter).
    • grundsätzliches Tragen von FFP2 bzw. MNS im Bewohner-Bereich durch alle Berufsgruppen und Besucher*innen.
    • Ein tägliches Screening (einmal pro Tag) der Sauerstoffsättigung durch das Pflegepersonal mittels Pulsoxymeter wird vom RKI empfohlen.
      • Bei Abfall der Sauerstoffsättigung und fehlenden Hinweisen auf andere organische Ursachen (wie z. B. eine dekompensierte Herzinsuffizienz) sollte eine bisher unerkannte SARS-CoV-2-Infektion erwogen und ein PCR-Test veranlasst werden.
      • Absolute Zahlen für den Abfall der Sauerstoffsättigung werden explizit nicht genannt, weil die Bewertung von den einzelnen Patient*innen und ihren Vorerkrankungen abhängt.
    • Derzeit gibt es keine verbindliche Regelung zur Kostenübernahme einer Testung auf SARS-CoV-2 von asymptomatischen Patient*innen vor Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung – obwohl eine Testung grundsätzlich sinnvoll ist.
    • generell: Aktualisierung von Patientenverfügungen

Vorgehen bei Neugeborenen und Wöchnerinnen18

  • Säuglinge, die von Müttern mit vermutetem, wahrscheinlichem oder bestätigtem COVID-19 geboren wurden, sollten gemäß den Standardrichtlinien für die Säuglingsernährung gefüttert werden.
  • Wie bei allen bestätigten oder vermuteten COVID-19-Fällen sollten symptomatische Mütter, die stillen oder Haut-zu-Haut-Kontakt (Känguru-Mutterpflege) praktizieren, Atemhygiene (Mundschutz) praktizieren – auch während des Stillens.
  • Eine Mutter mit bestätigtem COVID-19 sollte alle möglichen Vorkehrungen treffen, um eine Ausbreitung des Virus auf ihr Kind zu vermeiden, einschließlich Händewaschen vor dem Berühren des Kindes und Tragen einer Gesichtsmaske.

Umgang mit SARS-CoV-2 infizierten Verstorbenen

  • Das RKI-Dokument Empfehlungen zum Umgang mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen richtet sich an Ärzt*innen, die eine äußere Leichenschau vornehmen (z. B. Haus- und Notärzt*innen, Bedienstete von Gesundheitsämtern) und sonstiges medizinisches Personal sowie Bestatter*innen, die Kontakt mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen haben.
  • Die DEGAM-S1-Handlungsempfehlung fasst die RKI-Empfehlungen zusammen:5
    • Es existieren keine Daten zur Kontagiosität von mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen.
    • Aus diesem Grund müssen mit SARS-CoV-2 infizierte Verstorbene als kontagiös angesehen werden.
    • Ärzt*innen, die eine äußere Leichenschau vornehmen und sonstiges medizinisches Personal sowie Bestatter*innen, die Kontakt mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen haben, sollten die üblichen Schutzmaßnahmen ergreifen wie beim Umgang mit SARS-CoV-2-Infizierten: Gesichtsschutzschild, Mund-Nasen-Schutz (bei Aerosol-Produktion FFP2-Maske), Schutzkittel, Handschuhe.
    • Auf der Todesbescheinigung sollte auf die SARS-CoV-2-Infektion hingewiesen werden, ebenso sollten die Mitarbeiter*innen des Bestattungsinstituts darauf hingewiesen werden.
    • Wichtig: Ein würdevoller Abschied hat eine große Bedeutung. Daher sollten die Wünsche der Verstorbenen und der Angehörigen – soweit möglich – umgesetzt werden.

Meldepflicht108

  • Meldepflichtig ist der Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung sowie der Tod in Bezug auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19).
  • Um bewerten zu können, ob ein Verdacht begründet ist, empfiehlt das RKI zu prüfen, ob nach dem Stand der Wissenschaft sowohl das klinische Bild als auch ein wahrscheinlicher epidemiologischer Zusammenhang vorliegt.
    • Der Verdacht auf COVID-19 ist begründet, wenn bei Personen mindestens eine der beiden folgenden Konstellationen vorliegt:
      • Personen mit jeglichen mit COVID-19 vereinbaren Symptomen und Kontakt mit einem bestätigten Fall von COVID-19
      • Auftreten von 2 oder mehr Lungenentzündungen (Pneumonien) in einer medizinischen Einrichtung, einer Pflege- oder Senioreneinrichtung, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird, auch ohne Vorliegen eines Erregernachweises.
    • Definition Kontakt (innerhalb der letzten 14 Tage vor Erkrankungsbeginn)
      • Versorgung bzw. Pflege einer Person, insbesondere durch medizinisches Personal oder Familienmitglieder
      • Aufenthalt am selben Ort (z. B. Klassenzimmer, Arbeitsplatz, Wohnung/Haushalt, erweiterter Familienkreis, Krankenhaus, andere Wohneinrichtung, Kaserne oder Ferienlager) wie eine Person, während diese symptomatisch war.
    • Ein direkter Erregernachweis z. B. durch eine PCR, weist in der Regel auf eine akute Infektion hin und sollte daher gemeldet werden.3
    • Mit den derzeit am Markt befindlichen serologischen Tests kann bei einmaliger Untersuchung noch nicht ausreichend sicher festgestellt werden, ob eine akute Infektion vorliegt.3
      • Der einmalige Nachweis von IgM lässt nicht sicher auf eine akute Infektion schließen.
  • Meldepflichtig sind nicht nur Ärzt*innen, sondern auch Angehörige eines anderen Heil- oder Pflegeberufs und Leiter*innen von Einrichtungen (u. a. Schulen, Kindergärten, Senioren- und Pflegeeinrichtungen und sonstigen Massenunterkünften).
  • Die namentliche Meldung muss unverzüglich erfolgen und dem zuständigen Gesundheitsamt spätestens 24 Stunden, nachdem der Meldende Kenntnis erlangt hat, vorliegen.
  • Die Meldung hat an das Gesundheitsamt zu erfolgen, in dessen Bezirk sich die betroffene Person derzeitig aufhält oder zuletzt aufhielt.
    • Das zuständige Gesundheitsamt und dessen Kontaktdaten können mit Hilfe des Postleitzahltools des RKI ermittelt werden: PLZ-Tool
  • Das RKI stellt eine Liste mit erforderlichen Meldeinhalten bereit.

Berufskrankheit

  • Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) kommt für COVID-19 „bei Versicherten, die im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig sind oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt waren, die Anerkennung als Berufskrankheit der Ziffer 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung in Betracht."
  • Bei positiver Testung, entsprechenden Krankheitsanzeichen sowie der Vermutung eines Infektionsweges über die berufliche Tätigkeit wird bei einem begründeten Verdacht sollte eine Erstattung der ärztlichen Berufskrankheitenanzeige erfolgen.109

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlauf3

Symptomatik und klinischer Verlauf allgemein

  • Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod.8
  • Wie andere respiratorische Erreger kann eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen, einige Betroffene leiden auch an Durchfall.
  • Bei einem Teil der Patient*innen geht die Virusinfektion mit einem schwereren Verlauf einher und führt zu DyspnoeLungenentzündung und respiratorischer Insuffizienz.
    • 3 % der COVID-19-Patient*innen in Deutschland haben eine Pneumonie entwickelt.8 
    • 17 % wurden hospitalisiert
    • In Deutschland werden 83 % der COVID-19-Fälle ambulant versorgt.
  • Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen kann, im Median beträgt sie 5–6 Tage.8
  • Bei schwer verlaufenden COVID-19-Fällen wird von 3 Krankheitsstadien ausgegangen:27
    • Stadium I: frühe Infektion, milde unspezifische Symptomatik
    • Stadium II: pulmonale Phase, abrupte respiratorische Verschlechterung, Hypoxie bis hin zu ARDS
    • Stadium III: hyperinflammatorische Phase, ARDS, disseminierte intravasale Gerinnung, Multiorganversagen.
  • Gehäuft beobachtet wurden inzwischen thrombembolische Ereignisse in unterschiedlichen Schweregraden und zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Erkrankung.14

Klinischer Verlauf bei Kindern

  • Der klinische Verlauf ist bei Kindern milder.3,110
  • Laut RKI sind schwere Verläufe selten und betreffen insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, einzelne Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 sind im Kindesalter beschrieben.3

Dauer der Erkrankung

  • Bei milden Fällen dauert die Erkrankung vom Symptombeginn bis zur Genesung 2 Wochen, bei Patient*innen mit schwerem oder kritischen Erkrankungsverlauf in der Regel 3–6 Wochen.38

Häufigkeiten von asymptomatischen, milden und schweren Verläufen

  • Zum Anteil an asymptomatischen Infektionen und ihrem Anteil an den Übertragungen gibt es unterschiedliche Daten.
    • Eine Modellrechnung aus den Anfangszeiten der COVID-19-Epidemie in China kommt zu dem Ergebnis, dass 86 % aller Infektionen unbemerkt blieben und dass unentdeckte Fälle Infektionsquelle für 79 % der dokumentierten Fälle waren.
    • Laut Ergebnissen aus Italien waren gut 40 % der infizierten Personen asymptomatisch.40
    • In einer in sich geschlossenen Population mit einem COVID-19-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Weg in die Antarktis lag die Rate asymptomatischer Patient*innen bei mindestens 81 %.111
  • Schwangere
    • Schwangere SARS-CoV-2-Infizierte scheinen seltener Symptome zu entwickeln, mit einem entsprechend niedrigeren Manifestationsindex.8
  • Kinder
    • Der Manifestationsindex liegt bei Kindern bei 72–96 % (90-92). Die Mehrzahl der Kinder zeigt nach bisherigen Studien einen eher milden und unspezifischen Krankheitsverlauf.8
  • Es wird angenommen, dass etwa 81% der diagnostizierten Personen einen milden, etwa 14% einen schwereren und etwa 5% einen kritischen Krankheitsverlauf zeigen.8
    • Im Verlauf der Erkrankung kann es bei etwa 20 % der Erkrankten zu einer klinischen Verschlechterung kommen, mit Entwicklung von Dyspnoe und/oder Hypoxämie, typischerweise ca. 7–10 Tage nach Symptombeginn.14
    • Dabei ist in vielen Fällen eine stille Hypoxämie zu beobachten, bei der trotz deutlich eingeschränkter Oxygenierung subjektiv keine wesentliche Dyspnoe besteht.
    • In ca. 5 % der Fälle besteht die Indikation zur intensivmedizinischen Therapie, in 4 % zur Beatmungstherapie aufgrund eines hypoxämen respiratorischen Versagens.14
  • Klinische Prädiktoren für einen schweren Verlauf:14
    • Alter > 50 Jahre
    • männliches Geschlecht
    • Persistenz von Fieber (mit Antipyretika häufig kaum zu beeinflussen)
    • ausgeprägte Lymphopenie, Erhöhung von LDH und Troponin.

Vergleich von COVID-19 mit Influenza

  • Das RKI hat hospitalisierte COVID-19-Patient*innen mit Pneumonie-Erkrankten während der jährlichen saisonalen Grippewellen von 2015–2019 in Bezug auf die Schwere der Pneumonien verglichen.112
    • COVID-19: mediane Beatmungsdauer 10 Tage 
    • Influenza: mediane Beatmungsdauer 4 Tage.

Co-Infektionen

  • Insbesondere schwer erkrankte COVID-19-Patient*innen können unter weiteren Infektionen leiden.8
    • Zu den nachgewiesenen Erregern zählen u. a. Mycoplasma pneumoniae, Candida albicans und Aspergillus spp.
    • Zudem wurden in einigen Fällen Superinfektionen mit multiresistenten Bakterien (z. B. Klebsiella pneumoniae und Acinetobacter baumannii) festgestellt.

Komplikationen 

  • Gleichzeitige bakterielle Sepsis/Pneumonie
  • Ateminsuffizienz
  • ARDS
  • Neurologische Symptome/Ausfälle113
  • Tiefe Venenthrombosen und Lungenembolie gehäuft in Obduktionen bei COVID-19-Patient*innen114
  • Mehrere Länder berichten Fälle mit einem Krankheitsbild, das das ECDC als „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C)" in Kombination mit einem „Toxic Shock Syndrome" (TSS) bezeichnet.8
    • MISC-TSS weist Ähnlichkeit mit dem Kawasaki-Syndrom auf, das bei Kindern im Zusammenhang mit anderen Infektionskrankheiten beobachtet wird.
    • Das Risiko für Kinder, an MISC-TSS zu erkranken, wird vom ECDC als gering eingeschätzt, auch sind durch MISC-TSS bedingte Todesfälle bei Kindern sehr selten.
  • Verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen und -Folgeerkrankungen8
    • Insbesondere bei schweren Infektionen der Atemwege mit akutem Lungenversagen und Sauerstoffunterversorgung kam es zu kardiovaskulären Erkrankungen, einschließlich Myokardschädigungen, Myokarditis, akutem Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und venösen thromboembolischen Ereignissen.
  • Bei hospitalisierten Patient*innen wird das Auftreten von akutem, u. U. dialysepflichtigem, Nierenversagen beobachtet, insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen COVID-19-Erkrankten.
  • Neues Auftreten eines Diabetes mellitus mit schwerer Stoffwechselentgleisung bis hin zur tödlichen Ketoazidose115
    • Entgleisung eines bereits bestehenden Diabetes mellitus
  • Psychosoziale Folgen von Quarantäne und Kontaktreduzierung laut BMBF:
  • Häusliche Gewalt
    • In einer noch unpublizierten Studie der TU-München, für die rund 3.800 Frauen über die Zeit strenger Kontaktbeschränkungen befragt wurden, gaben 3 % der Befragten an, während des Lockdowns Opfer körperlicher häuslicher Gewalt geworden zu sein.116
      • In 6,5 % aller Haushalte wurden Kinder körperlich bestraft.
      • 3,6 % der Befragten geben an, von ihrem Partner vergewaltigt worden zu sein.
      • In Quarantäne und bei finanziellen Sorgen lagen diese Zahlen deutlich höher.
      • Hilfsangebote wurden wenig genutzt
  • Folgen der Public-Health-Maßnahmen
    • Manche schwerkranke Patient*innen kommen trotz schwerer Symptome (Angina/neurologische Ausfälle) aus Angst nicht die Notaufnahme/Praxis.
      • Daten aus den USA zeigen, dass die Zahl der Klinikbehandlungen wegen eines akuten Herzinfarktes auf die Hälfte zurückgehen.117
      • Auch die Impfquoten bei Säuglingen nehmen in den USA auf die Hälfte ab.118
    • Laut einer Modellierungsstudie werden mit jeder Woche, in der elektive Operationen nicht möglich sind, weltweit 2,4 Mio. chirurgische Eingriffe verschoben.119
      • D. h. innerhalb von 12 Wochen wurden weltweit 28 Mio. Eingriffe verschoben.
      • In Deutschland wurden nach Hochrechnungen über 900.000 Operationen verschoben, davon 52.000 Eingriffe bei malignen Erkrankungen (24 % aller Krebsoperationen).
    • Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie werden durch die geringere Zahl an Screening-Untersuchungen im Verlauf der COVID-19-Pandemie zahlreiche Krebsdiagnosen verspätet gestellt.

Prognose

Allgemeine Informationen zur Prognose von COVID-19

  • Die Letalität beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der (tatsächlich) erkrankten Fälle.
    • Dazu liegen keine verlässlichen Daten vor, weil die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen unbekannt ist und deutlich höher liegt als die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle.8
  • Derzeit kann nur der Fall-Verstorbenen-Anteil berechnet werden, z. B. als Quotient der gemeldeten Sterbefälle und der Zahl der gemeldeten Fälle.8
    • Eine in sich geschlossene Population, die vollständig getestet wurde, waren die 217 Passagier*innen und Crewmitglieder während eines COVID-19-Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff in die Antarktis.111
    • Von den 128 positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Passagier*innen waren 81 % symptomfrei.
    • Da ein Schnelltest verwendet wurde und manche in einer Kabine zusammen untergebrachte Passagier*innen diskordante Ergebnisse aufwiesen, ist es möglich, dass es eine relevante Rate an falsch-negativen Tests gab.
    • 6,2 % (8) Passagier*innen mussten von Bord evakuiert werden, 3,1 % wurden beatmet und 1 Patient verstarb (0,8 %).
  • Angaben laut RKI für Deutschland9
    • In Deutschland liegt der Fall-Verstorbenen-Anteil aktuell bei 3,4 % (Cave: Nicht mit Letalität gleichzusetzen!).
      • Nach einem Höchststand des Anteils Verstorbener an allen laborbestätigten Fällen von 7 % in der 16. KW 2020 sank dieser Anteil in den folgenden Wochen deutlich. Er lag in den letzten Wochen bei unter 1 Prozent.
      • Für den sinkenden Fall-Verstorbenen-Anteil gibt es hauptsächlich zwei Gründe:
      • Erstens ist das durchschnittliche Alter der Fälle seit der ersten Hochphase im April deutlich gesunken.
      • Zweitens wurden die Testkapazitäten deutlich ausgeweitet. Damit wurden mehr Infizierte und Erkrankte identifiziert.
      • Der Anteil Verstorbener an hospitalisierten Fällen sowie an intensivpflichtigen Fällen ist
        relativ stabil geblieben.
    • Von den übermittelten Fällen, die in Pflegeeinrichtungen (oder anderen Gemeinschaftsunterkünften) betreut wurden, sind 19 % verstorben.
    • Von den intensivmedizinisch betreuten Fällen, die bereits abgeschlossen sind, sind laut RKI 24 % verstorben.
  • Daten einer großen seroepidemiologischen Studie aus Spanien ergeben eine Letalität (Infection Fatality Rate, IFR) von 1,1 bis 1,4 % bei Männern und 0,58 bis 0,77 % bei Frauen.120
  • Laut einer aktuellen Lancet-Publikation zu deutschen Versichertendaten starben in Deutschland insgesamt 53 % der beatmeten Patient*innen (bei den unter 60-Jährigen starben 28 %, bei den 60- bis 69-Jährigen waren es 46 %, bei den 70- bis 79-Jährigen 63 % und bei den über 80-Jährigen 72 %).121
  • Todesfälle traten bisher vor allem bei Patient*innen auf, die älter waren und/oder zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten.3
    • In Deutschland sind 86 % der Todesfälle und 18 % aller Fälle 70 Jahre und älter.9
  • Bei Kindern scheint die Erkrankung vergleichsweise selten aufzutreten und dann mild zu verlaufen.
    • Schwere oder gar kritische Verläufe wurden nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen beobachtet.3
  • Schwangere scheinen kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben.3,8

Exzess-Mortalität

  • Inzwischen lässt sich aus internationalen Todeszahlen-Statistiken eine deutliche Exzess-Mortalität („Übersterblichkeit“) in Ländern ablesen, in denen es zu hohen Fallzahlen kam (siehe hierzu euromomo.eu).
  • In Frankreich z. B. wird für den Zeitraum vom 1. März bis zum 20. April gegenüber 2019 eine um 27 % erhöhte Sterblichkeit ausgewiesen. Italien berichtet sogar von einer um 49 % erhöhten Sterbefallzahl für den März 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015–2019.3

Einflussfaktoren auf die Prognose

  • Siehe auch Risikofaktoren im Abschnitt Anamnese.
  • Eine dänische Kohortenstudie mit über 9.000 Patient*innen zeigte, dass die Mortalität abhängig vom Alter allein in der Altersgruppe
    • von 60–69 Jahren bei 1 %
    • von 70–79 Jahren bei 5 %
    • von 80–89 Jahren bei 18 %
    • und ab 90 Jahren bei 44 % lag.33
    • Die Mortalität steigt mit der Anzahl der Vorerkrankungen stark an. Bei > 4 Vorerkrankungen im Vergleich zu keinen Vorerkrankungen um den Faktor 5,2.
  • Bei hospitalisierten und insbesondere intensivpflichtigen Patient*innen wurde eine Assoziation von COVID-19 mit einem akuten kardiovaskulären Syndrom festgestellt.122
    • Mögliche Manifestationen sind:
      • akuter Myokardschaden (Troponinanstieg)
      • reduzierte ventrikuläre Funktion
      • Arrythmien.
    • Ein Troponinanstieg tritt bei ca. 10–30 % der hospitalisierten Betroffenen auf und geht mit einer erhöhten Rate an Komplikationen und schlechterer Prognose einher.
  • Ergebnissen von Fallserien und retrospektiven Kohortenstudien zufolge ist das Risiko für Hospitalisierung, einen lebensgefährlichen Verlauf und Todesfolge bei Patient*innen mit Adipositas erhöht.123-124
  • Laut einer internationalen Kohortenstudie erhöht eine Infektion mit SARS-CoV-2 die postoperative Sterblichkeit. Diese lag auch bei elektiven Eingriffen bei 18,9 % (25,6 % bei Notfalloperationen).125
    • Möglicherweise negative Beeinflussung der Studienergebnisse durch die Zusammensetzung der Studienpopulation, die zum Großteil aus Italien, Spanien, Großbritannien und den USA stammt.
  • Daten aus den USA zeigen, dass sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen, wie afroamerikanische und aus Lateinamerika stammende Personen, ein besonders hohes Erkrankungs- und Sterberisiko haben.126
    • Auch in Deutschland haben Langzeitarbeitslose ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe.127
  • Zum Einfluss der AB0-Blutgruppe auf Infektionsrisiko und Verlauf gibt es keine eindeutigen Daten.3

Langzeitfolgen8

  • Aufgrund der Neuartigkeit des Krankheitsbildes lassen sich keine zuverlässigen Aussagen zu Langzeitauswirkungen und (irreversiblen) Folgeschäden durch die Erkrankung bzw. ihre Behandlung (z. B. infolge einer Langzeitbeatmung) treffen.
  • Allerdings deuten Studiendaten darauf hin, dass Corona-Erkrankte auch nach Wochen bzw. Monaten noch Symptome aufweisen können, obwohl keine akute Erkrankung mehr vorliegt.
  • In einer deutschen Kohorte von genesenen COVID-19-Erkrankten, die im Median 71 Tage nach Diagnosestellung mittels Kardio-MRT untersucht wurden, zeigte sich bei 78 % der Betroffenen eine myokardiale Beteiligung und bei 60 % eine aktive Entzündung des Myokards (unabhängig von der Zeit seit Diagnosestellung, von Vorerkrankungen, Krankheitsschwere und Verlauf).128
  • Es gibt zahlreiche Einzelberichte und Studienergebnisse, die von anhaltenden Beschwerden nach einer COVID-19-Erkankung berichten (Post-Covid-Syndrom).
    • Eine italienische Studie berichtet, dass von 179 hospitalisierten Patient*innen nach im Mittel 60 Tagen nur 12,6 % beschwerdefrei waren. Über die Hälfte der Betroffenen hatte 3 oder mehr Symptome.129
    • Am häufigsten wurde über Fatigue und Dyspnoe geklagt, gefolgt von Gelenkschmerzen, Thoraxschmerzen, Husten und Anosmie.

Verlaufskontrolle/Nachsorge

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis5

Versorgung von Patient*innen nach schwerer COVID-19-Erkrankung und nach Intensivtherapie

  • Spätfolgen der Erkrankung, nicht nur nach Intensivtherapie, können vielfältig sein. Generell unterscheidet man:
    • physische Einschränkungen (z. B. Polyneuropathien, Kachexie, Muskelschwäche, Lungenschädigungen oder Schluckstörungen nach Intubation)
    • kognitive Defizite und
    • psychische Beeinträchtigungen wie Depressionen oder posttraumatische Symptome, von denen auch Angehörige der Patient*innen betroffen sein können.
  • Aktives Screening und frühzeitige Interventionen können möglicherweise helfen, aggravierende Verläufe abzuwenden.
  • Dazu gehören die Kontrolle von peripherer Neurologie, von Gewicht, physischer Kraft, kardiopulmonaler Funktion, Schluckfunktion, Kognition sowie die aktive Abfrage psychischer Symptome.
  • Therapeutisch sind je nach Problematik frühzeitige Physiotherapie (u. a. funktionelles Bewegungstraining und Atemgymnastik), Ernährungsberatung, psychosomatische Begleitung und ggf. eine adjuvante Pharmakotherapie zu erwägen.

Empfehlungen für Wettkampfsportler*innen

  • JAMA-Autor*innen (Mitglieder des American College of Cardiology's Sports & Exercise Cardiology Council) schlagen ein strukturiertes Vorgehen vor der Wiederaufnahme sportlicher Betätigungen nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung für Wettkampfsportler*innen und sportlich hoch aktive Personen vor. So soll myokardialen Schädigungen vorgebeugt werden:130
    • asymptomatischer Verlauf
      • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Virusnachweis
      • langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung
      • Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung
    • milde oder moderate Symptome
      • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Symptomfreiheit
      • dann Troponin
      • 12-Kanal-EKG, Herzecho
      • abhängig von den Befunden evtl. weitere Diagnostik
      • bei unauffälligen Befunden langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung, Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung
      • bei Hinweisen auf eine kardiale Beteiligung Vorgehen wie bei einer Myokarditis.
    • Deutliche Symptome, hospitalisiert: In der Klinik Troponin, kardiale Bildgebung erwägen.
      • bei pathologischen Befunden: Vorgehen wie bei einer Myokarditis
      • bei fehlenden Hinweisen auf myokardiale Beteiligung während des Klinikaufenthalts:
        • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Symptomfreiheit
        • Dann kardiologische Diagnostik erwägen, wenn sie nicht in der Klinik erfolgt ist.
        • bei unauffälligen Befunden langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung, Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung.

Patienteninformationen

Worüber sollten Sie die Patient*innen informieren?

  • Empfehlungen des RKI für Reiserückkehrer: Informationen für Reisende in verschiedenen Sprachen
  • In Hinblick auf Hygieneregeln beraten:
    • gute Händehygiene, Husten- und Niesetikette sowie Abstand zu Erkrankten, MNS tragen.3
  • Personen, die einen engen Kontakt mit einer Person hatten, bei der SARS-CoV-2 im Labor nachgewiesen wurde, sollten Kontakte zu anderen Personen vermeiden und insbesondere bei respiratorischen Symptomen telefonisch ärztlichen Rat einholen oder sich mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.
  • Wenn das Gesundheitsamt hinzugezogen wurde: Bei Kontakt zu einer infizierten Person die Anweisungen des Gesundheitsamtes befolgen.

Patienteninformationen in Deximed

Weitere Informationen für Patient*innen

Quellen

Links zu weiteren Informationen

Empfehlungen und Informationsmaterial für die Hausarztpraxis

Fallzahlen und Statistiken

PCR-Diagnostik

Corona-Warn-App

Meldepflicht

Stationäre Versorgung

Versorgung in Senioren- und Pflegeeinrichtungen

Ambulante Pflegedienste

Berufliche und arbeitsrechtliche Aspekte

Wissenschaftliche Stellungnahmen und Publikationen

Leitlinien

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis. AWMF-Leitlinie Nr. 053-054. S1, Stand 13.07.2020 (Version 13). www.degam.de
  • Deutsche Gesellschaft für Intensivmedizin. Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit COVID-19. AWMF-Leitlinie Nr. 113-001. S1, Stand 21.07.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie. Coronavirus-Infektion (Covid-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 018-037. S1, Stand 17.09.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Empfohlene Präventionsmaßnahmen für die geburtshilfliche Versorgung in deutschen Krankenhäusern und Kliniken im Zusammenhang mit dem Coronavirus. AWMF-Leitlinie Nr. 015.092. S1, Stand 19.03.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Therapie von Patient*innen mit COVID-19 aus palliativmedizinischer Perspektive. AWMF-Leitlinie Nr. 128-002. S1, Stand 18.03.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Neurologische Manifestation bei COVID-19 Patient*innen. AWMF-Leitlinie 030-144. S1, Stand 18.08.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft. Soziale Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der COVID19-Pandemie. AWMF-Leitlinie 184-001. Stand 10.08.2020. www.awmf.de

Literatur

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  2. WHO: Coronavirus disease (COVID-19). Pandemic. Stand 24. März 2020 (letzter Zugriff 25.03.2020). www.who.int
  3. RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2 / Krankheit COVID-19. Stand 17.09.2020 (letzter Zugriff am 21.09.2020). www.rki.de
  4. RKI:Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete Stand: 23.09.2020 (letzter Zugriff 24.09.2020). www.rki.de
  5. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Neues Coronavirus –Informationen für die hausärztliche Praxis DEGAM S1-Handlungsempfehlung. AWMF-Leitlinie Nr. 053-054 (Stand 13.07.2020) Version 13. www.degam.de
  6. Joannidis JPA. A fiasco in the making? As the coronavirus pandemic takes hold, we are making decisions without reliable data. Stat News. March 17, 2020. (letzter Zugriff am 19.03.2020) MARCH 17, 2020. www.statnews.com
  7. van Dorp L, Acman M, Richard D, et al. Emergence of genomic diversity and recurrent mutations in SARS-CoV-2. Infection, Genetics and Evolution 2020. www.sciencedirect.com
  8. RKI: SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) Stand 18.09.2020 (letzter Zugriff am 21.09.2020). www.rki.de
  9. RKI. Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) Stand 23.09.2020 (letzter Zugriff am 24.09.2020) www.rki.de
  10. RKI. Serologische Untersuchungen von Blutspenden auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 (SeBluCo-Studie) Zwischenauswertung Datenstand 19.08.2020 (letzter Zugriff am 21.09.2020). www.rki.de
  11. RKI.COVID-19: Jetzt handeln, vorausschauend planen. Epid Bull. 2020; 12.19.03.2020. www.rki.de
  12. RKI: Virologische Basisdaten, SARS-CoV-2. Stand 10.09.2020 (letzter Zugriff am 14.09.2020). www.rki.de
  13. Fisher D, Heymann D. Q&A: The novel coronavirus outbreak causing COVID-19. BMC Med. 2020;18(1):57. Published 2020 Feb 28. www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. RKI: STAKOB, Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger am Robert Koch-Institut. Hinweise zu Erkennung, Diagnostik und Therapie von Patienten mit COVID-19 (Stand 06.08.2020). www.rki.de
  15. Matson MJ, Kwe Yinda C, Seifert SN, Bushmaker T, Fischer RJ, van Doremalen N, et al. Effect of environmental conditions on SARS-CoV-2 stability in human nasal mucus and sputum Emerg Infect Dis. 2020 Sep. wwwnc.cdc.gov
  16. Mitteilungen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit SARS-Coronavirus 2. Stand 17.03.2020 (letzter Zugriff am 21.03.2020). www.rki.de
  17. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. Covid-19 and pregnancy. BMJ 2020;369:m1672 (published 4 May 2020) (letzter Zugriff am 11.05.2020). www.bmj.com
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Autor*innen

  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
  • Guido Schmiemann, PD Dr. med., Facharzt für Allgemeinmedizin, Universität Bremen (Review)