Respiratorische Erkrankung durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

Aktuell diskutierte Aspekte – Direktsuche

Allgemeine Informationen1

Definition

  • Respiratorische Erkrankung durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2)
    • Laut WHO wird die Erkrankung als COVID-19 bezeichnet (Coronavirus Disease 2019).2
  • Häufung von Lungenentzündungen in der chinesischen Metropole Wuhan im Dezember 2019
  • Der Erreger wurde am 07.01.2020 von den chinesischen Behörden als neuartiges Coronavirus identifiziert.
  • Es gehört, wie das SARS-Virus, zu den Beta-Coronaviren.3
    • Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion.3
  • Pandemie: größte dokumentierte Fallzahl und die meisten Todesfälle inzwischen in Europa, Lateinamerika und den USA

Risikogebiete laut RKI4

Regelungen für Reisende

  • Gemäß Beschluss des Bundes und der Länder vom 28.10.2020 sind Bürger*innen ab dem 02.11.2020 aufgefordert, generell auf nicht notwendige private Reisen und Besuche – auch von Verwandten – zu verzichten. Das gilt auch im Inland und für überregionale tagestouristische Ausflüge.3
  • Seit dem 01.10.2020 gelten wieder länderspezifische Reisehinweise des Auswärtigen Amts. Die weltweite Reisewarnung für außereuropäische Länder wurde aufgehoben.
    • Weiterhin gilt eine Reisewarnung für nicht notwendige touristische Reisen für alle Länder, die als Risikogebiet eingestuft sind.
    • Von nicht notwendigen touristischen Reisen in Länder, in die eine Einreise nur eingeschränkt möglich ist, in denen Quarantäne nach der Einreise vorgeschrieben ist oder die keinen uneingeschränkten Reiseverkehr zulassen, wird ebenfalls abgeraten.
    • Aus welchen außereuropäischen Ländern derzeit eine Einreise möglich ist, listet das Bundesinnenministerium auf.

Einreisende aus Risikogebieten

  • Personen, die aus einem ausländischen Risikogebiet einreisen, in dem sie sich in den letzten 10 Tagen vor ihrer Einreise aufgehalten haben, müssen sich nach ihrer Einreise unverzüglich für 10 Tage in Quarantäne begeben. Dies wird vom zuständigen Gesundheitsamt überwacht.
  • Reiserückkehrer*innen aus nicht deutschen Risikogebieten müssen laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf Anforderung einen Nachweis eines Tests auf SARS-CoV-2 vorlegen, der höchstens 48 h vor der Anforderung vorgenommen wurde. Die Anforderung kann bis zu 10 Tage nach der Einreise erfolgen.
    • Personen, die keinen Test vorlegen, sind verpflichtet, eine Abstrichentnahme zu dulden. Bis zum 1. Dezember ist diese Testung kostenlos.
    • Die Möglichkeit, die Quarantänepflicht durch ein negatives Testergebnis vorzeitig zu beenden, besteht künftig grundsätzlich erst nach 5 Tagen.5
    • Die Regelung gilt nicht bei Durchreise durch ein Risikogebiet ohne Zwischenaufenthalt.
    • Bei Personen, die nachweislich eine molekulardiagnostisch nachgewiesene SARS-CoV-2-Infektion hatten und wieder als genesen gelten, ist keine Quarantäne erforderlich.
      • Nach Einreise aus einem Risikogebiet oder Exposition zu einem COVID-19-Fall soll in diesem Fall ein Selbstmonitoring und bei Auftreten von Symptomen eine sofortige Selbstisolation und Testung erfolgen.
    • Molekularbiologische Teste (PCR-Teste) zum direkten Nachweis des Coronavirus SARS-CoV-2 werden derzeit grundsätzlich aus allen Staaten der Europäischen Union sowie aus den hier genannten Staaten akzeptiert.
    • Antigentests zum direkten Nachweis des Coronavirus SARS-CoV-2 werden grundsätzlich aus allen Ländern anerkannt, sofern sie die von der WHO empfohlenen Mindestkriterien für die Güte von SARS-CoV-2-Ag-Schnelltests erfüllen (≥ 80 % Sensitivität und ≥ 97 % Spezifität, verglichen mit PCR-Tests).
    • Auch bei einem negativen Testergebnis besteht die Verpflichtung, unverzüglich das zuständige Gesundheitsamt zu kontaktieren, wenn innerhalb von 10 Tagen nach Einreise Symptome einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 auftreten.3
  • Weitere Informationen zu verpflichtenden Tests für Einreisende aus Risikogebieten bieten die FAQ des BMG.

Häufigkeit

Fallzahlen und Mortalität – allgemeine Informationen

  • Es ist unklar, wie hoch weltweit und in einzelnen Ländern die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten, oft asymptomatischen infizierten Personen ist.6
  • Analysen von Mutationen im Virusgenom lassen darauf schließen, dass sich SARS-CoV-2 bereits zu Beginn der Epidemie, also schon Ende 2019, sehr schnell weltweit ausgebreitet hat.7
    • Belege für ein früheres Zirkulieren von SARS-CoV-2 gibt es aber nicht.

Zahlen in Deutschland

  • Es ist auch in Deutschland von einer Untererfassung der SARS-CoV-2-Infizierten auszugehen.8
    • Laut RKI könnte die Anzahl der Infizierten um den Faktor 5 bis 10 größer sein als angegeben.
  • Die Lage ist instabil und ändert sich sehr kurzfristig.9
    • Die hohen bundesweiten Fallzahlen werden verursacht durch zumeist diffuse Geschehen, mit zahlreichen Häufungen in Haushalten, in Gemeinschaftseinrichtungen und Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie in beruflichen Settings und ausgehend von religiösen Veranstaltungen.
    • Für einen großen Anteil der Fälle kann das Infektionsumfeld nicht ermittelt werden.
  • Detaillierte Zahlen zur Lage in Deutschland finden Sie auf dem RKI-COVID-19-Dashboard (manchmal zeitverzögert, aber mit solider Datenbasis) und im täglichen Lagebericht des RKI.
  • Aktuelle Zahlen für bestimmte Städte und Landkreise sind mittels Suche nach Postleitzahlen unter COVID-PLZ-Check zu finden.
  • Das RKI bietet einen Überblick über laufende seroepidemiologische Studien in Deutschland.

Zahlen weltweit

  • Einen tagesaktuellen weltweiten Überblick über die Fallzahlen und Todesfälle  finden Sie auf dem Dashboard der Johns Hopkins University (sehr schnelle Publikation von Zahlen, aber Datengrundlage nicht behördlich bestätigt).3

Ätiologie und Pathogenese

SARS-CoV-2

  • Chinesischen Behörden gelang am 07.01.2020 der Virusnachweis.10
  • Das Virus gehört wie das SARS-Virus zu den Beta-Coronaviren.11
    • Coronaviren sind umhüllte RNA-Viren.
    • Das S(Spike)-Protein ist für den Eintritt in die Wirtszelle zuständig. Es induziert neutralisierende (protektive) Antikörper und ist deswegen wichtig für die Impfstoffentwicklung.
    • SARS-CoV-2 verwendet das transmembranäre Enzym ACE-2 als Rezeptor, um in die Wirtszellen zu gelangen; unterstützt wird der Zelleintritt durch die zelluläre Protease TMPRSS2 und andere Proteasen.
  • Man nimmt an, dass der Vorläufer des SARS-CoV-2 von Fledermäusen oder dem Schuppentier (Pangolin) stammt, Zwischenwirte wurden jedoch noch nicht identifiziert.12
  • Bei SARS-CoV-2 wurden zahlreiche unabhängige Mutationen festgestellt, die darauf hindeuten können, dass sich das Virus ständig verändert, um sich an seinen neuen menschlichen Wirt anzupassen.7
    • Analysen der Virusmutationen schließen ein Zirkulieren des Virus vor Ende 2019 aus.
    • Eine italienische Untersuchung von eingefrorenen Blutproben von Herbst 2019 deutet auf eine Ausbreitung des Virus bereits im September 2019 in Italien hin. 13
  • Coronaviren wurden erstmals Mitte der 60er-Jahre identifiziert. Sie können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere.3
    • Mit SARS-CoV-2 sind insgesamt 7 humanpathogene Coronaviren bekannt.
    • Coronaviren verursachen beim Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen Krankheiten wie das Middle East Respiratory Syndrome (MERS) von 2015 oder das Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) von 2003.

Übertragung

  • Infektionsquelle sind infizierte Personen mit oder ohne Symptomatik.8
    • Auch weiterhin ist eine Übertragung von Tieren (Nerzen) auf Menschen möglich. 14
  • Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2 ist die respiratorische Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen entstehen.8
    • Je nach Partikelgröße unterscheidet man Tröpfchen von kleineren Partikeln (Tröpfchenkerne oder infektiöse Aerosole), wobei der Übergang zwischen beiden Formen fließend ist.
    • Während insbesondere größere respiratorische Tröpfchen schnell zu Boden sinken, können Aerosole auch über längere Zeit in der Luft schweben und sich in geschlossenen Räumen verteilen.
    • Beim Atmen und Sprechen, aber noch weitaus stärker beim Schreien und Singen werden Aerosole ausgeschieden, beim Husten und Niesen entstehen zusätzlich deutlich mehr Tröpfchen.
  • Übertragungsrisiko in geschlossenen Räumen8
    • Der längere Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 m erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt, sich längere Zeit in einem Raum aufhält und exponierte Personen besonders tief einatmen.
    • Durch die Anreicherung und Verteilung der Aerosole ist unter diesen Bedingungen das Einhalten des Mindestabstandes ggf. nicht mehr ausreichend.
    • Gegenwärtig werden als mögliche Maßnahme unterschiedlichste (mobile) Geräte angeboten, die eine Reinigung bzw. eine Desinfektion der Raumluft erwirken sollen.3
      • Die falsche Annahme, dass bei Einsatz eines bestimmten Gerätes innerhalb eines Raumes auf weitere Maßnahmen z. B. die Einhaltung von Abstandsregeln oder das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verzichtet werden kann, sollte unbedingt vermieden werden.
  • Übertragungsrisiko im Freien8
    • Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.
    • Wenn der Mindestabstand von 1,5 m ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterschritten wird, z. B. wenn Gruppen von Personen an einem Tisch sitzen oder bei größeren Menschenansammlungen, besteht auch im Freien ein erhöhtes Übertragungsrisiko.15
    • SARS-CoV-2 ist bei geringen Temperaturen und geringer Luftfeuchtigkeit stabiler als in warmer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit.16
  • Kontaktübertragung
    • Eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist insbesondere in der unmittelbaren Umgebung von infizierten Personen nicht auszuschließen.8
  • Konjunktiven als Eintrittspforte
    • Bei einzelnen Patient*innen wurde SARS-CoV-2 in Konjunktivalproben nachgewiesen, dies ist jedoch kein Beleg, dass Konjunktiven als Eintrittspforte fungieren können.8
  • Bluttransfusion
    • Das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 durch Transfusion von nichtvirusinaktivierten Blutkomponenten wird als sehr gering eingeschätzt.17
  • Fäkal-orale Übertragung
    • Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben einiger betroffener Personen gefunden.8
  • Übertragung durch Nahrungsmittel
    • Nach derzeitigem Wissensstand sind bislang keine Übertragungen durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel nachgewiesen. 8
  • Vertikale Übertragung von der (infizierten) Mutter auf ihr Kind (vor, während, nach der Geburt sowie über Muttermilch)3,8
    • Basierend auf den bisher vorliegenden wenigen Untersuchungen und Fallberichten kann eine Übertragung im Mutterleib nicht ausgeschlossen werden.
    • In den meisten Fällen zeigen die Kinder COVID-positiver Mütter nach der Geburt keine Krankheitszeichen.
    • Es gibt keinen Hinweis auf eine erhöhte Rate an Fehlgeburten, Totgeburten oder Teratogenität.18
    • Bisher wurde SARS-Cov-2 in einigen Fällen in Muttermilch nachgewiesen, die Infektiosität wurde nicht untersucht.8
    • Eine Übertragung auf das neugeborene Kind ist über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion möglich.3
      • Bei einer Infektion der Mutter ist eine Trennung vom Neugeborenen nicht erforderlich.18-19
  • Übertragung durch prä- und asymptomatische Infizierte
    • Studiendaten sprechen dafür, dass SARS-CoV-2 in größerem Ausmaß von präsymptomatischen und vermutlich in einem geringeren Ausmaß von asymptomatischen Infizierten übertragen wird. 8
  • Ansteckung durch infizierte Kinder8
    • Die Infektiosität im Kindesalter wurde bisher selten untersucht und kann daher nicht abschließend bewertet werden.
    • Die Ansteckungsrate durch Kinder war in Studien ähnlich hoch oder höher als bei erwachsenen Indexfällen.
    • Studien zur Viruslast bei Kindern zeigen keinen wesentlichen Unterschied zu Erwachsenen.
  • Ansteckungsgefahr in Sammelunterkünften 
    • Geflüchtete und andere Bewohner*innen von Sammelunterkünften sind besonders gefährdet, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und an COVID-19 zu erkranken.
  • Medizinischer Sektor
    • Ein Hochrisiko-Setting sind Aerosol-produzierende Vorgänge, wie z. B. Intubation, Bronchoskopie oder zahnärztliche Prozeduren, bei denen eine Übertragung mittels Aerosol auf ärztliches/pflegerisches Personal möglich ist.8
  • „Superspreading“ und „Superspreading Events“ (SSE)8
    • begünstigende Begleitumstände
      • hohe individuelle Infektiosität
      • kleine Räume
      • keine oder geringe Frischluftzufuhr
      • längerer Aufenthalt
      • vermehrte Freisetzung kleiner Partikel durch Aktivitäten mit gesteigerter Atemtätigkeit wie Schreien, Singen, Sporttreiben oder andere schwere körperliche Aktivität
      • Sozialverhalten: extensive soziale Interaktionen und erhöhte Kontaktrate
      • besonders viele vulnerable Personen unter den Exponierten
    • Verhinderung durch Vermeidung der „3 Gs":
      1. geschlossene Räume (mit schlechter Belüftung) 
      2. Gruppen und Gedränge (mit vielen Menschen an einem Ort)
      3. Gespräche (in lebhafter Atmosphäre und engem Kontakt mit anderen)

Inaktivierung des Virus8 

  • Angaben zur Temperaturbeständigkeit in Flüssigkeiten variieren sehr stark und erscheinen teilweise widersprüchlich: Bei 60 °C wird das Virus in Abhängigkeit von der Proteineinbettung in 15–30 Minuten bis unter die Nachweisgrenze inaktiviert, bei 65 °C werden 10 Minuten zur weitgehenden Inaktivierung benötigt. Zum kompletten Verlust der Infektiosität werden bei 56 °C und 65 °C 90 Minuten und bei 75°C 30–45 Minuten angegeben.
  • Niedrige Temperaturen (–4 °C) vermindern die Infektiosität bei beiden SARS-Coronaviren nicht.
  • Bis 30 °C bleibt die Infektiosität von SARS-CoV-2 auf Oberflächen konstant. Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit und hoher Temperatur (38 °C, > 95 % r. F.) konnte SARS-CoV bereits innerhalb von 24 Stunden inaktiviert werden.

Inkubationszeit

  • Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit 10–14 Tage betragen kann, im Median beträgt sie 5–6 Tage.8

Ausbreitung und Infektiosität

  • Die Basisreproduktionszahl R0 bezeichnet die Zahl der Ansteckungen, die unter Anfangsbedingungen von einem COVID-19-Fall ausgehen: keine Immunität, keine Schutzmaßnahmen, keine Impfung.
  • Aufgrund der bisherigen Daten wird angenommen, dass R0 zwischen 3,3 und 3,8 liegt8 (zum Vergleich: R0 von Masern ca. 12–18, von Influenza 1–2).
  • Ohne Gegenmaßnahmen würde die Zahl der Infektionen rasch exponentiell ansteigen und erst stoppen, wenn bis zu 70 % der Bevölkerung eine Infektion bzw. Erkrankung durchgemacht haben, also immun sind und das Virus ihrerseits nicht mehr weiterverbreiten können.3
  • Durch Infektionsschutzmaßnahmen lässt sich die Reproduktionszahl verringern. Man spricht von einer zeitabhängigen Reproduktionszahl R(t).
    • R < 1: sinkende Anzahl täglicher Neuinfektionen
  • Die 4- und 7-Tage-Reproduktionszahlen für Deutschland werden vom RKI täglich geschätzt. Die jeweils aktuelle Schätzung ist im täglichen Situationsbericht des RKI zu finden.9
  • Neben der Basisreproduktionszahl kann der Dispersionsfaktor (K oder Kappa) die Verbreitung der Infektion erklären.20-21
    • Die Reproduktionszahl stellt lediglich einen Mittelwert dar.
    • Die meisten infektiösen Menschen scheinen keinen weiteren anzustecken, manche stecken allerdings sehr viele an.
    • Dies ist eine Erklärung für das Auftreten der Infektion in Clustern.
    • Je geringer der Dispersionsfaktor, umso niedriger ist die Zahl der Verursacher.
    • Nach aktuellen Schätzungen scheinen bei COVID 10 % der Infizierten für 80 % der Infektionen verantwortlich zu sein.

Dauer der Kontagiosität8

  • Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass die Ansteckungsfähigkeit zum Zeitpunkt des Symptombeginns, an den Tagen vor Symptombeginn und in der frühen Erkrankungsphase am höchsten ist.
  • Bei mild-moderater Erkrankung geht die Kontagiosität 10 Tage nach Symptombeginn signifikant zurück.
  • Bei schweren Erkrankungen gibt es Hinweise, dass die Patient*innen auch noch deutlich später als 10 Tage nach Symptombeginn ansteckend sein können.

Manifestationsindex8

  • Der Manifestationsindex beschreibt den Anteil der Infizierten, der auch tatsächlich erkrankt.
    • Manifestationsindizes werden in verschiedenen Übersichtsarbeiten auf 55–85 % geschätzt.

Immunität8

  • Humorale Immunität
    • Eine Infektion mit SARS-CoV-2 induziert die Bildung verschiedener Antikörper, die im Median in der 2. Woche nach Symptombeginn nachweisbar sind.
    • Auch neutralisierende Antikörper sind in der Regel am Ende der 2. Woche nach Symptombeginn nachweisbar, jedoch nimmt der Titer neutralisierender Antikörper wie auch der Gesamt-IgG-Antikörper, insbesondere bei Personen mit milder oder asymptomatischer Infektion, ab.
    • Es ist nach wie vor unklar, zu welchem Grad die Titer neutralisierender Antikörper bzw. der Antikörper, die das SARS-CoV-2-Spike- bzw. Nukleocapsid-Protein binden, mit einem Schutz vor einer Reinfektion oder schweren Erkrankung korrelieren.
    • Studienergebnisse nach Untersuchungen an asymptomatischen und rekonvaleszenten Patient*innen deuten darauf hin, dass nicht alle (nur 2/3) SARS-CoV-2-Infizierte neutralisierende Antikörper bilden und dass Antikörper bei manchen Erkrankten nur wenige Wochen nachweisbar sind.22-23
    • Asymptomatische Infizierte scheinen weniger Antikörper zu bilden, die auch weniger lang persistieren, als symptomatisch Erkrankte.22
  • Zelluläre Immunität
    • Bei Erkrankten wurde eine T-Zell-Reaktivität gegen das Spike-Protein sowie gegen weitere SARS-CoV-2-Proteine festgestellt, die mit dem Nachweis neutralisierender bzw. Nukleocapsid-Antikörper korrelierten.
    • T-Zellen konnten auch bei Infizierten nachgewiesen werden, die keine Antikörpertiter aufwiesen und asymptomatisch waren. Somit könnten T-Zellen auch bei fehlendem Antikörpernachweis Schutz bieten.
  • Reinfektionen
    • Bisher sind nur wenige Fälle von Reinfektionen beschrieben worden, bei denen Veränderungen im viralen Genom der Viren vorlagen, die in den verschiedenen Infektionsepisoden nachweisbar waren.
  • Kreuzreaktive Immunantwort
    • Bei Personen verschiedener Altersstufen ohne SARS-CoV-2-Infektion wurden HCoV-Antikörper (Antikörper gegen endemische Coronaviren) gemessen, die mit dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 kreuzreagieren und neutralisierende Wirkung besitzen.

Pathophysiologie24

  • Bei schwer verlaufenden COVID-19-Fällen wird von 3 Krankheitsstadien ausgegangen:25
    • Stadium I: frühe Infektion, milde unspezifische Symptomatik
    • Stadium II: pulmonale Phase, abrupte respiratorische Verschlechterung, Hypoxie bis hin zu ARDS
    • Stadium III: hyperinflammatorische Phase, ARDS, disseminierte intravasale Gerinnung, Multiorganversagen.
  • SARS-CoV-2 dockt am ACE2-Rezeptor in den Alveolarzellen und intestinalen Epithelzellen an, demselben Rezeptor, den auch das SARS-Virus von 2003 verwendet hat.26
    • COVID-19 kann sich in vielfältiger Weise und nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen manifestieren.8
    • Die Manifestationsorte sind u. a. von der Dichte der ACE-2-Rezeptoren in den Geweben abhängig, die dem Virus den Eintritt in die Zelle ermöglichen.8
    • Über hohe ACE2-Dichte wurde nicht nur im Respirationstrakt, sondern z. B. auch auf Enterozyten, Gefäßendothelzellen, Nierenepithel und Myokardzellen berichtet.11
  • ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome)
    • Das ARDS bei COVID-19 ist durch eine diffuse alveolare Schädigung, inklusive hyaline Membrane charakterisiert.27 
  • Zytokinsturm, hyperinflammatorische Phase
    • Manche Patient*innen reagieren auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 mit einem Zytokinsturm (mit Merkmalen einer bakteriellen Sepsis oder der überschießenden Immunreaktion bei einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose).
    • In der späten, hyperinflammatorischen Erkrankungsphase (Stadium III) stehen immunologische Prozesse im Vordergrund, die Virusreplikation ist meist nicht mehr nachweisbar.28

Prädisponierende Faktoren

  • Erhöhtes Infektionsrisiko8
    • Aufenthalt in Regionen mit hohem Erkrankungsaufkommen
    • Face-to-face-Kontakt zu einer infizierten Person von mindestens 15 min Dauer, direktes Anhusten/Anniesen durch eine infizierte Person
    • Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen und Sammelunterkünften für Geflüchtete
    • Angestellte in großen fleischverarbeitenden und landwirtschaftlichen Betrieben
    • Ärztliches und medizinisches Personal, Pflegekräfte, die in engen Kontakt mit Erkrankten kommen.
    • Die „3 Gs" für Superspreader-Events: geschlossene Räume, Gruppen und Gedränge, Gespräche (in engem Kontakt)
    • Ethnie (Personen afroamerikanischer oder asiatischer Abstammung sowie Angehörige ethnischer Minderheiten haben ein erhöhtes Infektionsrisiko)29
    • männliches Geschlecht29 
    • Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI)29
  • Schwerer Verlauf8– höheres Lebensalter, chronische Erkrankungen
    • Alter allein scheint bis zum 70. Lebensjahr eine untergeordnete Rolle zu spielen.30
    • Das Risiko für einen schweren Verlauf steigt insbesondere mit der Anzahl der chronischen Erkrankungen an.
    • Bei den 70- bis 79-Jährigen ohne Vorerkrankungen beträgt das Risiko für einen tödlichen Verlauf 5 % (bei 4 chronischen Erkrankungen bereits 28 %).
    • Siehe Risikofaktoren für einen schweren Verlauf im Abschnitt Anamnese.

ICPC-2

  • R991 COVID-19
    • Gilt für Verdachtsfälle und bestätigte COVID-19-Fälle.
  • R 81 Lungenentzündung
  • A77 Virale Erkrankung NNB, andere

ICD-10

  • U07.1 G COVID-19 (Coronavirus-Krankheit 2019, Virus durch Labortest nachgewiesen)
    • Zusatzkode, Verwendung nur in Kombination mit einem anderen ICD-Kode, z. B. J06.9 Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
  • U07.2 G Verdacht auf COVID-19 (nicht nachgewiesen)
    • Zusatzkode, Verwendung nur in Kombination mit einem anderen ICD-Kode, z. B. J06.9 Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
  • Hinweise der KBV
    • Die Kodes ausschließlich mit dem Zusatzkennzeichen „G" (gesichert) für die Diagnosesicherheit angeben.
    • Bei beiden COVID-19-Kodes handelt es sich nach der ICD-10-GM um Zusatzkodes, also sog. Ausrufezeichenkodes (!). Das Ausrufezeichen gehört zur Bezeichnung des Kodes, es wird aber bei der Kodierung nicht angegeben.
    • Sie sind nicht zu verwenden, wenn ein Verdacht besteht, ohne dass die RKI-Kriterien sicher erfüllt sind (z. B. ausschließlich vermuteter Kontakt mit einem COVID-19-Infizierten) oder um den Ausschluss oder den Zustand nach einer COVID-19-Infektion zu verschlüsseln, dann nur z. B. J06.9 G.
    • Bei Abstrich nach Warnhinweis in der Corona-Warn-App sind folgende Ziffern zu kodieren: bei Abstrichentnahme Kode U99.0 G (spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2) zusammen mit dem ICD-Kode Z11 G (spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten).
    • Für Testungen im Rahmen des bayerischen Testkonzepts gelten die gleichen ICD-Kodes wie für Tests aufgrund der Corona-Warn-App.
    • Bei Beauftragung durch den ÖGD ist keine Kodierung vorgesehen.
    • Für Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten ist keine Kodierung gemäß § 295 SGB V (Sozialgesetzbuch) vorgesehen, mögliche Kodierung gemäß ICD-10-GM: Z11 G und U99.0 G für die Testung (es kann regionale Vereinbarungen geben).

Diagnostik

Allgemeine Hinweise für die Hausarztpraxis

Vorgehen bei Verdachtsfällen

  • Flussschema des RKI COVID-19-Verdacht: Maßnahmen und Testkriterien – Orientierungshilfe für Ärzte (mit Hinweisen für die ambulante Versorgung, wie z. B. in der Hausarztpraxis)
  • Bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 müssen Ärzt*innen/Hausärzt*innen das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.3
    • Unter diesem Link zum RKI können Gesundheitsämter nach Postleitzahl gesucht werden.
  • Für einen Corona-Abstrich soll medizinisches Personal eine FFP2-Maske anlegen sowie Schutzkittel, Handschuhe und einen Gesichtsschutzschild.
    • Laut DEGAM sollen Praxen ohne Schutzausrüstung nicht testen.31
    • RKI und das Bundesministerium für Gesundheit bieten Informationen zum Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken (Links beim RKI).
  • Die DEGAM empfiehlt Selbstabstriche als pragmatisches und ausreichend zuverlässiges Verfahren.31
    • Erkrankte (oder Angehörige) können Teströhrchen an der Praxis (Übergabe kontaktlos draußen) abholen, den Test durchführen und dann das Röhrchen ebenso kontaktlos wieder an der Praxis abgeben.
    • Die DEGAM hat eine Anleitung zum Selbsttest herausgegeben.
  • Je nach Bundesland bestehen unterschiedliche Vorgaben zur Maskenpflicht in Praxen, siehe Hinweise zu den Regelungen der Bundesländer.

Praxisschließung, Arbeitsunfähigkeit und AU-Bescheinigung – lnformationen der KBV32

  • Ärzt*innen haben Anspruch auf Entschädigung, wenn der Praxisbetrieb aus infektionsschutzrechtlichen Gründen untersagt wird.
  • Bei Arbeitnehmer*innen, die in Quarantäne müssen, aber keine Symptome haben, müssen zunächst die Arbeitgeber den Lohn auszahlen; dieser ist aber vom Land zu erstatten.
    • Es darf keine AU-Bescheinigung ausgestellt werden.
  • Sobald Arbeitnehmer*innen, die bisher symptomfrei waren, während der Quarantäne erkranken, besteht Arbeitsunfähigkeit.
    • Bei Arbeitsunfähigkeit ist also trotz Quarantäne eine AU-Bescheinigung erforderlich.
  • Ab 19.10.2020 bis Ende 2020 sind wieder AU-Bescheinigungen ausschließlich bei Patient*innen, die an leichten Atemwegserkrankungen leiden, für bis zu 7 Tage nach telefonischer Anamnese erlaubt (siehe KBV).
      • Eine Verlängerung um bis zu 7 Tage ist einmalig möglich.
      • Dies gilt auch für die Ausstellung einer „Ärztlichen Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes" (Formular 21).
        • Bleibt es in dem Quartal bei einem telefonischen Kontakt, ist die Bereitschaftspauschale (GOP 01435) berechnungsfähig.
    • Seit 16.07.2020 ist laut G-BA die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit für 7 Tage per Videosprechstunde erlaubt.
      • Voraussetzung ist, dass die Patient*innen der Arztpraxis bekannt sind und die Erkrankung eine Untersuchung per Videosprechstunde zulässt.
  • Die KBV bietet Hinweise und Erläuterungen zur Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit

Hinweise zu Abrechnung und Vergütung (KBV)

  • Inzwischen gibt es bundesweit unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten, Vergütungen und Kostenträger für unterschiedliche Abstrichindikationen.
    • Patient*innen mit COVID-19-Symptomen
    • Personen mit Warnhinweis in der Corona-Warn-App
    • Pflichttests für Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten (siehe Informationen der KBV)
      • Bei Einreise aus einem ausländischen Risikogebiet in den letzten 14 Tagen vor Einreise reicht die Mitteilung über den Aufenthalt im Risikogebiet in der Arztpraxis (Vorlage von z. B. Hotelrechnung oder Boardingpass).
      • Bei Aufenthalt in einem innerdeutschen Risikogebiet muss der Test vom Öffentlichen Gesundheitsdienst veranlasst werden.
    • Testung im Auftrag des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD)
    • Testung im Rahmen der Nationalen Teststrategie.
  • Zu den Testindikationen stellt die KVB eine Übersicht zur Corona-Testung und Informationen zur Testung asymptomatischer Personen und hierzu eine Übersichtstabelle bereit.
  • Zusätzlich gibt es auch Testungen nach speziellen Vereinbarungen der Bundesländer, wie z. B.:
    • Testung nach bayerischem Testkonzept 
      • Test auf Wunsch von asymptomatischen Bewohner*innen Bayerns, auch ohne Krankenversicherung
      • Reihentestung von z. B. Lehrkräften und Erzieher*innen in Bayern
      • Abrechnung über die KVB; für den Abstrich Ziffer 98050 (16,53 €)
      • Laborüberweisung auf Muster 10 mit Freitext „98055-Bayerisches Testangebot“ 

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Grundsätze für die hausärztliche Praxis

  • Machen Sie Ihre Patient*innen mit akuten respiratorischen Infekten und/oder Fieber darauf aufmerksam, dass sie nicht direkt in die Praxis kommen, sondern zunächst telefonieren/faxen/mailen (regionale Gegebenheiten berücksichtigen):
    • Hausärzt*in
    • ggf. zentrale Teststation/en
    • ärztlicher Bereitschaftsdienst Tel. 116 117
    • Gesundheitsamt.
  • Schutz und Sicherheit anderer Patient*innen und der Praxismitarbeiter*innen haben höchste Priorität.
  • Daher: Keine Testung auf SARS-CoV-2 bei fehlender Schutzausrüstung (insbesondere Maske [mind. FFP2 ohne Ausatemventil]) und Gesichtsschutzschild, in diesem Fall ggf. Schild vor der Praxis: „Praxis führt keine Testungen durch“, oder Patienten-Selbstabstrich außerhalb der Praxis erwägen.
    • Die Qualität von Selbstabstrichen ist nach vorliegender Evidenz den von medizinischem Personal durchgeführten Abstrichen vergleichbar.
    • Fehlende oder nicht angelegte FFP-2-/FFP-3-Masken erhöhen das Risiko für eine SARS-CoV2-Infektion bei Ärzt*innen und medizinischen Fachangestellten.

Empfehlung – Infektionsschutz

  • Als Schutzmaßnahme im medizinischen Bereich mit direktem Patientenkontakt sollen ein Gesichtsschutzschild (engl. Face Shield) über einer anderen Maske (FFP-2 oder -3 bzw. chirurgische Maske), Schutzkittel, Handschuhe, ggf. Schutzbrille getragen werden.
  • FFP-2- bzw. FFP-3-Masken mit Ausatemventil sind obsolet, da sie im Falle einer Infektion der sie tragenden Person keinen ausreichenden Schutz anderer Personen bieten.
  • Zum Schutz der Praxis und der Patient*innen sollen/soll
    • Patient*innen nicht ohne Mund-Nasen-Abdeckung in der Praxis erscheinen. (ein normaler Schal [Stoff, einlagig] ist als Mund-/Nasenbedeckung allerdings ungeeignet), ggf. sollen die Patient*innen mit einem MNS versorgt werden.
    • ein Mindestabstand von mindestens 1,5 m eingehalten werden.
    • Abstandsmarkierungen am Empfang mit Tape auf dem Boden und/oder Plexiglasschutz vorgehalten werden.
    • Händedesinfektion über Spender am Praxiseingang angeboten werden (3 ml, 30 sec Einwirkzeit).
    • regelmäßig Fenster der Praxis zur Quer- oder Stoßlüftung geöffnet werden.
    • Patient*innen mit und ohne Infekt zu unterschiedlichen Zeiten (z. B. im Rahmen einer Infektsprechstunde) bzw. in unterschiedlichen Bereichen gesehen werden.
    • für Patient*innen, die leicht erkrankt sind, die Behandlung vorzugsweise telefonisch bzw. per Video erfolgen. Dabei ist individuell zu entscheiden, ob ein Abstrich erfolgen soll (entweder im Testzentrum oder in der Praxis).
    • Patient*innen mit Symptomen, die in der Praxis untersucht/versorgt werden müssen, in einen eigenen, möglichst gut gelüfteten Praxisraum oder in einen separaten Bereich außerhalb der Praxis geleitet werden.

Organisatorische Hinweise

  • Testung von Mitarbeiter*innen in Praxen 
    • Bei Symptomen einer Atemwegserkrankung ist immer eine Testung (PCR-Test) und Herausnahme aus der Versorgung erforderlich.
  • Medizinisches Personal, das mit einem Verdachtsfall in Kontakt gekommen ist, gilt bei Einhaltung der üblichen Hygienestandards nicht als „enge" Kontaktperson und muss weder unter Quarantäne, noch getestet werden (letztlich entscheidet das Gesundheitsamt).
  • Wenn medizinischem Personal über die Corona-Warn-App ein „erhöhtes Risiko“ gemeldet wird, wird auch bei Abwesenheit von Symptomen eine Testung empfohlen.

Diagnostische Kriterien

COVID-19-Verdacht: Testkriterien und Maßnahmen34

  • Testkriterien des RKI im Flussschema des RKI
    • Eine Testung auf SARS-CoV-2 soll durchgeführt werden, wenn folgende Testkriterien erfüllt sind:
      1. schwere respiratorische Symptome (z. B. akute Bronchitis, Pneumonie, Atemnot oder Fieber) ODER
      2. Störung des Geruchs- und Geschmackssinns ODER
      3. Symptome und Kontakt (KP1) mit einem bestätigten COVID-19-Fall → Meldepflichtiger Verdachtsfall! ODER
      4. Verschlechterung des klinischen Bildes nach anhaltenden akuten respiratorischen Symptomen ODER
      5. akute respiratorische Symptome jeder Schwere UND
        • Zugehörigkeit zu Risikogruppe ODER
        • Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus ODER
        • nach Exposition bspw. Veranstaltungen mit unzureichender Einhaltung der AHA+L-Regeln ODER
        • Kontakt zu Personen mit akuter respiratorischer Erkrankung (im Haushalt oder Cluster ungeklärter Ursache UND 7-Tages-Inzidenz > 35/100.000) ODER
        • weiterhin (prospektiv) enger Kontakt zu vielen Personen oder Risikopatient*innen.
    • Sind die Testkriterien nicht erfüllt, soll keine Testung erfolgen. Bei sonstigen akuten respiratorischen Symptomen soll eine häusliche Isolierung für 5 Tage UND mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit (insbesondere ab einer 7-Tages-Inzidenz von 35/100.000) erfolgen.
  • Hinweis der DEGAM31
    • Durch die obige Definition des RKI bleiben einige Patient*innen unberücksichtigt, die nicht den oben aufgeführten Kriterien entsprechen, bei denen die Abklärung einer SARS-CoV-2-Infektion dennoch differenzialdiagnostisch sinnvoll sein kann, z. B. bei anderen ätiologisch primär unklaren Beschwerdebildern wie Fieber, Kopf- und/oder Gliederschmerzen, gastrointestinalen oder neurologischen Beschwerden sowie unklaren Hautausschlägen.
  • Zusammenfassung der RKI-Empfehlungen durch die DEGAM31
    • Im Fall von knapp werdenden Testressourcen sollte das Testen wie folgt priorisiert werden:
      1. symptomatische Personen
      2. Personen mit Kontakt zu bestätigtem COVID-19-Fall sowie bei Ausbrüchen von SARS-CoV-2 in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Praxen
      3. Aufnahme bzw. Wiederaufnahme in Einrichtungen
      4. Menschen mit beruflichem Risiko, z. B. durch Tätigkeit in Medizin und Pflege
      5. Reiserückkehrer*innen bzw. Besucher*innen von Einrichtungen.

Testkriterien für Schulen

Kontakt­personen­nach­ver­folgung 

  • Laut DEGAM und RKI gilt medizinisches Personal, das mit einem Verdachtsfall in Kontakt gekommen ist, bei Einhaltung der üblichen Hygienestandards nicht als enge Kontaktperson und muss weder in Quarantäne noch getestet werden.31,35
  • Für die Einschätzung der individuellen Situation sind die lokal zuständigen Gesundheitsämter verantwortlich.
  • Das RKI bietet
  • Dort finden Sie auch folgende Dokumente:
  • Das Zeitintervall, in dem ein Kontakt mit einer Indexperson relevant ist, variiert je nachdem, ob die Indexperson im Rahmen der SARS-CoV-2-Infektion symptomatisch wurde oder nicht.35
    • symptomatische Fälle mit bekanntem Symptombeginn: ab dem 2. Tag vor Auftreten der ersten Symptome des Indexfalles, bis mindestens 10 Tage nach Symptombeginn, bei schwerer oder andauernder Symptomatik ggf. auch länger
    • asymptomatische Fälle 
      • infektiöse Periode bei unbekanntem Infektionsdatum = 2 Tage vor Probenahmedatum bis 10 Tage nach Probenahmedatum
      • infektiöse Periode bei bekanntem Infektionsdatum = von Tag 3 nach Exposition bis Tag 15 nach Exposition

Nationale Teststrategie zur Testung asymptomatischer und symptomatischer Personen36

  • Das RKI hat eine Übersichtstabelle über die Nationale Teststrategie zur Priorisierung und Testung verschiedener Personengruppen herausgegeben.
    • Von der Testung von Personen, die nicht Teil der Nationalen Teststrategie sind, wird ausdrücklich abgeraten.
  • Für die Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung bei vorsorglicher Testung in den hier aufgeführten Fällen hat das BMG eine Rechtsgrundlage geschaffen. Weitere Informationen hierzu finden Sie bei der KBV.
  • Ein positiver Antigentest muss immer durch einen positiven PCR-Test bestätigt werden.
  • Symptomatische Personen
    • Siehe Testkriterien und Maßnahmen.
      • PCR empfohlen
      • Antigentest im Ausnahmefall (z. B. begrenzte PCR-Kapazität, schnelles Ergebnis erforderlich)
  • Asymptomatische Personen
    • enge Kontaktpersonen bestätigter COVID-19-Fälle
      • PCR empfohlen
      • Antigentest im Ausnahmefall (z. B. begrenzte PCR-Kapazität, zur Überbrückung der Wartezeit auf das Ergebnis einer gleichzeitig durchgeführten PCR)
    • bei bestätigter SARS-CoV2-Infektion in Gemeinschaftseinrichtungen (oder zur Erkennung von Ausbrüchen, z. B. in Schulen, Kita, Flüchtlingsunterkunft, Notunterkunft, Justizvollzugsanstalt)
      • Testung von Personen in den Einrichtungen
      • PCR empfohlen
      • Antigentest möglich (falls ein schnelles Ergebnis notwendig ist, bei begrenzter PCR-Kapazität)
    • bei bestätigter SARS-CoV2-Infektion in Pflege- und medizinischen Einrichtungen: in Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung, Einrichtungen für ambulante Operationen, Dialysezentren, Arztpraxen und Praxen anderer medizinischer Heilberufe
      • zeitnahe Testung von Bewohner*innen, Betreuten, Patient*innen, ggf. Besucher*innen und dem gesamten Personal
      • PCR-empfohlen
      • Antigentest möglich (bei PCR-Kapazitätsmangel oder zur sofortigen Entscheidung hinsichtlich der Einleitung einer Kohorten-Isolierung)
    • ohne COVID-19-Fall; Personal in Pflege- und medizinischen Einrichtungen: in Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung, Einrichtungen für ambulante Operationen, Dialysezentren
      • vermehrte Testung in Gebieten mit einer erhöhten Inzidenz (z. B. 7-Tage-Inzidenz > 50/100.000) in Abstimmung mit der lokalen Gesundheitsbehörde
      • Regelmäßige Testung von Mitarbeiter*innen, die Patient*innen und Bewohner*innen oder möglicherweise auch COVID-19-Patient*innen betreuen, empfohlen.
      • Antigentest empfohlen
      • Bestätigung positiver Ergebnisse durch PCR obligat
    • ohne COVID-19-Fall; Patient*innen, Bewohner*innen und Betreute in Pflege- und medizinischen Einrichtungen: in Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung, Einrichtungen für ambulante Operationen, Dialysezentren
      • Patient*innen, Bewohner*innen und Betreute der o. g. Einrichtungen vor (Wieder-)Aufnahme sowie vor ambulanten Operationen, erneute Testung in einem gewissen Abstand
      • PCR empfohlen
      • Antigentest nur in Ausnahmefällen (bei begrenzter PCR-Kapazität)
    • ohne COVID-19-Fall; Besucher*innen in Pflege- und medizinischen Einrichtungen: in Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, stationären Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung, Einrichtungen für ambulante Operationen, Dialysezentren
      • bei einer erhöhten Inzidenz (z. B. 7-Tage-Inzidenz > 50/100.000), in Abstimmung mit der lokalen Gesundheitsbehörde
      • Antigentest empfohlen
      • negatives Ergebnis nur für den Besuchstag gültig (einmal wöchentlich möglich)
    • ohne COVID-19-Fall; Personal in Praxen
      • vermehrtes Testen empfohlen
      • regelmäßige vorsorgliche Reihentestung bei einer erhöhten Inzidenz (z. B. 7-Tage-Inzidenz > 50/100.000)
      • Antigentest empfohlen
      • PCR möglich
    • Einreisende aus dem Ausland
      • Zu den Pflichttests für Einreisende aus Risikogebieten siehe Abschnitt Risikogebiete. Zu diesen und weiteren Teststrategien siehe auch den Abschnitt Abrechnung und Vergütung.
      • Asymptomatische Personen haben innerhalb von 10 Tagen nach Einreise aus einem Risikogebiet Anspruch auf Testung (bei Aufenthalt in einem Risikogebiet innerhalb der letzten 14 Tage laut RKI, das BMG spricht von 10 Tagen).
      • PCR empfohlen
      • Antigentest möglich
    • innerdeutsche Reisen
      • Asymptomatische Personen haben Anspruch auf Testung, wenn sie sich in einem Gebiet mit erhöhter Inzidenz (z. B. 7-Tage-Inzidenz > 50/100.000) aufhalten oder in den letzten 14 Tagen aufgehalten haben.
      • Antigentest möglich
    • Teststrategie an Schulen

Interdisziplinäre S2k-Leitlinie: Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-1937

Diagnostik bei Klinikaufnahme

  • Im Rahmen der aktuellen Pandemiesituation soll bei jeder stationären Aufnahme einer Patientin/eines Patienten ein aktueller PCR-Test vorliegen oder erfolgen.
  • Falls bei stationärer Aufnahme zunächst ein Antigennachweis auf SARS-CoV-2 erfolgt, soll parallel die PCR Testung durchgeführt werden.
  • Bei negativer SARS-CoV-2 PCR und dringendem klinischem Verdacht soll eine 2. Probe untersucht werden.

Differenzialdiagnosen38

Anamnese

Symptome allgemein

  • Nach Kontakt zu bestätigten Coronavirus-Fällen und beruflicher Exposition fragen.
  • Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen kann, im Median beträgt sie 5 Tage.8
  • Die Symptome von COVID-19 sind unspezifisch. Das klinische Bild kann zwischen asymptomatischen Verläufen und schweren Pneumonien mit Todesfolge variieren.
    • Frauen und Männer sind von einer SARS-CoV-2-Infektion etwa gleich häufig betroffen, Männer erkranken jedoch häufiger schwer als Frauen.8
  • Die Auswertung deutscher Fälle des RKI kam zu folgenden Zahlen:8
    • Husten 41 %
    • Fieber 31 %
    • Schnupfen 24 %
    • Geruchs- und Geschmacksverlust 21 %
    • Pneumonie 2 %.
    • Nicht quantitativ erfasst sind weitere Symptome:
      • Halsschmerzen
      • Atemnot
      • Kopf- und Gliederschmerzen
      • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
      • Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall
      • Konjunktivitis
      • Hautausschlag
      • Lymphknotenschwellung
      • Apathie, Somnolenz.

Spezielle Symptome8

  • Pulmonale Erkrankungen
    • SARS-CoV-2 verursacht sehr häufig Atemwegsinfektionen. Meist in der 2. Krankheitswoche kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein beatmungspflichtiges ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) fortschreiten kann.
  • Gastrointestinale Symptome
    • Eine SARS-CoV-2-Infektion kann mit gastrointestinalen Symptomen (Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Durchfälle) und Leberfunktionsstörungen einhergehen.
  • Hautmanifestationen
    • Es ist eine relativ große Bandbreite an dermatologischen Manifestationen beschrieben, die jedoch insgesamt selten sind (0,2–1,2 %), u. a. juckende, morbilliforme Ausschläge, Papeln, Rötungen und ein Nesselsucht-ähnliches Erscheinungsbild sowie Hautbläschen, in seltenen Fällen schwere Durchblutungsstörungen in den Akren bis hin zur Gangrän.
    • Ein Auftreten dieser Hautmanifestationen ist sowohl am Anfang des Krankheitsverlaufs (noch vor anderen bekannten Symptomen) als auch im späteren Erkrankungsverlauf möglich.
  • Thromboembolische Ereignisse
    • Die pathologisch erhöhte Blutgerinnung geht bei schweren COVID-19-Verläufen mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien, u. a. in den unteren Extremitäten, sowie Lungenarterien- und zerebrovaskulären Embolien und möglichen Folgeschäden einher.
  • Neurologische Symptome und Erkrankungen
    • Als neurologische Symptome wurden Kopfschmerzen, Schwindel und andere Beeinträchtigungen beschrieben, die neuroinvasive Eigenschaften des Virus vermuten lassen.
    • Dazu zählen auch neuropsychiatrische Krankheitsbilder bzw. einzelne Fälle möglicherweise SARS-CoV-2-assoziierter akuter nekrotisierender hämorrhagischer Enzephalopathie und Meningitis.
  • Herz-Kreislauf-Symptome und -Erkrankungen
    • Eine kardiale Beteiligung ließ sich anhand erhöhter Herzenzyme bzw. Troponin bei einem Teil der Erkrankten nachweisen, darunter auch Kinder und Patient*innen mit mildem oder moderatem Verlauf.
    • Insbesondere bei schweren Infektionen der Atemwege erleidet eine Reihe von Patient*innen kardiovaskuläre Erkrankungen, einschließlich Myokardschädigungen, Myokarditis, akuter Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und venöse thromboembolische Ereignisse.
  • Nierenerkrankungen 
    • Insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen COVID-19-Patient*innen wird das Auftreten von akutem, u. U. dialysepflichtigem, Nierenversagen beobachtet.
  • Hyperinflammationssyndrom
    • Einige Patient*innen mit schwerer SARS-CoV-2-Infektion entwickeln 8–15 Tage nach Erkrankungsbeginn eine Verschlechterung im Sinne eines Hyperinflammationssyndroms, in dessen Folge es zu Multiorganversagen kommen kann, das mit einer hohen Mortalität assoziiert ist.

Symptome bei Kindern8

  • Am häufigsten sind Husten und Fieber.
  • Magen-Darm-Symptome treten häufiger auf als bei Erwachsenen.
  • In der Mehrzahl eher asymptomatischer oder milder Verlauf.

Unterschiedliche klinische Verläufe  

  • Ca. 30–40 % der Infektionen (besonders bei Kindern und älteren Menschen) verlaufen asymptomatisch.31
  • Ca. 45–55 % verlaufen mild bis moderat.31
  • Bei einem geringen Teil der Erkrankten kann es nach 7–10 Tagen zu einer klinischen Verschlechterung kommen, mit Entwicklung von Dyspnoe, und/oder Hypoxämien.31
    • Dabei ist in vielen Fällen eine stille Hypoxämie zu beobachten, bei der trotz deutlich eingeschränkter Oxygenierung subjektiv keine wesentliche Dyspnoe besteht.39
  • Laut den Daten aus dem deutschen Meldesystem werden ca. 12 % der in Deutschland übermittelten Fälle hospitalisiert und davon schätzungsweise 8 % intensivmedizinisch behandelt.8 
    • 49 % der intensivmedizinisch behandelten Patient*innen werden beatmet, davon versterben durchschnittlich 36 %.
  • Das klinische Bild lässt keine Unterscheidung von Influenza und anderen respiratorischen Erkrankungen zu.31

Klinische Klassifikation nach Schweregrad39

  • Leichte Erkrankung: keine Pneumonie
  • Moderate Erkrankung: Pneumonie, keine Symptome einer schweren Pneumonie
  • Schwere Erkrankung: schwere Pneumonie, definiert durch Fieber und beidseitige Lungeninfiltrate und entweder Atemfrequenz > 30/min, schwere Luftnot oder SpO2 < 90–94 % bei Raumluft
  • Kritische Erkrankung: ARDS 
  • Kritische Erkrankung: Hyperinflammation, mit dem klinischen Bild einer Sepsis bzw. eines septischen Schocks mit Multiorganversagen

Klinische Prädiktoren für einen schweren Verlauf39

  • Prädiktoren für einen schwereren Verlauf scheinen neben Alter (> 50 Jahre), männlichem Geschlecht, Dyspnoe und Persistenz von Fieber auch eine ausgeprägte Lymphozytopenie und eine Erhöhung von Biomarkern  wie CRP, D-DimerLDH, Ferritin und Troponin zu sein.
  • Das Fieber ist durch Antipyretika häufig kaum zu beeinflussen.

CRB-65-Index

  • Zur Einschätzung der Pneumonie-assoziierten Mortalitätswahrscheinlichkeit und der damit verbundenen Indikation zur Klinikeinweisung
  • Einsatz von der DEGAM empfohlen, weitere Informationen zum CRB-65-Index im Abschnitt Indikationen zur Klinikeinweisung.

4C Mortality Score40

  • Auf der Basis der Daten von 35.463 britischen Patient*innen entwickelt, validiert an weiteren 22.361 Patient*innen.
  • Beruht auf 8 Items:
    • Alter
      • < 50: 0 P
      • 50–59: + 2 P
      • 60–69: + 4 P
      • 70–79: + 6 P
      • ≥ 80:   +7 P
    • männliches Geschlecht
      • + 1 P
    • Begleiterkrankungen
      • 1: + 1 P
      • ≥ 2: + 2 P
    • Atemfrequenz
      • < 20/min: 0 P
      • 20–29/min: + 1 P
      • ≥ 30/min: + 2 P
    • periphere Sauerstoffsättigung, Raumluft
      • ≥ 92 %: 0 P
      • < 92: + 2 P
    • Glasgow Coma Scale
      • 15: 0 P
      • < 15: + 2 P)
    • Harnstoff
      • ≤ 7 mmol/l: 0 P
      • 7–14 mmol/l: +1 P
      • >14 mmol/l +2 P
    • CRP
      • < 50 mg/dl: 0 P
      • 50–99 mg/dl: + 1 P
      • 100 mg/dl: + 2 P
  • Punktezahl insgesamt 0–21
    • Score 0–3: Mortalität 1,2 %
    • Score 4–8: Mortalität 9,9 %
    • Score 9–14: Mortalität 31,4 %
    • Score > 15: Mortalität 61,5 %.
  • Anwendung für die Hausarztpraxis möglicherweise unpraktisch, weil Laborergebnisse abgewartet werden müssen.

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf

  • Laut einer Schätzung in einer Lancet-Publikation haben ca. 1/5 aller Menschen gesundheitliche Risikofaktoren, die bei COVID-19 einen schweren Verlauf begünstigen.41

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

  • Welche Begleiterkrankungen markieren das größte Komplikationsrisiko?
    1. kardiovaskuläre Erkrankungen (inklusive Hypertonie)
    2. Diabetes mellitus
    3. Adipositas
    4. COPD
    5. Immunsuppression
    6. chronische Niereninsuffizienz (GFR < 30 ml/min/1,73 m2)
  • Daten einer dänischen Kohortenstudie zum Risiko in Abhängigkeit von Alter und Vorerkrankungen finden Sie im Abschnitt Verlauf.
  • Weitere Risiken sind männliches Geschlecht, Armut und dunkle Hautfarbe.
  • Folgenden Personengruppen haben laut RKI ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe:8
    • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren)
    • männliches Geschlecht
    • Raucher*innen (schwache Evidenz)
    • stark adipöse Menschen
    • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen
      • des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck)
      • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
      • chronische Nieren- und Lebererkrankungen
      • Diabetes mellitus
      • einer Krebserkrankung
      • mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Kortison).
  • Laut BMJ Best Practice stehen folgende weitere Risikofaktoren für einen schweren Verlauf:29
    • Sichelzellanämie
    • Z. n. Organtransplantation
    • zerebrovaskuläre Erkrankung 
    • Demenz 
    • NASH: nichtalkoholische Steatohepatitis
    • chirurgischer Eingriff bei infizierten Personen oder postoperative Ansteckung (höhere Komplikationsrate und Mortalität)
    • Schwangerschaft (seltener Symptome, aber möglicherweise erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf mit Aufnahme auf eine Intensivstation und für invasive Beatmung, Mortalität insgesamt sehr gering).8
  • Laut der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie ist das Risiko für Krebspatient*innen, durch eine Infektion mit respiratorischen Viren eine Lungenentzündung zu erleiden, deutlich höher als für Gesunde. Dies gilt wahrscheinlich auch für Infektionen durch SARS-CoV-2.42
    • Potenzielle Risikofaktoren, die bei anderen respiratorischen Infektionen eine Rolle spielen sind u. a.:
      • schwere Immunsuppression 
      • Neutropeniephase
      • Lymphozytopenie < 0,2 x 109/l 
      • hereditäre Immundefekte.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hat eine Stellungnahme zur Risikoabschätzung bei Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie herausgegeben. 

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf bei Kindern8

  • In Deutschland wurden für 26 % der hospitalisierten Kinder und für 50 % aller intensivmedizinisch behandelten Kinder Vorerkrankungen berichtet.
  • Bei den hospitalisierten Kindern sind dabei pulmonale (15 %) und kardiale (8 %) Vorerkrankungen häufiger registriert worden.
  • In einer europaweiten Studie waren ein Alter unter 1 Monat, das Vorliegen einer Vorerkrankung sowie Anzeichen einer Infektion der unteren Atemwege Risikofaktoren für eine Aufnahme auf die Intensivstation.
  • Informationen zum „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C)" in Kombination mit einem „Toxic Shock Syndrome" (TSS) sind im Abschnitt Komplikationen zu finden.

Allgemeines zur Untersuchung

Spezielle SARS-CoV-2-Diagnostik 

Probeentnahme für die RT-PCR-Diagnostik

  • Das NEJM bietet eine Videoanleitung zur korrekten Abnahme eines Nasopharynxabstrichs.
  • In der seriellen PCR-Untersuchung von Virusproben bei den 9 ersten Infizierten in München (Münchner Kohorte) zeigte sich im gesamten Krankheitsverlauf kein messbarer Unterschied in Viruslast und Virusnachweisbarkeit zwischen Nasopharynx- und Oropharynx-Abstrich.43
    • In der Prodromalphase oder bei anfangs milden Symptomen bieten einfache Rachenabstriche eine ausreichende diagnostische Sensitivität.
  • Ergebnisse einer Studie im NEJM zeigen für Speichelproben eine mindestens gleich gute Nachweisqualität in der PCR wie für Nasopharynxabstriche.44
  • Laut DEGAM kann bei Kindern im Vorschulalter auch über eine Speichelprobe getestet werden (morgens nach dem Aufstehen einen Schluck Wasser im Mund spülen und in ein Testgefäß geben). Eine vorherige Absprache mit dem Labor ist erforderlich. 31

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

PCR

  • Der Nachweis des Virus im Nasen-/Rachenabstrich mittels des PCR-Tests hat inzwischen eine hohe Sensitivität (> 95 %) sowie eine Spezifität von annähernd 100 %.
    • Durch falschen Zeitpunkt des Abstrichs (zu früh oder zu spät), falsche Abstrichtechnik oder zu große Zeitverzögerung bis zur Analyse der Probe im Labor kann die Sensitivität vermindert werden.
  • Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Raten an falsch-negativen Testergebnissen von bis zu 30 % (vereinzelt mehr).
  • Die Rate an falsch-negativen Testergebnissen wird entscheidend von der Vortestwahrscheinlichkeit beeinflusst.
    • Je geringer die Vortestwahrscheinlichkeit (z. B. im anlasslosen Screening), desto weniger falsch-negative Ergebnisse sind zu erwarten.
    • Bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit (typischer Symptomatik, gesicherter Kontakt) steigt die Rate der falsch-negativen Ergebnisse deutlich an.
  • Problematisch bei einem falsch-negativen Ergebnis ist, dass tatsächlich Erkrankte bzw. Infizierte sich in falscher Sicherheit wähnen und ggf. zu weiteren Infektionen beitragen.
    • Aus diesem Grund ist bei einem dringenden Verdacht auf eine tatsächliche Infektion ein erneuter PCR-Abstrich zu erwägen.
    • Liegt der Symptombeginn länger als ca. 10 Tage zurück, wird ein positives PCR-Ergebnis immer unwahrscheinlicher.
    • Bei der Untersuchung asymptomatischer Kontaktpersonen der Kategorie I ist ein einmaliger negativer Abstrich ebenfalls nicht als ausreichend sicher anzusehen.
  • Bei der PCR gibt es – wenn inzwischen auch sehr selten – auch falsch-positive Testergebnisse, die insbesondere bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit (z. B. keine bekannte Infektionsquelle, keine typischen Symptome) auftreten können.
  • Die größte Wahrscheinlichkeit, bei Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus mithilfe eines Rachenabstrichs ein positives Testergebnis zu erhalten, besteht 1–2 Tage vor Symptombeginn (retrospektiv beurteilt) sowie innerhalb der ersten 3–4 Tage nach Symptombeginn, danach sinkt die Wahrscheinlichkeit.
  • Tief-nasale, nasopharyngeale und Rachenabstriche (sowie Speichelproben bei Kindern im Vorschulalter, zunehmend aber auch bei Erwachsenen) sind nach aktueller Beleglage höchstwahrscheinlich als gleichwertige Methoden zum Virusnachweis geeignet.

Empfehlungen des RKI zur PCR

  • Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sollten je nach klinischer Situation und Fragestellung Untersuchungsmaterial aus den oberen Atemwegen und, wenn möglich und klinisch geboten, Proben aus den tiefen Atemwegen entnommen werden (Schutzmaßnahmen beachten).33
    • obere Atemwege
      • Nasopharynx-Abstrich (Nasen-Rachen-Abstrich)
      • Oropharynx-Abstrich (Rachenabstrich)
    • tiefe Atemwege
      • bronchoalveoläre Lavage
      • Sputum (nach Anweisung produziert bzw. induziert; Arbeitsschutz beachten)
      • Trachealsekret
  • Die Entnahme von Rachenabstrichen ist für die meisten Patient*innen leichter tolerierbar, bei vergleichbarer bzw. etwas niedrigerer diagnostischer Sensitivität.
    • Für den Virusnachweis geeignete Tupfer sollen verwendet werden: „Virustupfer“ mit entsprechendem Transportmedium oder notfalls trockene Tupfer mit kleiner Menge NaCl-Lösung; kein Agar-Tupfer.33
  • Rachenspülwasser/Gurgelwasser, Speichel: möglicherweise geringere Sensitivität und Verdünnungseffekte bei Verwendung von Wasser, Gefahr der Aerosolbildung
    • Eine angeleitete Selbstbeprobung durch Patient*innen kann eine Exposition für das Gesundheitspersonal verringern.
  • Alle Proben sollten das Labor schnellstmöglich erreichen.33
    • Erfolgt dies voraussichtlich innerhalb von 72 Stunden, kann die Probe bei 4 °C gelagert und wenn möglich gekühlt versendet werden.
  • Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht aus.33
    • Ein negatives Testergebnis bei Kontaktpersonen 1. Grades ist kein Anlass, eine Quarantänezeit zu verkürzen.
    • Das am besten geeignete Untersuchungsmaterial ist vom Zeitpunkt der Entnahme im Verlauf der Erkrankung abhängig.
    • Bei tiefen Atemwegsinfektionen ist die alleinige Testung von Probenmaterial aus dem Oro- und Nasopharynx zum Ausschluss einer Infektion nicht geeignet, da in dieser Phase der Erkrankung ggf. nur Material aus dem unteren Respirationstrakt oder Stuhl in der PCR positiv ist.
  • Erst ab einem Intervall von etwa 3 Tagen nach einer übertragungsrelevanten Exposition trägt ein negativer Test zur besseren Einschätzung des Vorliegens bzw. nicht Vorliegens einer Infektion bei, d. h. es sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer negativ getesteten Person ohne Symptome eine Infektion vorliegt.33
    • Eine zweimalige bzw. zeitversetzte Testung (z. B. am Tag 5 bis 7 nach Exposition) erhöht die Aussagekraft und reduziert das Restrisiko relevant. Am geringsten ist das Restrisiko, wenn nach Exposition eine 14-tägige Quarantäne erfolgt ist (auch ohne Testung).
  • Weiterführende Informationen und ein Diagramm zum zeitlichen Verlauf verschiedener Testergebnisse und zur Rolle des Ct-Wertes bietet die Information des RKI zur SARS-CoV-2-Diagnostik.

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Der Antigen-Schnelltest 

  • Die Tests sind weniger sensitiv als der Goldstandard PCR, sodass mehr falsch negative Testergebnisse resultieren, d. h. Infizierte nicht erkannt werden.
  • Ein positiver Antigentest signalisiert Infektiosität.
    • Dass ein Antigentest ein falsch positives Ergebnis liefert, ist zwar im Prinzip möglich, aber sehr selten.
  • Symptomatische Patient*innen mit einem negativen Antigentest sind für den Moment als wahrscheinlich nichtinfektiös anzusehen und müssen nicht mit einer PCR kontrolliert werden.
    • Eine Wiederholung des Antigen-Schnelltests (oder falls möglich PCR) ist jedoch bei anhaltendem klinischem Verdacht angezeigt.

Empfehlungen des RKI zum Antigentest33,36

  • Das RKI stellt die Infografik Corona-Schnelltest-Ergebnisse verstehen zur Verfügung.
  • Im Oktober 2020 wurde die Nationale Teststrategie um den Einsatz von Antigentests erweitert.
  • Das Antigen-(Schnell-)Testformat basiert auf dem Nachweis von viralem Protein in respiratorischen Probenmaterialien.
  • Auf dem Markt verfügbare Antigentests sind je nach ihrem Aufbau für den Einsatz vor Ort (Antigen-Schnelltest, sog. Point of Care Test [POCT], Einzeltest) oder als Labortest geeignet.
    • Zwischen den verschiedenen kommerziell erhältlichen Tests bestehen erhebliche Leistungsunterschiede, was die Wichtigkeit einer herstellerunabhängigen Validierung unterstreicht.
  • Antigentests tragen zum weiteren Ausbau der Testkapazität bei.
  • Aufgrund der geringeren Sensitivität von Antigentests ist der Einsatz dieser Tests nur unter bestimmten Voraussetzungen eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Maßnahmen.
    • Die Spezifität einzelner Tests ist relativ hoch, ein Problem ist die niedrige Sensitivität. Ergebnisse der Validierung von zwei auf dem deutschen Markt verfügbaren Testkits durch die Universität Genf finden Sie hier. Weitere Ergebnisse unabhängiger Validierungen finden Sie bei der Foundation for Innovative Diagnostics
  • Damit ein Antigentest ein positives Ergebnis anzeigt, ist im Vergleich zur PCR-Testung eine größere Virusmenge notwendig (niedrigere Sensitivität).
    • Das bedeutet, dass ein negatives Antigen-Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht ausschließt.
    • Deshalb sollten diese Tests nur bei Personen angewendet werden, bei denen ein falsch negatives Ergebnis nicht zu schwerwiegenden Konsequenzen führt (etwa eine nicht erkannte Infektion bei Aufnahme in einem Krankenhaus).
    • Außerdem ist ein Antigen-Schnelltest nicht so spezifisch wie ein PCR-Test, d. h. es kommt vor, dass ein positives Ergebnis angezeigt wird, wenn die Person gar nicht infiziert ist.
  • Deshalb muss ein positives Ergebnis im Antigentest grundsätzlich mittels PCR bestätigt werden.
  • Das BfArM stellt eine Liste der Antigentests zur Verfügung, die im Rahmen der neuen Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums verwendet werden könnten.

Selbstabstrich

  • Die DEGAM empfiehlt Selbstabstriche als pragmatisches und ausreichend zuverlässiges Verfahren.31
    • Patient*innen (oder Angehörige) können Teströhrchen an der Praxis (Übergabe kontaktlos draußen) abholen, den Test durchführen und dann das Röhrchen ebenso kontaktlos wieder an der Praxis abgeben.
    • Die DEGAM hat eine Anleitung zum Selbsttest herausgegeben.
  • Eine US-amerikanische Studie, die Selbstabstriche mit Abstrichen durch medizinisches Personal vergleicht, belegt den ausreichenden Nutzen von Selbstabstrichen: Die Sensitivität lag dabei bei 89,8 % (Zunge), 94 % (Nase) und 96,2 % (Nasenmuschelabstrich), verglichen mit einem Nasopharyngealabstrich durch medizinisches Personal.45

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Antikörper – ELISA

  • Nach vorliegenden Daten können infizierte/erkrankte Patient*innen Antikörper frühestens nach 7–11 Tagen entwickeln.
    • Daher erscheint es nicht sinnvoll, einen serologischen Test vor Ablauf von 2 Wochen durchzuführen.
  • Etliche SARS-CoV-2-infizierte Menschen mit leichtem Krankheitsverlauf bilden keine Antikörper oder diese sind nach einiger Zeit nicht mehr nachweisbar, sodass durch die Antikörpertestung eine sichere Bestätigung eines Infektionsverdachts nicht möglich ist.
  • Eine Testung auf Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus ist daher nicht dazu geeignet, eine akute Infektion sicher nachzuweisen oder auszuschließen!
  • Ein positiver Antikörpernachweis kann ein falsch positives Ergebnis sein. Zudem weist selbst ein richtig positiver ELISA im Einzelfall keine sichere bzw. langanhaltende Immunität nach!
  • Zunehmend stellt sich die T-Zell-vermittelte Immunität als möglicherweise noch wichtiger als Antikörper für den Schutz nach durchgemachter Infekt dar.

Empfehlung

  • Der Nutzen von Antikörpern beschränkt sich zur Zeit auf Seroprävalenzstudien zur Prüfung der Durchseuchung einer Bevölkerungsgruppe.
  • Antikörpertests sollten in der hausärztlichen Praxis in der Regel nicht durchgeführt werden.

Serologische Tests

  • Sollte im Rahmen einer Untersuchungsserie bei einer Person eine Serokonversion festgestellt werden, kann dies auf eine akute Infektion hinweisen.3
  • Der Befund einer Serokonversion bei einem gleichzeitigen negativen oder fraglichen PCR-Test einer Person mit noch bestehender COVID-19-kompatibler Symptomatik sollte Anlass für eine 2. PCR-Untersuchung sein.33
    • Der Nachweis von SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern schließt die Infektiosität von Patient*innen nicht aus.
  • Bislang fehlen systematische Studien, die eine Beurteilung der mit einem Schutz vor einer Reinfektion oder gar erneuten Erkrankung verbundenen Antikörpertiter erlauben.
    • Bei Verdacht auf eine Reinfektion sollte eine molekulare (PCR) Untersuchung in Verbindung mit einer serologischen Untersuchung erfolgen.
  • Ein Cochrane-Review kommt zu dem Schluss, dass die Sensitivität von Antikörpertests frühestens 15 Tage nach Symptombeginn über 90 % liegt.46

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Empfehlung zum praktischen Vorgehen beim Testen

  • Alle Patient*innen, bei denen ein Test durchgeführt wird, sollten mindestens bis zum Testergebnis in häuslicher Isolierung verbleiben.
  • Enge Kontaktpersonen und alle häuslichen Mitbewohner*innen sollten Sozialkontakte minimieren und besonders intensiv auf Hygiene achten.
  • Auch wenn das Testergebnis negativ ist, sollten sich symptomatische Patient*innen soweit wie möglich isolieren, um Übertragungen von Atemwegserkrankungen generell zu reduzieren.
  • Bei negativem Testergebnis, aber klinisch fortbestehendem Verdacht auf eine
    SARS-CoV-2-Infektion, wenn z. B. begründete Zweifel an der verwendeten Abstrichtechnik/Testdurchführung bestehen, kann ein Test kurzfristig wiederholt werden.

Weitere Untersuchungen (in der Klinik)

Interdisziplinäre S2k-Leitlinie: Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-1937

Diagnostik bei Klinikaufnahme

  • Bei nachgewiesener COVID-19-Infektion und der Notwendigkeit einer Hospitalisierung sollte eine Urinuntersuchung (ggf. wiederholt) mit Bestimmung von Albuminurie, Hämaturie und Leukozyturie erfolgen.
  • Bei COVID-19-Patient*innen mit deutlich erhöhten Troponinwerten ohne typische EKG-Veränderungen eines Typ-1-Myokardinfarkts sollte eine Echokardiografie zur differenzialdiagnostischen Abklärung durchgeführt werden.
  • Bei Verdacht auf eine zerebrale oder auch spinale Beteiligung (z. B. Blutung oder Ischämie) durch COVID-19 sollten eine CT oder eine MRT durchgeführt werden.
  • Bei stationären Patient*innen mit COVID-19 sollten CRP, LDH, AST (GOT), Differenzialblutbild sowie D-Dimere Bestandteil der initialen Labordiagnostik sein und bedarfsgerecht regelmäßig kontrolliert werden.
  • Ein CT-Thorax sollte bei COVID-19-Patient*innen bei differenzialdiagnostischen Unsicherheiten, u. a. Verdacht auf eine Lungenembolie, durchgeführt werden.

Labor39

  • CRP (bei COVID-19 stärker erhöht als bei anderen viralen Infektionen, Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Differenzialblutbild (Leukozytose/Leukopenie, Lymphopenie als Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Troponin (Hinweis auf kardiale Beteiligung, Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • D-Dimere (Hinweis auf thromboembolische Ereignisse, mit einer deutlich erhöhten Mortalität assoziiert)
  • LDH (Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Abnahme von mehreren Blutkulturen
  • Urin-Diagnostik auf Pneumokokken, Legionellen
  • Je nach Verlaufsform Nieren- und Leberfunktionsparameter, Elektrolyte
  • Procalcitonin: selten erhöht, evtl. Hinweis auf bakterielle Infektion
  • Ferritin, IL-6 zur Diagnose einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose28

Röntgenthorax

  • Im konventionellen Röntgenbild zeigen sich bei intensivpflichtigen Patient*innen regelhaft bilaterale Infiltrate.37

Thorax-CT

  • In der CT finden sich bereits sehr früh im Laufe der Erkrankung bilaterale, subpleural imponierende Milchglastrübungen, und eine Konsolidierung von Lungenabschnitten, Pleuraergüsse und Lymphadenopathie finden sich nur selten.37 
    • Die Befunde im CT sind allerdings nicht spezifisch für COVID-19, sondern können auch bei anderen viralen Pneumonien vorliegen.
    • Eine CT ist sinnvoll, wenn eine klinische Konsequenz (wie z. B. bei Lungenembolie) entsteht.
    • Bettseitige Untersuchungen (Ultraschall), insbesondere als Verlaufsuntersuchungen, werden bevorzugt.

Lungensonografie

  • Laut S1-Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Intensivmedizin werden bettseitige Untersuchungen, wie Ultraschall, bei der Bildgebung bei Lungenbeteiligung bei COVID-19 bevorzugt.37
  • Pleuraerguss und subpleurale Konsolidierungen können sonografisch gut dargestellt werden.47
  • Auch die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt bei Verdacht auf COVID-19 die Durchführung eines Point-of-Care-Ultraschalls der Lunge bei Patient*innen mit respiratorischer Insuffizienz sowie dem Verdacht auf eine Lungenentzündung.48

Indikationen zur Klinikeinweisung

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Triagierung und Vorgehen nach Symptomen und Risikokonstellation

  • Bei leichten unspezifischen Symptomen und niedrigem Risiko sollten erfolgen: 
    • telefonische Evaluation und Beratung
    • telefonische AU und Isolierung für mind. 5–7 Tage (Ende der AU, wenn mind. 48 h symptomfrei)
    • bei knappen Ressourcen entsprechend RKI kein routinemäßiger Abstrich
    • Abstrich (PCR oder Antigen-Schnelltest) in Praxis oder regionaler Testeinrichtung in Einzelfällen individuell zu erwägen. Mögliche Gründe: medizinische/pflegerische berufliche Tätigkeit oder vulnerables häusliches Umfeld der Patient*innen.
  • Bei Symptomen mit deutlicher AZ-Beeinträchtigung und/oder erhöhtem Risiko sollten erfolgen:
    • ggf. direkte Krankenhauseinweisung (bei erkennbarem/Verdacht auf abwendbar gefährlichen Verlauf)
    • ansonsten telefonische Einbestellung in die Infektsprechstunde
    • Untersuchung und PCR-Abstrich in der Infektsprechstunde (falls eingerichtet)
    • weiteres Vorgehen nach klinischer Situation
    • Bei weiterbestehender Symptomatik erneute Prüfung alternativer Ursachen infektiöser oder nichtinfektiöser Genese.

Vorgehen laut DEGAM31

  • Klinisch schwere Verdachtsfälle auf COVID-19 ohne Testung einweisen.
  • Schweregrad einer Pneumonie mit CRB-65-Index abschätzen. 
    • CRB-65-Index (klinischer Score zur statistischen Wahrscheinlichkeit des Versterbens, 1 Punkt für jedes festgestellte Kriterium [max. 4]):
      • Pneumonie-bedingte Verwirrtheit, Desorientierung
      • Atemfrequenz ≥ 30/min
      • Blutdruck diastol. ≤ 60 mmHg oder systol. < 90 mmHg (wenn anderweitig nicht erklärbar)
      • Alter ≥ 65 Jahre.
    • Stationäre Aufnahme: Ab 1 Punkt erwägen, ab 2 Punkten immer!
  • Es gibt keine validierten Scores mit einfachen Cut-Off-Werten, die die hausärztliche Abwägung und Entscheidung zur stationären Einweisung ersetzen könnten. Auch der CRB-65-Index stellt nur eine mögliche Entscheidungshilfe dar. Das hausärztliche Urteil setzt sich aus einer Vielzahl weiterer Informationen zusammen, wie z. B.:
    • biologisches Alter
    • Komorbidität: insbes. kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonus, AdipositasDiabetes mellitusCOPD, Immunsuppression, chronische Niereninsuffizienz
    • Allgemeinzustand, subjektives Befinden
    • Atemnot (in Ruhe, bei Belastung)
    • weitere Beschwerden (z. B. Diarrhöen, Erbrechen, Brustschmerzen)
    • körperliche Untersuchung: Blässe/Kaltschweißigkeit, Körpertemperatur, Herzfrequenz, Blutdruck, Herz-/Lungenauskultation, ggf. abdominelle Untersuchung
    • Sauerstoffsättigung (1 x tgl. Screening wird vom RKI bei [auch symptomlosen] Bewohner*innen von Pflegeinrichtungen empfohlen) 
    • ggf. bedarfsadaptierte Laboruntersuchungen
    • Möglichkeiten zur häuslichen Versorgung bei Quarantäne oder Isolierung
    • Lebenswille der Betroffenen.
  • Grundsätzlich müssen die Patient*innen oder die Vertreter*innen einer Krankenhauseinweisung als Option zustimmen.
  • Cave: Der CRB65-Score kann insbesondere bei jüngeren Patient*innen die Schwere der Krankheit unterschätzen!49

Ambulantes Management von COVID-19-Verdachtsfällen und leicht erkrankten COVID-19-Patient*innen

RKI: Ambulantes Management von COVID-19-Verdachtsfällen und leicht Erkrankten50

  • Leicht erkrankte Patient*innen ohne Risikofaktoren für Komplikationen (z. B. Immunsuppression, relevante chronische Grunderkrankungen, hohes Alter) können bei Gewährleistung einer ambulanten ärztlichen Betreuung sowie im Austausch mit dem zuständigen Gesundheitsamt bis zur vollständigen Genesung oder bis zum endgültigen Ausschluss einer SARS-CoV-2-Infektion im häuslichen Umfeld behandelt werden.
    • Eine Unterbringungsmöglichkeit in einem gut belüftbaren Einzelzimmer sollte gewährleistet sein.
    • bei nachgewiesener COVID-19-Erkrankung:
      • keine Haushalts­an­ge­hörigen mit Risiko­faktoren für einen schweren Krankheits­verlauf/Kom­pli­ka­tionen bei Infek­tion
      • Keine Haus­halts­an­ge­hörigen, die mit der Betreuung von kranken Menschen befasst sind (z. B. medizinisches Personal).

Kontrolle bei ambulanter Versorgung

  • Vor allem Patient*innen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sollten engmaschig kontrolliert und ggf. frühzeitig in eine stationäre Versorgung eingewiesen werden.39
  • Kontrolle der klinischen Symptomatik nach 7–10 Tagen in der ambulanten Versorgung zwingend erforderlich, Einweisung der Patient*innen bei Verschlechterung der klinischen Symptomatik oder ausbleibender Besserung, insbesondere bei Weiterbestehen oder Zunahme von Fieber oder Dyspnoe.39
  • Zur Beurteilung von Atemnot im Telefongespräch mit Patient*innen kann die BMJ-Leitlinie Covid-19: a remote assessment in primary care (Box 1) hilfreich sein. 

Informationen

Therapie

Therapieziele

  • Symptome lindern.
  • Komplikationen und Ateminsuffizienz behandeln.
  • Ausbreitung der Infektion verhindern.

Allgemeines zur Therapie39

Ambulante Behandlung bei unkomplizierter Erkrankung

  • Zurzeit gibt es für den ambulanten Bereich keine evidenzbasierten Therapieoptionen.31
  • Bei unkomplizierter Erkrankung ist eine rein symptomatische Therapie empfohlen.
    • Nur bei stationärer Behandlung kann der Einsatz der derzeit in klinischer Erprobung befindlichen Arzneimittel erwogen werden.
  • Schwangere 
    • Empfehlungen des Royal College of Obstetricians and Gynecologists: Da COVID-19 mit einer Hyperkoagulabilität einhergehen kann und es auch in der Schwangerschaft physiologisch zu einer Hyperkoagulabilität kommt, sollte die Indikation zur Thromboseprophylaxe sorgfältig geprüft werden.51
    • Siehe auch Update der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.
  • Antikoagulation im ambulanten Setting31
    • Obwohl wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit einer Antikoagulation im ambulanten Bereich bislang fehlen, kann man bei nicht-antikoagulierten Risikopatient*innen (z. B. ältere Altenheimbewohner/innen mit Begleiterkrankungen, die positiv getestet sind) eine prophylaktische Therapie mit niedermolekularem Heparin (LMWH) erwägen. Bei schwerem Übergewicht (BMI >35) kann die Standarddosis verdoppelt werden.
  • Fiebersenkung31
    • Wenn eine Fiebersenkung notwendig ist, sollte Paracetamol anstelle von NSAR verabreicht werden.

Empfehlungen für Patient*innen laut RKI52

  • Grundsätzlich sollen sich Personen mit akuten Atemwegserkrankungen für 5–7 Tage zuhause auskurieren, auch wenn keine ärztliche Behandlung erforderlich ist, dies gilt auch für Schul- und Kita-Kinder.
  • So kann auch bei Vorliegen von leichten Verläufen von COVID-19 eine Weitergabe des Virus verhindert werden.

Stationäre Behandlung

  • Unter dem folgendem Link sind zusätzlich Arzneimittelinteraktionen der verschiedenen experimentellen Therapeutika einsehbar: www.covid19-druginteractions.org.
  • Beim BfArM finden sich weitere Informationen zu den derzeit auf ihre klinische Wirksamkeit untersuchten Arzneimitteln.

Allgemeine Maßnahmen (bei stationärer Versorgung, laut der interdisziplinären S2k-Leitlinie: Empfehlungen zur stationären Therapie)37

Therapie der respiratorischen Insuffizienz

  • Indikation zur Aufnahme auf die Intensivstation
    • Eine Aufnahme auf die Intensivstation von COVID-19-Patient*innen sollte bei Erfüllung eines der folgenden Kriterien erfolgen:
      • Hypoxämie SpO2 < 90 % (unter 2–4 l Sauerstoff/min bei nicht vorbestehender Therapie) und Dyspnoe
      • Atemfrequenz > 25–30/min.
  • Maßnahmen bei akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz
    • Ziel bei akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz bei COVID-19 ist es, eine adäquate Oxygenierung sicherzustellen. Es sollte eine SpO2 ≥ 90 % (bei COPD-Patient*innen > 88 %) bzw. ein PaO2 > 55 mmHg erreicht werden.
    • Bei Patient*innen mit COVID-19 und hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz (PaO2/FiO2 = 100–300 mmHg) unter kontinuierlichem Monitoring und ständiger Intubationsbereitschaft wird ein Therapieversuch mit High-Flow-Sauerstofftherapie (HFNC) oder nichtinvasiver Beatmung vorgeschlagen.
    • Wir schlagen vor, bei Patient*innen mit COVID-19 und einer schwereren Hypoxämie (PaO2/FiO2 < 150 mmHg) und Atemfrequenzen > 30/min die Intubation und invasive Beatmung zu erwägen, bei einem PaO2/FiO2 von < 100 mmHg sollten im Regelfall eine Intubation und invasive Beatmung erfolgen.
    • Eine Empfehlung zur Bauchlagerung bei wachen, nicht invasiv beatmeten Patient*innen kann momentan aufgrund möglicher Komplikationen (Aspiration) und fehlender randomisierter Studien nicht abgegeben werden. 
  • VTE-Prophylaxe/Antikoagulation
    • Hospitalisierte Patient*innen mit COVID-19 sollen in Abwesenheit von Kontraindikationen eine standardmäßige medikamentöse Thromboembolieprophylaxe mit niedermolekularem Heparin erhalten. Alternativ kann Fondaparinux zur Anwendung kommen.
    • Bei zusätzlichen Risikofaktoren für eine venöse Thromboembolie (VTE) kann bei niedrigem Blutungsrisiko eine intensivierte Thromboembolieprophylaxe erfolgen. Zusätzliche VTE-Risikofaktoren sind z. B. Adipositas (BMI > 35 kg/m2), stattgehabte VTE, bekannte Thrombophilie, intensivmedizinische Behandlung sowie stark erhöhte D-Dimere (> 2–3 mg/l).

Medikamentöse Therapie

  • Laut den Autor*innen eines permanent aktualisierten systematischen Reviews mit Netzwerk-Metaanalyse (Living Review) zur Therapie bei COVID-19 spricht die untersuchte Evidenz dafür,53
    • dass Glukokortikoide wahrscheinlich die Mortalität und die Notwendigkeit bzw. Dauer einer mechanischen Beatmung bei Patient*innen mit schwerer COVID-19-Erkrankung reduzieren und
    • dass Remdesivir wahrscheinlich die Dauer bis zur Symptomfreiheit vermindert.
    • Ein Einfluss von Remdesivir auf andere wichtige Outcomes, wie Mortalität, bleibt unsicher.
    • Der Effekt der meisten derzeit erprobten Arzneimittel sowie nichtmedikamentöser Interventionen bleibt weiterhin höchst unsicher.

Dexamethason

  • Laut den Ergebnissen der britischen RECOVERY-Studie senkt niedrig dosiertes Dexamethason (6 mg 1 x/d) die Sterblichkeit von beatmeten oder sauerstoffpflichtigen COVID-19-Patient*innen.54
    • Die 28-Tage-Sterblichkeit mechanisch beatmeter Erkrankter wurde um 35 % gesenkt (NNT 8).
    • Bei sauerstoffpflichtigen Patient*innen sank die Sterblichkeit um 20 % (NNT 25).
    • keine Wirksamkeit bei Betroffenen ohne Unterstützung der Atmung
  • Laut der interdisziplinären Leitlinie für stationäre Behandlung von COVID-19 soll bei Patient*innen mit schwerer (SpO2 < 90 %, Atemfrequenz > 30/min) oder kritischer (ARDS, Sepsis, Beatmung, Vasopressorengabe) COVID-19-Erkrankung eine Therapie mit Dexamethason erfolgen.37
    • Die Dosis beträgt 6 mg Dexamethason p. o./i. v. täglich für 10 Tage.
  • Aufgrund einer numerischen Zunahme der Sterblichkeit in der RECOVERY-Studie sollten Erkrankte ohne Sauerstoff- oder Beatmungspflichtigkeit nicht mit Dexamethason behandelt werden.55

Pharmaka mit fraglicher Wirkung

  • Remdesivir
    • In der SOLIDARITY-Studie der WHO zeigte Remdesivir keinen relevanten Effekt auf Mortalität, Beatmungspflichtigkeit und Dauer des Krankenhausaufenthalts bei den 2.750 untersuchten hospitalisierten COVID-19-Patient*innen.56
    • Die WHO rät in ihrer „Living Guideline" im BMJ von der Anwendung von Remdesivir bei hospitalisierten COVID-19-Patient*innen wegen unsicherer Datenlage ab.57
    • Am 03.07.2020 hat die Europäische Kommission die bedingte Zulassung für Remdesivir erteilt.
    • Laut der interdisziplinären Leitlinie für stationäre Behandlung von COVID-19 kann bei hospitalisierten, nicht beatmeten Patient*innen mit COVID-19-Pneumonie und Sauerstoffbedarf eine Therapie mit Remdesivir erfolgen (möglichst in der Frühphase der Erkrankung ≤ 10 Tage nach Symptombeginn).37 
    • Remdesivir ist in Deutschland noch nicht offiziell im Handel. Vom Bundesgesundheitsministerium wird das vom Hersteller zur Verfügung gestellte Medikament über Krankenhausapotheken kostenlos verteilt.58
  • Famotidin
    • Ein systematischer Review von 2 retrospektiven Kohortenstudien und 3 Fallserien mit einer Metaanalyse zweier Kohortenstudien zeigte einen signifikanten Effekt von Famotidin auf ein gemischtes Outcome aus Mortalität und Intubation.59
    • Die Qualität der Evidenz ist sehr schlecht. Weitere Evidenz aus RCT ist zur genaueren Bewertung von Famotidin dringend erforderlich.
  • Banlanivimab
    • Die FDA hat dem monoklonalen Antikörper Bamlanivimab eine Notfallzulassung erteilt.60
    • Die klinische Prüfung ist nicht abgeschlossen. Primär wurde nur die Änderung der Viruslast untersucht (in der zugelassenen Dosierung kein Unterschied in der Viruslast). Sekundärer Endpunkt in der Phase-2-Studie war Behandlung in der Notaufnahme einer Klinik (1,6 % vs 6,3 % in der Placebogruppe).61
      • SARS-CoV-2-Antikörper wurden nicht bestimmt.
    • Das Präparat darf nur bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung verwendet werden.
  • Fluvoxamin
    • In einer kleinen US-amerikanischen Studie mit insgesamt 181 ambulant behandelten SARS-CoV-2-Infizierten zeigte sich, dass die Einnahme des Antidepressivums Fluvoxamin (SSRI) eine klinische Verschlechterung im Vergleich zu Placebo signifikant verhindern konnte.62

Pharmaka ohne nachgewiesene Wirkung

  • Hydroxychloroquin
    • Wird von der WHO als wirkungslos eingestuft (u. a. auf der Basis der SOLIDARITY-Studie und eines Cochrane-Reviews).63-64
  • Azithromycin
    • Laut den Ergebnissen eines Rapid Reviews gibt es für Azithromycin keine Evidenz, außer wenn damit bakterielle Superinfektionen behandelt werden.65
  • Lopinavir/Ritonavir
    • Die Universität Oxford beendet den Lopinavir/Ritonavir-Arm der RECOVERY-Studie und die WHO den Lopinavir/Ritonavir-Arm der SOLIDARITY-Studie wegen Wirkungslosigkeit in der Therapie von COVID-19.66-67
  • Tocilizumab
    • Dem Hersteller zufolge hat der Antikörper Tocilizumab in einer Phase-3-Studie keinen relevanten Effekt bei COVID-19-Erkrankten mit schwerer Pneumonie.68
    • Auch weitere klinische Studien weisen auch in früheren Krankheitsstadien keine eindeutigen Effekte nach.69-71 
  • Anakinra
    • Ein klinischer Vorteil ist bisher nicht nachgewiesen.37
  • Plasmatherapie
    • Laut eines Cochrane-Rapid-Reviews ist die bisherige Evidenzlage zum Nutzen und zu den Nebenwirkungen von Plasmatherapie (Rekonvaleszentenplasma) bei COVID-19 unsicher.72
  • Interferon
    • Laut den bisherigen Ergebnissen der SOLIDARITY-Studie der WHO zeigte Interferon keinen relevanten Effekt auf Mortalität, Beatmungspflichtigkeit und Dauer des Klinikaufenthaltes bei hospitalisierten COVID-19-Patient*innen.56
  • Vitamin D
    • laut Einschätzung des Arznei-Telegramms kein hinreichender Nutzenbeleg zur Prophylaxe oder Therapie einer SARS-CoV-Infektion73 

Gefährdung durch Einnahme von Ibuprofen, Sartanen oder ACE-Hemmern?

  • Studiendaten zufolge ist die Einnahme von Blutdruckmedikamenten (ACE-Hemmer, Sartane) nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit oder einem schweren Verlauf von COVID-19 assoziiert.74
    • Von einem Absetzen oder Umsetzen der Blutdruckmedikation wird laut ESC (European Society of Cardiology) klar abgeraten.
  • Im Allgemeinen (gilt für alle Altersgruppen) sind die bisherigen Bedenken gegen die Einnahme von NSAR bei COVID-19 durch eine nationale Kohortenstudie aus Dänemark weitgehend ausgeräumt.31
    • Wenn eine Fiebersenkung notwendig ist, sollte insbesondere bei älteren Patient*innen und Betroffenen mit kardiovaskulären und/oder renalen Vorerkrankungen Paracetamol anstelle von NSAR verabreicht werden.

Empfehlungen von verschiedenen Fachgesellschaften

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie42

  • Die bisherigen Erfahrungen in Deutschland zeigen, dass die Therapie bei der großen Mehrzahl der Patient*innen weiter unverändert nach gültigen Therapiestandards durchgeführt werden kann und wird.
  • Bei infektiös symptomatischen Patient*innen können Therapien verschoben werden, wie dies auch bei anderen Virusinfektionen geschehen muss.
  • Eine ausführliche und regelmäßig aktualisierte Version der Leitlinie mit detaillierten Angaben zum Vorgehen bei einzelnen onkologischen Krankheitsbildern ist unter www.onkopedia.com zu finden.

Global Initiative for Asthma (GINA)75 

  • An Asthma Erkrankte sollten inhalative Medikation, inkl. ICS, wie verordnet, fortsetzen.
  • Die Verwendung von Verneblern sollte wegen der Gefahr der Verbreitung von COVID-19 vermieden werden.
  • Aus diesem Grund sollten auch Routine-Spirometrien verschoben werden.

Deutsche Diabetes Gesellschaft76

Bei COVID-19
  • Bei blandem Verlauf: orale Antidiabetika bzw. Fortführen der bestehenden Therapie
  • Falls orale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist: s. c. Insulintherapie.
  • Intensivpflichtige Patient*innen: i. v. Insulintherapie
Bei Diabetes und schweren Verläufen von COVID-19
  • Sulfonylharnstoffe sollten wegen der Gefahr von Hypoglykämien bei Kumulation aufgrund einer (transienten) Niereninsuffizienz pausiert werden.
  • SGLT2-Inhibitoren
    • pausieren bei:
      • Fieber > 38,5 °C
      • eingeschränkter Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme und/oder Insulinmangel (dabei Überprüfung des Säure-/Basenhaushaltes, der Ketone im Serum und der Nierenfunktion).
    • Wiederaufnahme der Therapie erst:
      • bei Fieberfreiheit
      • ausreichender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme
      • eGFR > 60 ml/min/1,73 kg/m2
      • ausgeglichenem Säure-/Basenhaushalt und nicht erhöhter Ketone im Serum.
    • Bei einer vorbestehenden Dapagliflozin-Therapie bei Typ 1 Diabetes mellitus soll diese generell bei akuten Infektionskrankheiten – einschließlich COVID-19 – pausiert werden.
  • Metformin
    • Pausieren bei Fieber > 38,5 °C
    • engmaschige Überprüfung der Nierenfunktion
    • Überprüfung des Säure-/Basenhaushalts und des Laktats im Serum bei vorheriger Metformin-Einnahme und fortgeschrittener Niereninsuffizienz oder passagerem Nierenversagen
    • Wiederaufnahme der Therapie erst bei Fieberfreiheit, ausreichender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, eGFR > 30 ml/min/1,73 kg/m2 und Ausschluss einer Hypoxämie
  • DPP4-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptor-Antagonisten müssen nicht pausiert werden.

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie77

  • Ein generelles Pausieren oder eine generelle Reduktion der Immunsuppression wird nicht empfohlen, da die Pandemie voraussichtlich länger andauern wird und immunsupprimierte Patient*innen im Falle einer Therapiereduktion oder eines Aussetzens der Immunsuppression einem erhöhten Risiko von Rezidiven ausgesetzt wären.
  • Bei symptomatischen Patient*innen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion soll die antirheumatische Medikation pausiert werden (bis auf eine evtl. Glukokortikoid-Therapie).
  • Bei asymptomatischen Patient*innen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion sollte ein Pausieren oder Herauszögern von Therapien mit Biologika und zielgerichteten, synthetischen Basismedikamenten für die Dauer der mittleren Inkubationszeit erwogen werden.

Deutsche Gesellschaft für Neurologie78

  • Schwer erkrankte, intensivpflichtige COVID-19-Patient*innen sollten neurologisch mitbetreut werden.
  • Es soll aktiv nach einer Mitbeteiligung des zentralen oder peripheren Nervensystems gesucht werden.
  • Immuntherapie
    • Im Fall einer COVID-19-Erkrankung sollten insbesondere Aspekte wie Krankheitsaktivität der zugrunde liegenden neurologischen Erkrankung sowie der bisherige Therapieverlauf berücksichtigt und die Immuntherapie ggf. pausiert werden.

Medikamentöse Behandlung von Kindern

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie

  • Empfehlungen zum Management von Patient*innen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen während der COVID-19-Pandemie finden Sie in den Artikeln M. Crohn und Colitis ulcerosa.

Empfehlungen zur Palliativversorgung

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

  • Es ist eine hausärztliche Pflicht, den Patientenwillen und das Selbstbestimmungsrecht zu beachten.
  • Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass alle medizinisch notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden können, auch in Pflegeeinrichtungen.
  • Es ist – nicht nur in Zeiten der Pandemie – wichtig, auf mögliche Notfälle vorbereitet zu sein, um für die Betroffenen, Angehörigen, Pflegenden und Ärzt*innen Handlungssicherheit zu schaffen.
  • Hinweise zur präklinischen patientenzentrierten Vorausplanung für den Notfall sind auf www.degam.de publiziert, ebenso Hilfen zur Dokumentation.
  • Bei Fragen zur palliativen Betreuung von Patient*innen mit Atemnot wird eine Zusammenarbeit mit den regionalen SAPV-Teams empfohlen.

Wiederbelebungsmaßnahmen

  • Der Deutsche Rat für Wiederbelebung hat eine Aktualisierte Stellungnahme zur Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen im Umfeld der COVID-19-Pandemie herausgegeben.80
  • Versorgung durch Ersthelfer*innen
    • Laien sollen keine Atemkontrolle in der Nähe des Gesichts der Betroffenen durchführen, sondern sich auf die Überstreckung des Nackens mit Anheben des Kinns und die Beobachtung von Brustkorbbewegungen beschränken.
      • Wenn die Person nicht reagiert und keine Brustkorbbewegungen erkennbar sind, ist davon auszugehen, dass sie nicht atmet.
    • Die Wiederbelebungsmaßnahmen durch Laien und Ersthelfer*innen können sich bei unbekannten Hilfsbedürftigen auf die Herzdruckmassage und den Einsatz von öffentlich zugänglichen automatisierten externen Defibrillatoren (AED) beschränken.
    • In diesem Fall können zum Eigenschutz der Ersthelfer*innen vor Aerosolen Mund und Nase der betroffenen Person zusätzlich mit einem luftdurchlässigen Tuch (im Sinne einer „Mund-Nasen-Maske“) bedeckt werden.
    • Obwohl die Atemspende ein Infektionsrisiko für Ersthelfer*innen darstellt, ist der Nutzen der Atemspende bei nicht atmenden Kindern für ihre Überlebenschance als deutlich höher einzustufen.
  • Reanimation durch medizinisches Fachpersonal
    • Medizinisches Fachpersonal soll sich durch geeignete persönliche Schutzausrüstung entsprechend der nationalen und lokalen Vorgaben schützen, wenn Maßnahmen durchgeführt werden, bei denen Aerosole entstehen können.
    • Medizinisches Fachpersonal soll im Sinne einer Nutzen-Risiko-Abwägung die Durchführung von Defibrillationen erwägen, bevor ggf. aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden, die durch das Anlegen einer geeigneten Schutzausrüstung möglicherweise verzögert werden könnten.

Prävention

Impfung3,8

Impfung gegen COVID-19

  • Aktuell steht kein unter Einhaltung seriöser wissenschaftlicher Standards entwickelter Impfstoff zum Schutz vor COVID-19 zur Verfügung.
  • Laut WHO befinden sich mit Stand 12.11.2020 212 Impfstoffkandidaten in der Entwicklung, die auf unterschiedlichen Wirkprinzipien beruhen (z. B. DNA, RNA, Protein Subunit oder Vektor-Impfstoffe).
  • Mittlerweile werden schon 48 Impfstoffkandidaten in klinischen Studien an Menschen untersucht (Stand 12.11.2020).
  • Im Juli wurden die ersten Phase-3-Studien zum Nachweis der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit mit verschiedenen Impfstoffkandidaten in verschiedenen Ländern genehmigt, u. a. für vektorbasierte bzw. mRNA-Impfstoffe.
  • Das RKI hat eine eigene Themenseite COVID-19 und Impfen publiziert.
  • Impfstudien schließen ältere Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung haben, weitgehend aus.81
  • Eine genauere Beschreibung der verschiedenen in der Entwicklung befindlichen Impfstofftypen finden Sie in unserem Thema der Woche 2020-45 Impfung gegen COVID-19 – unterschiedliche Konzepte.
  • Neue Ergebnisse
    • Die deutsche Firma BioNTech hat zusammen mit ihrem Kooperationspartner Pfizer in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass der von ihr entwickelte mRNA-Impfstoff nach vorläufigen Ergebnissen einer Phase-3-Studie eine zunächst 90-prozentige Wirksamkeit aufweist. Später wurde eine 95-prozentige Wirksamkeit angegeben (Aufbewahrung für ca. 5 Tage im Kühlschrank, sonst bei –70 °C).
    • Die US-amerikanische Firma Moderna hat ebenfalls in einer Pressmitteilung mitgeteilt, dass ihr mRNA-Impfstoff eine 94,5-prozentige Wirksamkeit hat (Aufbewahrung im Kühlschrank für 30 Tage möglich, länger bei –20 °C) .
      • Die Ergebnisse zu beiden Impfstoffen stammen aus Zwischenanalysen.
      • Konkrete Studiendaten sind nicht öffentlich, eine durch einen externen Peer-Review begutachtete Publikation liegt nicht vor.
      • Die bei mRNA-Impfstoff mittels Nanolipiden in die Zellen eingeschleuste RNA kodiert ein virales Antigen. Die RNA wird in den Zielzellen außerhalb des Zellkerns an den Ribosomen abgelesen.82
      • Über die Dauer einer durch die Impfung erreichten Immunität sowie über langfristige Nebenwirkungen sind keine Aussagen möglich.
      • Der Impfstoff der Firma BioNTech verursachte in der klinischen Phase I/II folgende Nebenwirkungen: bei 75 % der Proband*innen Fieber, bei 85 % Fatigue, bei 60 % Schüttelfrost, bei 60 % systemische Muskelschmerzen, bei 25 % Gliederschmerzen und bei allen Proband*innen Kopfschmerzen.82
    • Die britisch-schwedische Firma AstraZeneca gibt in ihrer Pressemitteilung eine bei zweimaliger Impfung bis zu 90-prozentige Wirksamkeit für ihren Vektorimpfstoff an (Aufbewahrung im Kühlschrank).
      • Die Ergebnisse stammen ebenfalls aus Zwischenanalysen.
      • Konkrete Studiendaten sind nicht öffentlich, eine durch einen externen Peer-Review begutachtete Publikation liegt nicht vor.
      • Dieser Vektorimpfstoff basiert auf einem modifizierten Schimpansen-DNA-Adenovirus. Integrationsmechanismen beziehen bei DNA-Vektorviren auch den Zellkern mit ein und führen über eine viralen Genexpression zur Synthese des viralen Antigens.82
      • Hier sind ebenfalls keine Aussagen zur Dauer einer Immunität oder zu langfristigen Nebenwirkungen möglich.
      • Auch hier gab es in der klinischen Phase I/II zahlreiche Nebenwirkungen: bei 70 % der Proband*innen Fatigue, bei 68 % Kopfschmerzen, systemische Muskelschmerzen bei 60 %, bei 56 % Schüttelfrost, bei 51 % subfebrile Temperaturen, bei 18 % Fieber und bei 61 % allgemeines Krankheitsgefühl.82
  • Zur Priorisierung der Verteilung kommender Impfstoffe wurde am 09.11.2020 ein Positionspapier der STIKO, Leopoldina und des Deutschen Ethikrats zur Verteilung eines COVID-19-Impfstoffes herausgegeben.

Pneumokokken-Impfung

  • Die STIKO empfiehlt – unabhängig von der COVID-19-Pandemie – für alle Personen, die ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben, eine entsprechende Impfung.
  • Aktuell sind Pneumokokken-Impfstoffe in Deutschland nur sehr eingeschränkt verfügbar. Daher sollten zurzeit prioritär Personen geimpft werden, die ein besonders hohes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben.
  • Prioritär geimpft werden sollen:83
    • Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 2 Jahren mit Prevenar 13 oder Synflorix
    • Personen mit Immundefizienz, Senior*innen ab 70 Jahren und Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen (z. B. Asthma oder COPD) mit Pneumovax 23.
  • Sollte Impfstoff in ausreichenden Mengen vorhanden sein, gelten die aktuellen Empfehlungen der STIKO zur Pneumokokkenimpfung. 

Schutzimpfungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie

  • Grippeimpfung
    • Die STIKO empfiehlt in der Saison 2020/21 eine Grippeimpfung allen Personen mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe bzw. mit einem hohen Risiko einer Hospitalisierung (Personen > 60 Jahre, chronisch Kranke), allen beruflich besonders Exponierten, die vulnerable Gruppen anstecken können (Krankenhaus-, Praxismitarbeiter*innen und Personal von Pflegeeinrichtungen) sowie allen Schwangeren.84 
    • Eine generelle Impfempfehlung für Kinder oder die Gesamtbevölkerung besteht nicht.
  • STIKO-Empfehlungen zu anderen Schutzimpfungen 
    • Impfungen bei COVID-19-Patient*innen sollen erst nach vollständiger Genesung und frühestens 4 Wochen nach dem letzten positiven PCR-Befund erfolgen.85
    • Impfungen von Kontaktpersonen können bei Symptomfreiheit 14 Tage nach dem letzten potenziell infektiösen Kontakt erfolgen.85
    • Sollte bei einer Kontaktperson eine SARS-Cov-2-Infektion nachgewiesen worden sein und diese asymptomatisch verlaufen, sollten Impfungen frühestens 4 Wochen nach dem positiven PCR-Befund erfolgen.85
    • Grundimmunisierungen im Säuglingsalter mit dem 6-fach-Impfstoff und dem Pneumokokken-Impfstoff sowie die erste MMR(V)-Impfung sollten weiterhin mit hoher Priorität durchgeführt werden.86
    • Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern mit Symptomen einer Atemwegsinfektion sollen 2 Wochen lang verschoben werden.86
      • Die Begleitperson darf weder Fieber noch Zeichen einer akuten Atemwegsinfektion aufweisen und soll möglichst mit dem Kind allein (d. h. ohne Geschwister) zum vereinbarten Termin erscheinen.

Strategie des RKI: Infektionsschutzmaßnahmen10

  • Da weder eine Impfung noch eine spezifische Therapie derzeit zur Verfügung stehen, müssen alle Maßnahmen darauf ausgerichtet sein, die Verbreitung der Erkrankung so gut wie möglich zu verlangsamen.
  • Es gibt 3 Komponenten, die aktiviert und intensiviert werden entsprechend der jeweils aktuellen Lage:
    1. Die Ausbreitung durch Fallfindung und Absonderung von engen Kontaktpersonen verhindern.
    2. Soziale Distanz schaffen und
    3. vulnerable Gruppen gezielt schützen.
  • Die von der Weltgesundheitsorganisation propagierten Phasen Containment (Eindämmung), Protection (Schutz vulnerabler Gruppen) und Mitigation (Folgenminderung) sind Konzepte, die sich nicht ablösen, sondern deren Komponenten sich gegenseitig ergänzen und stärken.
  • Im RKI-Dokument Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten – Ziele, Schwerpunktthemen und Instrumente für den Infektionsschutz finden Sie hierzu weitere Informationen.

Allgemeine Warnhinweise 

  • Hinweise zu Reisebeschränkungen und Risikogebieten finden Sie im Abschnitt Risikogebiete.
  • Das öffentliche Leben in Deutschland ist wieder stärker eingeschränkt. Informationen finden Sie auf der Website der Bundesregierung.
  • Das Tragen eines MNS oder einer „Community-Maske" beim Einkaufen und im ÖPNV ist in allen Bundesländern Pflicht.
  • Die Situation ist sehr dynamisch, immer wieder gibt es neue Maßnahmen, die das öffentliche Leben betreffen.
  • Auch in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern war oder ist das öffentliche Leben eingeschränkt worden, und es gibt unterschiedliche Einreisebeschränkungen, aber auch zunehmende Lockerungen.
  • Das RKI bietet eine Information für Reisende in verschiedenen Sprachen.

Befreiung vom Schulbesuch bei Kindern mit Grunderkrankungen

  • Laut Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist eine Befreiung von der Schulpflicht bei Kindern mit Grunderkrankungen individuell von Kinderärzt*innen zu entscheiden.87
    • Eine generelle Freistellung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder zystischer Fibrose ist nicht sinnvoll.
    • Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen, die gut kompensiert bzw. gut behandelt und daher in ihrer Lebensqualität wenig oder unbeeinträchtigt sind, auch kein höheres Risiko für eine schwerere COVID-19-Erkrankung zu fürchten haben.
      • Dazu zählen z. B. Kinder mit Diabetes mellitus Typ 1, Asthma, neurologischen oder endokrinologischen Erkrankungen und auch Kinder mit angeborenen Herzfehlern oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die a priori weder die Lunge, das Herz-Kreislauf-System, die Nierenfunktion noch das Immunsystem in relevantem Ausmaß kompromittieren.
    • Bei Kindern unter immunsuppressiver Therapie oder mit einem schwerwiegenden Immundefekt muss im Einzelfall abgewogen werden.
      • Eine generelle Freistellung z. B. von Kindern mit Rheuma oder Kindern mit variablem Immundefekt unter Immunglobulin-Substitution ist nicht sinnvoll.

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Attest über die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe

  • Attest für Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 (Formulierungsvorschlag):
    • „Um eine SARS-CoV-2-Infektion zu vermeiden, sollen nach den Informationen und Hilfestellungen des RKI Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf Schutzmaßnahmen (z. B. Kontaktreduktion) durchführen.
    • Dies gilt auch für den Einsatz und das Verhalten am Arbeitsplatz, der so zu gestalten ist, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten werden (vgl. § 4 Arbeitsschutzgesetz).
    • Hiermit bestätige ich, dass Herr/Frau XY, geb. am .... an einer Grunderkrankung leidet, die das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer SARS-CoV-2-Infektion erhöht.“
  • Die Entscheidung darüber, ob, wie und in welchem Umfang Mitarbeiter*innen ihre jeweilige Tätigkeit ausüben können und sollen, ist sehr individuell und letztlich durch die jeweiligen Arbeitgeber*innen zu treffen.
  • Dabei haben sich Arbeitgeber*innen in ihrer Entscheidungsfindung und hinsichtlich möglicher Konsequenzen in erster Linie eng mit ihren Mitarbeiter*innen und vor allem mit betriebsärztlichen Stellen abzustimmen.

Attest über die Befreiung von der Maskenpflicht

  • Die meisten Bundesländer haben Ausnahmen von der Maskenpflicht definiert, wie z. B.:
    • Kinder bis zum Schuleintritt
    • Personen, denen eine Mund-Nasen-Bedeckung aufgrund einer Behinderung oder aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar ist.
    • Menschen mit Hörbehinderung (zur verbesserten Kommunikation).
  • Grundsätzlich ist eine Befreiung aus gravierenden medizinischen Gründen möglich, aber sicherlich nur in absoluten Ausnahmefällen gerechtfertigt.

Corona-Warn-App: Allgemeines88

Corona-Warn-App: Informationen für Hausärzt*innen89-90

  • Zum Vorgehen bei Meldung „erhöhtes Risiko“ in der Corona-Warn-App stellt das RKI eine Information für Vertragsärztinnen/Vertragsärzte und eine Handreichung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bereit.89-90
  • Personen mit der Meldung „erhöhtes Risiko“ in der Corona-Warn-App werden aufgefordert, „sich nach Hause zu begeben und Begegnungen zu reduzieren sowie Verhaltenshinweise bei auftretenden Symptomen zu beachten“.
  • Sie sollen Kontakt mit ihren Hausärzt*innen, dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst bzw. dem Gesundheitsamt aufnehmen.
  • Laut KBV wurden zum Start der Corona-Warn-App neue Leistungen in den EBM aufgenommen.91
    • Abstriche nach der Meldung „erhöhtes Risiko“ in der App sind somit Kassenleistung, siehe Abschnitt Abrechnung und Vergütung.
  • Wenn medizinischem Personal über die Corona-Warn-App ein „erhöhtes Risiko“ gemeldet wird, wird auch bei Abwesenheit von Symptomen eine Testung empfohlen.31

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Ungelöste Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Warn-App

  • Personen ohne Symptome dürfen nicht per AU krankgeschrieben werden.
  • Eine Quarantäne kann nur das GA anordnen. (Das GA wird von der App allerdings nicht benachrichtigt.)
  • Das Bundesgesundheitsministerium vertraut darauf, dass „Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine einvernehmliche Lösung für diese Situation finden“.
  • Selbst bei positivem Abstrich in der PCR und symptomloser Person gilt laut G-BA: „Eine Bescheinigung einer AU allein aufgrund eines positiven Tests ist laut AU-RL nicht möglich. Hier greifen die Quarantäneregeln.“

Allgemeine Hygieneempfehlungen

Verhaltensempfehlungen für den Alltag

  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt ein deutschsprachiges Plakat mit Hygienetipps zum Schutz vor Infektionskrankheiten bereit.
  • Das RKI bietet Hygieneinformationen für nichtmedizinische Einsatzkräfte.
  • Die BZgA und das RKI geben folgende allgemeine Empfehlungen – AHA+L+A-Regeln:3
    • Abstand halten.
      • Ein Abstand von mindestens 1,5 m zu anderen vermindert das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2.
      • Aufs Händeschütteln und auf Umarmungen sollte verzichtet werden.
    • Hygiene beachten.
      • gute Händehygiene, Husten- und Niesetikette
      • Sich möglichst wenig ins Gesicht fassen.
    • Alltagsmasken tragen.
      • Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wo diese vorgeschrieben ist, und falls man trotz Krankheitszeichen das Haus verlassen muss.
    • Lüften
      • In Innenräumen regelmäßig lüften.
    • App
      • Wenn möglich, die Corona-Warn-App nutzen.

Verhalten bei akuten Atemwegserkrankungen52 

  • Personen mit akuten Atemwegserkrankungen sollen sich für 5–7 Tage zuhause auskurieren, wenn keine ärztliche Behandlung erforderlich ist; dies gilt auch für Schul- und Kita-Kinder.
    • Isolationsende erst nach mindestens 48 h Symptomfreiheit
  • So kann auch bei Vorliegen von leichten Verläufen von COVID-19 eine Weitergabe des Virus verhindert werden.

Präventionsmaßnahmen in Schulen

Empfehlungen zur Anwendung eines Mund-Nasen-Schutzes3

  • Für die Bevölkerung empfiehlt das RKI das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (textile Barriere im Sinne eines MNS) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum,
    • in denen mehrere Menschen in geschlossenen Räumen zusammentreffen und der Abstand von mindestens 1,5 m zu anderen Personen nicht eingehalten werden kann (z. B. in Geschäften, in öffentlichen Verkehrsmitteln, am Arbeitsplatz).
    • Dies gilt auch bei Menschenansammlungen im Freien, wenn der Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten wird.
  • Verwendung von FFP2-Masken im privaten Alltag (nicht durch Personal im medizinischen Bereich)
    • Wird vom RKI nicht generell empfohlen, siehe FAQ des RKI.
  • Empfehlungen zum Tragen von Masken bei Kindern92
    • Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hält das Tragen einer Maske im öffentlichen Raum für Kinder ab dem Grundschulalter für „zumutbar“.
    • Das Tragen einer Maske ist auch bei kleineren Kindern möglich (vor dem Grundschulalter), z. B. beim Besuch in Risikobereichen (z. B. Ambulanzbesuche im Krankenhaus). Für diese Altersgruppe besteht eine „Kann“-Empfehlung. 
  • Weitere Informationen zum Tragen, Reinigen und Anlegen eines Mund-Nasen-Schutzes und zu sog. „Community-Masken“ finden Sie in den
  • Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin stellt eine Übersicht zur Wirksamkeit von verschiedenen Schutzmasken bereit.

Tragen von Visieren im öffentlichen Raum

  • Die Verwendung von Visieren kann nach Einschätzung des RKI nicht als Alternative zur MNB angesehen werden.3

Wirksamkeit von Abstandhalten, Schutzmasken und Augenschutz

  • Eine durch die WHO finanzierte Metaanalyse von Beobachtungs- und Vergleichsstudien zeigte einen signifikanten Schutz vor Übertragungen durch Abstandhalten von mindestens 1 m (besserer Schutz mit zunehmendem Abstand), Tragen von FFP2- und FFP3-(N95)-Masken, eines chirurgischen Mund-Nasen-Schutzes und Tragen eines Augenschutzes.93
    • Abstandhalten zeigt die größte Wirkung.
    • In der Metaanalyse wurden Studien zu SARS, MERS und COVID-19 berücksichtigt.
  • Ein Rapid Review und eine Längsschnittanalyse des RKI ergeben, dass Versammlungsbeschränkungen, Schließung von Arbeitsplätzen und Schulen sowie das Tragen von Masken wirksame Maßnahmen der Kontrolle der Epidemie sind.94

Wirksamkeit von Kontaktreduzierung

  • Eine Auswertung der Daten des GrippeWeb des RKI, das Meldungen aus der Bevölkerung zum Auftreten akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) erfasst, zeigt einen starken Abfall der ARE in Deutschland seit der 10. Kalenderwoche.95
    • Das RKI schließt daraus, dass die Distanzierungsmaßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung von Atemwegserkrankungen wirksam sind.
  • Auch die Verkürzung der diesjährigen Grippewelle um mindestens 2 Wochen führen Autor*innen des Epidemiologischen Bulletins auf die bundesweiten Eindämmungsmaßnahmen zurück.96

Quarantäne3

  • Wird vom Gesundheitsamt angeordnet.
  • In Quarantäne müssen Personen,
    • die innerhalb der letzten 2 Wochen engen Kontakt mit einem bestätigten COVID-19-Fall hatten, d. h. mindestens 15 Minuten mit der erkrankten Person gesprochen haben bzw. angehustet oder angeniest worden sind, während diese ansteckend gewesen ist.
    • für die das Gesundheitsamt eine Quarantäne angeordnet hat.
  • Für Kontaktpersonen und Einreisende aus Risikogebieten, die früher bereits selbst ein laborbestätigter Fall waren, ist keine Quarantäne erforderlich.3
    • Diese Personen sollten sich selbst beobachten und beim Auftreten von Symptomen sofort selbst isolieren und testen lassen.
  • Regeln für Haushaltsmitglieder: neue Quarantäneempfehlung für weitere Haushaltsmitglieder von maximal 14 Tagen nach Symptombeginn des Primarfalls97
  • Vom RKI wird offiziell eine Quarantänedauer von 14 Tagen empfohlen. Das RKI stellt aber im Dokument Abwägung der Dauer von Quarantäne und Isolierung bei COVID-19 die Möglichkeit vor, Quarantäne durch einen abschließenden PCR-Test um wenige Tage zu verkürzen.
  • Die Quarantänezeit wird durch ein negatives Testergebnis nicht verkürzt.3
  • Das RKI bietet ein Flussschema zur Kontaktpersonennachverfolgung.
  • Weitere Informationen zu Regelungen für Reisende finden Sie im Abschnitt Risikogebiete.
  • Informationen für Betroffene siehe Häusliche Quarantäne: Flyer für Kontaktpersonen.

Wirksamkeit von Quarantänemaßnahmen

  • Die Wirksamkeit unterschiedlicher Maßnahmen zur Quarantäne ist nachgewiesen, besonders wenn sie mit anderen Maßnahmen, wie physischer Distanzierung und Schulschließungen kombiniert wird.98
  • Für die hausärztliche Betreuung ist es wichtig, mögliche negative gesundheitliche Folgen der Quarantäne (Zunahme psychischer Beschwerden, Alkoholkonsum, finanzielle Sorgen) zu berücksichtigen.98

Hände- und Flächendesinfektion

Hygieneempfehlungen für medizinische Einrichtungen

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Optionen zur Entlastung der Praxis

  • Stimmen Sie im Praxisteam die Triage ab, sodass Ihr Team bereits am Telefon Patient*innen filtern kann, passen Sie Ihre (Online-)Terminvergabe an.
  • Bauen Sie Ihre Telefon- und/oder Videosprechstunden aus.
  • Option für größere Praxen: Bilden Sie nach Möglichkeit ein Team für Patient*innen mit Infekten (Teammitglieder sollten nicht chronisch krank/immunsupprimiert sein) und ein Nicht-Infekt-Team (ist auch für die Arbeiten ohne direkten Patientenkontakt zuständig).
  • Behandlung von Kindern (potenzielle Vektoren, aber selten krank): möglichst nicht im Rahmen der Chroniker-Sprechstunde, sondern idealerweise in einer eigenen Sprechstunde
  • Unnötige persönliche Patientenkontakte reduzieren (z. B. Rezepte/Überweisungen per Post zusenden).
  • Gesichtsschutzschild stets nach dem Abnehmen mit 70 % Isopropylalkohol desinfizieren.
  • Weitere organisatorische Hinweise siehe Originaltext der Leitlinie.

Empfehlungen des RKI für (ambulante und stationäre) Einrichtungen des Gesundheitswesens in Deutschland99

Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. aus der häuslichen Isolierung

RKI-Kriterien zur Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. aus der häuslichen Isolierung100

  • RKI-Flussschema: COVID-19: Entlassungskriterien aus der Isolierung Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte
  • Patient*innen mit schwerem COVID-19-Verlauf (mit Sauerstoffbedürftigkeit)
    • mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit (definiert als nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung)
      • PLUS
    • frühestens 10 Tage nach Symptombeginn
      • PLUS
    • PCR-Untersuchung (negatives Ergebnis oder hoher Ct-Wert, der mit Nicht-Anzüchtbarkeit von SARS-CoV-2 einhergeht)
  • Patient*innen mit leichtem COVID-19-Verlauf (ohne Sauerstoffbedürftigkeit)
    • mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit (definiert als nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung)
      • PLUS
    • frühestens 10 Tage nach Symptombeginn
    • Die gleiche Vorgehensweise gilt für Patient*innen, bei denen die Verdachtsdiagnose COVID-19 besteht, aber kein Test zur Diagnosesicherung durchgeführt worden war. 
  • Personen mit asymptomatischer SARS-CoV-2-Infektion
    • frühestens 10 Tage nach Erstnachweis des Erregers
  • Bewohner*innen von Seniorenpflegeeinrichtungen
    • mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit (definiert als nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung)
      • PLUS
    • frühestens 10 Tage nach Symptombeginn
      • PLUS
    • PCR-Untersuchung (negatives Ergebnis oder hoher Ct-Wert, der mit Nicht-Anzüchtbarkeit von SARS-CoV-2 Viren einhergeht)
  • Erforderlich ist ein negatives PCR-Resultat basierend mindestens auf zwei zeitgleich durchgeführten Abstrichen: einem oropharyngealen und einem nasopharyngealen Abstrich. Möglich ist die Überführung zweier Abstrichtupfer in dasselbe Transportmedium oder Abnahme beider Abstriche mit demselben Abstrichtupfer.
  • Der Ct-Wert ist ein Maß für die Anzüchtbarkeit des Virus (ein hoher Wert bedeutet geringe Anzüchtbarkeit und damit geringe Infektiosität). Entlasskriterium ist ein Ct-Wert > 30.33
  • Das RKI stellt im Dokument Abwägung der Dauer von Quarantäne und Isolierung bei COVID-19 die Möglichkeit vor, Isolierung durch einen abschließenden PCR-Test um wenige Tage zu verkürzen.

Vorgehen in Pflegeeinrichtungen

DEGAM-S1-Handlungsempfehlung: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis31

Gespräche mit Pflegeeinrichtungen

  • In den meisten Pflegeeinrichtungen sind Maßnahmen zum Schutz gegen das SARS-CoV-2-Virus inzwischen etabliert. Wichtige Aspekte finden Sie im Originaltext der Leitlinie.
  • Einige sind hier beispielhaft genannt:
    • räumliche Trennung und Isolierung von akut respiratorisch Erkrankten (unabhängig davon, ob Testung möglich war), ggf. gemeinsame Isolierung von erkrankten Gruppen (siehe Handlungsempfehlung zur häuslichen Isolierung der DEGAM)
    • kein Zutritt von Erkrankten oder COVID-19-Kontaktpersonen zu den Einrichtungen
    • Grundsätzliches Tragen von FFP2 bzw. MNS im Bewohner*innen-Bereich durch alle Berufsgruppen und Besucher*innen.
    • Ein tägliches Screening durch das Pflegepersonal (1 x pro Tag) auf Symptome einer Covid-19-Erkrankung wird vom RKI empfohlen:
      • Mindestens: Fieber > 37,8°C oral, Husten, Kurzatmigkeit, Halsschmerzen, Schnupfen erfragen sowie Sauerstoffsättigung mittels Pulsoxymeter messen.
      • Bei Abfall der Sauerstoffsättigung und fehlenden Hinweisen auf andere organische Ursachen (wie z. B. eine dekompensierte Herzinsuffizienz) sollte eine bisher unerkannte SARS-CoV2-Infektion erwogen und ein PCR-Test veranlasst werden.
    • generell: Aktualisierung von Patientenverfügungen.

Vorgehen bei Neugeborenen und Wöchnerinnen19

  • Säuglinge, die von Müttern mit vermutetem, wahrscheinlichem oder bestätigtem COVID-19 geboren wurden, sollten gemäß den Standardrichtlinien für die Säuglingsernährung gefüttert werden.
  • Wie bei allen bestätigten oder vermuteten COVID-19-Fällen sollten symptomatische Mütter, die stillen oder Haut-zu-Haut-Kontakt (Känguru-Mutterpflege) praktizieren, Atemhygiene (Mundschutz) einhalten – auch während des Stillens.
  • Siehe auch Update der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Umgang mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen

  • Das RKI-Dokument Empfehlungen zum Umgang mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen richtet sich an Ärzt*innen, die eine äußere Leichenschau vornehmen (z. B. Haus- und Notärzt*innen, Bedienstete von Gesundheitsämtern) und sonstiges medizinisches Personal sowie Bestatter*innen, die Kontakt mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen haben.
  • Die DEGAM-S1-Handlungsempfehlung fasst die RKI-Empfehlungen zusammen:31
    • Es existieren keine Daten zur Kontagiosität von mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen.
    • Aus diesem Grund müssen mit SARS-CoV-2 infizierte Verstorbene als kontagiös angesehen werden.
    • Ärzt*innen, die eine äußere Leichenschau vornehmen und sonstiges medizinisches Personal sowie Bestatter*innen, die Kontakt mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen haben, sollten die üblichen Schutzmaßnahmen ergreifen wie beim Umgang mit SARS-CoV-2-Infizierten: Gesichtsschutzschild, Mund-Nasen-Schutz (bei Aerosol-Produktion FFP2-Maske), Schutzkittel, Handschuhe.
    • Auf der Todesbescheinigung sollte auf die SARS-CoV-2-Infektion hingewiesen werden, ebenso sollten die Mitarbeiter*innen des Bestattungsinstituts darauf hingewiesen werden.

Meldepflicht103

  • Namentlich meldepflichtig ist der Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung sowie der Tod in Bezug auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19).
  • Eine Meldepflicht besteht31
    • bei jeder laborbestätigten SARS-CoV-2-Infektion sowie 
    • bei folgender Verdachtskonstellation: Symptome UND Kontakt (KP1) mit einem bestätigten COVID-19-Fall.
  • Zur Meldung verpflichtet sind nicht nur Ärzt*innen, sondern auch Angehörige eines anderen Heil- oder Pflegeberufs und Leiter*innen von Einrichtungen (u. a. Schulen, Kindergärten, Senioren- und Pflegeeinrichtungen und sonstigen Massenunterkünften).
  • Beim RKI sind weitere Informationen zur Meldung von Verdachtsfällen nachzulesen. 
  • Die Meldung hat an das Gesundheitsamt zu erfolgen, in dessen Bezirk sich die betroffene Person derzeitig aufhält oder zuletzt aufhielt.
    • Das zuständige Gesundheitsamt und dessen Kontaktdaten können mithilfe des Postleitzahltools des RKI ermittelt werden: PLZ-Tool.

Berufskrankheit

  • Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) kommt für COVID-19 „bei Versicherten, die im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig sind oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt waren, die Anerkennung als Berufskrankheit der Ziffer 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung in Betracht."
  • Bei positiver Testung, entsprechenden Krankheitsanzeichen sowie der Vermutung eines Infektionsweges über die berufliche Tätigkeit sollte eine Erstattung der ärztlichen Berufskrankheitenanzeige erfolgen.104

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlauf3

Symptomatik und klinischer Verlauf allgemein

  • Genauere Informationen zu den verschiedenen Manifestations- und Verlaufsformen von COVID-19 finden Sie im Abschnitt Symptome.
  • Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod.8
  • Wie andere respiratorische Erreger kann eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen, einige Betroffene leiden auch an Durchfall.
  • Meist in der zweiten Krankheitswoche kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein beatmungspflichtiges ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) fortschreiten kann, das u. U. eine Sauerstoffaufsättigung des Blutes außerhalb des Körpers (ECMO) erforderlich macht.8
    • 2 % der COVID-19-Patient*innen in Deutschland haben eine Pneumonie entwickelt.8 
    • 11 % wurden hospitalisiert.
    • In Deutschland werden 89 % der COVID-19-Fälle ambulant versorgt.
  • Bei schwer verlaufenden COVID-19-Fällen wird von 3 Krankheitsstadien ausgegangen:25
    • Stadium I: frühe Infektion, milde unspezifische Symptomatik
    • Stadium II: pulmonale Phase, abrupte respiratorische Verschlechterung, Hypoxie bis hin zu ARDS
    • Stadium III: hyperinflammatorische Phase, ARDS, disseminierte intravasale Gerinnung, Multiorganversagen.
  • Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen kann, im Median beträgt sie 5 Tage.8

Klinischer Verlauf bei Kindern

  • Der klinische Verlauf ist bei Kindern milder.3,105
  • Laut RKI sind schwere Verläufe selten und betreffen insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, einzelne Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 sind im Kindesalter beschrieben.3

Dauer der Erkrankung

  • Bei milden Fällen dauert die Erkrankung vom Symptombeginn bis zur Genesung 2 Wochen, bei Patient*innen mit schwerem oder kritischen Erkrankungsverlauf in der Regel 3–6 Wochen.38

Häufigkeiten von asymptomatischen, milden und schweren Verläufen

  • Rund 30–40 % der Infektionen (besonders bei Kindern und älteren Menschen) verlaufen asymptomatisch und ca. 45–55 % mild bis moderat.31
  • Laut den Daten aus dem deutschen Meldesystem werden ca. 11 % der in Deutschland übermittelten Fälle hospitalisiert und davon schätzungsweise 8 % intensivmedizinisch behandelt.8
    • 56 % der intensivmedizinisch behandelten Patient*innen werden beatmet, davon versterben durchschnittlich 36 %.
  • Klinische Prädiktoren für einen schweren Verlauf39
    • Alter > 50 Jahre
    • männliches Geschlecht
    • Persistenz von Fieber (mit Antipyretika häufig kaum zu beeinflussen)
    • ausgeprägte Lymphopenie, Erhöhung von LDH und Troponin.
  • Schwangere
    • Haben vergleichsweise seltener Symptome, aber möglicherweise ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.8,29
  • Kinder
    • Der Manifestationsindex liegt bei Kindern bei 72–96 %. Die Mehrzahl der Kinder zeigt nach bisherigen Studien einen eher milden und unspezifischen Krankheitsverlauf.8

Vergleich von COVID-19 mit Influenza

  • Das RKI hat hospitalisierte COVID-19-Patient*innen mit Pneumonie-Erkrankten während der jährlichen saisonalen Grippewellen von 2015–2019 in Bezug auf die Schwere der Pneumonien verglichen.106
    • COVID-19: mediane Beatmungsdauer 10 Tage 
    • Influenza: mediane Beatmungsdauer 4 Tage.

Co-Infektionen

  • Insbesondere schwer erkrankte COVID-19-Patient*innen können unter weiteren Infektionen leiden.8
    • Zu den nachgewiesenen Erregern zählen u. a. Mycoplasma pneumoniae, Candida albicans und Aspergillus spp.
    • Zudem wurden in einigen Fällen Superinfektionen mit multiresistenten Bakterien (z. B. Klebsiella pneumoniae und Acinetobacter baumannii) festgestellt.

Komplikationen 

  • Gleichzeitige bakterielle Sepsis/Pneumonie
  • Ateminsuffizienz
  • ARDS
  • Neurologische Symptome/Ausfälle107
  • Tiefe Venenthrombosen und Lungenembolie gehäuft in Obduktionen bei COVID-19-Patient*innen108
  • Verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen und -Folgeerkrankungen8
    • Insbesondere bei schweren Infektionen der Atemwege mit akutem Lungenversagen und Sauerstoffunterversorgung kam es zu kardiovaskulären Erkrankungen, einschließlich Myokardschädigungen, Myokarditis, akutem Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und venösen thromboembolischen Ereignissen.
  • Bei hospitalisierten Patient*innen wird das Auftreten von akutem, u. U. dialysepflichtigem, Nierenversagen beobachtet, insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen COVID-19-Erkrankten.
  • Neues Auftreten eines Diabetes mellitus mit schwerer Stoffwechselentgleisung bis hin zur tödlichen Ketoazidose109
    • Entgleisung eines bereits bestehenden Diabetes mellitus
  • Psychosoziale Folgen von Quarantäne und Kontaktreduzierung laut BMBF:
    • Angstzustände
    • Schlafprobleme
    • somatoforme Symptome
    • depressive Symptome
    • andere psychosoziale Probleme (familiäre Konflikte etc.).
  • Häusliche Gewalt
    • In einer noch unpublizierten Studie der TU-München, für die rund 3.800 Frauen über die Zeit strenger Kontaktbeschränkungen befragt wurden, gaben 3 % der Befragten an, während des Lockdowns Opfer körperlicher häuslicher Gewalt geworden zu sein.110
      • In 6,5 % aller Haushalte wurden Kinder körperlich bestraft.
      • 3,6 % der Befragten geben an, von ihrem Partner vergewaltigt worden zu sein.
      • In Quarantäne und bei finanziellen Sorgen lagen diese Zahlen deutlich höher.
      • Hilfsangebote wurden wenig genutzt
  • Folgen der Public-Health-Maßnahmen
    • Manche schwerkranke Patient*innen kommen trotz schwerer Symptome (Angina/neurologische Ausfälle) aus Angst nicht die Notaufnahme/Praxis.
      • Daten aus den USA zeigen, dass die Zahl der Klinikbehandlungen wegen eines akuten Herzinfarktes auf die Hälfte zurückgehen.111
      • Auch die Impfquoten bei Säuglingen nehmen in den USA auf die Hälfte ab.112
    • Laut einer Modellierungsstudie werden mit jeder Woche, in der elektive Operationen nicht möglich sind, weltweit 2,4 Mio. chirurgische Eingriffe verschoben.113
      • D. h. innerhalb von 12 Wochen wurden weltweit 28 Mio. Eingriffe verschoben.
      • In Deutschland wurden nach Hochrechnungen über 900.000 Operationen verschoben, davon 52.000 Eingriffe bei malignen Erkrankungen (24 % aller Krebsoperationen).
    • Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie werden durch die geringere Zahl an Screening-Untersuchung8,31en im Verlauf der COVID-19-Pandemie zahlreiche Krebsdiagnosen verspätet gestellt.
  • Mehrere Länder berichten Fälle mit einem Krankheitsbild, das das ECDC als Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) in Kombination mit einem Toxic Shock Syndrome (TSS) bezeichnet.8
    • MISC-TSS weist Ähnlichkeit mit dem Kawasaki-Syndrom auf, das bei Kindern im Zusammenhang mit anderen Infektionskrankheiten beobachtet wird.
    • Das Risiko für Kinder, an MISC-TSS zu erkranken, wird vom ECDC als gering eingeschätzt, auch sind durch MISC-TSS bedingte Todesfälle bei Kindern sehr selten.

Prognose

Allgemeine Informationen zur Prognose von COVID-19

  • Die Letalität beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der (tatsächlich) erkrankten/infizierten Fälle (Infection Fatality Rate, IFR).31
    • Dazu liegen keine verlässlichen Daten vor, weil die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen unbekannt ist und deutlich höher liegt als die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle.8
    • Die IFR wird nur auf der Basis von Seroprävalenzdaten geschätzt.31
    • Derzeit kann nur der Fall-Verstorbenen-Anteil zuverlässig berechnet werden, z. B. als Quotient der gemeldeten Sterbefälle und der Zahl der gemeldeten Fälle (Case Fatality Rate, CFR).8,31
  • Angaben laut RKI für Deutschland
    • In Deutschland liegt der Fall-Verstorbenen-Anteil aktuell bei 1,7 % (Cave: Nicht mit Letalität gleichzusetzen!).8
      • Während der Fall-Verstorbenen-Anteil bei Erkrankten bis etwa 50 Jahren unter 0,1 % liegt, steigt er ab 50 zunehmend an und liegt bei Personen über 80 Jahren häufig über 10 %.8
    • Von den übermittelten Fällen, die in Pflegeeinrichtungen (oder anderen Gemeinschaftsunterkünften) betreut wurden, sind 14 % verstorben.
    • Von den intensivmedizinisch betreuten Fällen, die bereits abgeschlossen sind, sind laut RKI (DIVI-Intensivregister) 23 % verstorben.9
  • Daten einer großen seroepidemiologischen Studie aus Spanien ergeben eine Letalität (Infection Fatality Rate, IFR) von 1,1 bis 1,4 % bei Männern und 0,58 bis 0,77 % bei Frauen.114
  • Einer Lancet-Publikation zufolge lag die Letalität bei 1.035 Patient*innen aus 36 verschiedenen Ländern, die mittels ECMO therapiert wurden, bei knapp unter 40 %.115
  • Todesfälle traten bisher vor allem bei Patient*innen auf, die älter waren und/oder zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten.3
  • Bei Kindern scheint die Erkrankung vergleichsweise selten aufzutreten und dann mild zu verlaufen.
    • Schwere oder gar kritische Verläufe wurden nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen beobachtet.3
  • Schwangere haben vergleichsweise seltener Symptome, aber möglicherweise erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf (mit Aufnahme auf eine Intensivstation und für invasive Beatmung, Mortalität insgesamt sehr gering).8,29

Exzess-Mortalität

  • Inzwischen lässt sich aus internationalen Todeszahlen-Statistiken eine deutliche Exzess-Mortalität („Übersterblichkeit“) in Ländern ablesen, in denen es zu hohen Fallzahlen kam (siehe hierzu euromomo.eu).
  • In Frankreich z. B. wird für den Zeitraum vom 1. März bis zum 20. April gegenüber 2019 eine um 27 % erhöhte Sterblichkeit ausgewiesen. Italien berichtet sogar von einer um 49 % erhöhten Sterbefallzahl für den März 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015–2019.3
  • Im süddeutschen Raum (Bayern und Baden-Württemberg) gab es zwischen der 10. und 18. Kalenderwoche 2020 eine deutlich erhöhte Sterberate bei Personen über 65 Jahren im Vergleich zu diesen Kalenderwochen im Jahr 2016 (dem letzten Jahr ohne grippebedingte Exzessmortalität). Der Höhepunkt lag in den Kalenderwochen 14 und 15. Es besteht vermutlich ein enger Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie.116 

Einflussfaktoren auf die Prognose

  • Siehe auch Risikofaktoren im Abschnitt Anamnese.
  • Eine dänische Kohortenstudie mit über 9.000 Patient*innen zeigte, dass die Mortalität abhängig vom Alter allein in der Altersgruppe
    • von 60–69 Jahren bei 1 %
    • von 70–79 Jahren bei 5 %
    • von 80–89 Jahren bei 18 %
    • und ab 90 Jahren bei 44 % lag.30
    • Die Mortalität steigt mit der Anzahl der Vorerkrankungen stark an. Bei > 4 Vorerkrankungen im Vergleich zu keinen Vorerkrankungen um den Faktor 5,2.
  • Laut einer internationalen Kohortenstudie erhöht eine Infektion mit SARS-CoV-2 die postoperative Sterblichkeit. Diese lag auch bei elektiven Eingriffen bei 18,9 % (25,6 % bei Notfalloperationen).117
  • Daten aus den USA zeigen, dass sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen, wie afroamerikanische und aus Lateinamerika stammende Personen, ein besonders hohes Erkrankungs- und Sterberisiko haben.118
    • Auch in Deutschland haben Langzeitarbeitslose ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe.119
  • Zum Einfluss der AB0-Blutgruppe auf Infektionsrisiko und Verlauf gibt es keine eindeutigen Daten.3
  • Menschen mit Trisomie 21 haben ein deutlich erhöhtes Sterberisiko bei COVID-19.120

Langzeitfolgen laut RKI8

  • Grundsätzlich werden längere Genesungszeiten bei Infektionskrankheiten mit Pneumonien beobachtet und sind prinzipiell nicht ungewöhnlich.
  • Aufgrund der Neuartigkeit des Krankheitsbildes der COVID-19-Erkrankung und den sehr unterschiedlichen klinischen Präsentationen existiert bis jetzt keine einheitliche Definition für Langzeitfolgen (engl. „Long Covid").
  • Über den klinischen Verlauf von COVID-19 nach sehr milden oder asymptomatischen Erkrankungen ist bislang wenig bekannt.
  • Verlässliche, repräsentative Daten zum Anteil der Erkrankten mit Langzeitfolgen liegen derzeit nicht vor.
  • Daten aus England deuten jedoch darauf hin, dass etwa 40 % der hospitalisierten Erkrankten längerfristige Unterstützung benötigen und bei etwa 10 % der nicht-hospitalisierten, mild Erkrankten Symptome länger als 4 Wochen andauern.

Verlaufskontrolle/Rehabilitation

Interdisziplinäre S2k-Leitlinie: Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-1937

Nachuntersuchungen

  • Bei Patient*innen mit stationär behandelter COVID-19-Erkrankung sollte nach 8–12 Wochen eine Nachuntersuchung bezüglich Langzeitfolgen erfolgen.
  • Idealerweise sollte dies im Rahmen von Registern oder Studien erfolgen.
  • Das „Post-COVID-19-Syndrom" kann unabhängig von der Schwere der Erkrankung auftreten, also auch bei Patient*innen, die nur leicht erkrankt waren und ambulant behandelt wurden.
  • Alle nachweisbaren Organveränderungen nach COVID-19 sollten Anlass zu einer für die jeweilige Erkrankung empfohlenen Diagnostik und evtl. Therapie geben.

Rehabilitation

Empfehlungen für Wettkampfsportler*innen

  • JAMA-Autor*innen (Mitglieder des American College of Cardiology's Sports & Exercise Cardiology Council) schlagen ein strukturiertes Vorgehen vor der Wiederaufnahme sportlicher Betätigungen nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung für Wettkampfsportler*innen und sportlich hoch aktive Personen vor. So soll myokardialen Schädigungen vorgebeugt werden:121
    • asymptomatischer Verlauf
      • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Virusnachweis
      • langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung
      • Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung
    • milde oder moderate Symptome
      • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Symptomfreiheit
      • dann Troponin
      • 12-Kanal-EKG, Herzecho
      • abhängig von den Befunden evtl. weitere Diagnostik
      • bei unauffälligen Befunden langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung, Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung
      • bei Hinweisen auf eine kardiale Beteiligung Vorgehen wie bei einer Myokarditis.
    • Deutliche Symptome, hospitalisiert: In der Klinik Troponin, kardiale Bildgebung erwägen.
      • bei pathologischen Befunden: Vorgehen wie bei einer Myokarditis
      • bei fehlenden Hinweisen auf myokardiale Beteiligung während des Klinikaufenthalts:
        • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Symptomfreiheit
        • Dann kardiologische Diagnostik erwägen, wenn sie nicht in der Klinik erfolgt ist.
        • bei unauffälligen Befunden langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung, Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung.

Patienteninformationen

Worüber sollten Sie die Patient*innen informieren?

  • Empfehlungen des RKI für Reiserückkehrer*innen: Informationen für Reisende in verschiedenen Sprachen
  • In Hinblick auf Hygieneregeln beraten:
    • AHA+L+A-Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften, App (Corona-Warn-App)
    • Die „3 Gs" meiden: geschlossene Räume, Gruppen, Gespräche.8
  • Personen, die einen engen Kontakt mit einer Person hatten, bei der SARS-CoV-2 im Labor nachgewiesen wurde, sollten Kontakte zu anderen Personen vermeiden und insbesondere bei respiratorischen Symptomen telefonisch ärztlichen Rat einholen oder sich mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.
  • Wenn das Gesundheitsamt hinzugezogen wurde: Bei Kontakt zu einer infizierten Person die Anweisungen des Gesundheitsamtes befolgen.

Patienteninformationen in Deximed

Weitere Informationen für Patient*innen

Quellen

Links zu weiteren Informationen

Empfehlungen und Informationsmaterial für die Hausarztpraxis

Fallzahlen und Statistiken

Positionspapier

Corona-Warn-App

Meldepflicht

Stationäre Versorgung

Versorgung in Senioren- und Pflegeeinrichtungen

Ambulante Pflegedienste

Berufliche und arbeitsrechtliche Aspekte

Wissenschaftliche Stellungnahmen und Publikationen

Leitlinien

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis. AWMF-Leitlinie Nr. 053-054. S1, Stand 23.11.2020 (Version 15). www.degam.de
  • Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19. AWMF-Leitlinie Nr. 113-001. S2k, Stand 23.11.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie. Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 018-037. S1, Stand 17.09.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Empfohlene Präventionsmaßnahmen für die geburtshilfliche Versorgung in deutschen Krankenhäusern und Kliniken im Zusammenhang mit dem Coronavirus. AWMF-Leitlinie Nr. 015-092. S1, Stand 19.03.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Therapie von Patient*innen mit COVID-19 aus palliativmedizinischer Perspektive. AWMF-Leitlinie Nr. 128-002. S1, Stand 18.03.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Neurologische Manifestation bei COVID-19-Patient*innen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-144. S1, Stand 18.08.2020. www.awmf.de
  • Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft. Soziale Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie. AWMF-Leitlinie Nr. 184-001. S1, Stand 10.08.2020. www.awmf.de

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Autor*innen

  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
  • Guido Schmiemann, PD Dr. med., Facharzt für Allgemeinmedizin, Universität Bremen (Review)