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Respiratorische Erkrankung durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

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Aktuell diskutierte Aspekte – Direktsuche

Allgemeine Informationen

Definition

  • Respiratorische Erkrankung durch SARS-CoV-2 1
    • Erkrankung wird als COVID-19 bezeichnet (Coronavirus Disease 2019).
  • SARS-CoV-2 gehört, wie das SARS-Virus, zu den Beta-Coronaviren. 2
    • Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. 2
  • Verlauf als Pandemie

Häufigkeit

Fallzahlen und Mortalität – allgemeine Informationen

  • Es ist unklar, wie hoch weltweit und in einzelnen Ländern die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten, oft asymptomatischen infizierten Personen ist. 3

Zahlen in Deutschland

  • Es ist auch in Deutschland von einer Untererfassung der SARS-CoV-2-Infizierten auszugehen. 1
  • In Lageberichten und im RKI-Dashboard werden nur PCR-bestätigte Fälle angegeben. 2
  • Die Lage ist instabil und ändert sich sehr kurzfristig. 4
  • Detaillierte Zahlen zur Lage in Deutschland finden Sie auf dem RKI-COVID-19-Dashboard  (manchmal zeitverzögert, aber mit solider Datenbasis) und in den täglichen und wöchentlichen Lageberichten des RKI .

Zahlen weltweit

  • Einen tagesaktuellen weltweiten Überblick über die Fallzahlen und Todesfälle  finden Sie auf dem Dashboard der Johns Hopkins University  (sehr schnelle Publikation von Zahlen, aber Datengrundlage nicht behördlich bestätigt). 2

Ätiologie und Pathogenese

SARS-CoV-2

  • Das Virus gehört wie das SARS-Virus zu den Beta-Coronaviren. 3 
    • Coronaviren sind umhüllte RNA-Viren.
    • Das S(Spike)-Protein ist für den Eintritt in die Wirtszelle zuständig. Es induziert neutralisierende (protektive) Antikörper und ist deswegen wichtig für die Impfstoffentwicklung.
    • SARS-CoV-2 verwendet das transmembranäre Enzym ACE-2 als Rezeptor, um in die Wirtszellen zu gelangen.
  • Coronaviren können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere. 2
    • Artengrenzen können aufgrund der Fähigkeit zur homologen Rekombination leicht überwunden werden. 3
  • Mit SARS-CoV-2 sind insgesamt 7 humanpathogene Coronaviren bekannt.
    • Coronaviren verursachen beim Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen Krankheiten wie das Middle East Respiratory Syndrome (MERS) von 2015 oder das Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) von 2003.

Besorgniserregende Virusvarianten – Variants of Concern (VOC)

  • B.1.1.7 Alpha, B.1.351 Beta, P.1 Gamma 
    • derzeit nur Einzelfälle mit Alpha-, Beta- oder Gamma-Variante in Deutschland 5
  • B.1.617 Delta  
    • erhöhte Übertragbarkeit und verminderte Wirksamkeit der Immunantwort
    • höhere Virulenz: höhere Raten an Hospitalisationen und Intensivpflichtigkeit sowie höhere Mortalität 3
    • in Deutschland von der Omikron-Variante verdrängt
  • [NEU] B.1.1.529 Omikron 6
    • Sublinie BA.1
      • Anteil von 1,6 % in Deutschland
      • Immunevasion und erhöhte Übertragbarkeit, jedoch geringere Hospitalisierungsinzidenz 3
        • Hinweise, dass die Omikronvariante weniger effizient im Lungengewebe replizieren könnte als andere SARS-CoV-2-Varianten.
      • Das RKI beurteilt die Gefährdung auch für Genesene und Grundimmunisierte als hoch, für Personen mit dreimaliger Impfung als moderat. 7
      • Resistenz gegen oder eingeschränkte Reaktion auf fast alle zugelassenen monoklonalen Antikörper 3
      • Studiendaten deuten darauf hin, dass eine Infektion mit Omikron einen wesentlich schwächeren Schutz vor weiteren Infektionen mit Omikron oder anderen Varianten bietet als eine vollständige Impfung. 8
    • Sublinie BA.2 5
      • Anteil von 97,4 % in Deutschland
      • keine Hinweise auf Unterschiede im Schweregrad der Erkrankung
      • im Vergleich zu BA.1 leichter übertragbar
    • Sublinien BA.3, BA.4 und BA.5 in Deutschland in weniger als 1 
    • Siehe weitere Informationen der WHO  und des RKI .
  • Weitere Informationen, auch zur Sequenzierung, bieten die RKI-Dokumente Übersicht zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten  und SARS-CoV-2: Virologische Basisdaten sowie Virusvarianten .

Übertragung

  • Infektionsquelle sind infizierte Personen mit oder ohne Symptomatik (35 % aller Infizierten). 1, 9
  • Hauptübertragungsweg
    • Respiratorische Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen entstehen. 1
      • Beim Atmen und Sprechen, noch stärker beim Schreien und Singen, werden Aerosole ausgeschieden, beim Husten und Niesen entstehen deutlich mehr Tröpfchen.
      • erhöhte Übertragungswahrscheinlichkeit durch Aerosole über mehr als 1,5 m in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen
      • Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering.
  • Keine oder eine untergeordnete Rolle spielen folgende Übertragungswege: 1 
    • Kontaktübertragung
    • fäkal-orale Übertragung und Übertragung durch Nahrungsmittel
    • vertikale Übertragung von der (infizierten) Mutter auf ihr Kind (vor, während, nach der Geburt sowie über Muttermilch) 2

Inkubationszeit

  • Mediane Inkubationszeit für bisherige Virusvarianten 4–6 Tage 1
  • [NEU] Omikron-Variante: verringerte mediane Inkubationszeit von 3 Tagen 3 

Ausbreitung und Infektiosität

  • Die Basisreproduktionszahl R0 bezeichnet die Zahl der Ansteckungen, die unter Anfangsbedingungen von einem COVID-19-Fall ausgehen: keine Immunität, keine Schutzmaßnahmen, keine Impfung.
  • Aufgrund der bisherigen Daten wird angenommen, dass R0 beim SARS-CoV-2-Wildtyp zwischen 2,8 und 3,8 liegt 1 (zum Vergleich: R0 von Masern ca. 12–18, von Influenza 1–2).
  • Für die Delta-Variante liegt der Wert schätzungsweise zwischen 6 und 7. 3
  • Durch Infektionsschutzmaßnahmen lässt sich die Reproduktionszahl verringern.
    • R < 1: sinkende Anzahl täglicher Neuinfektionen

Dauer der Kontagiosität 1

  • Die Ansteckungsfähigkeit ist in der Zeit um den Symptombeginn am größten, und ein erheblicher Teil von Transmissionen erfolgt bereits vor dem Auftreten erster klinischer Symptome.
  • Bei leichter bis moderater Erkrankung geht die Kontagiosität 10 Tage nach Symptombeginn deutlich zurück.
    • Die Dauer des infektiösen Zeitintervalls beträgt etwa 12 Tage.
  • Bei schweren Krankheitsverläufen und bei Vorliegen einer Immunschwäche können Patient*innen auch noch erheblich länger als 10 Tage nach Symptombeginn ansteckend sein.
    • Hohes Alter ist ein unabhängiger Risikofaktor für die längere Ausscheidung von SARS-CoV-2-RNA.
  • Die RNA von SARS-CoV-2 ist bei vielen Patient*innen noch Wochen nach Symptombeginn mittels PCR nachweisbar. Dies ist nicht mit Ansteckungsfähigkeit gleichzusetzen.
  • Für die Omikron-Variante wurde eine kürzere Ausscheidungsdauer beschrieben, bis 9 Tage nach Symptombeginn. 3

Immunität 1

  • Humorale Immunität
    • neutralisierende Antikörper normalerweise am Ende der 2. Woche nach Symptombeginn nachweisbar
      • abnehmender Titer neutralisierender Antikörper, auch der Gesamt-IgG-Antikörper, insbesondere bei Personen mit milder oder asymptomatischer Infektion
      • Antikörper gegen Spike-Protein, mehrheitlich Spike-Protein-spezifische B-Zellen sowie T-Zell-Reaktivität für mindestens 6–8 Monate nach Symptombeginn nachweisbar
    • Unklar, zu welchem Grad die Titer neutralisierender Antikörper mit einem Schutz vor einer Reinfektion oder schweren Erkrankung korrelieren.
  • Zelluläre Immunität
    • Bei Erkrankten, aber auch bei asymptomatisch Infizierten und bei fehlendem Antikörpernachweis wurde eine T-Zell-Reaktivität gegen das Spike-Protein sowie gegen weitere SARS-CoV-2-Proteine festgestellt, die mit dem Nachweis neutralisierender bzw. Nukleocapsid-Antikörper korrelierte.
  • Reinfektionen, siehe Definition des RKI .
  • Kreuzreaktive Immunantwort
    • Bei Personen ohne SARS-CoV-2-Infektion wurden HCoV-Antikörper (Antikörper gegen endemische Coronaviren) gemessen, die mit dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 kreuzreagieren und eine neutralisierende Wirkung haben.
  • Omikron: Ausmaß, Breite und Tragfähigkeit der humoralen Immunität sind abhängig vom Impfstatus und vom klinischen Schweregrad der Infektion: stärkere und länger anhaltende Immunantwort nach Impfdurchbrüchen mit moderat bis schwerem Krankheitsverlauf. 3

Pathophysiologie

  • SARS-CoV-2 verwendet das transmembranäre Enzym ACE-2 als Rezeptor, um in die Wirtszellen zu gelangen. 3
    • hohe ACE2-Dichte nicht nur im Respirationstrakt, sondern z. B. auch auf Enterozyten, Gefäßendothelzellen, Nierenepithel und Myokardzellen
    • Histopathologische Studien zeigten einen Organtropismus u. a. für Lunge, Darm, Niere, Herz und ZNS.
    • Klinische Präsentation in vielen Fällen als interstitielle Pneumonie, die durch ein Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) kompliziert werden kann.
    • Zugrunde liegende Pathomechanismen beinhalten:
      • Zytolyse, d. h. direkte Schädigung der Wirtszellen durch das replizierende Virus
      • überschießende Immunantwort, die zu einem lebensgefährlichen Zytokinsturm führen kann und
      • Endothelschädigung, die mit Dysregulation des Renin-Angiotensin-Systems einhergehen kann und z. B. zu thromboembolischen Komplikationen führt.

Prädisponierende Faktoren

  • Erhöhtes Infektionsrisiko 1
    • Aufenthalt in Regionen mit hohem Erkrankungsaufkommen
    • Face-to-face-Kontakt zu einer infizierten Person von mindestens 15 min Dauer, direktes Anhusten/Anniesen durch eine infizierte Person
    • Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen und Sammelunterkünften, z. B. für Geflüchtete oder Wohnungslose
    • Angestellte in großen fleischverarbeitenden und landwirtschaftlichen Betrieben
    • Ärztliches und medizinisches Personal, Pflegekräfte, die in engen Kontakt mit Erkrankten kommen.
    • Superspreader-Events: geschlossene Räume, Gruppen und Gedränge, Gespräche (in engem Kontakt)
    • Ethnie (Personen afroamerikanischer oder asiatischer Abstammung sowie Angehörige ethnischer Minderheiten haben ein erhöhtes Infektionsrisiko) 10
    • männliches Geschlecht 10 
    • Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) 10
  • Schwerer Verlauf 1– höheres Lebensalter, chronische Erkrankungen
    • Alter allein scheint bis zum 70. Lebensjahr eine untergeordnete Rolle zu spielen. 9
    • Das Risiko für einen schweren Verlauf steigt mit der Anzahl der chronischen Erkrankungen an.
    • Bei den 70- bis 79-Jährigen ohne Vorerkrankungen beträgt das Risiko für einen tödlichen Verlauf 5 % (bei 4 chronischen Erkrankungen bereits 28 %).
    • Siehe Risikofaktoren für einen schweren Verlauf im Abschnitt Anamnese.

ICPC-2

  • R991 COVID-19
    • Gilt für Verdachtsfälle und bestätigte COVID-19-Fälle.
  • R 81 Lungenentzündung
  • A77 Virale Erkrankung NNB, andere

ICD-10

  • U07.1 G COVID-19 (Coronavirus-Krankheit 2019, Virus durch Labortest nachgewiesen)
    • Zusatzcode, Verwendung nur in Kombination mit einem anderen ICD-Code, z. B. J06.9 Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
  • U07.2 G Verdacht auf COVID-19 (nicht nachgewiesen)
    • Zusatzcode, Verwendung nur in Kombination mit einem anderen ICD-Code, z. B. J06.9 Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet
  • U.09.9 Zustand nach COVID-19, zu verwenden, wenn eine andernorts klassifizierte Störung in Zusammenhang mit vorausgegangener COVID-19 steht, aber COVID-19 nicht mehr vorliegt. 11 
  • Hinweise der KBV 
    • Die Codes ausschließlich mit dem Zusatzkennzeichen „G" (gesichert) für die Diagnosesicherheit angeben.
    • Bei beiden COVID-19-Codes handelt es sich nach der ICD-10-GM um Zusatzcodes, also sog. Ausrufezeichencodes (!). Das Ausrufezeichen gehört zur Bezeichnung des Codes, es wird aber bei der Kodierung nicht angegeben.
    • Sie sind nicht zu verwenden, wenn ein Verdacht besteht, ohne dass die RKI-Kriterien sicher erfüllt sind (z. B. ausschließlich vermuteter Kontakt mit einem COVID-19-Infizierten) oder um den Ausschluss oder den Zustand nach einer COVID-19-Infektion zu verschlüsseln, dann nur z. B. J06.9 G.
    • Bei Abstrich nach Warnhinweis in der Corona-Warn-App sind folgende Ziffern zu kodieren: bei Abstrichentnahme Code U99.0 G (spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2) zusammen mit dem ICD-Code Z11 G (spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten).
    • Bei Beauftragung durch den ÖGD ist keine Kodierung vorgesehen.

Diagnostik

Allgemeine Hinweise für die Hausarztpraxis

Vorgehen bei Verdachtsfällen

  • Flussschema des RKI COVID-19-Verdacht: Maßnahmen und Testkriterien – Orientierungshilfe für Ärzte  (mit Hinweisen für die ambulante Versorgung, wie z. B. in der Hausarztpraxis)
  • Bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 müssen Ärzt*innen/Hausärzt*innen das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren. 2
    • Unter diesem Link  zum RKI können Gesundheitsämter nach Postleitzahl gesucht werden.
  • Für einen Corona-Abstrich soll medizinisches Personal eine FFP2-Maske anlegen sowie Schutzkittel, Handschuhe und einen Gesichtsschutzschild.  9
  • Die DEGAM empfiehlt Selbstabstriche. 9
    • Erkrankte (oder Angehörige) können Teströhrchen an der Praxis (Übergabe kontaktlos draußen) abholen, den Test durchführen und dann das Röhrchen ebenso kontaktlos wieder an der Praxis abgeben.
    • Siehe Anleitung zur Probenentnahme/Testung auf COVID-19  der DEGAM.

Praxisschließung, Arbeitsunfähigkeit und AU-Bescheinigung – lnformationen der KBV 12

  • Ärzt*innen haben Anspruch auf Entschädigung, wenn der Praxisbetrieb aus infektionsschutzrechtlichen Gründen untersagt wird.

Hinweise zu Abrechnung und Vergütung (KBV )

  • Inzwischen gibt es bundesweit unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten, Vergütungen und Kostenträger für unterschiedliche Abstrichindikationen.
    • Patient*innen mit COVID-19-Symptomen
    • Personen mit Warnhinweis in der Corona-Warn-App
    • Testung im Auftrag des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD)
    • Testung im Rahmen der angepassten Nationalen Teststrategie 
  • Zu den Testindikationen stellt die KVB eine Übersicht zur Corona-Testung  bereit.
  • Die extrabudgetäre Vergütung für alle COVID-19-Leistungen erfolgt über die Ziffer 88240 (nicht für Leistungen aufgrund eines Alarms der Corona-Warn-App). 9

Grundsätze für die hausärztliche Praxis

  • Machen Sie Ihre Patient*innen mit akuten respiratorischen Infekten und/oder Fieber darauf aufmerksam, dass sie nicht direkt in die Praxis kommen, sondern zunächst telefonieren bzw. faxen oder mailen (regionale Gegebenheiten berücksichtigen):
    • Hausärzt*in
    • ggf. zentrale Teststation/en
    • ärztlicher Bereitschaftsdienst Tel. 116 117
    • Gesundheitsamt.
  • Schutz und Sicherheit anderer Patient*innen und der Praxismitarbeiter*innen haben höchste Priorität.
  • Daher: Keine Testung auf SARS-CoV-2 bei fehlender Schutzausrüstung (insbesondere Maske [mind. FFP2 ohne Ausatemventil] und Gesichtsschutzschild) oder Patienten-Selbstabstrich außerhalb der Praxis erwägen.
    • Die Qualität von Selbstabstrichen ist nach vorliegender Evidenz den von medizinischem Personal durchgeführten Abstrichen vergleichbar.
    • Fehlende oder nicht angelegte FFP2-/FFP3-Masken erhöhen das Risiko für eine SARS-CoV2-Infektion bei Ärzt*innen und medizinischen Fachangestellten.

Empfehlung – Infektionsschutz

  • Als Schutzmaßnahme im medizinischen Bereich mit direktem Kontakt zu potenziell Infizierten sollen ein Gesichtsschutzschild (engl. Face Shield) über einer anderen Maske (FFP2- oder FFP3- bzw. chirurgische Maske), Schutzkittel, Handschuhe, ggf. Schutzbrille getragen werden.
  • FFP2- bzw. FFP3-Masken mit Ausatemventil sind obsolet, da sie im Falle einer Infektion der sie tragenden Person keinen ausreichenden Schutz anderer Personen bieten.
  • Zum Schutz der Praxis und der Patient*innen sollen/soll
    • Patient*innen mit chirurgischem Mund-Nasen-Schutz, idealerweise mit FFP2-Maske, in der Praxis erscheinen.
    • Patient*innen einen Mindestabstand von 1,5 m einhalten. Das Tragen von Masken entbindet nicht von der Einhaltung des notwendigen Abstandes.
    • Abstandsmarkierungen am Empfang mit Tape auf dem Boden und/oder Plexiglasschutz vorgehalten werden.
    • Händedesinfektion über Spender am Praxiseingang angeboten werden (3 ml, 30 sec Einwirkzeit).
    • regelmäßig Fenster der Praxis zur Quer- oder Stoßlüftung geöffnet werden.
    • Patient*innen mit und ohne Infekt zu unterschiedlichen Zeiten (z. B. im Rahmen einer Infektsprechstunde) bzw. in unterschiedlichen Bereichen gesehen werden.
    • für Patient*innen, die leicht erkrankt sind, die Behandlung vorzugsweise telefonisch bzw. per Video erfolgen. Dabei ist individuell zu entscheiden, wann von der grundsätzlichen Empfehlung eines PCR-Abstriches abgewichen werden soll.
    • Patient*innen mit Symptomen, die in der Praxis untersucht/versorgt werden müssen, in einen eigenen, möglichst gut gelüfteten Praxisraum oder in einen separaten Bereich außerhalb der Praxis geleitet werden.

Organisatorische Hinweise

  • Reihentestungen
    • Zur Frage, wie häufig das beschwerdefreie medizinische Personal in Praxen und Pflegeeinrichtungen getestet werden soll, gibt es z. Zt. noch keine ausreichend belastbaren Daten.
    • In der Nationalen Teststrategie werden Reihentestungen in vielen Arbeits- und Lebensbereichen mittels des Antigen-Schnelltests empfohlen. Beispiele: Personal in Praxen, Pflegeeinrichtungen und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens, Bewohner*innen und Besucher*innen von Pflegeeinrichtungen, Bildungsbereich und Betriebe.
  • Bei Symptomen einer Atemwegserkrankung ist jedoch immer eine Testung, Herausnahme aus der Versorgung und häusliche Isolierung erforderlich.
  • Wenn medizinischem Personal über die Corona-Warn-App ein „erhöhtes Risiko“ gemeldet wird, wird auch bei Abwesenheit von Symptomen eine Testung empfohlen.

Diagnostische Kriterien

COVID-19-Verdacht: Testkriterien und Maßnahmen 14

  • Nur im Ausnahmefall sollten Antigentests bei symptomatischen Personen angewendet werden, z. B. bei begrenzter PCR-Kapazität oder wenn ein Testergebnis schnell vorliegen muss. 9
Testkriterien des RKI im Flussschema des RKI 
  • Eine Testung auf SARS-CoV-2 soll durchgeführt werden, wenn mindestens eines der folgenden Testkriterien erfüllt ist:
    • schwere respiratorische Symptome (z. B. akute Bronchitis, Pneumonie, Atemnot oder Fieber) ODER
    • Störung des Geruchs- und Geschmackssinns ODER
    • ungeklärte Erkrankungssymptome und enger Kontakt (KP1) mit einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion → Meldepflichtiger Verdachtsfall! ODER
    • akute respiratorische Symptome jeder Schwere INSBESONDERE BEI:
      • Zugehörigkeit zu Risikogruppe ODER
      • Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus ODER
      • erhöhter Expositionswahrscheinlichkeit (z. B. im Rahmen eines möglichen Ausbruchs, bei Veranstaltungen mit > 10 Personen in geschlossenen und unzureichend durchlüfteten Räumen und unzureichender Anwendung der AHA+L-Regeln) ODER
      • Kontakt im Haushalt oder Cluster mit ARE ungeklärter Ursache UND erhöhter 7-Tages-Inzidenz im Land-/Stadtkreis) ODER
      • während des Zeitraums der Symptomatik bestand die Möglichkeit (Expositionssetting) einer Weiterverbreitung an viele Personen ODER
      • weiterhin (prospektiv) enger Kontakt zu vielen Personen oder Risikopatient*innen.
    • klinische Verschlechterung bei bestehenden Symptomen ODER
    • enge Kontaktperson zu einem Fall mit einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion.
  • Testkriterien nicht erfüllt oder keine Testung: häusliche Isolierung für 5 Tage UND danach bis mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit
  • Häusliche Isolierung bis zum Vorliegen des Testergebnisses 9
Hinweise der DEGAM 9
  • Durch die obige Definition des RKI bleiben einige Patient*innen unberücksichtigt, die nicht den aufgeführten Kriterien entsprechen, bei denen die Abklärung einer SARS-CoV-2-Infektion dennoch differenzialdiagnostisch sinnvoll sein kann, z. B. bei anderen ätiologisch primär unklaren Beschwerdebildern wie Fieber, Kopf- und/oder Gliederschmerzen, gastrointestinalen oder neurologischen Beschwerden sowie unklaren Hautausschlägen.
  • Bei negativem Testergebnis, aber klinisch fortbestehendem Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion, z. B. wenn begründete Zweifel an der verwendeten Abstrichtechnik/Testdurchführung bestehen, kann ein Test kurzfristig wiederholt werden.

 [NEU] Empfehlungen für Kontakt­personen ­und Isolierung laut RKI 15

Empfehlung für Kontaktpersonen 16
  • Keine offiziell angeordnete Quarantäne mehr
  • Allgemeine Bevölkerung 
    • Kontakt­personen (z. B. Haushalt, Schule)
    • 5 Tage
    • dringende Empfehlungen
      • Selbst­ständig Kontakte redu­zieren, v. a. mit Risiko­gruppen für einen schweren Krankheits­verlauf!
      • täg­liche (Selbst-)Testung mit Antigen-Schnell­test
  • Beschäftigte in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflege­einrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungs­hilfe
    • wie in der Allgemeinbevölkerung
    • aber zusätzlich tägliche Testung mit Antigen-Schnell­test oder NAAT vor Dienst­antritt bis einschließlich Tag 5
  • Die Vorgaben des RKI für die Ausnahmen von der Quarantänepflicht sind zum 19.03.2022 außer Kraft getreten, stattdessen gelten nun die Angaben im Infektionssschutzgesetz.
Isolierung 16
  • Allgemeine Bevölkerung
    • für nach­weis­lich positiv getestete Personen:
      • Anordnung zur Isolation für 5 Tage
      • dringende Empfehlung zur wieder­holten (Selbst-)Testung beginnend nach Tag 5 mit Antigen-Schnell­test; Selbst­isolation, bis Test negativ
  • Beschäftigte in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflege­einrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungs­hilfe
    • wie in der Allgemeinbevölkerung
      • aber zusätzlich als Voraus­setzung für die Wieder­auf­nahme der Tätigkeit: wenn zuvor 48 Stunden Symptom­frei­heit, mit frühes­tens am Tag 5 ab­ge­nomme­nem ne­ga­tivem Anti­gen­test oder PCR-Test
      • Nachweis durch Leistungs­erbringer nach § 6 Abs. 1 TestV erforderlich
  • Achtung: Es gibt bundeslandspezifische Sonderregelungen!

Nationale Teststrategie zur Testung asymptomatischer und symptomatischer Personen 17

  • Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat eine Übersichtstabelle über die Nationale Teststrategie  zur Priorisierung und Testung verschiedener Personengruppen und Informationen über die angepasste Teststrategie  herausgegeben.
    • PCR nur noch bei positivem Schnelltest
    • nach roter Warnmeldung in der Corona-Warn-App nur Anspruch auf einen Antigentest
    • Ein positiver PoC-NAT-Test muss nicht durch einen im Labor durchgeführten PCR-Test bestätigt werden. Bei negativem PoC-NAT-Test wird bei weiter bestehendem Verdacht der Ausschluss einer Infektion mit dem PCR-Test empfohlen.
  • Informationen für die Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung und weitere Details finden Sie bei der KBV .
  • Teststrategie an Schulen siehe RKI-Dokumente zur Teststrategie an Schulen .

Testung auf Virusvarianten

  • Laut KBV  dürfen ab dem 12. Februar nach einem positiven PCR-Test keine Tests zur Abklärung der vorliegenden Virusvariante mehr abgerechnet werden.

Diagnostik bei Klinikaufnahme

  • Im Rahmen der aktuellen Pandemiesituation soll bei jeder stationären Aufnahme von Patient*innen ein aktueller PCR-Test vorliegen oder erfolgen.
  • Falls bei stationärer Aufnahme zunächst ein Antigennachweis auf SARS-CoV-2 erfolgt, soll parallel die PCR Testung durchgeführt werden.
  • Bei negativer SARS-CoV-2-PCR und dringendem klinischem Verdacht soll eine 2. Probe untersucht werden.

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Symptome allgemein

  • Nach Kontakt zu bestätigten Coronavirus-Fällen und beruflicher Exposition fragen.
  • Inkubationszeit bis zu 14 Tage, im Median 5–6 Tage 1
  • Die Symptome von COVID-19 sind unspezifisch. Das klinische Bild kann zwischen asymptomatischen Verläufen (ca. 35 %) und schweren Pneumonien mit Todesfolge variieren. 9
  • Die Auswertung deutscher Fälle des RKI kam zu folgenden Zahlen: 1
    • Husten 42 %
    • Fieber 26 %
    • Schnupfen 31 %
    • Geruchs- und Geschmacksverlust 19 %
    • Nicht quantitativ erfasst sind weitere Symptome:
      • Halsschmerzen
      • Atemnot
      • Kopf- und Gliederschmerzen
      • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
      • Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall
      • Konjunktivitis
      • Hautausschlag
      • Lymphknotenschwellung
      • Apathie, Somnolenz.
  • Omikron-Variante 3
    • Hinweise, dass Infektionen häufiger mit Halsschmerzen und seltener mit Geschmacks-/Geruchsverlust einhergehen.
    • Kann Naso- und Orpharynx-Raum sowie Tonsillen und zervikale Lymphknoten stärker betreffen als Lungengewebe.

Spezielle Symptome 1

  • Pulmonale Erkrankungen
    • Meist in der 2. Krankheitswoche kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein beatmungspflichtiges ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) fortschreiten kann.
  • Gastrointestinale Symptome
    • evtl. Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Durchfälle und Leberfunktionsstörungen
  • Hautmanifestationen
    • relativ große Bandbreite an dermatologischen Manifestationen beschrieben, insgesamt selten (0,2–1,2 %)
    • u. a. juckende, morbilliforme Ausschläge, Papeln, Rötungen und ein Nesselsucht-ähnliches Erscheinungsbild sowie Hautbläschen, in seltenen Fällen schwere Durchblutungsstörungen in den Akren bis hin zur Gangrän
    • COVID-Zehen 20
      • erst im späten Verlauf auftretende gerötete Schwellungen der Zehen, manchmal mit klaren oder eitergefüllten Bläschen, stark juckend und/oder schmerzhaft
      • Betreffen eher junge oder weniger schwer kranke Patient*innen.
      • keine spezielle Therapie erforderlich, spontane Besserung nach 2–4 Wochen
  • Thromboembolische Ereignisse
    • bei pathologisch erhöhter Blutgerinnung bei schweren COVID-19-Verläufen erhöhtes Risiko für Thromboembolien, u. a. in den unteren Extremitäten, sowie Lungenarterien- und zerebrovaskulären Embolien
  • Neurologische Symptome und Erkrankungen
    • Kopfschmerzen, Riech- und Geschmacksstörungen, Schwindel, Verwirrtheit und andere Beeinträchtigungen
    • neuropsychiatrische Symptome bzw. Krankheitsbilder, (Meningo-)Enzephalopathien und Schlaganfälle, Fälle von Guillain-Barré- und Miller-Fisher-Syndrom
  • Herz-Kreislauf-Symptome und -Erkrankungen
    • kardiale Beteiligung anhand erhöhter Herzenzyme bzw. Troponin bei einem Teil der Erkrankten nachweisbar, darunter auch Kinder und Patient*innen mit mildem oder moderatem Verlauf
    • insbesondere bei schweren Verläufen Myokardschädigungen, Myokarditis, akuter Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und/oder venöse thromboembolische Ereignisse
  • Nierenerkrankungen 
    • akutes, u. U. dialysepflichtiges Nierenversagen, insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen COVID-19-Patient*innen
  • Hyperinflammationssyndrom
    • Bei schwerer SARS-CoV-2-Infektion nach 8–15 Tage nach Erkrankungsbeginn Verschlechterung mit Bild eines Hyperinflammationssyndroms, in dessen Folge es zu Multiorganversagen mit einer hohen Mortalität kommen kann.

Symptome bei Kindern 1

  • Am häufigsten sind Husten, Fieber, Schnupfen, Allgemeinsymptome und Halsschmerzen.
  • Magen-Darm-Symptome treten häufiger auf als bei Erwachsenen (teilweise auch ohne respiratorische Symptome).
  • In der Mehrzahl eher asymptomatischer oder milder Verlauf (in der Corona-KiTa-Studie 43 % asymptomatisch)
  • Oft nur ein Symptom vorhanden

Unterschiedliche klinische Verläufe  

  • Ca. 20–30 % der Infektionen (besonders bei Kindern und älteren Menschen) verlaufen asymptomatisch. 9
  • Ca. 45–55 % verlaufen mild bis moderat. 9
  • Bei einem geringen Teil der Erkrankten kann es nach 7–10 Tagen zu einer klinischen Verschlechterung kommen, mit Entwicklung von Dyspnoe, und/oder Hypoxämien. 9
    • Dabei in vielen Fällen stille Hypoxämie zu beobachten, d. h. trotz deutlich eingeschränkter Oxygenierung subjektiv keine wesentliche Dyspnoe. 21
  • Ca. 7 % der in Deutschland übermittelten Fälle werden hospitalisiert und davon ca. 14 % intensivmedizinisch behandelt. 1
    • 60 % der intensivmedizinisch behandelten Patient*innen werden beatmet, davon versterben durchschnittlich 36 %.
  • Infektionen mit der Omikron-Variante verlaufen weniger schwer als Infektionen mit der Delta-Variante. 3

Klinische Klassifikation nach Schweregrad 21

  • Asymptomatische SARS-CoV-2-Infektion
    • positiver PCR-/Antigen-Test, keine Symptome
  • Leichte/moderate Erkrankung
    • vielfältige Symptome, z. B. Erkältungssymptome, Geschmacksstörung, keine Kriterien einer schweren oder kritischen COVID-19-Erkrankung erfüllt
  • Schwere Erkrankung: schwere Pneumonie, definiert als: sO2 < 90–94 % unter Raumluft, Atemfrequenz > 30/min, radiologische Zeichen einer Pneumonie
  • Kritische Erkrankung: ARDS, Sepsis, septischer Schock mit/ohne Multiorganversagen

Klinische Prädiktoren für einen schweren Verlauf 21

  • Prädiktoren für einen schwereren Verlauf sind neben Alter (> 50 Jahre), männlichem Geschlecht, Dyspnoe und Persistenz von Fieber auch eine ausgeprägte Lymphozytopenie und eine Erhöhung von Biomarkern  wie CRP, D-DimerLDH, Ferritin und Troponin.
  • Das Fieber ist durch Antipyretika häufig kaum zu beeinflussen.

CRB-65-Index

  • Zur Einschätzung der Pneumonie-assoziierten Mortalitätswahrscheinlichkeit und der damit verbundenen Indikation zur Klinikeinweisung
  • Einsatz von der DEGAM empfohlen, weitere Informationen zum CRB-65-Index im Abschnitt Indikationen zur Klinikeinweisung

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf

  • Laut Ergebnissen einer Studie des Journal of Health Monitoring haben in Deutschland 36,5 Mio. Menschen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, davon gehören 21,6 Mio. zur Hochrisikogruppe. 22
    • Alle Menschen über 65 Jahre wurden in dieser Studie zur Hochrisikogruppe gezählt.
  • Welche Begleiterkrankungen markieren das größte Komplikationsrisiko?
  • Daten der dänischen Nationalkohorte zum Risiko in Abhängigkeit von Alter und Vorerkrankungen finden Sie im Abschnitt Verlauf.
  • Weitere Risiken sind männliches Geschlecht, Armut und dunkle Haut. Auch eine Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Komplikationsrisiko assoziiert.
  • Der folgende Abschnitt basiert auf diesen Referenzen. 1, 10, 23
  • Soziodemografische Risikofaktoren
    • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für einen schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren)
    • männliches Geschlecht
  • Lebensstilfaktoren
  • Vorerkrankungen (ohne Rangfolge)
    • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck)
    • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
    • chronische Nieren- und Lebererkrankungen (insbesondere bei Dialysepflichtigkeit)
    • neurologische und psychiatrische Erkrankungen (z. B. Demenz)
    • Diabetes mellitus
    • Krebserkrankung
    • geschwächtes Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, z. B. hämatologische Neoplasien, oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Kortison, Immunsuppressiva)
    • Sichelzellanämie
    • Down-Syndrom
    • Z. n. Organtransplantation
    • zerebrovaskuläre Erkrankung 
  • Ärztliche Behandlungsmaßnahmen
    • Risiko bei Dialyse-Patient*innen besonders hoch
    • chirurgischer Eingriff bei infizierten Personen oder postoperative Ansteckung (höhere Komplikationsrate und Mortalität)
      • Ab der 7. Woche nach einer überstandenen SARS-CoV-2-Infektion ist die postoperative Sterberate nicht mehr erhöht. 24
  • Schwangerschaft
    • Schwangerschaft an sich ist ein relevanter Risikofaktor für schwere Verläufe, häufigere Komplikationen, besonders bei Vorerkrankungen wie Adipositas, arterieller Hypertonie oder Diabetes mellitus. 2
      • signifikant häufigeres Auftreten von Präeklampsie und Frühgeburtlichkeit (insbesondere im 3. Trimenon) bei infizierten im Vergleich zu nichtinfizierten Schwangeren
      • Das Risiko für Aborte und die neonatale Mortalität ist nicht erhöht.
  • Das RKI publiziert Ende April 2021 eine Hierarchisierung von Risikofaktoren für schwere COVID-19-Erkrankungsverläufe  auf der Basis von GKV-Daten. 25
    • Das höchste Risiko für einen schweren Verlauf haben demnach Patient*innen mit hämatoonkologischen Erkrankungen mit Therapie, mit metastasierten soliden Tumorerkrankungen mit Therapie, mit Demenz, mit metastasierten Tumorerkrankungen ohne Therapie und mit Herzinsuffizienz.
    • Dieses hohe Risiko überstieg in vielen Fällen das alleinige Risiko für bestimmte Altersgruppen.

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf bei Kindern 1

  • Bei hospitalisierten Kindern wurden pulmonale (15 %) und kardiale (8 %) Vorerkrankungen häufiger registriert.
  • Alter unter 1 Monat, das Vorliegen einer Vorerkrankung und Anzeichen einer Infektion der unteren Atemwege sind laut Studiendaten Risikofaktoren für eine Aufnahme auf die Intensivstation.
  • Informationen zum Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) in Kombination mit einem Toxic Shock Syndrome (TSS) sind im Abschnitt Komplikationen zu finden.

Allgemeines zur Untersuchung

  • Empfehlungen der DEGAM für die Hausarztpraxis 9
    • Abstriche aus Nase und Oropharynx nur mit Schutzausrüstung
    • Details zum Vorgehen siehe Leitlinienkasten.
  • Die DEGAM empfiehlt alternativ die Selbsttestung  durch die betroffenen Personen. 9

Spezielle SARS-CoV-2-Diagnostik

Probeentnahme für die RT-PCR-Diagnostik und für Antigen-Schnelltests

  • Das NEJM bietet eine Videoanleitung  zur korrekten Abnahme eines Nasopharynxabstrichs.
  • Ergebnisse einer Studie im NEJM zeigen für Speichelproben eine mindestens gleich gute Nachweisqualität in der PCR wie für Nasopharynxabstriche. 26
  • Laut DEGAM kann bei Kindern im Vorschulalter auch über eine Speichelprobe getestet werden (morgens nach dem Aufstehen einen Schluck Wasser im Mund spülen und in ein Testgefäß geben). Eine vorherige Absprache mit dem Labor ist erforderlich. 9

PCR

  • Der Nachweis des Virus im Nasen-/Rachenabstrich mittels des PCR-Tests hat inzwischen eine hohe Sensitivität (> 95 %) sowie eine Spezifität von annähernd 100 %.
    • Durch falschen Zeitpunkt des Abstrichs (zu früh oder zu spät), falsche Abstrichtechnik oder zu große Zeitverzögerung bis zur Analyse der Probe im Labor kann die Sensitivität vermindert werden.
  • Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Raten an falsch-negativen Testergebnissen von bis zu 30 % (vereinzelt mehr).
    • Je geringer die Vortestwahrscheinlichkeit (z. B. im anlasslosen Screening), desto weniger falsch-negative Ergebnisse sind zu erwarten.
    • Bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit (typischer Symptomatik, gesicherter Kontakt) steigt die Rate der falsch-negativen Ergebnisse deutlich an.
  • Bei einem dringenden Verdacht auf eine tatsächliche Infektion ist ein erneuter PCR-Abstrich zu erwägen.
    • Bei leicht bzw. moderat Erkrankten weist ein positiver PCR-Test nach Ablauf von 10 Tagen in aller Regel kein vermehrungsfähiges Virus mehr nach, sodass ab diesem Zeitpunkt von fehlender Infektiosität auszugehen ist.
  • Die größte Wahrscheinlichkeit, bei Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus mithilfe eines Rachenabstrichs ein positives Testergebnis zu erhalten, besteht 1–2 Tage vor Symptombeginn (retrospektiv beurteilt) sowie innerhalb der ersten 3–5 Tage nach Symptombeginn, danach sinkt die Wahrscheinlichkeit.
  • Tief-nasale, nasopharyngeale und Rachenabstriche (sowie Speichelproben bei Kindern im Vorschulalter, zunehmend aber auch bei Erwachsenen) sind nach aktueller Beleglage höchstwahrscheinlich als gleichwertige Methoden zum Virusnachweis geeignet.
  • Der Ct-Wert (Ct = Cycle Threshold), gibt an, wie viele Vermehrungszyklen ein PCR-Test durchlaufen muss, um positiv anzuschlagen. Je niedriger der Wert, desto höher die Viruslast. Leider teilen nicht alle Labore den Ct-Wert und den benutzten Testkit mit.
    • Aktuell wird empfohlen, mit dem Labor Rücksprache zu halten, wenn der Ct-Wert (inkl. des vom Labor benutzten Testkits) zur Beurteilung der Infektiosität einer Person herangezogen werden soll.

Empfehlungen des RKI zur PCR

  • Referenzmethode 13
    • Weiterführende Informationen und ein Diagramm zum zeitlichen Verlauf verschiedener Testergebnisse und zur Rolle des Ct-Wertes bietet die Information des RKI zur SARS-CoV-2-Diagnostik .
  • Rachen- oder Nasenabstriche besser tolerierbar 13
    • Vor dem Mund-/Rachenabstrich mit geschlossenem Mund räuspern.
    • Vor dem Abstrich aus dem Nasenvorhof schnäuzen (Abstrich beidseits).
    • Die DEGAM empfiehlt Selbstabstriche für die PCR. 9
      • Patient*innen (oder Angehörige) können Teströhrchen an der Praxis (Übergabe kontaktlos draußen) abholen, den Test durchführen und dann das Röhrchen ebenso kontaktlos wieder an der Praxis abgeben.
      • Siehe Anleitung zur Probenentnahme/Testung auf COVID-19  der DEGAM.
  • PCR-Pooltestungen 2
  • Infektiosität und Ct-Wert
    • je kleiner der Ct-Wert, desto höher die Infektiosität
    • Eine Ct > 30 signalisiert fehlende Infektiosität. 9

PoC-NAT-Tests 27

  • Tests basierend auf der Nukleinsäureamplifikationstechnik als Point-of-Care-Test
  • Gute Spezifität, schnelle Verifizierung positiver Antigen-Schnelltests bei asymptomatischen Personen
  • Positives Ergebnis muss nicht durch einen PCR-Test im Labor bestätigt werden.
  • Bei negativem Test und weiterbestehendem Verdacht auf eine Infektion Ausschluss mittels PCR empfohlen

Der Antigen-Schnelltest 

  • Die Tests sind weniger sensitiv als der Goldstandard PCR, sodass mehr falsch negative Testergebnisse resultieren, d. h. Infizierte nicht erkannt werden.
  • Ein positiver Antigentest signalisiert in aller Regel Infektiosität (bei hoher Viruslast).
    • Bei positivem Antigentest sollte eine PCR-Testung zur Bestätigung durchgeführt werden, ggf. kann im Einzelfall auch eine andere Untersuchung (z. B. Bildgebung) sinnvoll sein.
  • Symptomatische Personen (z. B. Erkältungsbeschwerden) sollten auch bei negativem Antigentest eine PCR anstreben.
    • Falls dies nicht möglich ist, sollte der Antigentest am nächsten, ggf. auch am übernächsten Tag kontrolliert werden.
    • Bei positivem Ausfall sollte Infektiosität angenommen werden.
  • CAVE: Unter Omikron sind Schnelltests, deren Probenmaterial aus dem Nasenvorhof stammt, unzuverlässiger als Schnelltests mit Probenmaterial aus dem Oropharynx bzw. eine Speichelprobe.
  • Antigentestungen werden in der Praxis nur erstattet, sofern es sich um Testung des asymptomatischen Praxispersonals handelt oder auf Anordnung des Gesundheitsamtes – und wenn die Praxis die entsprechenden technischen Voraussetzungen erfüllt (Anbindung an die Corona-Warn-App).

Empfehlungen zum Antigentest 13, 17

Antigen-Schnelltests zur Eigenanwendung und Bürgertests

  • Stellungnahme des RKI zu Antigentests zur Eigenanwendung durch medizinische Laien 
  • RKI-Flyer: Information zu Antigentests auf SARS-CoV-2 
  • RKI, Epidemiologisches Bulletin: Kommunikationsempfehlung zu PoC-Antigen-Schnelltests und Selbsttests 
  • Inzwischen sind zahlreiche Schnelltests zur Eigenanwendung durch das BfArM  zugelassen.
    • Probenarten: vordere Nase, Speichel, Rachenspülwasser 29
      • Speichelprobe möglichst morgens vor dem Zähneputzen
    • bei hoher Viruslast hohe Sensitivität
    • falsch negative Ergebnisse bei niedriger Viruslast
    • PCR durch Fachpersonal bleibt Goldstandard
  • Das Testergebnis ist als tagesaktuell anzusehen, das heißt, es ist nicht länger als 24 Stunden gültig.
  • Bei einem positiven Antigen-Selbsttest Absonderung (konsequente Kontaktreduzierung), Kontaktaufnahme mit Hausarztpraxis oder Testzentrum für die Durchführung einer PCR 17
  • Derzeit haben alle Personen ohne Symptome Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche (Bürgertest, siehe Informationen der BMG ). 
  • [NEU] Omikron-Variante: Es gibt Ergebnisse aus mehreren Studien und einer Untersuchung der FDA, die nahelegen, dass die Sensitivität von Antigentests reduziert ist. Diese Studien widersprechen den Ergebnissen des PEI. 30
    • Erhöhung der Sensitivität durch Probenahme aus Rachen und Nase 13

Antikörper – ELISA: Empfehlung

  • Ein positiver Antikörpernachweis gegen das Nucleocapsid ist inzwischen ein zuverlässiger Nachweis einer durchgemachten Infektion. Daraus Aussagen zur Immunität abzuleiten, ist jedoch schwierig.
  • Nach Impfung können Antikörper nur gegen das Spike-Protein nachgewiesen werden (nicht gegen das Nucleocapsid!).
  • Antikörpertests sollten in der hausärztlichen Praxis in der Regel nicht durchgeführt werden, in Einzelfällen können sie allerdings hilfreich sein (z. B. zur Kontrolle des Impferfolges bei Menschen unter Immunsuppression – hier nur Spike-AK).

Serologische Tests 13

  • Ein serologischer Nachweis SARS-CoV-2-spezifischer Antikörper lässt keine eindeutige Aussage zur Infektiosität oder zum Immunstatus zu.
  • Bei Verdacht auf eine Reinfektion sollte eine PCR in Verbindung mit einer serologischen Untersuchung erfolgen, siehe Definition einer Reinfektion  des RKI.

Empfehlung zum praktischen Vorgehen beim Testen

  • Alle Patient*innen, bei denen ein Test durchgeführt wird, sollten mindestens bis zum Testergebnis in häuslicher Isolierung verbleiben.
  • Enge Kontaktpersonen und alle häuslichen Mitbewohner*innen sollten Sozialkontakte minimieren und besonders intensiv auf Hygiene achten.
  • Auch wenn das Testergebnis negativ ist, sollten sich symptomatische Patient*innen soweit wie möglich isolieren, um Übertragungen von Atemwegserkrankungen generell zu reduzieren.
  • Bei negativem Testergebnis, aber klinisch fortbestehendem Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion, wenn z. B. begründete Zweifel an der verwendeten Abstrichtechnik/Testdurchführung bestehen, kann ein Test kurzfristig wiederholt werden.

Weitere Untersuchungen (in der Klinik)

Diagnostik bei Klinikaufnahme

  • Bei nachgewiesener COVID-19-Infektion und der Notwendigkeit einer Hospitalisierung sollte eine Urinuntersuchung (ggf. wiederholt) mit Bestimmung von Albuminurie, Hämaturie und Leukozyturie erfolgen.
  • Bei COVID-19-Patient*innen mit deutlich erhöhten Troponinwerten ohne typische EKG-Veränderungen eines Typ-1-Myokardinfarkts sollte eine Echokardiografie zur differenzialdiagnostischen Abklärung durchgeführt werden.
  • Bei Verdacht auf eine zerebrale oder auch spinale Beteiligung (z. B. Blutung oder Ischämie) durch COVID-19 sollten eine CT oder eine MRT durchgeführt werden.
  • Bei stationären Patient*innen mit COVID-19 sollten CRP, LDH, AST (GOT), Differenzialblutbild sowie D-Dimere Bestandteil der initialen Labordiagnostik sein und bedarfsgerecht regelmäßig kontrolliert werden.
  • Ein CT-Thorax sollte bei COVID-19-Patient*innen bei differenzialdiagnostischen Unsicherheiten, u. a. Verdacht auf eine Lungenembolie, durchgeführt werden.

Labor 21

  • CRP (bei COVID-19 stärker erhöht als bei anderen viralen Infektionen, Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Differenzialblutbild (Leukozytose/Leukopenie, Lymphopenie als Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • Troponin (Hinweis auf kardiale Beteiligung, Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • D-Dimere (Hinweis auf thromboembolische Ereignisse, mit einer deutlich erhöhten Mortalität assoziiert)
  • LDH (Prädiktor für einen schweren Verlauf)
  • ggf. Abnahme von mehreren Blutkulturen
  • Urin-Diagnostik auf Pneumokokken, Legionellen
  • Je nach Verlaufsform Nieren- und Leberfunktionsparameter, Elektrolyte
  • Procalcitonin: selten erhöht, evtl. Hinweis auf bakterielle Infektion
  • Ferritin, IL-6 zur Diagnose einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose 31

Röntgen-Thorax

  • Im konventionellen Röntgenbild bei intensivpflichtigen Patient*innen in der Regel bilaterale Infiltrate 18

Thorax-CT

  • In der CT finden sich bereits sehr früh im Laufe der Erkrankung bilaterale, subpleural imponierende Milchglastrübungen, und eine Konsolidierung von Lungenabschnitten, Pleuraergüsse und Lymphadenopathie finden sich nur selten. 18 
    • Befunde im CT sind nicht spezifisch für COVID-19, sondern können auch bei anderen viralen Pneumonien vorliegen.
    • Eine CT ist sinnvoll, wenn eine klinische Konsequenz (wie z. B. bei Lungenembolie) entsteht.

Lungensonografie

  • Laut der interdisziplinären S3-Leitlinie werden bettseitige Untersuchungen, wie Ultraschall, bei der Bildgebung bei Lungenbeteiligung bei COVID-19 bevorzugt. 18
  • Pleuraerguss und subpleurale Konsolidierungen können sonografisch gut dargestellt werden. 32
  • Auch die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt die Durchführung eines Point-of-Care-Ultraschalls der Lunge bei Patient*innen mit respiratorischer Insuffizienz sowie dem Verdacht auf eine Lungenentzündung. 33

Indikationen zur Klinikeinweisung

Triagierung und Vorgehen nach Symptomen und Risikokonstellation

  • Bei leichten unspezifischen Symptomen und niedrigem Risiko sollten erfolgen:
    • telefonische Evaluation und Beratung
    • Wenn nicht getestet werden kann: telefonische AU und Isolierung für mind. 5–7 Tage (Ende der AU, wenn mind. 48 h symptomfrei)
    • Empfohlen wird – wenn irgendwie möglich – ein Abstrich (PCR). Bei COVID-19-Nachweis: Isolierung. Über die Entlassung aus der Isolierung entscheidet das Gesundheitsamt: Nach derzeitigen RKI-Empfehlungen erst 14 Tage nach Symptombeginn möglich, wenn zusätzlich ein Antigentest negativ ist. 
  • Bei Symptomen mit deutlicher AZ-Beeinträchtigung und/oder erhöhtem Risiko (> 65 Jahre und/oder mit Risikofaktoren, z. B. Adipositas, Diabetes, Hypertonie, COPD, Herz- und Nierenkrankheiten, Immunsuppression) sollten erfolgen:
    • ggf. medikamentöse, ambulante Behandlung
    • ggf. direkte Krankenhauseinweisung (bei Verdacht auf bzw. erkennbarem abwendbar gefährlichem Verlauf)
    • ansonsten telefonische Einbestellung in die Infektsprechstunde
    • Untersuchung und PCR-Abstrich in der Infektsprechstunde (falls eingerichtet)
    • Tägliche Pulsoxymetrie (ggf. kurze Einkaufsliste für Geräte mit Adresse/URL in Praxis vorhalten); bei kontrolliert absinkenden Werten stationäre Einweisung erwägen.
    • tägliche telefonische Befindenskontrolle durch Hausärzt*in
    • weiteres Vorgehen nach klinischer Situation
    • bei weiterbestehender Symptomatik erneute Prüfung alternativer Ursachen infektiöser oder nichtinfektiöser Genese.

Vorgehen laut DEGAM 9

  • Klinisch schwere Verdachtsfälle auf COVID-19 ohne Testung einweisen.
  • Schweregrad einer Pneumonie mit CRB-65-Index abschätzen. 
    • CRB-65-Index (klinischer Score zur statistischen Wahrscheinlichkeit des Versterbens, 1 Punkt für jedes festgestellte Kriterium [max. 4]):
      • Pneumonie-bedingte Verwirrtheit, Desorientierung
      • Atemfrequenz ≥ 30/min
      • Blutdruck diastol. ≤ 60 mmHg oder systol. < 90 mmHg (wenn anderweitig nicht erklärbar)
      • Alter ≥ 65 Jahre.
    • Stationäre Aufnahme: Ab 1 Punkt erwägen, ab 2 Punkten immer!
  • Der CRB-65-Index stellt nur eine mögliche Entscheidungshilfe dar. Das hausärztliche Urteil setzt sich aus einer Vielzahl weiterer Informationen zusammen, wie z. B.:
    • biologisches Alter
    • Komorbidität: insbes. kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonus, AdipositasDiabetes mellitusCOPD, Immunsuppression, chronische Niereninsuffizienz
    • Allgemeinzustand, subjektives Befinden
    • Atemnot (in Ruhe, bei Belastung)
    • weitere Beschwerden (z. B. Diarrhöen, Erbrechen, Brustschmerzen)
    • körperliche Untersuchung: Blässe/Kaltschweißigkeit, Körpertemperatur, Herzfrequenz, Blutdruck, Herz-/Lungenauskultation, ggf. abdominelle Untersuchung
    • Sauerstoffsättigung (1 x tgl. Screening wird vom RKI bei [auch symptomlosen] Bewohner*innen von Pflegeinrichtungen empfohlen) 
    • ggf. bedarfsadaptierte Laboruntersuchungen
    • Möglichkeiten zur häuslichen Versorgung bei Quarantäne oder Isolierung
    • Lebenswille der Betroffenen.
  • Cave: Der CRB65-Score kann insbesondere bei jüngeren Patient*innen die Schwere der Krankheit unterschätzen! 34

Ambulantes Management von COVID-19-Verdachtsfällen und leicht erkrankten COVID-19-Patient*innen

RKI: Ambulantes Management von COVID-19-Verdachtsfällen und leicht Erkrankten

Kontrolle bei ambulanter Versorgung

  • Patient*innen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sollten engmaschig kontrolliert und ggf. frühzeitig in stationär eingewiesen werden. 21
  • Kontrolle der klinischen Symptomatik nach 7–10 Tagen in der ambulanten Versorgung, Einweisung der Patient*innen bei Verschlechterung der klinischen Symptomatik oder ausbleibender Besserung, insbesondere bei Weiterbestehen oder Zunahme von Fieber oder Dyspnoe. 21
  • Zur Beurteilung von Atemnot im Telefongespräch mit Patient*innen kann die BMJ-Leitlinie Covid-19: a remote assessment in primary care  (Box 1) hilfreich sein.

Informationen

Therapie

Therapieziele

  • Symptome lindern.
  • Komplikationen und Ateminsuffizienz behandeln.
  • Ausbreitung und Übertragung der Infektion verhindern.

Allgemeines zur Therapie

Ambulante Behandlung bei unkomplizierter Erkrankung

  • Bei unkomplizierter Erkrankung ist eine rein symptomatische Therapie empfohlen.
  • Schwangere 
    • Empfehlungen des Royal College of Obstetricians and Gynecologists: Da COVID-19 mit einer Hyperkoagulabilität einhergehen kann und es auch in der Schwangerschaft physiologisch zu einer Hyperkoagulabilität kommt, sollte die Indikation zur Thromboseprophylaxe sorgfältig geprüft werden. 35
  • Empfehlung des RKI zur ambulanten Behandlung von Betroffenen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf 2
    • Personen, die durch unterschiedliche Faktoren (z. B. fortgeschrittenes Alter, Adipositas, Vorerkrankungen, Immunsuppression) ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben, sollten sich bei ihren Haus- oder Fachärzt*innen melden, um die Indikation zur frühzeitigen Therapie mit SARS-CoV-2-spezifischen monoklonalen Antikörpern prüfen zu lassen und diese Behandlung ggf. rechtzeitig einzuleiten.
    • Siehe den RKI-Flyer Gabe SARS-CoV-2-spezifischer monoklonaler Antikörper .
    • CAVE! Von den erhältlichen monoklonalen Antikörper-Präparaten ist nach aktueller Datenlage nur Sotrovimab gegen die Omikron-Variante BA.1 wirksam. 36
      • Siehe RKI-Tabelle  zur Wirksamkeit monoklonaler Antikörper gegen verschiedene Virusvarianten.
  • Für eine routinemäßige Prophylaxe mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern in der ambulanten Versorgung gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz. 9
  • Budesonid
    • Patient*innen mit SARS-CoV-2-Infektion und Risiko für einen schweren Verlauf kann eine Budesonid-Inhalation – 2 x 800 μg/d für 7–14 Tage – zur Senkung dieses Risikos angeboten werden (Off-Label-Therapie; keine Zustimmung der anderen an dieser Leitlinie beteiligten Fachgesellschaften).
  • Sotrovimab
    • Sotrovimab kann bei Patient*innen mit COVID-19, bei denen kein Impfschutz und mindestens ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf vorliegt, innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn eingesetzt werden.
    • Immunsupprimierte Patient*innen mit COVID-19 mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf, bei denen eine relevante Beeinträchtigung der Impfantwort zu erwarten ist, sollten innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn mit Sotrovimab behandelt werden.
  • Remdesivir
    • Remdesivir kann bei Patient*innen mit COVID-19, bei denen kein Impfschutz und mindestens ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf vorliegt, eingesetzt werden.
    • Immunsupprimierte Patient*innen mit COVID-19, bei denen eine relevante Beeinträchtigung der Impfantwort besteht, können mit Remdesivir behandelt werden, wenn keine wirksame Therapie mit monoklonalen Antikörpern verfügbar ist.
    • Beginn der Therapie innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn; die Therapie ist am ehesten in spezialisierten Zentren durchführbar, z. B. in an Kliniken angebundenen Ambulanzen, ggf. Corona-Schwerpunktpraxen oder stationär.
  • Fluvoxamin
    • Es kann weder für noch gegen den Einsatz von Fluvoxamin eine Empfehlung abgegeben werden (Off-Label-Therapie).
  • Thromboembolieprophylaxe/prophylaktische Heparinisierung
    • Bei ambulanten COVID-19-Patient*innen ohne Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf soll eine Thromboembolieprophylaxe nicht eingesetzt werden.
    • Bei alten und/oder vorerkrankten Patient*innen mit SARS-CoV-2-Infektion und einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf, die mindestens teilweise immobil sind, kann eine medikamentöse Thromboseprophylaxe mit einem NMH erfolgen (z. B. mit Enoxaparin s. c., Dosierung 1 x 4.000 IE/d; falls BMI > 35 bzw. KG > 100 kg oder früher stattgehabte Thromboembolie: 2 x 4.000 IE/d).
    • Achtung: nicht bei oraler Antikoagulation; vorsichtige Abwägung bei bestehender ASS-Dauertherapie (ggf. PPI-Prophylaxe ab 65 J.)!
  • Molnupiravir
    • Molnupiravir kann, wenn keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten verfügbar und klinisch angemessen sind, bei erwachsenen Patient*innen mit COVID 19, bei denen kein Impfschutz und mindestens ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf vorliegt, innerhalb der ersten 5 Tage nach Symptombeginn eingesetzt werden.
    • Eine Schwangerschaft muss ausgeschlossen werden. Eine Aufklärung über die Teratogenität und potenzielle Mutagenität von Molnupiravir ist obligat.
  • Vitamin D3
    • Eine therapeutische Gabe von Vitamin D3 bei nachgewiesener Covid-19-Erkrankung soll nicht erfolgen.
    • Zum prophylaktischen Effekt von Vitamin D3 im ambulanten Bereich (Verhinderung einer Infektion mit SARS-CoV-2 bzw. eines schweren Verlaufs von COVID-19) gibt es bislang keine publizierten Studien.
    • Grundsätzlich sollen orale oder parenterale hochdosierte Vitamin-D-Präparate nicht verabreicht werden.
    • Davon unberührt sollten ältere Personen (insbesondere Bewohner*innen von Seniorenpflegeeinrichtungen) 1.000(–2.000) IE/d Vitamin D einnehmen.
    • Bis auf seltene Ausnahmen ist eine Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels dabei nicht sinnvoll – denn die Substitution verursacht (bis max. 4.000 IE/d) keine unerwünschten Wirkungen.
  • Azithromycin
    • Soll im ambulanten Bereich nicht zur Behandlung einer COVID-19-Erkrankung eingesetzt werden.
  • Ivermectin
    • Soll im ambulanten Bereich nicht zur Behandlung einer COVID-19- Erkrankung eingesetzt werden.
  • Acetylsalicylsäure
    • Soll im ambulanten Bereich zur Therapie von an COVID-19 erkrankten Patient*innen nicht eingesetzt werden.
  • Colchizin
    • Für Colchicin kann im ambulanten Bereich zur Therapie einer COVID-19-Erkrankung keine Empfehlung abgegeben werden.
  • Kortikosteroide
    • Systemische Steroide sollen nicht zur COVID-19-Therapie im ambulanten Bereich eingesetzt werden.
  • Fiebersenkung 9
    • Wenn eine Fiebersenkung notwendig ist, sollte bei älteren Patient*innen Paracetamol anstelle von NSAR verabreicht werden.

Therapie von Kindern mit COVID-19

  • Siehe die Stellungnahme der DGPI und weiterer Fachgesellschaften zur Klinik, Diagnostik und Therapie von Kindern mit COVID-19 – Update Februar 2022 .

Allgemeine Maßnahmen (bei stationärer Versorgung, laut der interdisziplinären S3-Leitlinie: Empfehlungen zur stationären Therapie)

  • Sauerstoffgabe nach Bedarf (nasal, über Maske, ggf. nasale „High-Flow"-Sauerstofftherapie)
    • Ziel SpO2 > 90 % bei nicht-schwangeren Erwachsenen, > 92–95 % bei Schwangeren, > 88 % bei COPD-Patient*innen
  • Indikation zur Aufnahme auf die Intensivstation 18
    • bei Erfüllung eines der folgenden Kriterien:
      • Hypoxämie SpO2 < 90 % (unter 2–4 l Sauerstoff/min bei nicht vorbestehender Therapie) und Dyspnoe
      • Atemfrequenz > 25–30/min.
    • Bei Patient*innen unter High-Flow-Sauerstofftherapie und CPAP/NIV sollte zusätzlich eine intermittierende Bauchlagerung durchgeführt werden.
  • VTE-Prophylaxe/Antikoagulation bei hospitalisierten Patient*innen 18
    • Medikamentöse Thromboembolie-Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin, wenn keine Kontraindikationen bestehen.
      • Alternativ kann Fondaparinux zur Anwendung kommen.
    • keine halbtherapeutische Antikoagulation
    • Hospitalisierte, nichtintensivpflichtige Patient*innen mit erhöhtem Risiko (z. B. D-Dimere ≥ 2 mg/l): Bei niedrigem Blutungsrisiko kann eine therapeutische Antikoagulation, präferenziell mit NMH oder UFH, erwogen werden.
    • Intensivpatient*innen ohne spezifische Indikation (z. B. Lungenembolien): Therapeutische Antikoagulation sollte nicht erfolgen (siehe auch COVRIIN 31).
    • Vorbestehende NOAK-Einnahme auf Heparine umstellen (COVRIIN). 31

Medikamentöse Therapie

Dexamethason

  • Bei Sauerstoffbedarf (Low-Flow, High-Flow, nichtinvasive Beatmung/CPAP, invasive Beatmung) soll eine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden erfolgen. 18
    • Die Dosis beträgt 6 mg Dexamethason p. o./i. v. täglich für 10 Tage.
  • Erkrankte ohne Sauerstoff- oder Beatmungspflichtigkeit sollten nicht mit Dexamethason behandelt werden. 37

Interleukin-6-Rezeptor-Antagonisten

  • Die WHO empfiehlt den Einsatz von Interleukin-6-Antagonisten: Tocilizumab und Kombination mit Kortikoiden. 38
  • Empfehlung der interdisziplinären Leitlinie zur stationären Therapie 18
    • Tocilizumab sollte bei COVID-19-Patient*innen mit progredient schwerer Erkrankung zur COVID-19-Behandlung verabreicht werden.
    • Tocilizumab sollte nicht eingesetzt werden bei Erkrankung ohne oder mit niedrigem Sauerstoffbedarf sowie bei bestehender invasiver Beatmung.
  • Empfehlung von COVRIIN (gilt für Tocilizumab und Sarilumab) 31
    • in Kombination mit Dexamethason bei Hypoxämie, ausgeprägter pulmonaler Hyperinflammation und Milchglasinfiltraten beidseits mit schneller Zunahme des O2-Bedarfs trotz Dexamethason oder Intubationsindikation bereits bei stationärer Aufnahme
    • kein Einsatz in späteren Krankheitsphasen

Neutralisierende monoklonale Antikörper gegen Spike-Protein als Kombinationstherapie

  • CAVE! Von den erhältlichen monoklonalen Antikörper-Präparaten ist nach aktueller Datenlage nur Sotrovimab gegen die Omikron-Variante BA.1 wirksam. 36
  • Casivirimab und Indevimab (bzw. Bamlanivimab und Indevimab)
    • Die WHO empfiehlt eine Kombination aus Casivirimab und Indevimab früh im Verlauf bei Patient*innen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf (10 % Risiko für Hospitalisierung). 39
    • nicht wirksam gegen BA.2
  • Sotrovimab
    • „Kann“-Empfehlung in der S3-Leitlinie zur stationären Therapie für Patient*innen ohne Impfschutz und mindestens einem Risikofaktor für einen schweren Verlauf innerhalb der ersten 5 Tage. 18
      • für Patient*innen ohne Impfschutz oder mit zu erwartender relevanter Beeinträchtigung der Impfantwort
    • einmalige i. v. Gabe 
    • [NEU] Wahrscheinlich nicht wirksam gegen Omikron BA.2 und von der US-Arzneimittelbehörde FDA in Gebieten, in denen BA.2 mehr als 50 % der Infektionen auslöst, nicht mehr zugelassen. 40
      • Kommt laut arznei-telegramm auch hierzulande nur infrage, falls ein sensibler Omikron-Subtyp nachgewiesen ist.
  • [NEU] Cilgavimab plus Tixagevimab (Evusheld) 41
    • noch nicht zugelassen, aber vom BMG beschafft
    • neutralisierende Antikörper zur Präexpositionsprophylaxe (nicht zur Therapie!)
    • Für Personen, die mittelgradig bis schwer immunkompromittiert sind.
    • Kommt nach Einschätzung der Autor*innen des arznei-telegramms nur im Einzelfall bei schwerer Immundefizienz und unzureichendem Ansprechen auf die Immunisierung oder bei Kontraindikation gegen die Impfung in Betracht.
    • empfohlen in der S1-Leitlinie zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) 42
    • deutlich geminderte Wirkung gegen Omikron BA.1, aber nicht BA.2

JAK-Inhibitoren (JAKI)

  • Baricitinib und Tofacitinib
    • laut COVRIIN 31
      • frühzeitiger Einsatz bei hospitalisierten Patient*innen mit COVID-19-Pneumonie und Low-Flow-O2-Bedarf in Kombination mit Dexamethason
      • kein Einsatz bei invasiver Beatmung
    • laut interdisziplinärer Leitlinie für die stationäre Therapie 18
      • JAKI sollten bei Patient*innen mit Low- oder High-Flow-Sauerstoffbedarf eingesetzt werden (in Kombination mit Dexamethason).

Pharmaka mit fraglicher/umstrittener Wirkung

  • Remdesivir
    • [NEU] Die WHO erteilt erstmals in ihrer Living Guideline im BMJ  eine schwache/bedingte Empfehlung der Anwendung von Remdesivir bei nicht schwer erkrankten COVID-19-Patient*innen mit höchstem Hospitalisierungsrisiko (Stand 22.04.2022). 43
    • laut der interdisziplinären Leitlinie für stationäre Behandlung von COVID-19 18 
      • Remdesivir kann bei Patient*innen mit COVID-19, bei denen kein Impfschutz und mindestens ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf vorliegt, in der Frühphase (≤ 7 Tage nach Symptombeginn) eingesetzt werden.
      • Immunsupprimierte Patient*innen mit COVID-19, bei denen eine relevante Beeinträchtigung der Impfantwort besteht, können mit Remdesivir behandelt werden, wenn keine wirksame Therapie mit monoklonalen Antikörpern verfügbar ist.
      • Derzeit kann keine Empfehlung für Patient*innen mit Pneumonie und Low-Flow-Sauerstofftherapie, weder für noch gegen die Therapie.
    • Die Fachgruppe COVRIIN hält den Einsatz bei Pneumonie mit Low-Flow-O2-Pflichtigkeit für eine Alternative, falls neutralisierende monoklonale Antikörper nicht infrage kommen. 31
    • für ambulante Risikopatient*innen innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn 44
      • Kann nach Einschätzung der Autor*innen des arznei-telegramms bei ambulanten Patient*innen mit sehr hohem Risiko eines schweren Verlaufs im Einzelfall nach sorgfältiger Aufklärung „in Betracht gezogen“ werden.
    • Die DEGAM gibt eine „Kann“-Empfehlung (siehe Leitlinienkasten). 9
    • Dosierung: 200 mg i. v. Tag 1, je 100 mg an Tag 2 und 3
  • Budesonid-Asthmaspray
    • Die DEGAM gibt hierzu eine „Kann“-Empfehlung (siehe Leitlinienkasten). 9
    • Das arznei-telegramm schreibt dazu: Es scheine vertretbar, Budesonid bei Patient*innen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf nach Aufklärung (über Datenlage und Off-Label-Use) in Betracht zu ziehen. 44
    • Ein Cochrane-Review stellt mäßig zuverlässige Evidenz dafür fest, dass inhalierbare Koriskosteroide bei COVID-19 mit milden Symptomen wahrscheinlich die Zahl der Klinikaufnahmen und die Mortalität reduzieren und die Symptombesserung innerhalb von 14 Tagen fördern. 45    
    • COVRIIN, STAKOB und DGI sehen derzeit keine Indikation für einen Off-Label-Einsatz von Budesonid oder anderen inhalativen Steroiden, weder bei ambulanten noch hospitalisierten Patient*innen. 46
  • Nirmatrelvir plus Ritonavir (Paxlovid) 44 
    • für ungeimpfte ambulante Risikopatient*innen ohne Sauerstoffbedarf innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn
      • Dosierung: 300 mg Nirmatelvir mit 100 mg Ritonavir p. o. alle 12 Stunden für 5 Tage
    • Umfangreiche, auch potenzielle lebensbedrohliche Wechselwirkungen wegen CYP-3A-Hemmer Ritonavir, die auch viele Herz-Kreislauf-Medikamente betreffen, z. B. Amiodaron, Simvastatin.
    • Bewertung
      • [NEU] laut WHO-Living-Guideline starke Empfehlung bei nicht schwerer Erkrankung 43
      • Berichte über Rückfälle nach dem Absetzen, ohne dass es zu schweren Verläufen kommt. 47
        • Betroffene sollten über ein mögliches Wiederauftreten der Symptome und einen möglichen Wiederanstieg der Visuslast aufgeklärt werden.
      • Laut COVRIIN Therapiealternative in der Frühphase, falls neutralisierende Antikörper keine Option darstellen. 31
      • laut DEGAM „wenig geeignet wegen vieler Interaktionen“ 9
      • laut S3-Leitlinie zur stationären Therapie „Kann“-Empfehlung 18
    • geringerer Effekt bei Genesenen, Nutzen bei Geimpften nicht untersucht
    • Übersicht über relevante Medikamenteninteraktionen  der Fachgruppe COVRIIN
    • Übersicht zu Maßnahmen bei Wechselwirkungen unter Paxlovid  (Universität Heidelberg)
  • Molnupiravir 31, 44
    • vom BMG ohne Zulassung beschafft und in den Verkehr gebracht
    • für ambulante Behandlung von Erwachsenen mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion ohne Sauerstoffbedarf und Risiko für schweren Verlauf, Beginn innerhalb der ersten 5 Tage nach Symptombeginn (Gabe p. o. als Tabletten)
    • RRR nur 30 %, also Wirksamkeit gegenüber den monoklonalen Antikörpern deutlich geringer
    • Mutagenes Potenzial, kontraindiziert in Schwangerschaft und Stillzeit, Männer sollen bis 3 Monate nach Einnahme sicher verhüten.
    • Förderung viraler Mutationen mit derzeit nicht absehbaren Folgen
    • Studie zu Kanzerogenität nicht abgeschlossen
    • bei Genesenen schlechter als Placebo, Nutzen bei Geimpften nicht untersucht
    • Bewertung
      • [NEU] laut WHO living guideline schwache/bedingte Empfehlung bei nicht schwer erkrankten COVID-19-Patient*innen mit "höchstem Hospitalisierungsrisiko 43
      • Das arznei-telegramm rät von der Anwendung ab.
      • Die DEGAM gibt eine „Kann“-Empfehlung, falls keine anderen Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sind. 9
      • S3-Leitlinie zur stationären Therapie: „Kann“-Empfehlung bei fehlenden Therapiealternativen 18
  • Fluvoxamin 9, 21
    • Kann laut DEGAM und STAKOB bei alten und/oder vorerkrankten Personen früh im Verlauf (max. 7 Tage nach Symptombeginn) zur Prophylaxe eines schweren Verlaufs erwogen werden.

Pharmaka ohne nachgewiesene Wirkung

  • Hydroxychloroquin 48
  • Vitamin D 18, 31
    • Empfehlung der DEGAM zu Vitamin D 9
    • „Aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Belege, die für eine verbesserte Abwehr respiratorischer Infekte sprechen [...], erscheint es ratsam, dass alle älteren Personen (insbesondere Altenheimbewohner) prophylaktisch 1.000(–2.000) IE/d einnehmen.“
      • Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels nicht sinnvoll
  • Vitamin C 31
  • ASS 49
  • Anakinra 18
    • keine Empfehlung für oder gegen eine Therapie möglich

Negativempfehlungen in der interdisziplinären Leitlinie zur stationären Therapie 18

  • Bei hospitalisierten Patient*innen sollen folgende medikamentöse Interventionen nicht angewendet werden:
    • Rekonvaleszentenplasma
    • Ivermectin
    • Vitamin D
    • Azithromycin
    • Colchicin. 18

Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften

Empfehlungen zur Palliativversorgung

  • Es ist eine hausärztliche Pflicht, den Patientenwillen und das Selbstbestimmungsrecht zu beachten.
  • Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass alle medizinisch notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden können, auch in Pflegeeinrichtungen.
  • Es ist – nicht nur in Zeiten der Pandemie – wichtig, auf mögliche Notfälle vorbereitet zu sein, um für die Betroffenen, Angehörigen, Pflegenden und Ärzt*innen Handlungssicherheit zu schaffen.
  • Hinweise zur präklinischen patientenzentrierten Vorausplanung für den Notfall sind auf www.degam.de  publiziert, ebenso Hilfen zur Dokumentation.
  • Bei Fragen zur palliativen Betreuung von Patient*innen mit Atemnot wird eine Zusammenarbeit mit den regionalen SAPV-Teams empfohlen.

Wiederbelebungsmaßnahmen

Impfung

Impfung gegen COVID-19: Impfstoffentwicklung allgemein

Daten zu einzelnen Impfstoffen

  • mRNA-Impfstoff der Firma BioNTech und ihres Kooperationspartners Pfizer (Comirnaty) 1-2
    • Die bei mRNA-Impfstoff mittels Nanolipiden in die Zellen eingeschleuste RNA kodiert ein virales Antigen. Die RNA wird in den Zielzellen außerhalb des Zellkerns an den Ribosomen abgelesen. 51
  • mRNA-Impfstoff der US-amerikanischen Firma Moderna (Spikevax) 1-2
    • Gleiches Wirkprinzip wie der BioNTech-mRNA-Impfstoff
  • Vektorimpfstoff der Firma AstraZeneca (Vaxzevria) 1-2
    • [NEU] Kommt seit 01.12.2021 nicht mehr in Deutschland zum Einsatz. 52
    • basiert auf einem modifizierten nicht vermehrungsfähigen Schimpansen-DNA-Adenovirus. 52
    • Wie Totimpfstoff zu bewerten.
    • DNA verbleibt extrachromosomal.
  • Vektorimpfstoff der Firma Johnson&Johnson (Janssen) 1, 2, 53
    • Adenovirusbasiert, nicht vermehrungsfähiges Vektor-Adenovirus (vom Menschen), wie Totimpfstoff zu bewerten. 52
    • DNA verbleibt ebenfalls extrachromosomal.
  • Proteinimpfstoff der Firma Novavax
    • Grundimmunisierung mit 2 Dosen im Abstand von 3 Wochen
    • bei Lagerung im Kühlschrank bei 2–8 °C bis zu 6 Monate haltbar 54
    • In einer Phase-III-Studie Impfwirksamkeit von 90 % gegen symptomatische und 100 % gegen mittelschwere und schwere Erkrankungen 54
      • gute Verträglichkeit in einer Phase-III-Studie
      • Impfstoff wurde gegen den Wildtyp von SARS-CoV-2 entwickelt.
      • Die Wirkung gegen die Omikron-Variante ist nicht untersucht. 
      • neuer Wirkverstärker: Matrix M1 (auf Saponin-Basis)
    • Laut arznei-telegramm sind wegen noch offener Fragen zur Dauer des Impfschutzes, zur Wirksamkeit gegen aktuelle Virusvarianten sowie zu potenziellen seltenen schweren Risiken wie Myokarditis derzeit die besser erprobten mRNA-Impfstoffe vorzuziehen. 55

Nebenwirkungen der Impfstoffe

  • Aktuelle Sicherheitshinweise zu den Nebenwirkungen aller Impfungen sowie zum Vorgehen bei Allergieanamnese  finden Sie beim Paul-Ehrlich-Institut . 9
  • Laut DEGAM soll keine prophylaktische Gabe von Paracetamol oder NSAR vor der Impfung erfolgen, weil dies möglicherweise die Immunantwort einschränken kann. 9
    • NSAR/Paracetamol können nach der Impfung bei Beschwerden zur Linderung der Symptome gegeben werden.
    • Je jünger der Impfling, desto schwerer die zu erwartenden Impfreaktionen.

Thrombotische Nebenwirkungen der Vektorimpfstoffe

Auftreten von Guillain-Barré-Syndrom im Zusammenhang mit Vektorimpfstoffen

  • Die FDA warnt vor erhöhtem Risiko für das sehr seltene Auftreten eines Guillain-Barré-Syndroms nach einer Impfung mit dem Impfstoff der Firma Johnson&Johnson. 57

Myokarditisfälle im Zusammenhang mit mRNA-Impfstoffen

  • Es gibt Meldungen über das Auftreten von Myokarditiden, insbesondere bei jüngeren Personen, nach der 2. Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Moderna und BioNTech). 58
    • Die STIKO gibt Häufigkeiten von 1:17.000 bei Jungen und 1:110.000 bei Mädchen an. 59
  • Die Autor*innen des arznei-telegramms empfehlen, auf Myokarditissymptome zu achten und insbesondere junge Männer, aber auch junge Frauen, über das Risikosignal, potenzielle Symptome und das gehäufte Vorkommen nach der 2. Impfung aufzuklären. Auf Leistungssport und stärkere sportliche Betätigung sollte in den ersten Tagen nach Immunisierung verzichtet werden. 60
  • Nach der Gabe des Impfstoffes Spikevax von Moderna wurden häufiger Myokarditiden beobachtet als nach der Impfung mit Comirnaty von BioNTech, deswegen soll Spikevax nur noch bei Personen über 30 Jahren eingesetzt werden. 61
  • Im Falle einer Myo- oder Perikarditis nach Verabreichung eines mRNA-Impfstoffes sollte in der Regel kein weiterer mRNA-Impfstoff verabreicht werden. 61

COVID-Arm

  • COVID-Arm – nach Impfung mit mRNA-Impfstoff auftretende verzögerte Lokalreaktion (bisher häufiger nach Moderna-Vakzine): symptomatische Behandlung, klingt spontan ab. 62

Fazialisparesen bei mRNA-Impfstoffen

  • In den Zulassungsstudien der Impfstoffe der Firmen BioNTech und Moderna wurde vereinzelt das Auftreten einer transienten peripheren Fazialisparese beobachtet.

Zyklusstörungen

  • Gehäufte Berichte über vorübergehende Zyklusstörungen nach einer Impfung gegen COVID-19-Impfung 52
    • kein Einfluss auf die Fertilität 

Grundsätzlicher Umgang mit Gerinnungshemmern und Corona-Impfung

  • Bei Patient*innen mit einer aktuellen oralen Antikoagulation wie z. B. bei Vorhofflimmern oder nach venöser Thromboembolie (VTE) sollte diese während und nach der Impfung unverändert fortgeführt werden.
  • Bei Patient*innen ohne Indikation zur oralen Antikoagulation mit hohem dispositionellem VTE-Risiko, bei ausgeprägter akuter Impfreaktion mit Fieber und Immobilisation kann im Einzelfall eine medikamentöse VTE-Prophylaxe über einige Tage erfolgen.
    • Allgemeinmaßnahmen (z. B. Bewegungsübungen, Flüssigkeitszufuhr, Kompression)
    • DOAK in prophylaktischer Dosis, z. B. Rivaroxaban 1 x 10 mg/d, Apixaban 2 x 2,5 mg/d (off label)
    • Auf Heparin/Fondaparinux verzichten.

Attest bezüglich Kontraindikation für Impfung

  • Absolute Kontraindikationen für eine Impfung gegen SARS-CoV-2 sind extrem selten. Die Ausstellung eines Attests ist daher nur in absoluten Ausnahmefällen notwendig und zu rechtfertigen.
  • Bei Anaphylaxie gegen einen der Inhaltsstoffe oder Capillary Leak Syndrom (betrifft Vektor-Impfstoffe) kann ein Impfstoff mit anderen Inhaltsstoffen bzw. anderem Wirkprinzip verabreicht werden.
  • Für die Impfung von Schwangeren im 1. Trimenon gibt es aktuell keine STIKO-Empfehlung. Obwohl es grundsätzlich erlaubt ist, auch im 1. Trimenon mit einem mRNA-basierten Impfstoff zu impfen, wäre das ein möglicher Grund für die Ausstellung eines Attests.

Wirksamkeit der Impfung gegen die Omikron-Variante

  • Das RKI schätzt die Gefährdung der grundimmunisierten oder genesenen Bevölkerung durch Omikron als hoch ein, die von Personen mit einer Auffrischimpfung als moderat. 7
    • Genaue aktuelle Zahlen zur Rate der Impfdurchbrüche bei symptomatischen, hospitalisierten, intensivpflichtigen und verstorbenen COVID-19-Erkrankten sind im Wöchentlichen Lagebericht des RKI  zu finden.
  • Laut RKI liegt ein wahrscheinlicher Impfdurchbruch vor, wenn bei einer vollständig geimpften Person eine SARS-CoV-2-Infektion mit klinischer Symptomatik vorliegt, die mittels PCR oder Erregerisolierung diagnostiziert wurde. 5
    • Asymptomatische Verläufe mit positiver PCR gelten nicht als Impfdurchbruch. 52
  • Laut arznei-telegramm können dreifach Geimpfte auch bei Omikron in den ersten Monaten nach der Boosterung von einem Schutz vor Hospitalisierung von 85 % bis 95 % ausgehen. 63

Einschätzungen und Empfehlungen zur COVID-19-Impfung

Empfehlungen der STIKO

  • Einschätzung der STIKO auf der Basis bisheriger Daten 61
    • nach vollständiger Impfung bei Infektion Viruslast stark reduziert, Virusausscheidung verkürzt und damit Übertragungsrisiko stark vermindert
    • asymptomatische und symptomatische Infektion nach Impfung und damit SARS-CoV-2-Ausscheidung möglich
  • Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen COVID-19, sie bezieht sich auf die mRNA-Impfstoffe Comirnaty der Firma BioNTech/Pfizer sowie den Impfstoff Spikevax der Firma Moderna und die Vektorimpfstoffe der Firmen AstraZeneca (Vaxzevria) und Johnson&Johnson (Janssen). 52, 61

Durchführung der Impfung 61

  • Die Impfung soll strikt intramuskulär verabreicht werden, keinesfalls intradermal, s. c. oder i. v. (unter Antikoagulation sehr feine Kanüle verwenden und anschließend über 2 min fest komprimieren).
    • Verwendung einer trockenen Nadel, kein Impfstoff außen an der Nadel
    • vorherige Aspiration empfohlen
  • Nachbeobachtungszeit von mindestens 15 min (außer bei bestimmten Risikopersonen: Einnahme von Gerinnungshemmern, schwere kardiale oder respiratorische Grunderkrankungen, frühere allergische Reaktionen auf Impfungen, dann 30 min)
  • Die DEGAM empfiehlt diese Videoanleitungen  zu Impftechnik, Impfnotfällen und Aufgabenverteilung beim Impfen. 9

Impfschema 61

1. Auffrischimpfung

  • Die STIKO empfiehlt eine COVID-19-Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff für Personen ab 12 Jahren. 61 
  • Eine Auffrischimpfung kann bereits ab dem vollendeten 3. Monat nach der aus zwei Impfstoffdosen bestehenden Grundimmunisierung verabreicht werden. 61
  • Die Empfehlung zur Auffrischung gilt auch für Schwangere ab dem 2. Trimenon (Comirnaty).
  • Auffrischimpfung für 12- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty in der altersentsprechenden Dosierung (30 µg) in einem Zeitfenster von 3–6 Monaten nach der Grundimmunisierung 52
    • Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen sollen möglichst frühzeitig ihre Auffrischimpfung bekommen und für 12- bis 17-Jährige ohne Vorerkrankungen wird ein eher längerer Abstand von bis zu 6 Monaten empfohlen.
    • Verwendung der halben Impfdosis (50 µg statt 100 µg) zur Auffrischung mit Spikevax (Moderna) für Personen ab 30 Jahren
      • [NEU] Personen mit Immundefizienz: Auffrischung mit der vollen Dosierung Spikevax (100 µg) 52

2. Auffrischimpfung

  • Die STIKO empfiehlt eine 2. Auffrischimpfung für besonders gesundheitlich gefährdete bzw. exponierte Personengruppen: 58
    • Personen ab 70 Jahren, Bewohner*innen und Betreute in Einrichtungen der Pflege, Menschen mit Immunschwäche ab 5 Jahren
      • frühestens 3 Monate nach der 1. Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff
    • Tätige in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen
      • frühestens nach 6 Monaten
    • Personen, die nach der 1. Auffrischimpfung eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, wird keine weitere Auffrischimpfung empfohlen.

Impfung und Auffrischimpfung bei Genesenen

  • Es ist nicht empfohlen, vor der Verabreichung der Auffrischimpfung mittels serologischer Antikörpertestung zu prüfen, ob weiterhin ein Schutz vor COVID-19 besteht. 61
  • Bei Personen, die mehrere SARS-CoV-2-Infektionen durchgemacht haben, muss im Einzelfall in Abhängigkeit vom Vorliegen einer ID, dem Alter, der Zeitpunkte der Infektionen und den Lebensumständen (z. B. Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen) über das weitere Vorgehen entschieden werden. 61
  • Siehe Tabelle Coronavirus, Grundimmunisierung und Auffrischimpfung .

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Schwangeren und Stillenden eine Impfung gegen COVID-19: 61
    • „Noch ungeimpften Schwangeren wird die Impfung mit zwei Dosen eines COVID-19-mRNA-Impfstoffs im Abstand von 3–6 (Comirnaty) ab dem 2. Trimenon empfohlen.
    • Wenn die Schwangerschaft nach bereits erfolgter Erstimpfung festgestellt wurde, sollte die Zweitimpfung erst ab dem 2. Trimenon durchgeführt werden.
    • Darüber hinaus empfiehlt die STIKO ungeimpften Stillenden die Impfung mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs im Abstand von 3–6 (Comirnaty) bzw. 4–6 Wochen (Spikevax)."
    • Spikevax ist bei Personen unter 30 Jahren nicht mehr empfohlen. Bei Schwangeren soll Comirnaty angeboten werden.
    • Nuvaxovid ist in der Schwangerschaft nicht empfohlen (nur bei Kontraindikation gegen mRNA-Impfstoffe).
  • Die Empfehlung zur Auffrischung gilt auch für Schwangere ab dem 2. Trimenon (Comirnaty).

Immunsuppression sowie Blut- und Krebserkrankungen

  • Das Epidemiologische Bulletin 2/2022  enthält Übersichtstabellen (Tab. 4, 5, 6), in der die Impfstoffwirksamkeit bei verschiedenen Erkrankungen und Therapien, die mit einer Immundefizienz einhergehen, sowie die Notwendigkeit einer Kontrolle des Impfabstandes und/oder einer zusätzlichen Impfdosis, dargestellt sind.  
  • Immunsupprimierende oder immunmodulierende Therapien können prinzipiell auch bei einer anstehenden Impfstoffgabe weitergeführt werden.  61
    • Empfehlenswert für den bestmöglichen Impferfolg ist eine möglichst geringe Immunsuppression zum Zeitpunkt der Impfung.
    • So sollte z. B. der Impfzeitpunkt in die Mitte der Verabreichungsintervalle der immunsupprimierenden oder immunmodulierenden Medikation gelegt werden.
    • Bei geplanter antineoplastischer Therapie soll die Impfung mindestens 2 Wochen vor deren Beginn erfolgen, um eine suffiziente Immunantwort zu ermöglichen.

Impfung von Kindern und Jugendlichen 61

  • Impfung von Kindern und Jugendlichen laut STIKO
    • Die STIKO empfiehlt für alle Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren eine COVID-19-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty der Firma BioNTech 
      • Spikevax der Firma Moderna soll laut STIKO bei Personen unter 30 Jahren wegen des höheren Myokarditisrisikos nicht mehr verwendet werden.
    • Laut STIKO soll bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung nicht zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht werden.
  • Kindern im Alter von 5–11 Jahren mit Vorerkrankungen oder mit Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf im Umfeld empfiehlt die STIKO die Impfung gegen COVID-19 mit 2 Impfstoffdosen Comirnaty (10µg) im Abstand von 3–6 Wochen.
    • Auf individuellen Wunsch von Kindern und Eltern können auch Kinder ohne Vorerkrankungen geimpft werden.

Impfung mit einem in der EU nicht zugelassenen Impfstoff

  • Impfung im Ausland bereits mit einem nicht in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoffen erfolgt: 64
    • Nach einer Grundimmunisierung oder Auffrischimpfung mit einem inaktivierten Ganzvirusimpfstoff oder dem vektorbasierten Impfstoff Sputnik V ist nach frühestens 3 Monaten eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen.
    • Bei laborchemisch gesicherter Infektion nach Grundimmunisierung mit einem der u. g. Impfstoffe ist ebenfalls frühestens 3 Monate nach der Infektion eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen.
    • Bei nur einer verabreichten Impfstoffdosis der u. g. Impfstoffe: Beginn einer neuen Impfserie gemäß STIKO-Empfehlungen frühestens nach 3 Wochen 
    • Dies gilt für folgende Impfstoffe:
      • CoronaVac von Sinovac (u. a. in der Ukraine gebräuchlich) 
      • Covilo von Sinopharm
      • Covaxin von Bharat Biotech International Limited
      • Sputnik V von Gamelaya (u. a. in der Ukraine, Russland und Belarus gebräuchlich) 
  • Bei Impfung mit allen anderen nicht in der EU zugelassenen Impfstoffen:
    • Erneute Impfserie mit in der EU zugelassenem Impfstoff erforderlich, um in der EU Status als Geimpfte zu erlangen.
    • Mindestabstand von ≥ 28 Tage zu der vorangegangenen Impfung mit dem nicht in der EU zugelassenen Impfstoff
  • Für weitere Informationen: STIKO-Empfehlungen 

Organisation der Impfungen gegen COVID-19

Organisation und Ablauf der Impfungen gegen COVID-19

Digitaler Impfnachweis

Schutzimpfungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie

  • STIKO-Empfehlungen zu anderen Schutzimpfungen 52
    • Grundimmunisierungen im Säuglingsalter mit dem Sechsfach-Impfstoff und dem Pneumokokken-Impfstoff sowie die erste MMR(V)-Impfung sollten weiterhin mit hoher Priorität durchgeführt werden.
    • Zwischen COVID-19-Impfungen und anderen Totimpfstoffen muss kein Impfabstand eingehalten werden. Sie können simultan an unterschiedlichen Gliedmaßen verabreicht werden.
      • gleichzeitige Gabe mit Influenza-Impfstoff: Aufklärung über vermehrte vorübergehende lokale und systemische Impfreaktionen
      • Zu Lebendimpfstoffen sollte ein Mindestabstand von 14 Tagen eingehalten werden. 52
    • [NEU] Ausnahme: Nuvaxovid kann gleichzeitig mit einem Influenza-Totimpfstoff verabreicht werden. Zu anderen Tot- und Lebendimpfstoffen wird ein Abstand von 14 Tagen empfohlen. 52
  • Das RKI weist darauf hin, dass sich die Risikogruppen von COVID-19 und Influenza stark überlappen und daher eine hohe Influenza-Impfquote auch zur Reduktion des Gesamtrisikos bei älteren Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen beiträgt. 67

Prävention

Strategie des RKI: Infektionsschutzmaßnahmen

  • Die von der Weltgesundheitsorganisation propagierten Phasen Containment (Eindämmung), Protection (Schutz vulnerabler Gruppen) und Mitigation (Folgenminderung) sind Konzepte, die sich gegenseitig ergänzen und stärken.
  • Strategiepapiere des RKI zu ControlCOVID  52 und Nationaler Pandemieplan

Änderung des Infektionsschutzgesetzes

Status als genesen, geimpft oder getestet

Maßnahmen in Schulen und Kitas

Corona-Warn-App

Allgemeines 68-69

Informationen für Hausärzt*innen

  • Siehe die angepasste Teststrategie des BMG  vom 12.02.2022:
    • Eine rote Warnmeldung auf der Corona-Warn-App reicht nicht mehr aus, um einen PCR-Test zu bekommen. Ein Anspruch muss zunächst mit einem Antigentest abgeklärt werden.

Risikogebiete und Reisen

Risikogebiete laut RKI 70

Regelungen für Reisende

Einreise nach Deutschland

  • Siehe Einreiseverordnung des BMG .
  • Laut BMG:
    • „Alle Einreisenden sind – unabhängig davon, ob sie sich in einem Hochrisikogebiet oder Virusvariantengebiet aufgehalten haben oder nicht – verpflichtet, bei Einreise über einen Nachweis des Nichtvorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Impf-, Test-, Genesenennachweis) zu verfügen.
    • Kinder unter 12 Jahren sind von der Nachweispflicht befreit.“
  • Laut BMI  besteht im Widerspruch dazu eine Nachweispflicht für alle einreisenden Personen ab 6 Jahren.
  • Weitere Informationen zu verpflichtenden Tests für Einreisende aus Risikogebieten bieten die FAQ des BMG .

Allgemeine Hygieneempfehlungen

Attest über die Befreiung von der Maskenpflicht

  • Die meisten Bundesländer haben Ausnahmen von der Maskenpflicht definiert, wie z. B.:
    • Kinder bis zum Schuleintritt
    • Personen, denen eine Mund-Nasen-Bedeckung aufgrund einer Behinderung oder aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar ist.
    • Menschen mit Hörbehinderung (zur verbesserten Kommunikation).
  • Grundsätzlich ist eine Befreiung aus gravierenden medizinischen Gründen möglich, aber sicherlich nur in absoluten Ausnahmefällen gerechtfertigt.

Verhaltensempfehlungen für den Alltag

  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt ein deutschsprachiges Plakat mit Hygienetipps  zum Schutz vor Infektionskrankheiten bereit.
  • Die BZgA und das RKI geben folgende allgemeine Empfehlungen – AHA+L+A-Regeln: 2
    • Abstand halten.
    • Hygiene beachten.
    • Alltagsmasken tragen.
    • Lüften
    • App
  • RKI-Flyer: Vier Tipps gegen Corona 

Empfehlungen zur Anwendung von Masken (Mund-Nasen-Schutz)

  • FFP-2-Masken schützen laut einer Untersuchung aus Göttingen sehr gut vor einer Virusübertragung. 71
    • Der Schutz ist deutlich höher als bei Verwendung von OP-Masken.
  • Empfehlungen zum Tragen von Masken bei Kindern 72
    • Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hält das Tragen einer (OP-) Maske im öffentlichen Raum für Kinder ab dem Grundschulalter für „zumutbar“.
  • Weitere Informationen zum Tragen, Reinigen und Anlegen von Masken finden Sie in den Empfehlungen des BfArM .
  • Selbstgenähte Stoffmasken, andere Alltagsmasken und Gesichtsvisiere sind nicht mehr erlaubt.

Quarantäne 2

Hände- und Flächendesinfektion

Hygieneempfehlungen für medizinische Einrichtungen

Optionen zur Entlastung der Praxis

  • Stimmen Sie im Praxisteam die Triage ab, sodass Ihr Team bereits am Telefon Patient*innen filtern kann; passen Sie Ihre (Online-)Terminvergabe an.
  • Bauen Sie Ihre Telefon- und/oder Videosprechstunden aus.
  • Unnötige persönliche Patientenkontakte reduzieren (z. B. Rezepte/Überweisungen per Post zusenden).
  • Gesichtsschutzschild stets nach dem Abnehmen mit 70 % Isopropylalkohol desinfizieren.
  • Weitere organisatorische Hinweise siehe Originaltext der Leitlinie .

Empfehlungen für Einrichtungen des Gesundheitswesens 

Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. aus der häuslichen Isolierung

RKI-Kriterien zur Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. aus der häuslichen Isolierung

 Isolierungsdauer (häusliche Isolierung) 16
  • Allgemeine Bevölkerung – für nach­weis­lich positiv getestete Personen:
    • Anordnung zur Isolation für 5 Tage
    • dringende Empfehlung zur wieder­holten (Selbst-)Testung beginnend nach Tag 5 mit Antigen-Schnell­test; Selbst­isolation, bis Test negativ
  • Beschäftigte in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflege­einrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungs­hilfe – wie in der Allgemeinbevölkerung
    • aber zusätzlich als Voraus­setzung für die Wieder­auf­nahme der Tätigkeit: wenn zuvor 48 Stunden Symptom­frei­heit, mit frühes­tens am Tag 5 ab­ge­nomme­nem ne­ga­tivem Anti­gen­test oder PCR-Test
    • Nachweis durch Leistungs­erbringer nach § 6 Abs. 1 TestV erforderlich

Vorgehen in Pflegeeinrichtungen

Gespräche mit Pflegeeinrichtungen

  • In den meisten Pflegeeinrichtungen sind Maßnahmen zum Schutz gegen das SARS-CoV-2-Virus inzwischen etabliert. Wichtige Aspekte finden Sie im Originaltext der Leitlinie .
  • Einige sind hier beispielhaft genannt:
    • räumliche Trennung und Isolierung von akut respiratorisch Erkrankten, ggf. gemeinsame Isolierung von erkrankten Gruppen (siehe Handlungsempfehlung zur häuslichen Isolierung  der DEGAM)
    • kein Zutritt von Erkrankten oder COVID-19-Kontaktpersonen zu den Einrichtungen
    • grundsätzliches Tragen von FFP2-Masken im Bewohnerbereich durch alle Berufsgruppen und Besucher*innen.
  • Bei zunehmender Gefahrenlage (z. B. steigende lokale Infektionszahlen) sollte ein tägliches aktives Monitoring auf Symptome einer Atemwegserkrankung erwogen werden – auch bei Geimpften – dazu gehören:
    • Fiebermessen oral, Husten, Kurzatmigkeit, Halsschmerzen, Schnupfen erfragen sowie Sauerstoffsättigung mittels Pulsoxymeter messen.
    • Bei Abfall der Sauerstoffsättigung und fehlenden Hinweisen auf andere organische Ursachen (wie z. B. eine dekompensierte Herzinsuffizienz) sollte eine bisher unerkannte SARS-CoV-2-Infektion erwogen und ein PCR-Test veranlasst werden.
  • Generell: Aktualisierung von Patientenverfügungen

Vorgehen bei Wohnungslosigkeit

Vorgehen bei Neugeborenen und Wöchnerinnen

  • Auch bei V. a. COVID-19 bei der Mutter ist ein baldiger und kontinuierlicher Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt empfohlen.
  • Stillen soll bei SARS-CoV-2-positiven Müttern ermöglicht und unterstützt werden.
  • Dabei sollen empfohlene Hygienemaßnahmen angewendet werden, wie häufiges Händewaschen oder Desinfizieren der Hände vor Kontakt mit dem Baby, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei Kontakt mit dem Baby und beim Stillen. 75

Umgang mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen

  • Das RKI-Dokument Empfehlungen zum Umgang mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen  richtet sich an Ärzt*innen, die eine äußere Leichenschau vornehmen (z. B. Haus- und Notärzt*innen, Bedienstete von Gesundheitsämtern) und sonstiges medizinisches Personal sowie Bestatter*innen, die Kontakt mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen haben.

Meldepflicht

  • Diese Referenz 76 bezieht sich auf den gesamten Abschnitt.
  • Namentlich meldepflichtig ist der Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung sowie der Tod in Bezug auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19).
  • Eine Meldepflicht besteht 9
    • bei jeder laborbestätigten SARS-CoV-2-Infektion (PCR oder Antigen-Schnelltest) 2 sowie 
    • bei folgender Verdachtskonstellation: Symptome UND Kontakt (KP1) mit einem bestätigten COVID-19-Fall.
  • Zur Meldung verpflichtet sind nicht nur Ärzt*innen, sondern auch Angehörige eines anderen Heil- oder Pflegeberufs und Leiter*innen von Einrichtungen (u. a. Schulen, Kindergärten, Senioren- und Pflegeeinrichtungen und sonstigen Massenunterkünften).
  • Beim RKI sind weitere Informationen zur Meldung von Verdachtsfällen  nachzulesen.

Berufskrankheit

  • Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) kommt für COVID-19 „bei Versicherten, die im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig sind oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt waren, die Anerkennung als Berufskrankheit der Ziffer 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung in Betracht."
  • Bei positiver Testung, entsprechenden Krankheitsanzeichen sowie der Vermutung eines Infektionsweges über die berufliche Tätigkeit sollte eine Erstattung einer ärztlichen Berufskrankheitenanzeige erfolgen. 77

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlauf

Symptomatik und klinischer Verlauf allgemein 1

  • Genauere Informationen zu den verschiedenen Manifestations- und Verlaufsformen von COVID-19 finden Sie im Abschnitt Symptome.
  • Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Multiorganversagen.
  • Wie andere respiratorische Erreger kann eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen, einige Betroffene leiden auch an Durchfall.
  • Meist in der zweiten Krankheitswoche kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein beatmungspflichtiges ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) fortschreiten kann, das u. U. eine Sauerstoffaufsättigung des Blutes außerhalb des Körpers (ECMO) erforderlich macht.
  • Inkubationszeit bis zu 14 Tage, im Median 5–6 Tage
  • Zeit vom Symptombeginn bis zum Auftreten einer Pneumonie oder eines ARDS laut RKI bei 4 bzw. 8 Tage
  • Intensivbehandlung dauerte im Median 5 Tage, mechanische Beatmung im Median 10 Tage.
  • Hospitalisierte Patient*innen ohne Intensivbehandlung oder Beatmung waren im Schnitt (Median) 7 Tage hospitalisiert.

Klinischer Verlauf bei Kindern 1

  • Meist asymptomatischer oder milder Krankheitsverlauf
  • Schwere Verläufe sind selten und betreffen insbesondere Säuglinge und Kleinkinder sowie Kinder mit pulmonalen oder kardialen Vorerkrankungen.

Häufigkeiten von asymptomatischen, milden und schweren Verläufen 1

  • 35 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch (47 % bei Kindern und Jugendlichen, 32 % bei Erwachsenen bis 59 Jahren und 20 % bei über 60-Jährigen). 9
  • 45–55 % verlaufen mild bis moderat. 9
  • 15 % der Infizierten müssen stationär aufgenommen werden. 9
  • Davon 33 % auf Intensivstation 1
  • 20 % der Hospitalisierten wurden beatmet (Altersmedian 73 Jahre). 1
  • Klinische Prädiktoren für einen schweren Verlauf 21
    • Alter > 50 Jahre
    • männliches Geschlecht
    • Persistenz von Fieber (mit Antipyretika häufig kaum zu beeinflussen)
    • ausgeprägte Lymphopenie, Erhöhung von LDH und Troponin
  • Prädiktoren für eine erhöhte Mortalität bei hospitalisierten Patient*innen 18
    • Hypalbuminämie bei Klinikaufnahme
    • Anstieg der alkalischen Phosphatase im Verlauf
  • Schwangere
    • Haben vergleichsweise seltener Symptome, aber ein leicht erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf im Vergleich zu Nicht-Schwangeren. Todesfälle sind selten. 1, 10
    • In einer Metaanalyse von Beobachtungsstudien mit 438.548 Schwangeren zeigte sich ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie (OR 1,33). Frühgeburten (OR 1,82) und Totgeburten (OR 2,11) traten ebenfalls gehäuft auf. Bei schwerem Krankheitsverlauf sind die Risiken deutlich höher. 78
    • Risikofaktoren für einen schweren Verlauf: Alter der Mutter, starkes Übergewicht, vorbestehender Bluthochdruck, Gestationsdiabetes und Präeklampsie 1
  • Infektionen mit der Omikron-Variante verlaufen weniger schwer als Infektionen mit der Delta-Variante. 3

Komplikationen

  • Sepsis
  • Ateminsuffizienz
  • ARDS
  • Neurologische Symptome/Ausfälle 79
  • Tiefe Venenthrombosen und Lungenembolie 80
  • Verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen und -Folgeerkrankungen 1
  • Nierenversagen
  • Neues Auftreten eines Diabetes mellitus 
    • Entgleisung eines bereits bestehenden Diabetes mellitus
  • Psychosoziale Folgen von Quarantäne und Kontaktreduzierung laut BMBF 
    • Angstzustände
    • Schlafprobleme
    • somatoforme Symptome
    • depressive Symptome
    • andere psychosoziale Probleme (familiäre Konflikte etc.)
  • Häusliche Gewalt
    • Laut Kriminalstatistik des BKA zu Gewalt in der Partnerschaft stieg die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um 4,4 % an (Hellfeld, Dunkelziffer nicht bekannt). 82
    • Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen berichtet für das Jahr 2020 einen Anstieg telefonischer Beratungen um 15 %. 83
  • Folgen der Public-Health-Maßnahmen
  • Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) 1
  • Schwangerschaftskomplikationen
    • In einer Metaanalyse von Beobachtungsstudien mit 438.548 Schwangeren zeigte sich ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie (OR 1,33). Frühgeburten (OR 1,82) und Totgeburten (OR 2,11) traten ebenfalls gehäuft auf. Bei schwerem Krankheitsverlauf sind die Risiken deutlich höher. 78

Prognose

Allgemeine Informationen zur Prognose von COVID-19

  • Die Letalität beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der (tatsächlich) erkrankten/infizierten Fälle (Infection Fatality Rate, IFR). 9
    • Die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen ist unbekannt und deutlich höher als die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle. 1
    • Nur der Fall-Verstorbenen-Anteil kann zuverlässig berechnet werden, z. B. als Quotient der gemeldeten Sterbefälle und der Zahl der gemeldeten Fälle (Case Fatality Rate, CFR). 1, 9
  • Angaben laut RKI für Deutschland (gilt nicht für die Omikron-Variante) 
    • Fall-Verstorbenen-Anteil: 1,8 %
    • näherungsweise Schätzung der Infektionssterberate: etwa 0,4–0,9 % 1
    • Von den intensivpflichtigen Erkrankten verstarben 30 %, von den beatmeten 36 %. 1
    • Von allen Todesfällen seit Woche 10/2020 waren 84 % 70 Jahre und älter (Anteil der über 70-jährigen an den COVID-19-Fällen 8 %). 5
  • Einer Lancet-Publikation zufolge lag die Letalität bei 1.035 Patient*innen aus 36 verschiedenen Ländern, die mittels ECMO therapiert wurden, bei knapp unter 40 %. 84
  • Bei Kindern scheint die Erkrankung vergleichsweise selten aufzutreten und dann mild zu verlaufen.
    • schwere oder gar kritische Verläufe nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen 2
  • Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf (mit Aufnahme auf eine Intensivstation und für invasive Beatmung). 52
  • Eine Auswertung des deutschlandweiten Obduktionsregisters mit 1.129 obduzierten COVID-19-Patient*innen kam zu dem Schluss, dass 86 % der obduzierten Personen an COVID-19 verstorben sind und 14 % mit COVID-19. 85

Exzess-Mortalität

  • Daten zur Mortalität werden von 27 europäischen Staaten an das EuroMOMO-Projekt gemeldet. Damit kann die Exzess-Mortalität (unabhängig von der Todesursache erfasst werden (siehe euromomo.eu ).
  • Zahlen für Deutschland liefert auch das Statistische Bundesamt DESTATIS .
  • Siehe auch RKI-Tabelle Todesfälle nach Sterbedatum 

Einflussfaktoren auf die Prognose

  • Siehe auch Risikofaktoren im Abschnitt Anamnese.
  • Eine vollständige Impfung schützt nachweislich vor Erkrankung, Hospitalisierung und schweren Verläufen. 52
  • Laut der dänischen Nationalkohorte (n = 11.122; 80 % ambulant betreut) beträgt das Sterberisiko bei Abwesenheit von Vorerkrankungen (gilt nicht für Omikron): 9
    • im Alter von 50–59 Jahren 0 % (bzw. 1–8 %)*
    • im Alter von 60–69 Jahren 1 % (bzw. 5–11 %)*
    • im Alter von 70–79 Jahren 4 % (bzw. 14–29 %)*
    • im Alter von 80–89 Jahren 4 % (bzw. 23–36 %)*
    • und im Alter von über 90 Jahren 37 % (bzw. 44–51 %)*.
      * in Klammern Werte für das Sterberisiko mit 1–4 Vorerkrankungen
  • Laut einer internationalen Kohortenstudie erhöht eine Infektion mit SARS-CoV-2 die postoperative Sterblichkeit. Diese lag auch bei elektiven Eingriffen bei 18,9 % (25,6 % bei Notfalloperationen). 86
  • In Deutschland ist die Sterblichkeit in sozial stark benachteiligten Regionen deutlich erhöht gegenüber Regionen mit geringer sozialer Benachteiligung. 87
  • Menschen mit Trisomie 21 haben ein deutlich erhöhtes Sterberisiko bei COVID-19. 88
  • Laut britischen Daten ist die Sterblichkeit bei einer Infektion mit der Omikron-Variante im Vergleich zur Delta-Variante um 67 % reduziert. 89   

Langzeitfolgen: Post-COVID/Long-COVID

Definition

  • Anhaltende Beschwerden, die jenseits einer Zeitspanne von 4 Wochen ab Infektion als Long-COVID oder post-akute Folgen von COVID-19 (Post-acute Sequelae of COVID-19) und bei Persistenz von mehr als 12 Wochen als Post-COVID-Syndrom bezeichnet werden.
  • Die Häufigkeit des Post-COVID-Syndroms variiert je nach untersuchter Patientenpopulation und ist über alle Patient*innen hinweg mit einer Häufigkeit von bis zu 15 % anzunehmen.
    • Während die Prävalenz von Long-/Post-COVID-Symptomen nach schweren Verläufen häufiger ist, zeigen sich im Niedrigprävalenzbereich in 13,3 % der testpositiven Studienteilnehmer*innen Symptome ≥ 28 Tage, bei 4,5 % ≥ 8 Wochen und bei 2,3 % ≥ 12 Wochen Dauer. Allerdings kann dies auch bei Patient*innen mit initial milder SARS-CoV-2-Infektion auftreten.
    • Dabei werden sehr häufig Fatigue, Luftnot und sowohl eingeschränkte körperliche wie auch geistige
      Leistungsfähigkeit beschrieben.
  • Eine der folgenden 4 Kategorien kann herangezogen werden, um ein Post-/Long-COVID zu diagnostizieren:
    1. Symptome, die aus der akuten COVID-19-Phase oder deren Behandlung fortbestehen.
    2. Symptome, die zu einer neuen gesundheitlichen Einschränkung geführt haben.
    3. Neue Symptome, die nach dem Ende der akuten Phase aufgetreten sind, aber als Folge der COVID-19-Erkrankung verstanden werden.
    4. Verschlechterung einer vorbestehenden Grunderkrankung.

Wichtigste Empfehlungen

Diagnostik
  • Wenn (neu aufgetretene) Symptome oder Beschwerden nach einer überstandenen SARS-CoV-2-Infektion den Verdacht auf ein Post-/Long-COVID-Syndrom lenken, sind immer auch andere Differenzialdiagnosen zu bedenken und ggf. auszuschließen.
  • Nach primärärztlicher Basisdiagnostik sollte bei fehlender klinischer Verschlechterung den Betroffenen zunächst ein abwartendes Vorgehen unter primärärztlicher Betreuung und Behandlung empfohlen werden.
  • Bei Warnhinweisen in der Basisdiagnostik sowie einer evtl. klinischen Verschlechterung oder Unklarheiten sollte den Betroffenen eine vertiefende Diagnostik und/oder eine Überweisung zu Organspezialist*innen angeboten werden.
  • Die Diagnose eines Post-/Long-COVID-Syndroms kann weder durch eine einzelne Laboruntersuchung noch durch ein Panel an Laborwerten diagnostiziert bzw. objektiviert werden. Ebenso schließen normale Laborwerte ein Post-/Long-COVID-Syndrom nicht aus.
  • Eine weiterführende spezialärztliche Abklärung kann angezeigt sein, wenn nach durchgemachter SARS-CoV-2 Infektion Einschränkungen länger als 3 Monate persistieren.
  • Patient*innen mit schwerer Lungenbeteiligung können (nahezu) komplett rekonvaleszieren. Bei anhaltender Symptomatik, z. B. 3 Monate, sollte jedoch eine pneumologische Diagnostik initiiert werden.
Therapie
  • Gesicherte therapeutische Interventionen beim Post-/Long-COVID sind nicht bekannt.
  • Die Effektivität einer therapeutischen Vakzinierung bei Patient*innen mit Post-COVID ist nicht gesichert.

Empfehlungen der DEGAM im Rahmen dieser Leitlinie

Allgemeines
  • Bei Belastungsintoleranz sollte eine Überlastung, die zu Zunahme der Beschwerden führen kann (sog. Post Exertional Malaise, PEM), vermieden werden.
  • Es sollte eine psychosomatische Grundversorgung angeboten werden.
  • Es sollten eine symptomorientierte Therapie und psychosoziale Betreuung initiiert werden.
  • Die Koordination der fakultativ erforderlichen spezialisierten Behandlung mit evtl. erneuter stationärer Therapie bzw. rehabilitativen Maßnahmen sollte angeboten werden.
  • Die Absprache mit nichtärztlichen Leistungserbringern im Gesundheitswesen sollte ggf. initiiert werden.
  • Es sollte eine engmaschige Zusammenarbeit mit Behörden, Ämtern, Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern angestrebt werden.
  • Eine Heilmittelversorgung sollte bei Bedarf initiiert werden.
Diagnostik
  • Empfehlungen für die Basisdiagnostik (unter Berücksichtigung bekannter Komorbiditäten)
    • Blutdruck, Herzfrequenz, Temperatur, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung
    • Labor: BB, CRP, Kreatinin, Harnstoff, Transaminasen, TSH, Urin-Stix (fakultativ: CK, Troponin, Ferritin, D-Dimere, NT-proBNP, ggf. Autoantikörper)
    • Screening-Fragen zu Fatigue, anhaltender körperlicher Erschöpfung, Belastungsintoleranz/PEM (eines der häufigsten Symptome in den meisten Post-/Long-COVID-Studien), Schmerzen, kognitiven Störungen, depressiven Verstimmungen und Angststörungen.
Spezielle Fragestellungen
  • Fatigue
    • In der klinischen Untersuchung ist besonders auf auffällige Lymphknoten, abdominellen Tastbefund und Veränderungen in Muskelkraft, -trophik, -tonus und Eigenreflexe sowie kognitive Leistungsminderung bzw. psychische Symptome (Depressivität, Ängste) zu achten.
    • Es sollte gefragt werden, ob die Fatigue zu relevanten Einschränkungen im Alltag und Berufsleben führt und ob weitere Symptome wie Schlafstörung, Depression, Angst, Belastungsintoleranz, kognitive Störungen, orthostatische Intoleranz und Schmerzen vorliegen.
    • Bei V. a. CFS sollte eine Überweisung zur Neurologie erfolgen.
  • Dyspnoe
    • Bei den Patient*innen stark beeinträchtigenden Symptomen (insb. nach einem schweren Verlauf) sollte unter Zuhilfenahme der Vorbefunde die Basisdiagnostik erweitert werden mit Labor, Lungenfunktionsanalyse, SpO2, D-Dimere, EKG, evtl. Röntgen-Thorax.
    • Wenn es hier keine Warnhinweise gibt und alles unauffällig ist, dann abwartendes Offenhalten und Wiedervorstellung.
  • Kopfschmerzen
    • Bei fehlenden Warnhinweisen sollte eine Reevaluation nach spätestens 4 Wochen vorgenommen werden.
  • Riech- und Schmeckstörungen
    • Sollten die Symptome länger als 4 Wochen andauern und sich zusätzlich noch neurologische oder andere spezifische Begleitsymptome einstellen, ist eine spezialisierte Diagnostik in Erwägung zu ziehen.
  • Allgemeine Schmerzen
    • Schmerzen (insbesondere im Thoraxbereich, aber auch allgemeine Muskelschmerzen) sind ein häufiges Syndrom 
      nach COVID-19.
    • Die meisten dieser Symptome verringern sich innerhalb von 2–6 Monaten.
    • Eine primärärztliche multimodale und symptomorientierte Diagnostik unter Berücksichtigung abwendbar gefährlicher Verläufe sollte erfolgen.
    • Bei der medikamentösen Therapie sollte darauf geachtet werden, das WHO-Stufenschema einzuhalten, wobei die Leitlinie zu Opioiden bei nichttumorbedingten Schmerzen beachtet und potenziell abhängig machende Substanzen 
      vermieden werden sollten.
    • Neben der medikamentösen Therapie sollte aber auch die physikalische Medizin und die psychosomatische Behandlung der Schmerzen im Vordergrund stehen.
  • Psychische Beschwerden
    • Bei ausgeprägter Symptomatik, ausbleibender Besserung über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder erheblichen ungünstigen psychosozialen Einflussfaktoren sollte eine spezialisierte psychosomatische oder psychiatrische Mitbehandlung und/oder Maßnahmen wie Ergo- oder Entspannungstherapie angeboten werden oder auch eine psychosomatische Rehabilitation.
  • Bei geriatrischen Patient*innen
    • Es sollte eine regelmäßige Überprüfung der Vitalparameter, aber auch der kognitiven Funktionen erfolgen.
    • Bei Hinweisen auf Verschlechterung sollten u. a. Sauerstoffsättigung, D-Dimere, das Blutbild (Lymphopenie), Kreatinin und die Elektrolyte kontrolliert werden.
    • Sowohl die Angehörigen als auch die Sozial- und Pflegedienste, Physio- und Ergotherapeut*innen und Logopäd*innen sollten frühzeitig mit eingebunden werden.
Therapie
  • Die Therapie orientiert sich an den Symptomen. Für eine spezifische Therapie gibt es bislang noch keine wissenschaftlich belastbaren Belege.

Verlaufskontrolle/Rehabilitation

Nachuntersuchungen

  • Bei Patient*innen mit stationär behandelter COVID-19-Erkrankung sollte nach 8–12 Wochen eine Nachuntersuchung bezüglich Langzeitfolgen erfolgen.
  • Idealerweise sollte dies im Rahmen von Registern oder Studien erfolgen.
  • Das „Post-COVID-19-Syndrom" kann unabhängig von der Schwere der Erkrankung auftreten, also auch bei Patient*innen, die nur leicht erkrankt waren und ambulant behandelt wurden.
  • Alle nachweisbaren Organveränderungen nach COVID-19 sollten Anlass zu einer für die jeweilige Erkrankung empfohlenen Diagnostik und evtl. Therapie geben.

Rehabilitation

Empfehlung für die Wiederaufnahme von Freizeitsport

  • Die Autor*innen des BMJ haben hierzu einen „Practice Pointer" mit folgenden Empfehlungen herausgegeben: 90
    • Das individuelle Risiko von Patient*innen nach einer COVID-19-Erkrankung soll beurteilt werden, bevor eine Empfehlung zur Wiederaufnahme sportlicher Betätigung ausgesprochen wird.
    • Patient*innen mit weiter bestehenden Symptomen oder Personen, die einen schweren Verlauf von COVID-19 hatten, der auf eine Herzbeteiligung hinweist, benötigen eine genauere klinische Abklärung.
    • Nach einer körperlichen Untersuchung sollte, abhängig von der Schwere der Symptome, ein 12-Kanal-EKG durchgeführt werden.
    • Bei pathologischem Befund sollte eine Troponin-Bestimmung und eine Überweisung/Einweisung in die Kardiologie zum Herzecho erfolgen.
    • Erst nach 7-tägiger Symptomfreiheit soll eine sportliche Betätigung wieder aufgenommen werden. Dabei soll für 2 Wochen nur auf der geringsten Belastungsstufe trainiert werden.
    • Patient*innen sollten dabei auf ihre Belastbarkeit achten und bei Symptomen wie übermäßige Erschöpfung, Atemnot oder Herzrasen ärztliche Hilfe suchen.

Empfehlungen für Wettkampfsportler*innen

  • DEGAM: Es wird empfohlen (nicht evidenzbasiert), für 6 Monate nach überstandener COVID-19-Erkankung keinen Leistungssport zu betreiben. 9
  • JAMA-Autor*innen (Mitglieder des American College of Cardiology's Sports & Exercise Cardiology Council) schlagen ein strukturiertes Vorgehen vor der Wiederaufnahme sportlicher Betätigungen nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung für Wettkampfsportler*innen und sportlich hoch aktive Personen vor.
  • So soll myokardialen Schädigungen vorgebeugt werden: 91
    • asymptomatischer Verlauf
      • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Virusnachweis
      • langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung
      • Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung
    • milde oder moderate Symptome
      • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Symptomfreiheit
      • dann Troponin
      • 12-Kanal-EKG, Herzecho
      • abhängig von den Befunden evtl. weitere Diagnostik
      • bei unauffälligen Befunden langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung, Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung
      • bei Hinweisen auf eine kardiale Beteiligung Vorgehen wie bei einer Myokarditis
    • Deutliche Symptome, hospitalisiert: In der Klinik Troponin, kardiale Bildgebung erwägen.
    • bei pathologischen Befunden: Vorgehen wie bei einer Myokarditis
    • bei fehlenden Hinweisen auf myokardiale Beteiligung während des Klinikaufenthalts:
      • kein Training für mindestens 2 Wochen nach Symptomfreiheit
      • Dann kardiologische Diagnostik erwägen, wenn sie nicht in der Klinik erfolgt ist.
      • bei unauffälligen Befunden langsamer Trainingsbeginn unter medizinisch-fachlicher Anleitung, Beobachtung hinsichtlich klinischer Verschlechterung

Patienteninformationen

Worüber sollten Sie die Patient*innen informieren?

  • Empfehlungen des RKI für Reiserückkehrer*innen: Informationen für Reisende in verschiedenen Sprachen 
  • In Hinblick auf Hygieneregeln beraten:
    • AHA+L+A-Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften, App (Corona-Warn-App)
  • Personen, die einen engen Kontakt mit einer Person hatten, bei der SARS-CoV-2 im Labor nachgewiesen wurde, sollten Kontakte zu anderen Personen vermeiden und insbesondere bei respiratorischen Symptomen telefonisch ärztlichen Rat einholen oder sich mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.
  • Wenn das Gesundheitsamt hinzugezogen wurde: Bei Kontakt zu einer infizierten Person die Anweisungen des Gesundheitsamtes befolgen.

Patienteninformationen in Deximed

Weitere Informationen für Patient*innen

Quellen

Empfehlungen und Informationsmaterial für die Hausarztpraxis

Impfung gegen COVID-19

Quarantäne und Isolierung

Antigentest

Fallzahlen und Statistiken

Corona-Warn-App

Meldepflicht

Stationäre Versorgung

Versorgung in Senioren- und Pflegeeinrichtungen

Versorgung bei Wohnungslosigkeit

Ambulante Pflegedienste

Berufliche und arbeitsrechtliche Aspekte

Wissenschaftliche Stellungnahmen und Publikationen

Leitlinien

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). SARS-CoV-2/Covid-19-Informationen & Praxishilfen für niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte. AWMF-Leitlinie Nr. 053-054. S2e, Stand 04.02.2022 (Version 22). www.degam.de 
  • Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19. AWMF-Leitlinie Nr. 113-001. S3, Stand 28.02.2022. www.awmf.de 
  • Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Post-COVID/Long-COVID. AWMF-Leitlinie Nr. 020-027. S1, Stand 12.07.2021. www.awmf.de  
  • Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie. Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 018-037. S1, Stand 01.02.2022. www.awmf.de 
  • Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Therapie von Patient*innen mit COVID-19 aus palliativmedizinischer Perspektive. AWMF-Leitlinie Nr. 128-002. S1, Stand 29.06.2021. www.awmf.de 
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Neurologische Manifestation bei COVID-19-Patient*innen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-144. S1, Stand 20.12.2021. www.awmf.de 
  • Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft. Soziale Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie. AWMF-Leitlinie Nr. 184-001. S1, Stand 10.08.2020. www.awmf.de 
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen – Lebende Leitlinie. AWMF-Leitlinie Nr. 027-076. S3, Stand 25.11.2021. www.awmf.de 
  • Deutsche Gesellschaft für Infektiologie. SARS-CoV-2 Prä-Expositionsprophylaxe. AWMF-Leitlinie Nr. 092-002. S1, Stand 09.05.2022. www.awmf.de  

Literatur

  1. RKI. Epidemiologischer Steckbrief zu SARS-CoV-2 und COVID-19. Stand 26.11.2021 (letzter Zugriff am 29.11.2021).www.rki.de  

  2. RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2 / Krankheit COVID-19. Stand 02.05.2022 (letzter Zugriff am 03.05.2022).www.rki.de  

  3. RKI. SARS-CoV-2: Virologische Basisdaten sowie Virusvarianten. Stand 25.3.2022 (letzter Zugriff am 28.03.2022).www.rki.de  

  4. RKI. Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) Stand 16.05.2022 (letzter Zugriff am 16.05.2022).www.rki.de  

  5. RKI. Wöchentlicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) Stand 12.05.2022 (letzter Zugriff am 16.05.2022).www.rki.de  

  6. Besorgniserregende SARS-CoV-2-Virusvarianten (VOC). Stand 20.04.2022 (letzter Zugriff am 25.04.2022).www.rki.de  

  7. RKI. Risikobewertung zu COVID-19. Stand 14.01.2022 (letzter Zugriff am 17.01.2022).www.rki.de  

  8. aerzteblatt.de. Medizinische Debatte um Genesenenstatus: Wie gut sind Omikron-Infizierte geschützt? Montag, 7. Februar 2022.www.aerzteblatt.de  

  9. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). SARS-CoV-2/Covid-19-Informationen & Praxishilfen für niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte. AWMF-Leitlinie Nr. 053-054. S2e, Stand 04.02.2022, Version 22.www.degam.de  

  10. BMJ Best Practice. Coronavirus disease 2019 (COVID-19). Epidemiology (letzter Zugriff am 11.11.2020).bestpractice.bmj.com  

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  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
  • Guido Schmiemann, PD Dr. med., Facharzt für Allgemeinmedizin, Universität Bremen (Review)